25.05.2013 20:45 Merkliste 0

Maturareform: Angst vor dem zentralen Niveauverlust

ROSA SCHMIDT-VIERTHALER (Die Presse)

Die zentrale Mathematikmatura lässt in vielen Gymnasien die Furcht vor einer Nivellierung nach unten wachsen. Die neuen Rechenbeispiele würden lediglich ein "niedriges Grundniveau" abdecken, so die Kritik.

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Wien. Ist die neue Mathematikzentralmatura leichter als die bisherige Reifeprüfung? Ja – wenn man die Quote der negativen Arbeiten im erstmals durchgeführten Schulversuch als Maßstab nimmt. Bisher schrieben alljährlich durchschnittlich 15 Prozent der Schüler ein Nicht genügend. Am 9. Mai fielen nur 8,6 Prozent durch.

Leichter ist die Zentralmatura auch nach Ansicht vieler Lehrer an der AHS. Denn über die einzelnen Schultypen hinweg gibt es vom Realgymnasium bis zum Borg – je nach Schwerpunkten – ein starkes Gefälle beim Mathematikniveau. So prüfte für die „Presse“ ein AHS-Lehrerteam aus Braunau jene Aufgaben, die für den Pilotversuch verwendet wurden.

Die Lehrer kommen zu dem Schluss, dass nur ein „sehr niedrig angesiedeltes Grundniveau“ gesichert werde. „Die Mathe-Wahlpflichtgruppe einer 7.Klasse konnte die Übungen zu den Grundkompetenzen ohne Vorbereitung in einer Stunde recht gut bewältigen“, sagt Mathematiklehrer Josef Schmid. Zwar sei der zweite Maturateil, der die Grundkompetenzen vernetzt, schwieriger als der erste. Aber insgesamt gebe es „keinen Vergleich zu einer Matura in unserem Gymnasium“. Auch AHS-Lehrer aus Wien urteilen, dass der erste Teil das Niveau der 5. oder 6. Klasse habe: Diese Aufgaben könne „wirklich jeder schaffen“.

 

Heftige Kritik der Gewerkschaft

Weit schärfer formuliert das AHS-Gewerkschaftschef Eckehard Quin: „Die Nivellierung nach unten ist systembedingt. Es gibt schon an den verschiedenen AHS-Standorten sehr unterschiedliche Leistungsniveaus. Weil das Ministerium nicht zulassen kann, dass an Brennpunktschulen 80 Prozent negativ sind, muss das Niveau gesenkt werden.“ Schon im Probedurchlauf wurden „ziemlich große Unterschiede zwischen einzelnen Schultypen“ festgestellt, sagt der für den Schulversuch verantwortliche Werner Peschek von der Universität Klagenfurt.

(c) APA

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Die Lösung, die Gewerkschafter und Uni-Didaktiker vorschlugen, war eine teilzentrale schriftliche Matura, bei der nur die Grundkompetenzen zentral vorgegeben werden und die Schule zusätzliche Aufgaben einbringt – wobei die Schüler beides positiv absolvieren müssten. Für Ministerin Claudia Schmied (SPÖ) drängte jedoch die Zeit. Es gab wenig Spielraum. So wird 2014 Mathematik schlechter vorbereitet als jedes anderes Maturafach an den Start gehen. „Bei Schulversuchen sollte man etwas ausprobieren. Es ist schade, dass das unterbunden wurde. Das Ministerium wusste offenbar schon, wie es funktioniert“, sagt Didaktiker Johann Humenberger von der Uni Wien. Er wartet darauf, wie sich der zweite komplexere Teil bewährt – und sieht dabei noch eine Gefahr: Hier könnten künftig weit mehr Schüler durchfallen, was zu einer Streichung des zweiten Teils führen würde. Dann käme es für die Gesamtheit der Schulen zur Nivellierung nach unten.

Übrigens: Die Zahl der Nicht genügend beim Schulversuch ist mit Vorsicht zu genießen. Die Maturanten wurden durch Pilotversuche gut vorbereitet und ihre Lehrer von der Uni Klagenfurt speziell unterstützt. Außerdem nahmen nur 220 Schüler aus 13 Klassen teil.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.05.2012)

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194 Kommentare
 
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Re: Re: Re: Die Matura für alle... "Erhöhen wir die Akademikerquote":

Ich weiß nicht.was Sie jetzt damit sagen wollen, ob Sie es bedauern, dass Sie sich damit beschäftigen mussten, oder ob Sie es bedauern, dass es jetzt nicht mehr Inhalt sei (wie Sie glauben), aber Integral- und Differentialrechnung stehen nach wie vor im Lehrplan und wurden bei der Matura auch abgefragt.

Gast: politicallyincorrect
24.05.2012 21:12
3 1

Sehr gscheit...

Ganz tolle Sache. Ist den entsprechenden Entscheidungsträgern eigentlich klar das die Hauptaufgabe einer AHS ist die Schüler möglichst gut auf ein Studium vorzubereiten? Ist es da nicht ETWAS kontraproduktiv das Niveau auf ein Level zu senken bei dem man davon ausgehen kann das 80% der Maturanten später durch die "Ausmusterungsprüfungen" auf der Uni fallen?

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Re: Sehr gscheit...

...so erspart man sich dann die Aufstockung des Lehrpersonals an den Unis...

Re: Re: Sehr gscheit...

und die Umsetzung von Studienbewirtschaftungsplänen ...

Gast: Humbug
24.05.2012 21:08
2 0

Für eine EU-Zentralmatura!

Statt 27 mal "Zentralmatura" von sicherlich 50 verschiedenen Unterrichtsministerien.

Gast: Irrweg
24.05.2012 21:05
3 1

Der Paradigmenwechsel

hin zum sogenannten Mitternachtswissen, das quasi jederzeit verfügbar ist, ist leider ein Irrweg. Zum einen verstehen schwächere SchülerInnen den Lehrstoff auch auf ganz ganz niederem Niveau nicht so durchdringend, dass er für sie jederzeit verfügbar ist (Stichwort: Ich habe Mathe erlernen müssen...) zum anderen hängen den Begabteren die Grundkompetenzen schon zum Hals heraus. Klar! die Grundkompetenzen für die Zentralmatura sind nicht der Oberstufenstoff, man darf ja mehr machen, aber ich bin als Lehrer meinen SchülerInnen schuldig, dass ich sie für die Abschlussprüfung optimal vorbereite. Die Studierfähigkeit für technische Studien ist dazu ein kommunizierendes Gefäß. Optimale Maturavorbereitung - schlechte Studierfähigkeit. Schade dass dieser Paradigmenwechsel die eigentlich sinvolle Zentralmatura in M so belastet.

In wenigen Jahren werden die Unis ein Aditur und Eingangsvorlesungen über den bisherigen Oberstufenstoff machen müssen, dafür können unsre Matuanten bei Assinger´s Millionenshow mit 100% iger Sicherheit die verschiedenen Zahlenmengen herunterbeten, die Winkelfunktionen im rechtwinkeligen Dreieck (und nur dort!!!) im Kopf anwenden und den Scheitelpunkt einer quadratischen Funktion bestimmen. Und das auch dann, wenn der gute Assinger irgendwann ins Nachtprogramm verbannt wird - > Stichwort Mitternachtswissen.

Re: Der Paradigmenwechsel

Es gibt kein "Mitternachtswissen"!
Das glauben nur die Experten.
Gehen Sie 3 Jahre auf Weltreise und sehen Sie sich als Mathematiklehrer an, ob Sie - z.B. - Hypothesentests noch mit links erledigen können.
Was ich meine: Von einem Großteil der "Kompetenzen" wird nach 10 Jahren nichts mehr vorhanden sein, wenn sie nicht im Alltag immer wieder benötigt werden (Denken Sie an eine Fremdsprache, die Sie 10 Jahre nicht mehr benutzt haben).

Gast: 2Cent
24.05.2012 20:55
1 3

Ich hätte mir einen Paradigmenwechsel gewünscht.

Die Einführung der Zentralmatura wäre die Gelegenheit gewesen, zu hinterfragen, ob tatsächlich jeder Maturant in Mathematik antreten muss.

Hätte man hier mutig entschieden, dann müsste man nicht nach unten nivellieren, damit nicht zu viele Kandidaten durchfallen. Es muss und will ja nicht jeder an die TU gehen.

Re: Ich hätte mir einen Paradigmenwechsel gewünscht.

"Es muss und will ja nicht jeder an die TU gehen", aber er will vielleicht ein naturwissenschaftliches oder ein wirtschaftwissenschaftliches Studium oder Psychologie, oder ... beginnen.

Gast: fdcsgdg
24.05.2012 20:54
1 1

Wer das bei den beteiligten Akteueren nicht voraussah

dem ist nicht zu helfen

Gast: Gastname*
24.05.2012 20:51
0 0

Ach..

.. da glauben doch noch einige, dass es an einer AHS noch Niveau gibt. ;)
Na, Spaß beiseite:
Es ist jedem Bürger bewusst, dass es ein Niveauunterschied an verschiedenen Schulen gibt. Durch Einführung der Zentralmatura gibt es also 2 Möglichkeiten: Entweder die Aufgaben an einen hohen Niveau anpassen oder umgekehrt. Auf beiden Seiten verlieren letztlich immer die Schüler.
Doch solch große Voraussicht darf man unseren Politiker nicht zutrauen..

Re: Ach..

natürlich haben allen unkenrufen zum trotz die ahs im allgemeinen ein hohes niveau.

ich unterrichte auch an einer uni...

dort verlangen wir, dass die studierenden auch handwerklich auf beachtlichem niveau rechnen können; das, was ich von der zentralmatura aus mathematik weiss (und das ist alles, was zur zeit verfügbar ist), ist da viel zu wenig.

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Re: ich unterrichte auch an einer uni...

Am Papier schnell, zielgerichtet und korrekt rechnen zu können ist sicher eine tolle Fähigkeit und macht (mir) auch Spaß.

Erforderlich finde ich das aber nicht. Wer wirklich _rechnen_ muss, dem sollte eher der Umgang mit einem guten Computeralgebrasystem beigebracht werden .. und wer Mathematik betreibt (weil er Mathe, Physik, Chemie, Maschinenbau, Elektrotechnik, Informatik, ... als Studienfach gewählt oder auch einen Beruf ergriffen hat, der das Beherrschen von Mathematik erfordert) - wohlgemerkt, Mathematik! Nicht rechnen! -, für den ist die Mathematikmatura wohl either way kein Gradmesser.

Wie sich die Leute hier alle gebärden .. das Ziel des Lateinunterrichtes ist ja auch nicht, Latein zu sprechen, sondern Sprachzusammenhänge zu verstehen, Geschichte auf eine andere Art zu erfahren, humanistische Bildung zu erwerben, Denksport zu betreiben, Formulieren zu üben, ... kriegts euch wieder ein! Abgesehen von ein paar wirklich grundlegenden Fertigkeiten wie Schreiben und den Grundrechnungsarten ist die Schule nicht da, um verschiedene Schubladen an Wissen in Menschen hineinzukippen.

Antworten Gast: b754
24.05.2012 21:11
0 5

Re: ich unterrichte auch an einer uni...

es soll studienrichtungen geben wo das anders ist und mathematik ist wohl kaum ein gradmesser für intelligenz schon gar nicht in unserem schulsystem wo kindern das lernen ohnehin verdorben wird und da ist sicher nicht die zentralmatura schuld

Re: Re: ich unterrichte auch an einer uni...

sie haben recht, nicht in jedem studium braucht man mathe, und es ist auch kein gradmesser für intelligenz; aber in den meisten studien, die chancen auf einen brotberuf eröffnen, ist mathematik doch ein wichtiger bestandteil. wenn man zb. volkskunde studiert (hochinteressant, wirklich!) braucht man keine mathematik, die chance, sich davon ernähren zu können, hält sich in überschaubaren grenzen.. ;-)

"es soll studienrichtungen geben wo das anders ist"

Theologie?

Gast: Saiffenstayn
24.05.2012 20:15
0 9

Hinausprüfen ist das Prinzip der Bürgerlichen ....

Wenn ich an all die Leute denke, die ich im Leben kennengelernt habe und die
von sich ehrlich gesagt haben, dass sie nur bestanden haben in Mathe wegen dem "weißen Jahrgang" ...

Und wenn ich an die denke, die "zu den Maturafragen hingeführt" wurden ....

Ja für den Sohn vom Herrn Präsidenten, da finden wir schon was ...
und die Proleten und Bauernkinder werden hinausgeprüft ....

Antworten Gast: vxcvyx
24.05.2012 20:57
4 1

Re: Hinausprüfen ist das Prinzip der Bürgerlichen ....

welche Prüfung haben Sie verhaut ?
Offensichtlich haben Sie ein Problem damit.

Verzagen Sie nicht, das Leben geht weiter - auch nach großen Katastrophen.

 
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Eduard 2013

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