23.05.2012 07:53 | Meine Presse Merkliste 0

Ende der Kreidezeit: Digitale Tafeln auf dem Vormarsch

JULIA NEUHAUSER (Die Presse)

Hightech-Tafeln sollen den Spaß am Lernen und die Qualität des Unterrichts steigern. Medienpädagogen sehen aber auch viele Nachteile.

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Wien. „In den nächsten fünf Jahren wird das Whiteboard die gewöhnliche Tafel ablösen“, so die These von Martin Breier, Marketingmangager der marktführenden Firma Smart. In Großbritannien wurden bereits 80 Prozent aller Tafeln durch sogenannte Whiteboards – also digitale Tafeln – ersetzt. Auf den Tafeln können die Kinder nicht nur mit den Fingern oder speziellen Stiften schreiben, sondern auch verschiedene Lernprogramme anwenden.

Auch in Österreich mussten bereits rund 1000 grüne Schultafeln dem Board weichen. Tendenz „stark steigend“. Die neue Technik soll nicht nur mehr Spaß am Lernen bringen, sondern auch die Qualität des Unterrichts steigern. Die Visualisierung der Inhalte ermögliche den Kindern ein leichteres Lernen, außerdem würden sie die Hemmnisse vor dem Arbeiten an der Tafel verlieren, so Breier.

Schon jetzt gibt es eigene Schulprogramme, wie den Diercke Weltatlas, die eigens für das Whiteboard entwickelt wurden. Durch Videos und grafische Darstellungen können Kinder außerdem in „ihrer Welt“ abgeholt werden, sagt Medienpädagoge Christian Swertz von der Uni Wien. Die Schüler sind an diese Art der Darstellung gewöhnt und nehmen den Inhalt dadurch auch besser an.

 

Hightech-Tafeln enorm teuer

Dass die Whiteboards die dunkelgrünen Tafeln als fixen Bestandteil jedes Klassenzimmers ablösen, glaubt Swertz aber nicht. Vor allem die hohen Kosten sieht er als Hemmnis. Mit 3400 bis 5000 Euro sind die Hightech-Tafeln um ein Vielfaches teurer als die herkömmlichen. Obwohl die Hersteller die simple Bedienung loben, fürchtet Swertz, dass viele Lehrer mit der technischen Komplexität überfordert sind. Ein weiterer Nachteil: Gibt es technische Probleme, kann der Unterricht nicht wie gewohnt weiterlaufen.

Und auch den Lerneffekt sieht Swertz gefährdet. Denn durch die digitalen Tafeln werde den Schülern lediglich eine Art „Häppchenwissen“ vermittelt. Gemeint ist damit, dass das Tafelbild – das im Optimalfall eine ganze Unterrichtsstunde lang zu sehen ist – somit nicht mehr existiert. Aber gerade dieses Tafelbild habe den Kindern und Jugendlichen bislang die Möglichkeit geboten, die Zusammenhänge besser verstehen zu können. Die häufig wechselnden „Folien“ können das nicht bieten. Und auch die „kleinen Lücken zum Nachdenken“ – die Zeit, in der der Lehrer an der Tafel schreibt und die Kinder das Gesagte verarbeiten – geht durch die digitalen Tafeln verloren.

 

Lerneffekte gehen verloren

Was bisher mühsam von der Tafel abgeschrieben werden musste, kann vom Lehrer nun per Mail an die Schüler geschickt werden. Das erscheint zwar praktisch, aber auch hier ist Vorsicht geboten. Denn: Der Lerneffekt, den das Abschreiben mit sich bringt, darf nicht unterschätzt werden. Mit der neuen Technik geht dieser wichtige Prozess verloren, so Swertz. Der Medienpädagoge ist sich sicher: Tafel, Kreide und Schwamm werden die Kinder auch künftig durch ihre Schulzeit begleiten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.01.2011)

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11 Kommentare
Gast: miblod
13.02.2011 14:19
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1a Präsentationswerkzeug - falls richtig genutzt

Ein interaktives Whiteboard ist nur ein Medium, ein Unterrichtswerkzeug. Wenn wir unseren Unterricht qualitativ verbessern wollen, dann geht das ausschließlich über ein didaktisch gut überlegtes Unterrichtskonzept und die daraus folgende Auswahl geeigneter Methoden und Medien. Also, zuerst nachdenken und dann die für das jeweilige Unterrichtsvorhaben passenden Werkzeuge wählen!

Sollten wir nun bei den guten alten Tafeln bleiben? Können die Technophobiker unter uns nun aufatmen und triumphierend behaupten: “Wir haben’s ja gleich gewusst, dass die Dinger nichts taugen.” Sorry, ich glaube nicht.

Es gibt tatsächlich gute Gründe dafür, digitale Tafeln in Schulen zu verwenden (aber nicht als einziges Medium!). Sie sind nämlich erstklassige Präsentationswerkzeuge – und zwar auch ohne die oft mitgelieferten multimedialen Gimmicks.

Doch es gibt wissenschaftlich gut belegte Gestaltungsrichtlinien, die es zu beachten gilt. Ich habe ausgewählte Prinzipien multimedialen Lernens (nach Richard E. Mayer: Multimedia Learning: 2nd Ed. 2009) in einem Film zusammengestellt.

https://magazin.brn-moodle.de/915
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PS. Ich bin Realschullehrer und arbeite als Medienpädagogisch- informationstechnischer Berater (MiB)

Gast: nimbus0815
01.02.2011 21:27
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Interaktives Klassenzimmer

Ich selbst bin Lehrer an einer Volksschule und habe mit Beginn des Jahres eine digitale Smartboard für meine Klasse organisiert. Nicht statt sondern zusätzlich zur "klassischen grünen" Tafel.

Ich bin begeistert. Der Einsatz gestaltet sich sehr abwechslungsreich. Man kann Bilder aber auch Videos jederzeit in den Unterricht einbauen. Wir leben in einer digitalen Welt, aber wer bereitet die heutige Generation darauf vor?

Schönen Gruß aus der Zukunft.

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Geldverschwendung

Eine ganz normale Projektionswand und ein üblicher 'Beamer' lasssen sich vermittels der Wii Remote Fernbedienung durch ein freies Projekt zum elektronische Whiteboard erweitern - für unter 100 €.
Noch dazu mit Software der FH St. Pölten

http://www.youtube.com/watch?v=5s5EvhHy7eQ

http://johnnylee.net/projects/wii/

http://createordie.de/cod/news/Mit-der-Wiimote-zum-Whiteboard-047490.html

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Geldverschwendung

Eine ganz normale Projektionswand und ein üblicher 'Beamer' lasssen sich vermittels der Wii Remote Fernbedienung durch ein freies Projekt zum elektronische Whiteboard erweitern - für unter 100 €.
Noch dazu mit Software der FH St. Pölten

http://www.youtube.com/watch?v=5s5EvhHy7eQ

http://johnnylee.net/projects/wii/

http://createordie.de/cod/news/Mit-der-Wiimote-zum-Whiteboard-047490.html

berndmoron
31.01.2011 13:10
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diese tafeln

werden den weg der overhead projektoren gehen. es gibt nichts langweiligeres als eine overheadfolie anzuschauen oder eine powerpoint präsentation zu "genießen".
zusätzlich ist o.k.

Gast: Steuerzahlerrrrrrrrrrrrr
31.01.2011 11:04
1 0

Verantwortung

Es sollte gesetzlich verankert werden, dass jede Neuerung und jede Investition vor der Installation nach allen Regeln der Kunst auf ihre Effektivität und Effizienz untersucht wird.
Unsere Kinder sind keine Versuchskaninchen und der Steuerzahler muß ohnehin schon viel zu viel für die Schule zahlen.
Ein bisschen mehr Verantwortungsbewusstsein würde auch den Verantwortlichen unseres Schulsystems nicht schaden.

Antworten Gast: caseus
31.01.2011 12:42
0 0

Re: Verantwortung

Warum einfach, wenn´s kompliziert auch geht (und ein bisschen mehr Geld im Spiel ist). Sparen kann man anderswo, z. B. den Benützern der Tafel. Gut, dass unsere Unterrichtsergebnisse besser sind als die in der Zeit der Hieroglyphen und Keilschrift, muss ja so sein, wenn man bedenkt, worauf die damals geschrieben haben.

Gast: Tellmywill
31.01.2011 10:57
0 0

Obwohl die Hersteller die simple Bedienung loben, fürchtet Swertz, dass viele Lehrer mit der technischen Komplexität überfordert sind.

Ein pauschales Kompliment für Lehrer?

Gast: gast
31.01.2011 09:50
1 0

Ja, ich bin sicher...

DAS ist das wahre Problem in der österreichischen Bildungssituation.

Nicht faule und unerzogene Schüler, nicht ein Übermaß an nicht-schulischen Ablenkungen, nicht das MigrantenAnteil-Problem, nicht überforderte oder un-interessierte Eltern - NEIN, die alten KreideTafeln sind schuld Allem!

Jössas, wie blöd kann man sein..?

Antworten Gast: nocheingast
31.01.2011 16:37
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Re: Ja, ich bin sicher...

Man kann mit dem modernsten Gerät den langweiligsten, nichtssagendsten, hohlsten, schwammigsten Unterricht machen.

Man kann mit der guten alten Tafel, mit Bildern auf Papier und mit Büchern einen interessanten, erfolgreichen Unterricht gestalten.

Sie haben Recht, an der Tafel liegt es nicht.

greebo
30.01.2011 22:43
4 0

Schlecht recherchiert

Ein normales Whiteboard ist keineswegs digital. Wovon der Artikel hier spricht sind die Activboards/Smartboards, die auch Interaktive Whiteboards genannt werden.

Und... rund 1000 davon in Österreich? Normale Whiteboards ja, Smartboards sicher nicht.

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