23.05.2012 08:04 | Meine Presse Merkliste 0

Ein teurer Sonderstatus für einige tausend Schüler

 (Die Presse)

Die Bundesregierung macht sich im Zuge des geplanten Sparpakets auch an eine Durchforstung in ihrem Kompetenzdschungel. Konkret hat sie dabei die Verwaltung der landwirtschaftlichen Schulen im Auge.

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Wien/Ett. „Komplexe Zuständigkeitsverteilung“: Die Kontrollore des Rechnungshofes pflegen in ihren im nüchternen Deutsch gehaltenen Prüfberichten nicht zu scherzen. Der Kurzbefund zu den Kompetenzen im land- und forstwirtschaftlichen Schulwesen klingt aber so, als würden sich die Prüfer lustig darüber machen. Es geht darum, wie die Agenden allein auf Bundesebene zwischen dem traditionell von der ÖVP geführten Landwirtschaftsressort und dem – derzeit – von der SPÖ geführten Unterrichtsministerium gesplittet sind (siehe Grafik). Dabei nimmt dieser Schulbereich von vornherein eine Sonderstellung ein, weil dieser grundsätzlich Landessache ist. Vor allem beim Dienstrecht hat aber der Bund das Sagen.

Allerdings ist dieser Sektor auf Bundesebene das Gegenteil einer schlanken Verwaltung. Dazu ist er noch dazu aufgeteilt auf zwei Ministerien, was zusätzliche Reibungsverluste schafft. Bei den Verhandlungen über weitere Schritte zu einer Verwaltungsreform haben sich SPÖ und ÖVP in der Bundesregierung verständigt, dieses Kompetenzwirrwarr möglichst zu entflechten. Wenn es nach den SPÖ-Plänen geht, würde die Zuständigkeit für diesen Schulbereich künftig ebenfalls zum Unterrichtsministerium wandern.

Das land- und forstwirtschaftliche Schulwesen nahm bisher nicht nur wegen der verschlungenen Kompetenzen eine Sonderstellung ein. In der Gesamtschau war der Anteil dieses Sektors im Schuljahr 2009/10 mit rund 1,5 Prozent von knapp 1,2 Millionen Schülern verschwindend gering. Bezogen auf die Ausgaben für die einzelnen der gerade ein paar tausend Schüler kamen diese die öffentlichen Haushalte in der Vergangenheit allerdings doppelt so teuer. Nicht einmal der Rechnungshof konnte mangels vergleichbarer Daten jedoch die genauen Gründe für diese im Vergleich hohen Kosten herausfinden.

 

Rüffel für das Agrarressort

Das Landwirtschaftsministerium bekam auch deswegen sein Fett ab. Denn für die Lehrer an land- und forstwirtschaftlichen Schulen fehlte eine effektives Controlling, wird vom Rechnungshof mit Blick auf eine Verwaltungsreform erinnert. Die Lehrverpflichtung konnte auch mit Diensten in der Landesverwaltung, also mit schulfremden Tätigkeiten, erfüllt werden. Das gibt es sonst nirgends in Österreichs Schulwesen. Um zu sparen wurde unter anderem empfohlen, keine Zulagen zusätzlich zu den per Bundesgesetz vorgesehenen Gehältern zu zahlen.

(c) Die Presse / HR

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.02.2012)

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13 Kommentare
Gast: Krautbauer
09.02.2012 19:54
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Vielfalt statt Einfalt

Über die Zuständigkeit der Ministerien lässt sich streiten - gäb sicher eine einfachere Lösung.
Über die Auflistung der Kosten lässt sich ebenfalls streiten - es ist ja üblich, dass man Kraut mit Rüben vergleicht und um die gewünschte Aussage zu erreichen.
Ich frage mich jedoch warum man die Vielfalt der österreichischen Bildungslandschaft in Frage stellt. So schlecht können die Schulen nicht sein, wenn sie so großen Zulauf haben. Sie bieten Schülern nicht nur Wissen sondern auch sehr viel Praxis (learning by doing) - und so ganz nebenbei das was die Politik immer fordert - Ganztagesbetreuung, gesunde Ernährung, Wertevermittlung,... Vielleicht sind gerade diese Schulen eine wertvolle Investition in die Zukunft.

Antworten Gast: sepplbauer
10.02.2012 13:18
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Re: Vielfalt statt Einfalt ... ??

Bloß,
dass der Staat für die im Dunstkreis des Bauernbundes gesondert gehaltenen Schulen gemessen "pro Schüler" soviel mehr ausgibt pro Kopf als für
Techniker (HTL;techn.FS)
Kaufläute (HAK, Handelsschule)
oder für die "Höheren Lehranstalten für Wirtschaftliche Berufe", Tourismusschulen und dgl. ist nicht so leicht erklärbar,

auch dort gibt es "Ganztagsbetreuung" (was für 15-19-Jährige vielleicht nicht so wichtig wäre wie für Volks- und Hauptschüler incl AHS-Unterstufler, also die 6-14-Jährigen,wofür dort aber kein Geld da ist)

Dass in einem berufsbildenden Schultyp, der sehr teuer ist, sich dadurch auszeichnet, dass ausgerechnet dort die wenigsten dann in dem "vorgegebenen Beruf" weiterarbeiten, wacht die Sache schon sehr "anrüchig",
es gäbe ja für Betreuungs- Versorgungs- und Orientierungsschulen wesentlich bessere, effizientere und billigere Lösungen.
Dass die Landw. Lehrer dann gerade die prädisitiertesen sind, fürdie Betreuung von "Sozialfällen" glaube ich auch nicht.

DASS man zB in NÖ noch immer 20 Fachschulstandorte braucht, obwohl die Anzahl der Betriebe und auch die Anzahl der Berufsbewerber in den letzten 40 Jahren so dramatisch zurückgegangen ist, hat nichts mit QUALITÄT zu tun, sondern mit Lehrerposten-Bewahrung im Sinne der "PARTEI" (ÖVP/Bauernbund).

Es ist schon so dass gerade durch die vielen angeblichen u. tatsächlichen Zusatz und Nebenausbildungen die eigentliche Ausbildung von "Landwirtschaftlichen Betriebsführern" eher leidet als besser wird!

Antworten Antworten Gast: Krautbauer
12.02.2012 09:47
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Re: Re: Vielfalt statt Einfalt ... ??

Ich kann die Kosten nicht beurteilen, die dieses Schulsystem verursacht, da ich diese nicht genau kenne und die "zurechtgestutzten" Zahlen in den Medien nicht für glaubwürdig halte. Es gibt genügend Schultypen deren AbsolventInnen nicht im "ausgebildeten" Beruf arbeiten - manche Diskussionen werden immer sehr einseitig geführt - wie's halt grad beliebt.
Ich glaub auch nicht, dass eine Orientierungsphase von jungen Leuten etwas mit "Sozialfällen" zu tun hat. Wem schadet es, wenn Jugendliche eine mittlere Ausbildung absolvieren und danach ins Berufsleben einsteigen??? Und wem schadet es wenn Bauern und Nichtbauern in einer Klasse sitzen??? Warum versucht man immer wieder nichtbäuerlichen Kindern diese Ausbildungsmöglichkeit zu verwehren nur weil Parteibuch und Standesdünkel es so fordern - in welcher Zeit leben wir denn???


Antworten Antworten Antworten Gast: sepplbauer
12.02.2012 13:48
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Re: Re: Re: Vielfalt statt Einfalt ... ??

die Standesdünkel hat der bauernbund,
der sich
ein gesondertes Bildungssystem in einem "eigenen" Ministerium , einrichtet und von dem übrigen Schulsystemen absondert, ...

Von der BOKU über die HLFLs und FACHSCHULEN bis zu den berufsschulen wird hier eine Sonderwelt für die "Bauern" gehalten, die den Bauernbundfunktionären zu jeglichem Mißbrauch offensteht,

Ich habe nichts dagegen dass aller Leute Kinder auch landw. Schulen besuchen, aber in einem Gesamtschulsystem wären Struktur und Angebote der Schulen halt abgestimmt ...

Warum kann man in einer landw. Schule "Holzbearbeitnung" als Schwerpunkt führen, wer stellt den einen "Holzbearbeiter" an ??

An und für sich wäre es hoch an der Zeit das ganze System der Schulen für die 15-18-Jährigen in eine einzige Kompetenz zusammenzuführen und ein klare Bildungsstruktur anzubeiten,
und auch für die Lehrer eine "durchgängige" Verwendung zu sichern

Gast: demokratieidealist
07.02.2012 09:00
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beamtendiktatur - wen wunderts, das die sich die pöstchen zuschanzen ;-))


Antworten Gast: Krautbauer
12.02.2012 20:23
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Re: beamtendiktatur - wen wunderts, das die sich die pöstchen zuschanzen ;-))

Jahrzehnte lang gewachsene Strukturen aufzubrechen (eigenes Ministerium mit eigenen Schulen) kann dauern.
Vielleicht sinds ja gerade die Schwerpunkte, die die Schulen für Jugendliche so attraktiv machen. Gemeinsame Standards für eine grundsolide Ausbildung der 14-16 jährigen (mittlere Schulen) als Basis für eine weiterführede Berufsausbildung sind sicher sinnvoll und wünschenswert.
Daneben sollte doch noch Freiraum für Interessen, Neigungen, Fähigkeiten bleiben. Und das Argument "Wer stellt heute noch Holzbearbeiter an" ist na ja. Vielleicht ist gerade der Schwerpunkt eine gute Basis für die Ausbildung zum Tischler, Zimmermann, Restaurator, Faßbinder,... und hilft manchen jungen Leuten sich wieder für ein grundsolides Handwerk zu entscheiden. Hat beim heutigen Facharbeitermangel sicher Sinn

Antworten Antworten Gast: Suppenkaspar
24.02.2012 08:07
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Re: Re: ... "grundsolide Ausbildung" ....

WARUM SOLL gerade das Landwirtschaftsministerium dafür zuständig sein, dass es diese SCHULEN gibt, ...

..... die Schulen für Jugendliche so attraktiv machen.
... Gemeinsame Standards für eine grundsolide Ausbildung der 14-16 jährigen (mittlere Schulen)
.... als Basis für eine weiterführede Berufsausbildung sind .......

IST DAFÜR NICHT BESSER DAS UNTERRICHTSMINISTERIUM
ZUSTÄNDIG ?

UND WARUM SOLLEN GERADE DIE LÄNDER SOLCHE SCHULEN ERHALTEN ?

UND WARUM SOLLEN AUSGERECHNET AGRARINGENEURE IN DIESEN SCHULEN DIE GEEIGNETSTEN LEHRER SEIN ????

das alles ist ein systemwidriges Sondersystem einer politischen Kaste !!

Gast: Anna123
06.02.2012 13:47
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Kompetenzwirrwarr ja - Sinnhaftigkeitsproblem nein

Ein gewisses Kompetenzwirrwarr ist hier wohl eindeutig vorhanden, da stimme ich sehr zu.

Aber dennoch sei vermerkt: wer den Schulen ihre Qualität und den Lehrenden dort ihre Kompetenz abspricht, der kennt sich einfach nicht aus. Und nein, die Lehrenden wählen nicht zu 99% ÖVP, und ihre politischen Interessen haben auch nichts mit ihrer Anstellung zu tun. Das ist einfach Blödsinn und eine Unterstellung der Nichtwissenden.
Dieser Schultypus bietet vielen die Möglichkeit, mehr als einfach nur "irgendwas" zu lernen... Hier sind sie nicht einer von 5000 Polytechnischen SchülerInnen, sondern haben durch verschiedene vertiefenden Zweige die Chancen, selbst ihre Interessen zu erkunden, viele die nicht in die Landwirtschaft gehen, schlagen nachher den Weg in Richtung Sozialberuf (beispielsweise) ein. Durch die Betreuung im Internat ist in diesen Schulen mehr Gemeinschaftssinn und auch mehr Beziehung zwischen Lehrenden und SchülerInnen. Man darf nicht vergessen, dass in Schulen wie dem Polytechnikum und auch tw. in diesem Schultyp die SchülerInnen aus einem tw. schwierigen sozialen Umfeld kommen, das ist leider so. Genau deshalb ist dieser Schultyp für viele junge Menschen eine wichtige Chance, für sie den richtigen Weg zu finden und nicht einfach, weil man ihnen keinen anderen Weg zeigt, hinter den nächsten Verkaufstheke zu stehen. Dass die Schwerpunkte nicht auf Universitätsniveau sind, ist ja klar. Fände es sehr schade, wenn es diese Schulen nicht mehr geben würd.

Antworten Gast: sepplbauer
09.02.2012 09:59
0 0

Sie sind wohl TEIL des SYSTEMS ?? (Lehrer/in ??)

ob es sionnhaft ist einen "hauswirtschaftlichen Schultyp" im Agrarressort zu führen, wenn es gleichzeitig HLW und "Fachschulen für wirtschaftliche Berufe" überall im Lande gibt darf man fragen?
Sinnhaft ist es auch "gewerbliche Tätigkeiten" als landwirtschaftlichen Schulstandorten" auszubilden wenn es gleichzeitig in der selben Region HTL und Techn.Fachschulen daneben gibt darf ich fragen?

Die Vorkenntnisse der Lehrer und auch den Wert der an Landw. Schulen erhaltenen "Zusatzausbildung" (Anerkennung in der Berufswelt) darf man hinterfragen ?

Wären alle Schultpen der 15-18 bzw. 19 Jährigen in einem Ressort müßte zu einer raschen Klärung von Ausbildungsinhalten und Schultypen führen und die Hälfte der "Landwirtschaftlichen Fachschulen" wären wohl dann nicht mehr erforderlich.

Ein Problem ist es, dass Lehrer die an einer Landwirtschaftlichen fAchschule unterrichten mit ihrer lehrberechtigung in einer HLW oder einer gewerbl. Fachschule nicht unterrichten dürfen. Hier wäre wohl auch Spezialisierung (bei den Landw.Lehrern) und Durchlässigkeit zu anderen Schulen erforderlich !

Antworten rgrafend
06.02.2012 21:05
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Re: Kompetenzwirrwarr ja - Sinnhaftigkeitsproblem nein

hmmm.... klingt ja alles ganz gut.

erklaert aber sicher nicht dass diese schulen beim landwirtschaftsministerium angesiedelt sind.

Gast: Suppenkaspar
06.02.2012 10:23
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Rechnungshof .... ?

zur vollständigen Darstellung müßten sie
die in den letzten 10 Jahren erstellen
RH-berichte des Bundesrechnungshofes lesen und sich die darin vorgeschlagenen Lösungen und Ideen zu Gemüte führen,
Lustig und aufschlußreich wären auch die Berichte des NÖ-Landesrechnungshofes (früher Kontrollausschuß des Landtages).

Angemerkt muß werden, dass in diesem Schulsystem der höchste Prozentsatz an Schüler die volle SCHUL- und HEIMBEIHILFE erhalten,
wegen besonders günstiger Berechnung für VOLLERWERBSBAUERN, die Nebenerwerbler kriegen da aber nichts ....

Gast: sepplbauer
06.02.2012 10:18
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Wenn mann bedenket, ....

... was die Schüler dort alles lernen - nicht nur Landwirtschaft - dann schaue man an:

http://www.lako.at/de/die_schulen/

oder: http://www.proplanta.de/Agrar-Nachrichten/Karriere/Neuer-Internetauftritt-der-Landwirtschaftsschulen-in-Niederoesterreich_article1316019840.html
weil der Link: www.farmschulen at/online
jetzt hicht mehr erreichbar ist (??)

Hauptsache ist dass die zu 99% ÖVP-wählenden Landwirtschaftslehrer weiter eine Arbeit haben, .....

Antworten Gast: Senf-Geber
06.02.2012 10:39
1 1

Re: Wenn mann bedenket, ....

... wo man auch hört,
dass dort sehr viele POLY-Flüchtlinge untergebracht sind,
die gar nicht BAUERN werden wollen
oder auch können
(keine Aussicht auf einen Betrieb !)

ich fand weiters:
www.landwirtschafsschulen.at

dort kann man "Lebensmitteltechnologie, Soziale Dienste, Wellness, Agrarmarketing, Wald&Holz" u.v.a. lernen
... ist wohl für die Poly-Flüchtlinge gedacht,

oder auch als Überlebensstrategie der Lehrer

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