Lehrerprotest und Schelte für Schmied

KARL ETTINGER UND JULIA NEUHAUSER (Die Presse)

Die Gewerkschaftschef warnt vor einer Schul-„Zerstörung“. Koalitionsintern noch im Gang war das Ringen um den Ausbau der Ganztagsschulen. Der Rechnungshof kritisiert das Ministeriumsbildungsinstitut.

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Wien. Vor der Regierungsklausur heute, Freitag, ist Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) gleich an mehreren Fronten mit Widerstand und Kritik konfrontiert: vonseiten der Lehrergewerkschaft wegen der Pläne für ein neues Dienstrecht mit längerer Anwesenheit in den Schulen, vonseiten des Koalitionspartners wegen der Mittel für den Ausbau der Ganztagsschulen bis 2018 und vonseiten des Rechnungshofs, der das vom Ministerium eingerichtete Bundesinstitut für Bildungsforschung (BIFIE) „zerpflückt“.

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Während das Wirtschafts- und Arbeitsmarktpaket für die Klausur geklärt ist, sorgt das Bildungspaket bis zuletzt für Hektik. Im Wirtschaftsbereich besteht Einvernehmen über Erleichterungen für Firmengründungen, eine „GmbH neu“ für kleinere Unternehmen und einen Gründerfonds.

Hinsichtlich der Schulen ging es noch am Donnerstag rund. Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Lehrer an berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (BMHS), Jürgen Rainer, machte gegenüber der „Presse“ seinem Unmut Luft, dass unter Federführung Schmieds eine Punktation der Regierung zum neuen Lehrerdienstrecht geplant war. Einer der Punkte: Lehrer sollen 24 Stunden pro Woche in der Schule anwesend sein.

 

Angst um 5000 Posten für Pädagogen

Dabei gehe es eigentlich um eine Erhöhung der Unterrichtsverpflichtung, so Rainer, denn schon jetzt seien Pädagogen 30 Stunden und mehr pro Woche in den Schulen anwesend. Die Folge sei, dass allein den BMHS „mindestens 5000 Lehrerarbeitsplätze“ verloren gingen.

Für die BMHS warnt deren Gewerkschaftschef, der im Verhandlungskomitee bei den laufenden Gesprächen mit dem Unterrichtsressort mit am Tisch sitzt, dass das Modell in Kombination mit dem vorbereiteten neuen Studiensystem die BMHS „zerstören“ würde. „Wir bekommen schon heute schwer Maschinenbauer, Elektroniker, Bautechniker.“ Als 40-jähriger Diplomingenieur mit knapp mehr als 2000 Euro brutto als Lehrer zu beginnen, würden sich viele überlegen. Nach dem Stand vom Donnerstag war die Regierung von der Punktation zum Dienstrecht bereits wieder abgegangen.

Koalitionsintern noch im Gang war das Ringen um den Ausbau der Ganztagsschulen: Die SPÖ und Schmied forderten dafür bis 2018 je 160 Millionen Euro jährlich nach bisher 80 Millionen. Noch nicht akkordierte Kompromissvariante: 80 Millionen bis 2016 sind fix, gemeinsam mit Ländern und Gemeinden soll ein genauer Ausbauplan bis 2018 entwickelt werden.

BIFIE: Kosten doppelt so hoch als geplant

Unter Beschuss gerät Ministerin Schmied auch durch den Rechnungshofbericht. Darin wird kein gutes Haar am 2008 vom Ministerium ausgelagerten Bildungsinstitut BIFIE gelassen. Die durch die Auslagerung erhoffte Effizienzsteigerung sei nämlich „nicht feststellbar“. Der Rechnungshof empfiehlt daher zu evaluieren, ob die an das BIFIE übertragenen Aufgaben nicht auch vom Ministerium erledigt werden könnten.

Größter Kritikpunkt des Rechnungshofs: die exorbitant gestiegenen Kosten. Bereits im Jahr der Ausgliederung wurde dem BIFIE mehr Geld zugeschossen als vereinbart. Innerhalb von drei Jahren erhöhten sich die Zahlungen des Ministeriums an das BIFIE um mehr wie das Doppelte und zwar von geplanten 7,36 Millionen Euro auf 15,12 Millionen. Laut Rechnungshof wurden dabei Leistungen extra bezahlt, die eigentlich zu den Kernaufgaben des Instituts gehören. Als Vorwurf sieht man diese Fakten am BIFIE selbst aber nicht. Die Kosten seien nur deshalb dermaßen gestiegen, da das Institut immer neue Aufgaben erhalten habe.

Harte Worte findet der Rechnungshof in seinem Bericht auch für das Direktorium des Bildungsinstitutes: Dieses verfüge nur über eine „schwach ausgeprägte kaufmännische Kompetenz“. Bilanzpolizei Seite 17

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.11.2012)

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13 Kommentare

150.000 EUR Jahresbruttogehalt für einen BIFIE-Direktor

Ich bin fassunglos ... nachzulesen unter http://www.bmukk.gv.at/service/b... bifie.xml. Und künftige Lehrkräfte lässt man trotz fast unverändert langer Ausbildung (4 Jahre anstatt 4,5) zum Gehalt von Nichtakademikern arbeiten, bürdet ihnen eine höhere Arbeitszeit auf und lässt sie "nebenbei" auch noch den Master machen, ohne den es keine Fixanstellung geben soll.

16

Prostituierte haben einen höher gesellschaftlichen Status

als Lehrkräfte - da sieht man, wie erfolgreich die SPÖ-Bildungspolitik ist.

11

Die großteils weibliche Lehrerschaft jubelt über eine

30%ige Erhöhung der Unterrichtszeit und einer Lohnsenkung um ca 20 %.
In 10 Jahren können sich die Klugschei*er und Besserwisser selbst hineinstellen.

Recherchieren Sie genauer!

Ein Gymnasiallehrer in Bayern hat 24 Stunden Lehrverpflichtung (mit dem Anspruch auf baldige "Verbeamtung"), ein österreichischer Kollege 20 Stunden (seit 12 Jahren keine "Verbeamtung" mehr).
Gehalt (brutto):
Bayern: rund Euro 3.000,--
Österreich: rund Euro 2.100,--

in Bayern stehen Lehrer 28h in der klasse!

Österreich ist ein schlechter Witz!

Re: in Bayern stehen Lehrer 28h in der klasse!

Dazu kommen allerdings auch noch unbezahlte Supplierstunden.
Die kann Frau Schmied künftig wohl vergessen.

Re: in Bayern stehen Lehrer 28h in der klasse!

Recherchieren Sie bitte genauer:
Die Lehrverpflichtung an einem bayerischen Gymnasium liegt bei 24 Wochenstunden, das Einstiegsgehalt (brutto) rund 1000,-- (tausend) Euro höher als derzeit in Österreich bei 20 Wochenstunden Lehrverpflichtung.

Re: in Bayern stehen Lehrer 28h in der klasse!

Und haben Sie sich auch schon mal die Einstiegsgehälter dort angesehen? Davon können Lehrer hier nur träumen.

Es ist schlichtweg Wahnsinn, was die Regierung vorhat. Ein vierjähriges Bachelorstudium sowie ein anschließendes berufsbegleitendes Masterstudium bei gleichzeitiger Erhöhung der Lehrverpflichtung und Kürzung der Lebensverdienstsumme.

Jeder vernünftige Mensch wird den Lehrberuf meiden und etwas anderes studieren.

Was sagt der Staatsanwalt?

Laut Rechnungshof wurden dabei Leistungen extra bezahlt, die eigentlich zu den Kernaufgaben des Instituts gehören.
Vielleicht machen das in Zukunft auch die Lehrer. Wer etwas wissen will, muss zahlen.

das nächste mal

bild verkleinern.

Re: das nächste mal

anderes Bild wär noch besser ...

kosten doppelt so hoch als geplant

angesehen davon, dass es nicht "als" heisst...

das doppelte von der planung ist inzwischen die norm in österreich, aber immer nur ausgabenseitig...

Re: kosten doppelt so hoch als geplant

Bei Parteien und Politikern verdoppelt sich auch gelegentlich die Einnahmenseite.

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