Jedes Jahr würden Absolventen berufsbildender Schulen trotz abgeschlossener Ausbildung in die Lehrausbildung gedrängt, kritisiert die GPA-djp. Der Grund sei ein profaner: Diese Variante sei für die Unternehmen einfach billiger. Die Gewerkschaft fordert nun, die Schulbildung wieder verbindlich für eine Lehrausbildung anzurechnen. Das Problem, so GPA-djp-Chef Wolfgang Katzian am Dienstag in einer Aussendung: die Wirtschaftskammer.
Diese habe im Vorjahr die Wiedereinführung des §28 im Berufsausbildungsgesetz blockiert, der zuvor eine wechselseitige Anrechnung von Schul- auf Lehrzeiten und vor allem eine Anerkennung von Schulabschlüssen als Lehrabschluss geregelt habe. "Es gibt nur Soll- aber keine Mussbestimmungen", so Katzian. Im Klartext bedeute das: Es hänge vom Goodwill eines Unternehmens ab, ob eine HAK-Absolventin diesen Abschluss angerechnet bekomme oder noch einmal in die Lehre gedrängt wird und ob ihr dann zumindest ein Teil der Schulbildung auf die Lehre (etwa als Bürokauffrau) angerechnet wird.
Im schlechtesten Fall könne das Fehlen dieser Regelung bedeuten, dass ein HAK-Maturant eine Bürolehre bei Null beginnt oder dass eine Absolventin einer Tourismusfachschule bei einem Arbeitsplatz in der Reisebürobranche als Lehrling neu starten muss. Für das zweite Beispiel beträgt der Unterschied für die Betroffene laut GPA-djp 13.137 Euro im ersten Jahr - die Lehrlingsentschädigungen inklusive Sonderzahlungen im ersten Lehrjahr machen 6454 Euro aus, das Gehalt als Reisebüroassistentin hingegen 19.591 Euro.
"Tausende Betroffene"
"Natürlich nützt nicht jeder Unternehmer und jede Firma diese Lücke", sagt GPA-djp-Bundesjugendsekretär Helmut Gotthartsleitner. "Aber auf diese Art und Weise werden schon Jahr für Jahr tausende AbsolventInnen von BMHS in die für die Unternehmen billigere Lehrausbildung gedrängt." Eine Einigung, die im vergangenen Jahr in Reichweite gewesen sei, sei von der Wirtschaftskammer zurück gezogen worden. Die GPA-djp hat nun gemeinsam mit der AK Wien und mit anderen Gewerkschaften eine Informations- und Mobilisierungskampagne gestartet.
(Red.)
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