Bildung: Hengstschläger warnt vor der Durchschnittsfalle

Das durchschnittsorientierte Schulsystem sei talentefeindlich, schreibt der Genetiker in seinem neuen Buch.

Bildung Hengstschlaeger warnt Durchschnittsfalle
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Bildung Hengstschlaeger warnt Durchschnittsfalle
(c) Ecowin

Markus Hengstschläger ist kein Freund des Durchschnitts. So weit, so bekannt. Nun hat der Spitzenforscher seine Überlegungen in ein Buch gepackt, in dem er besonders mit dem heimischen Schulsystem hart ins Gericht geht. „Wir sitzen in der Durchschnittsfalle“, behauptet der Genetiker. Das Problem liege aber nicht in den Genen – sondern im Bildungssystem. Denn dieses nehme nur Maß am Durchschnitt, außergewöhnliche Stärken würden nicht nur häufig nicht gefördert – sondern oftmals sogar als störend empfunden. Der durchschnittliche Alleskönner sei oberste Maxime unserer vielbeschworenen Leistungsgesellschaft.

Doch: Ein System, in dem alle Teile möglichst nahe an einem gemeinsamen Durchschnitt sind, sei für die Zukunft in keinerlei Weise gerüstet. Es brauche Varianz – Hengstschläger argumentiert das auch mittels seines Fachgebiets, der Genetik: Möglichst viele möglichst verschiedene Individuen im System zu haben sei die mächtigste Waffe auf dem Weg in die Zukunft. Denn niemand wisse, welche Herausforderungen auf uns zukommen, niemand wisse heute, was wir morgen wirklich brauchen. Besonders in der Schule würden Talente verschleudert: Indem die Schüler nämlich (von allen Seiten) dazu angehalten würden, gerade dort am meisten zu lernen, wo sie die schlechtesten Noten haben, nur um sich wieder in den Durchschnitt einzureihen – auf Kosten jener Zeit, die sie mit ihren Stärken verbringen könnten.

Fazit: Ein typisches Werk aus dem Hause Hengstschläger, manches Mal etwas belehrend, immer wieder provokant – und durchwegs wohltuend im Kontrast zum tagespolitischen Hickhack. In der "Presse" warnte der Genetiker schon im Vorjahr vor der Durchschnittsfalle - und verknüpft seine Überlegungen mit dem Bereich Forschung, Innovation und Wirtschaft. Mehr dazu im Interview mit Markus Hengstschläger.

(beba)

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