23.05.2012 08:02 | Meine Presse Merkliste 0

Störsender bei Matura: Salzburger Schuldirektor angezeigt

 (DiePresse.com)

Der Salzburger Direktor wollte Handy-Schummeleien verbieten. Die Behörden beschlagnahmten den Sender. Das Verfahren endete mit einer Abmahnung.

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Weil der Direktor eines Salzburger Gymnasiums während der schriftlichen Matura vergangenen Frühling Handy-Schummeleien mit einem Störsender unterbinden wollte, hat das Fernmeldebüro des Verkehrsministeriums den Sender beschlagnahmt und gegen den Schulleiter ein Verfahren eingeleitet. Dieser hatte das Gerät vollkommen legal bei einem Schulmittelausstatter in St. Pölten erworben. Direktor Gerhard Klampfer vom Wirtschaftskundlichen Realgymnasium Salzburg bestätigte am Montag einen Radiobericht von ORF Salzburg.

"Seit es Smartphones gibt, ist die Recherche im Internet sehr einfach. In Latein zu Beispiel habe ich mit zwei Suchbegriffen schon eine Trefferquote von 99 Prozent. In Mathematik ist es schwieriger, hier werden die Angaben oft abfotografiert", so Klampfer. Und die Abnahme der Mobiltelefone habe nicht funktioniert: "Die kommen mit zwei Handys, geben das von der Oma ab und behalten sich ihr Smartphone." Also habe er um rund 200 Euro diesen Störsender erworben und während der Matura neben der Toilette sichtbar aufgestellt. Im Umkreis von rund 15 Metern war dadurch kein Empfang mehr möglich.

"Eine demütigende Geschichte"

Ein Netzbetreiber will die Störung bemerkt haben und verständigte die Behörde. "Das ist die offizielle Version. Da die Störung aber nur im Gebäude selbst bemerkbar war, vermute ich, dass irgendjemand die Störung gemeldet hat", so der Schulleiter. Was dann passiert ist, war "eine demütigende Geschichte." Zwei Mitarbeiter des Fernmeldebüros kamen mit großen Peilgeräten, orteten den Störsender und beschlagnahmten ihn, "das war eine große Aufregung".

Rasch wurde ein Verfahren eingeleitet. Dieser gab zu verstehen, dass er den Sender ganz legal bei einem Schulmittelausstatter erworben hatte. "Ich war auch nicht der einzige, der ein solches Gerät gekauft hat, ich war nur der einzige, der erwischt worden ist." Klampfer kam schließlich mit einem blauen Auge davon: Er wurde wegen eines Verstoßes gegen das Telekommunikationsgesetz abgemahnt. Paragraf 74 besagt nämlich, dass Störsender nur Behörden verwenden dürfen, soweit diese mit Aufgaben der öffentlichen Sicherheit, Verteidigung, Sicherheit des Staates oder Strafrechtspflege befasst sind. Die Höchststrafe hätte 4000 Euro betragen.

"Wie die tun, weiß ich nicht"

Damit blieb dem Direktor auch ein Disziplinarverfahren erspart. Der Sender wurde der Schule wieder übergeben, Klampfer musste sich aber dazu verpflichten, diesen nicht mehr zu verwenden. Dennoch rätselt er weiter darüber, dass seines Wissens nach teilweise auch bei Aufnahmeprüfungen an den Universitäten, etwa an der Medizinischen Fakultät, die Handys nicht funktioniert haben. "Wie die tun, weiß ich nicht."

(APA)

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52 Kommentare
 
1 2
Gast: ava
21.01.2012 07:44
0 0

bei einer schularbeit

durften die schüler einmal alles unterlagen benutzen. es hat ihnen nicht geholfen. eher waren sie frustriert. es kommt eben auf die fragestellung draufan.

0 0

realitätsverweigerung


Gast: misswirtschaft
17.01.2012 19:08
1 0

realitätsverweigerung

"...andere europäische länder erlauben daher bereits den einsatz neuer medien inkl. internetnutzung während der abschließenden prüfungen..."
"...man kann aber auch störsender aufstellen. um die lästige realität von der schule weiterhin fernzuhalten..."
http://misswirtschaft.wordpress.com/

Gast: ghe
17.01.2012 18:09
1 0

Eigentlich...

... realitätsnah, pragmatisch, entschlossen und ungefährlich, was der Direktor da machte! Ich wundere mich schon viele Jahre, wieso das Schummeln per Handy von der Lehrerschaft so einfach hingenommen wird!
Anekdote aus dem Freundeskreis: die -excellente- Deutschprofessorin gab ein schwieriges Werk eines an sich sehr bekannten Dichters zur mehrstündigen Schularbeit in einer hohen Oberstufenklasse. Der Schüler sms-t seine in Internetrecherche und Literatur sehr bewanderte Mutter um Hilfe an. Aber, siehe da: im Netz NICHTS zu finden. Das "arme" Kind musste sich doch glatt selbst das Hirn zermartern, erzählte aber dann zu Hause, wie nett die Professorin doch gewesen wäre, da sie während der Schularbeit kurz einkaufen gegangen wäre, um die denkende Jugend mit Obst und Keksen zu versorgen. Das finde ich genial! Setzt halt voraus, dass sich die Lehrerin die Mühe gemacht hatte, ein schularbeitsadäquates Stück, das im Netz unbesprochen ist, zu finden!

Gast: Problem-löserin
17.01.2012 17:57
0 0

LÖSUNG???

Was schlagen alle hier Postenden als REALISTISCHE Lösung des Schummelproblems bei den Maturen (und natürlich allen mehrstündigen schriftlichen Prüfungen)vor?


DerMike
17.01.2012 14:08
0 3

Wieso...

...werden technische Geräte nicht einfach in den Schulen verboten?? Die sollen lieber etwas lernen anstatt bei FAKEBOOK zu schreiben

Politicus1
17.01.2012 13:06
3 3

das darf doch nicht wahr sein!

statt dem Direktor einen Orden umzuhängen wird die Fernmeldebehörde (ist das überhaupt noch ein staatliches Organ?) aktiv.
Tagtäglich absurde Meldungen aus Absurdistan!
Bald werden wir die Hymne nochmals ändern müssen:
Heimat bist du absurder Töchter, Söhne....

Gast: kritikus
17.01.2012 12:40
2 2

Verlogenheit

Die Verlogenheit unserer Gesellschaft ist nicht endenwollend. Schummeln bei Dissertationen wird mit dem Karriereende der schummelnden bestraft. Lehrer, die das Schummeln verhindern wollen, werden dafür bestraft. Offenbar gibt es ein gutes Schummeln und ein schlechtes Schummeln. Mir tun Lehrer leid, die ihre Schüler zu Ehrlichkeit und Geradlinigkeit erziehen wollen und denen man alle dazu geeigneten Mittel aus der Hand nimmt bzw. ihren Gebrauch sogar unter Strafe setzt. Für eine Rechtsordnung, die das zulässt, muss man sich schämen. Ich meine, da hätten unsere Parlamentarier eine Menge Handlungsbedarf. Wie hat Treichl gesagt: "zu feig und zu blöd". Recht hat er.

Antworten Politicus1
17.01.2012 13:08
1 0

Re: Verlogenheit

die schweigende Mehrheit lässt sich halt zu leicht für blöd verkaufen...

1 2

Man sollte...

...diese Störsender zur Fixausstattung in den Schulen machen. Da kann man allerhand Probleme damit lösen. Nicht nur bei Prüfungen.

Gast: gast:1
17.01.2012 11:27
3 2

meine volle Unterstützung

für den Direktor.

Jeder der auch nur einen Funken Ehrgefühl hat und weiß was Werte sind, sieht das ebenso, dass der Direktor absolut verantwortungsvoll gehandelt hat.

alexinho30
17.01.2012 09:24
0 5

eine Frechheit...

das der nur eine Abmahnung bekommt, denn es wird doch immer gesagt "UNWISSENHEIT SCHUETZT VOR STRAFE NICHT", da frage ich mich doch warum hier wieder mit zweierlei Mass gemessen wird!
des weiteren finde ich es sehr fraglich dass solche Stoersender im Fachhandel fuer Schulausstatter zubekommen sind, auch da sollte man ansetzen!

Antworten Gast: kritikus
17.01.2012 12:42
0 0

Re: eine Frechheit...

Alexhino Guttenberg?

Gast: misswirtschaft
17.01.2012 08:14
1 3

if you can google it ...

... don´t teach it or test it!
geschummelt wird nur, wo die sinnhaftigkeit der aufgabenstellung begründetermaßen zu hinterfragen ist ...

Antworten Gast: Frage
17.01.2012 15:43
0 0

Re: if you can google it ...

Heuler

Gast: TeacherOfTheYear
16.01.2012 20:33
3 0

Matura heute

Es stimmt: Schüler haben 2-3 Handies zur Matura mit, geben eines davon ab. Haben eines eingesteckt und eines am WC.
Gang und WC werden seit Jahren nicht mehr überwacht, da kein Person dafür zur Verfügung steht.
Da LehrerInnen SchülerInnen nicht berühren dürfen, sind Schüler 100% auf der sicheren Seite.

Aber der Direktor irrt: man googelt nicht. Sondern man hat seine Helfershelfer (Studenten), denen man in der Früh die Angabe fotografiert zusendet und die MIttags das Ergebnis zurücksenden. Für EDV AUfgaben helfen Inder gegen 100 $ eine Woche lang (HTL Matura).

Antworten DerMike
17.01.2012 10:10
0 1

Re: Matura heute

Oh meon Gott, was werfen Sie sich ein?

Antworten Gast: Gast345
17.01.2012 10:09
1 0

Re: Matura heute

Wenn es Standard ist oder wird, die Matura zu erschwindeln, dann wundert es mich nicht, wenn die Professoren an den Unis Eingangsprüfungen verlangen oder die Studenten in den ersten Semestern Prüfungen unterziehen, die diese SO nicht gewohnt sind und noch nie erlebt haben.

Antworten Antworten Gast: TeacherOfTheYear
17.01.2012 16:18
0 0

Re: Re: Matura heute

Ja leider, so läuft es.
Die meisten LehrerInnen haben von den techn. Möglichkeiten keine Ahnung, weil sie die einzigen in der Klasse sind, die kein Smartphone haben.

Diplomarbeiten statt Klausur sind nur dann eine Lösung, wenn es sich um eine neuartige Aufgabenstellung handelt. Das ist aber den meisten LehrerInnen zu steil. Also verdienen sich Ghostwriter einen Batzen.

Gast: fesima
16.01.2012 19:32
0 0

Gasti: Was macht das Lehrpersonal?

Hier weiß wieder jeder, der in der Schule war, genau Bescheid. Die Schüler dürfen aufs Klo, auch vier- bis sechsmal während einer fünfstündigen Klausur. Was würden die Eltern sagen, hätte man auch nur den geringsten Verdacht, die dort verbrachte Zeit würde zum Schummeln genutzt. Der Schüler ist halt nervös und geht oft raus, so ist das. War ja bis vor einigen Jahren kein Problem- jetzt geht das binnen einer Minute in einigen Fächern und du hast alles auf dem Display, was du willst - Lateinübersetzung bis Gedichtinterpretation...)
Sollen die Lehrer oben in die Kabine schauen?

Gast: fesima
16.01.2012 19:31
1 0

Gasti: Was macht das Lehrpersonal?

Hier weiß wieder jeder, der in der Schule war, genau Bescheid. Die Schüler dürfen aufs Klo, auch vier- bis sechsmal während einer fünfstündigen Klausur. Was würden die Eltern sagen, hätte man auch nur den geringsten Verdacht, die dort verbrachte Zeit würde zum Schummeln genutzt. Der Schüler ist halt nervös und geht oft raus, so ist das. War ja bis vor einigen Jahren kein Problem- jetzt geht das binnen einer Minute in einigen Fächern und du hast alles auf dem Display, was du willst - Lateinübersetzung bis Gedichtinterpretation...)
Sollen die Lehrer oben in die Kabine schauen?

roger
16.01.2012 18:43
7 0

Wo bleibt die Anerkennung des Ministeriums?

Eigentlich müsste man dem Direktor wegen der gezeigten Zivilcourage einen Orden verleihen. Ich weiß allerdings aus eigener Erfahrung, wie es im öffentlichen Dienst abläuft: dieselben Leute, die dir noch gestern anerkennend auf die Schulter geklopft haben, lassen dich morgen wie eine heiße Kartoffel fallen.

Antworten Gast: kritikus
17.01.2012 12:47
0 1

Re: Wo bleibt die Anerkennung des Ministeriums?

auf die Schulterklopfer des Ministeriums kann der gute Mann sch..... Er darf sich darüber freuen, dass er die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung auf seiner Seite hat. Es gibt ja noch viele Anständige in unserem Land, nur schreien sie nicht laut.

Gast: des pockst ned! Korl
16.01.2012 17:45
0 0

versteh i ned

normal sind direktoren daran interressiert alle schüler durchkommen zu lassen unm den ruf der schule nicht zu schädigen. Wenn einer gscheit schummelt.

Gast: tonage
16.01.2012 15:36
0 0

Gesetze haben ihre halt Grenzen und nicht alles

was darunter und manchmal nicht darunter fällt kann kasuistisch angeführt sein. Gesetz ist eben nicht Gesetz, weil die Intention sicher eine andere war als solche Mini-Störsender, die ohnehin auf einem internen Bereich beschränkt sind, nicht zu ermöglichen.


Gast: Ex-Maturant
16.01.2012 13:50
1 0

Bei meiner Matura

wurde das umgekehrt gemacht: Vor dem Klo wurde ein Lehrer mit so einem Handy-Detektor platziert, der dann bemerkt hat, wenn ein Handy Daten sendet.

 
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Schlagzeilen Bildung