Bildungsstandards: Schlechte Leistungen in Wien erwartet

 (Die Presse)

Am Dienstag werden die Ergebnisse präsentiert. Die Neuen Mittelschulen werden nicht gesondert ausgewiesen. Ein Punkt, an dem sich die Kritiker stoßen.

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Wien/Beba. Offiziell präsentiert werden die Bildungsstandards erst am Dienstag, inoffiziell sorgen sie allerdings bereits jetzt für Wirbel. Mit ersten kolportierten Zahlen prescht die Wiener ÖVP vor: Man habe von gut informierter Quelle aus dem Unterrichtsministerium erfahren, dass 86Prozent der Hauptschüler in Wien die Standards nicht erreicht hätten, sagt VP-Gemeinderätin Isabella Leeb. Das bestätige einmal mehr, dass Wien ein „massives Bildungsproblem“ habe. Eines, das sich durch Austauschen der Türschilder – Stichwort Neue Mittelschule – nicht lösen lasse.

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Das Büro von Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SP) dementiert die Zahlen als „völlig frei erfunden“ – die Episode zeigt aber, welche politische Sprengkraft die Bildungsstandards haben, für die erstmals die Mathematikkenntnisse aller Schüler der achten Schulstufe getestet wurden. Denn nicht nur die Schüler stehen auf dem Prüfstand, sondern auch unterschiedliche Schultypen – die Neue Mittelschule (NMS) allerdings nicht.

 

Rechnungshof: Zu viele Kleinstschulen

So werden Ergebnisse von AHS-Unterstufe und Pflichtschulen – jeweils nach Bundesländern sowie österreichweit – gesondert veröffentlicht. Die Ergebnisse der NMS finden sich aber in einem Topf mit jenen der Hauptschulen. Ein Punkt, an dem sich die Kritiker stoßen: Schmied fürchte offenbar, dass ihr Prestigeprojekt nicht gut genug abschneide. Das Ministerium argumentiert das mit der bisher geringen Anzahl der Neuen Mittelschulen: Ein gesondertes Ergebnis sei noch nicht aussagekräftig. Zudem bestehe die Gefahr, dass man bei wenigen Schulen Rückschlüsse auf einzelne Standorte ziehen könne.

Auch Schulrankings will Schmied dezidiert verhindern – was ihr einen anderen Vorwurf einbringt: Es fehle an Transparenz für die Eltern. Konkret sollen nur die Schüler ihre eigenen Ergebnisse erhalten, Lehrer anonymisierte Rückmeldungen für ihre Klassen, Direktoren einen allgemeinen Teil und die Ergebnisse der Klassen. In Schulnoten oder die Bewertung der Lehrer fließen die Bildungsstandards nicht ein, sie sollen vielmehr eine Qualitätsentwicklung in Klasse und Schule in Gang setzen.

Geht es nach dem Rechnungshof (RH), soll es manche Schulen bald nicht mehr geben: Österreich leiste sich zu viele Kleinschulen. Der RH fordert, dass Standorte verpflichtend geschlossen werden müssen, sobald sie die Mindestschülerzahl unterschreiten. Derzeit werden viele Schulen trotz zu geringer Schülerzahl weitergeführt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.12.2012)

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15 Kommentare

Entlarvend

Bei Rot und Grün wird viel zu viel vom Lernen gesprochen. In Wirklichkeit wird unser im Prinzip gutes Schulsystem sukzessive zerstört. Kein Wunder, wenn die Bildungsstandards nicht erreicht werden. Was soll denn mit der neuen Mittelschule besser werden? Gar nichts. Auch HAS und HAK neu werden nicht der große Wurf sein.

Die NMS ist Selbstbetrug - das darf natürlich nicht auffliegen.


NMS

Die Erfinderin der NMS, Fr. Schmied, müsste eigentlich alles dransetzen, die NMS extra herausrechnen zu lassen, um ganz objektiv zeigen zu können, dass diese Schule die beste Schulform ist und man damit "Zukunft gestalten" kann- oder etwa nicht. Wieso tut sie das nicht? In Wien und auch anderswo müsste man außerdem einmal fragen, wie viele diesen Test überhaupt ernsthaft ausgefüllt haben. Auch die Kinder sind nicht blöd und lassen sich für alles instrumentalisieren.

In Salzburg und in Wien - die Spekulanten versuchen alles

zu verschleiern.

wo ist kurz?

Wann meldet sich Kurz endlich wieder mit sinnvollen, zukunftsorientierten Vorschlägen? Die bisherigen politisch-gewerkschaftlichen Argumente sind gesellschaftspolitisch phantasielos, da sie kein Potenzial für eine bessere Zukunft unseres Landes bereithalten. Stillstand heißt in dieser Zeit Untergang!

Ist doch völlig wurscht - Hauptsache, die Kinder wählen später richtig.


Wettbewerb

Wir machen ein sündteures Rennen und bei der Siegesfeier sagen wir "Es waren eh alle lieb" (Pädagogische Strategien 2012 des Ministerbüros am Minoritenplatz mit dem stinkenden Kopf des Fisches)

Re: Wettbewerb

Und weil alle so lieb sind, und die Schulpolitik es so will, werden alle durch die Pflichtschuljahre durchge-wunken.Und weil abweichende Meinungen oder gar konstruktive Kritik nicht erwünscht sind, wird besonders im Oberhaus immer schon so laut gejubelt, dass von denen da unten nichts mehr zu hören ist. Früher sagte man Realitätsverweigerung dazu.

Denn nicht nur die Schüler stehen auf dem Prüfstand, sondern auch unterschiedliche Schultypen – die Neue Mittelschule (NMS) allerdings nicht.

Warum wohl??

Fragen sie die "allerbeste Unterrichtsministerin" aller Zeiten.

die nms

werden nicht gesondert ausgewiesen. das wundert mich nicht, bei dieser chaosschule.

Re: die nms

Die Wirtschaftstreibenden wissen aber bereits, was auf sie zukommt.

Re: Re: die nms

Sind Sie sich da ganz sicher, wirneue? Ich befürchte, die wissen noch nicht wirklich, was da auf sie zukommt.

Re: die nms

hauptsache, die ahs-ust wird ausgehungert!

eh klar

es tut Kindern ja ungemein gut in riesigen Betonblöcken mit 500 anderen unterrichtet zu werden. Wahrscheinlich gingen die Rechnungshofleute in kleine Privatschulen und wissen gar nicht, wovon sie reden. Wie halt immer. hauptsache die Kasse stimmt. die Kinder sind sowieso allen wurscht.

Re: eh klar

Bei uns traut sich halt niemand ein Buch wie Buschkowski (Neukölln ist überall) schreiben: "Geistesfreiheit und Meinungsvielfalt finden meist nur Akzeptanz, wenn sie mit den eigenen Koordinaten kompatibel sind" Zitatende.

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