23.05.2013 22:44 Merkliste 0

Politologe Filzmaier: "Forderungen zu komplex"

 (DiePresse.com)

Androsch hätte den Mut zur inhaltlichen Vereinfachung haben und sich auf drei Kernforderungen einigen müsse, sagt Filzmaier. Auch das Timing könnte eine Rolle für das schwache Ergebnis gespielt haben.

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Die Komplexität des Forderungskatalogs und den fehlenden Mut zur inhaltlichen Konkretisierung wertet der Politikwissenschafter Peter Filzmaier als vorrangige Ursachen für das mäßige Abschneiden des Bildungsvolksbegehrens. Aus zwölf Forderungen sei letzten Endes nur der Ruf nach einer "besseren Bildung" übriggeblieben. "Dafür gibt es bestimmt viel Zustimmung, aber keine unmittelbare Motivation", so Filzmaier. Eine Sofortumsetzung der Bildungsreform sei zwar unabhängig von der Unterschriftenzahl "irreal" - "die Frage ist nur, ob der Rückenwind durch diese durchschnittliche Unterschriftenzahl reicht, damit das auf dem langen, langsamen Weg funktioniert".

Der zwölf Punkte umfassende Forderungskatalog reichte von der gemeinsamen Schule der Zehn- bis 14-Jährigen bis zur einheitlichen Pädagogen-Ausbildung. "Man hätte den Mut zur inhaltlichen Vereinfachung haben und sich auf drei breitenwirksame Kernforderungen einigen müssen." Aus der schwierigen Vermittlung zieht der Politologe auch ein Folgeproblem: "Die Frage ist: Was bleibt von dieser Komplexität nachhaltig in Erinnerung, was weiß ich in drei Monaten oder in drei Jahren noch über dieses Volksbegehren?", so Filzmaier. 

Höhepunkt bereits überschritten

Auch das Timing könnte eine Rolle für das unter den Erwartungen liegende Ergebnis gespielt haben. "Es gab zwar eine durchaus positive Berichterstattung und Öffentlichkeitswirkung", so Filzmaier, "aber die Höhepunkte der öffentlichen Wahrnehmung waren bereits, als Androsch das Volksbegehren angekündigt und später die Unterstützungserklärungen gesammelt hat". Auch unmittelbar vor dem Start habe es verstärkte Wahrnehmung gegeben, "es ist aber nicht gelungen, diesen Spannungsbogen während der Eintragungswoche aufrecht zu erhalten.

Unabhängig von der Unterschriftenzahl stellt sich für Filzmaier auch die "Strukturfrage: Derzeit muss ein Volksbegehren ab 100.000 Stimmen im Parlament behandelt werden - allerdings geht damit keine Abstimmung einher. "Man sollte sich die Frage stellen, ob diese Regelung noch zeitgemäß ist oder ob man Direktdemokratie nicht auch mit Verpflichtungen stärken sollte", so Filzmaier. "Wenn der Nationalrat abstimmen müsste, müssten sich folglich auch die Parteien positionieren." Ansonsten bestehe die Gefahr einer "Nichtkonkretisierung", was die weitere Wirkung erschwere.

(APA)

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16 Kommentare
Gast: Swipe
11.11.2011 22:46
1 0

...

Was für eine arrogante Aussage. Ich habe nicht unterschrieben, weil ich das Begehren inhaltlich nicht unterstützen möchte - aber das ist jetzt wohl für den Herrn Filzmaier zu komplex...

Gast: dgjchc
11.11.2011 18:39
0 0

Die Bevölkerung weiss einfach, dass ein VB nichts bringt. Die Politik macht eh was sie will.


2 0

WEIL die Bürger mitgedacht haben...

Falsch! Nicht weil sie zu dumm sind, sondern im Gegenteil: WEIL sie mitgedacht haben und die geforderten Punkte entweder für No-Na-Punkte oder aber manches links-ideologisch Verbrämte erkannt haben, sind die Bürger nicht hin gegangen. Respekt!

Gast: gast22
11.11.2011 13:28
0 0

Die Forderungen sind vor allem ziemlich vage.

Dahinter könnte eventuell eine Absicht der Initiatoren stecken, möglichst viele als Unterzeichner zu gewinnen, möglichst wenige vor den Kopf zu stoßen.

Opportunismus statt Deutlichkeit.

"Huach amol, Veit. Soll ma wirklich 'Gesamtschule' do eineschreim? Des megn die meistn Leit do net..."
"Host recht, Hannes. Dann schreibma vülleicht 'gemeinsame Schule" oder so wos. Oba Moment, no bessa, 'hochwertige gemeinsame Schule' - des klingt jo aa net schlecht und dann kannt ma späta imma no sogn, dass mia des gaunz aundas gmant hom..."
"Sehr guat. Mit 'Gesamtschule' tätn ma uns jo festlegn, oba mit 'hochwertige gemeinsame Schule' hom mia die Definitionsmacht, wos des bedeitn soll, und sonst niamand. Jo, genauso moch ma des."


Gast: Alberto Zomba
11.11.2011 13:19
8 0

Die alte linke

Leier, wenn die Bevölkerung linke Spinnereien wie etwa die Gesamtschule ablehnt, dann ist nicht die Idee schlecht, sindern die Bevölkerung einfach "zu blöd dafür", oder wie es Allerwelts-Experte Herr Filzmaier ausdrückt, es ist ihnen zu komplex.

Nein Herr Filzmeier, die Leute sind nicht hingegangen, weil jeder Mensch mit Hausverstand und ohne ideologische Indoktrination weiss, Einheitsschulen sind einfach ein Schwachsinn.

Antworten Gast: Micaela
11.11.2011 13:45
0 2

Re: Die alte linke

Sie sind schlecht informiert. Gesamtschule ist keine linke Sache. Waren Sie schon einmal außerhalb Ö? Die Gesamtschule ist überall in Europa. Selbst neoliberale Länder wie GB und USA haben Gesamtschulen. Auch in der EU. Die Frage ist nicht wie die Schule heißt, sondern was die Schüler lernen. Wir können keine gemeinsame Währung haben, und 25 unterschiedliche Politiken. Wichtig ist, dass das Geld im Klassenzimmer ankommt und nicht bei irgendwelchen Schulräten.

Re: Re: Die alte linke

deshalb ist die Bildung in den USA ja auch so toll...
oder in den dt. Bundesländern mit gesamtschule - die stinken gegen Bayerns differenziertes System ab? ok, das tun Schüler aus Wien auch, aber das liegt am migrantenanteil aus gewissen Ländern!

wieso haben die mit asiatischem Migrationshintergrund öfter ein Abitur als die einehimischen? wieso aber so selten arabische Migranten?

Antworten Antworten Gast: Alberto Zomba
11.11.2011 14:43
3 0

Re: Re: Die alte linke

Uiiiiii, "waren sie schon mal in anderen ländern...", sie offenbar noch nicht (außer im clubmed in der türkei natürlich)

aber wer gb und usa als neoliberal bezeichnet,... für den ist selbst stalin ein verweichlichter bürgerlicher

in den usa und england gibt es übrigens sehr viele privatschulen - sie als weitgereiste person - werden davon gehört haben .

ach übrigens, waren sie schon mal in deutschland, das ist das große land nördlich von österreich. da gibt es je nach bundesland, sozialistsiche einheitschulen (mit schlechten pisaergebnissen) und differenzierte schulsysteme (mit guten pisatests).

und finnland hat ebenso wie s-korea (beide pisaweltmeister) eine migrantenquote die gegen null tendiert (abr das hat damit natürlich üüüüüberhaupt nix zu tun)

Gast: Vogel Strauss
11.11.2011 11:54
5 0

Ich hau mich ab ...

Laut Filzmaier sind die Leute also zu blöd, um das Bildungs-VB zu begreifen. Das ist doch wirklich eine originelle Schlussfolgerung! Jedoch nicht gerade ein Kompliment für die Rot-Wähler ...

Linke Demokratie:

Selbst bei nur 2 Stimmen hat man noch die Mehrheit!
Vielleicht sind die Österreicher doch schlauer, als Herr Androsch und Herr Schilcher es wahrhaben wollen.

Gast: krikri
11.11.2011 10:29
0 5

"kiss" principle wäre am besten gewesen, in bester FPÖ tradition zb.

"pildung statt bildung"...

oder

"mehr comiKs für uns alle"...

oder

"heimat anstatt von schulen"...

oder

"die da oben wissn nix"...

5 1

Noch ein Schönredner

Die Leute haben sehr genau erkannt, worum es bei diesem Volksbegehren in Wahrheit ging, nämlich um die Gesamtschule.

Nur hat die leider eine gewaltige Abfuhr erhalten:
Frei nach Kreisky: 383.000 sind für die Gesamtschule, 6.000.000 sind gegen die Gesamtschule.

Herr Filzmaier, auch ihr Höhepunkt scheint bereits überschritten zu sein.

Re: Noch ein Schönredner

Die "Leute" sind nicht deswegen nicht hingegangen weil es um die Gesamtschule ging, die "Leute" sind nicht hingegangen weil ihnen offensichtlich das Thema Bildung (und ihre Entwicklung in der Zukunft) mehrheitlich gleichgültig ist.
Traurig für meine Enkel.

Antworten Antworten Gast: Semjon
11.11.2011 13:19
3 0

Re: Re: Noch ein Schönredner

ich denke, Sie täuschen sich,

viele Menschen, denen die Bildung ein Anliegen ist, wollten kein parteipolitisches Propagandainstrument unterstützen. (in Wien bin ich selbst noch drauf reingefallen, seither: einfach ignorieren)

Antworten Antworten Gast: gast 1
11.11.2011 12:59
1 0

Re: Re: Noch ein Schönredner

im gegenteil - sie sollten für ihre enkel
hoffen, dass die ministerin schmied
möglichst wenige ihrer forderungen
umsetzt.

ps: wegen dem nicht hingehen: welche möglichkeit
hätte man denn sonst gehabt
ein zeichen gegen den sozialistischen
bildungsirrsinn zu setzen.
ein "gegen-begehren" stand ja leider
nicht zur verfügung

Gast: Robin Wut
11.11.2011 10:10
2 2

Herr Filzmaier

Sie haben wirklich nicht viel Ahnung.

Der Hauptgrund für den Flopp liegt darin, dass es vom Androsch kommt.

Der wird nicht zu Unrecht als Gangster eingestuft und ist so sympathisch wie der Neugebauer.

Eduard 2013

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