Schon Zweijährige haben Grammatik im Kopf

 (Die Presse)

Schon kleine Kinder wenden Regeln an – im Gegensatz zu Schimpansen, die nur nachahmen, sagt ein US-Linguist.

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Neben Cheetah (die freilich von mehreren realen Äffinnen verkörpert wurde) ist Nim Chimpsky (1973 bis 2000) wohl der unter Menschen berühmteste Schimpanse: Man brachte ihm die „American Sign Language“ bei, er beherrschte 125 Zeichen.

Sein Name spielt auf Noam Chomsky an, den Linguisten, der behauptete, dass den Menschen eine „universelle Grammatik“ angeboren sei. Beherrschte auch Nim Chimpsky eine Grammatik? Verwendete er die Zeichen in einer bestimmten Ordnung? Eher nein, sagten die Forscher bisher. Mit Nachdruck Nein sagt nun Charles Yang von der University of Pennsylvania in den Proceedings of National Academy of Sciences (1.4.): Er könne „statistisch rigoros“ (für Freunde der Statistik: mithilfe des Zipf'schen Gesetzes) zeigen, dass Nims Zeichenkombinationen keine grammatischen Regeln befolgen. Der Affe habe nämlich weniger Zwei-Zeichen-Kombinationen verwendet, als er verwendet hätte, wenn er eine Grammatik im Kopf gehabt hätte. „Nims Zeichen folgten eher mechanischer Nachahmung als echter Grammatik.“

Unbestimmter oder bestimmter Artikel?

Zweijährige Menschen dagegen haben bereits eine Grammatik im Kopf, meint Yang. Er verglich neun Aufzeichnungen der Sprachäußerungen von Zweijährigen, die amerikanisches Englisch lernen, mit dem unter Linguisten gängigen „Brown Corpus“, der 500 Texte umfasst.

Und zwar verglich er in Hinblick auf einen ganz simplen Fall von Grammatik: die Kombination eines Substantivs mit einem unbestimmten oder bestimmten Artikel, also z.B. „a bath“ oder „the bath“. Das Erste kommt in der gesprochenen Sprache häufiger vor, umgekehrt kommt „the bathroom“ häufiger vor als „a bathroom“.

Yangs Argument ist nun: Wer nur nachplappert, der folgt dem allgemeinen Sprachgebrauch. Wer aber schon eine kreative Grammatik im Kopf hat, entscheidet sich – zumindest in der Zeit, in dem er diese frisch ausprobiert – frei, ob er den bestimmten oder den unbestimmten Artikel verwendet. Tatsächlich waren die Zweijährigen in dieser Hinsicht flexibler als die Autoren der Texte im „Brown Corpus“. Yang sieht das als Argument gegen die gängige Idee, dass Kleinkinder die Sprache vor allem durch Nachahmen lernen: „Zweifellos spielt das Gedächtnis eine Rolle, wenn Kinder eine Sprache lernen. Wörter und Redewendungen sind die offensichtlichsten Beispiele. Aber die Ergebnisse zeigen, dass das Gedächtnis nicht die kombinatorische Kraft der Grammatik ersetzen kann.“ tk

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.04.2013)

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4 Kommentare
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Vielleicht sollte

man mal versuchen mit einem Affen gleich viel Zeit zu verbringen wie mit Menschen. Höchstwahrscheinlich würden auch die Affen die Regeln über kurz oder lang begreifen, da ich überzeugt bin, wir lernen durch Nachmachen und Üben, so tun es auch die Tiere, Vögel sind z.B. Meister darin.


Problemkategorien: Im Kopf und angeboren

Im Kopf haben wir unser Gehirn, keine Grammatik, keine Sprache.

Sollte die "Angeborenheit" einer angeborenen universellen Grammatik t r a n s z e n d e n t a l angeboren sein, ist der Sinn des Wortes "angeboren" mit viel "Hirnschmalz" zu hinterfragen: nicht "im Kopf", sondern unter uns.

Grammatik = strukturiertes Denken

Unser Denken und Gedächtnis sind oft in Bildern, aber meistens in Sprache strukturiert. Wenn wir nachdenken, reden wir mit uns selber bzw. stellen uns etwas vor. Dafür gibt es mentale Symbolisierungssysteme, von denen eben das wichtigste die Sprache ist (im Traum sind diese ausgeschaltet, da zählen andere, nämlich Assoziationssysteme). Also ist Denken lernen gleich Sprechen lernen gleich Grammatik lernen. Es ist ganz logisch, dass Kinder das tun.

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Da brauche ich keine Studie um das zu wissen.

Mein 2-jähriger Sohn weiß, wie man die Vergangenheitsform bildet, jedoch kennt er noch nicht alle Wörter mit starker Beugung. So hat er unlängst gesagt: "Der Papa hat gepfifft." Würde er nur durch Nachahmung lernen, hätte er müssen "gepfiffen" sagen.

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