19.05.2013 01:25 Merkliste 0

Lehrerdienstrecht: ÖH und Junglehrer kritisieren Regierungsvorschläge

 (DiePresse.com)

Die Reform der Pädagogenausbildung dürfe nicht aus den Verhandlungen zum neuen Diesntrecht ausgeklammert werden, sagt die ÖH. Auch die Junglehrer üben Kritik an den Regierungsvorschlägen.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Die Österreichische HochschülerInnenschaft (ÖH) hat am Freitag die Regierung dazu aufgefordert, in den Lehrerdienstrechtsverhandlungen nicht länger die Reform der Pädagogenausbildung auszublenden. Es sei eine "Absurdität", über Gehaltsschemata und Unterrichtsverpflichtung zu verhandeln, ohne zu wissen, welche Ausbildung künftige Lehrer haben werden, so Vorsitzende Janine Wulz (Grüne und Alternative StudentInnen, GRAS) bei einer Pressekonferenz. Die Vertreterin der Unterrichtspraktikanten Wiens, Regina Bösch, warnte vor einer Anhebung der Unterrichtsverpflichtung. Sollte diese kommen, sei nur noch "Dienst nach Vorschrift", aber keine Innovation mehr möglich.

In Sachen Lehrerausbildung herrsche seit Jahren Stillstand, kritisierte Wulz. Die ÖH ihrerseits hat ganz klare Vorstellungen, wie die Pädagogenbildung künftig aussehen soll: Ein durchgängiges, fünfjähriges Studium für alle Pädagogen, egal ob sie im Kindergarten oder in einer maturaführenden Schule arbeiten, mit Master- oder Diplomabschluss. Außerdem soll die Ausbildung für alle Lehrer an derselben Einrichtung erfolgen: Die ÖH will eine Zusammenlegung von Fachhochschulen, den Unis, die derzeit die Lehrer an AHS und berufsbildenden höheren ausbilden, und den Pädagogischen Hochschulen (PH) wo die Ausbildung für Lehrer an den Pflichtschulen (Volks-, Sonder-, Haupt-, Berufs- und Polytechnische Schule) angesiedelt ist.

Einjähriger Berufseinstieg mit Coaching

Im Anschluss soll es einen einjährigen Berufseinstieg für alle Jungpädagogen geben, bei dem diese von einem Mentor unterstützt werden und parallel wissenschaftlich begleitet und in Alltagsfragen beraten werden, so Tobias Dörler, ÖH-Referent für Pädagogik. Damit soll verhindert werden, dass Junglehrer anstatt neue methodische und didaktische Konzepte umzusetzen einfach den Unterricht erfahrener Lehrer übernehmen.

Unterdessen haben sich in Wien vor einem Vierteljahr Junglehrer, Unterrichtspraktikanten und Lehramtsstudenten zur "Initiative für ein faires LehrerInnendienstrecht" zusammengeschlossen, um sich gemeinsam gegen die geplante Erhöhung der Arbeitszeit zu wehren. Über Facebook und E-Mail-Verteiler haben Begründerin Elisabeth Denscher und Bösch über 300 Betroffene um sich geschart; über die ÖH sollen auch Lehramtsstudenten und Junglehrer an den Pflichtschulen erreicht werden.

Verhandlungen sind "intransparent"

"Wir hoffen, dass wir nicht mehr überhört werden, wenn wir viele sind", so Bösch. Dabei kann die Initiative sich derzeit wegen der "intransparenten" Art der Verhandlungsführung nur ein vages Bild davon machen, was genau sie bekämpft. Die Junglehrer seien überhaupt nicht eingebunden, obwohl sie die Betroffenen sind, ärgert sich Bösch.

Vor allem eine mögliche Erhöhung der Unterrichtsverpflichtung auf 24 Stunden - das wären für AHS-Lehrer mit zwei Schularbeitsfächern sechs Stunden mehr als bisher - will Denscher bekämpfen. Denn: "Guter Unterricht braucht viel Zeit zur Vorbereitung - besonders in der Anfangszeit. Wenn der Regierungsvorschlag tatsächlich umgesetzt wird, werden engagierte Junglehrer bereits nach wenigen Jahren ausbrennen oder resignieren." Überhaupt kritisiert sie, dass beim neuen Dienstrecht anscheinend weiterhin nur Unterrichtsstunden gezählt werden sollen und andere Teile des Lehrerberufs - etwa Unterrichtsvorbereitung, Korrekturen, Teambesprechungen und Elterngespräche - nicht berücksichtigt werden.

"Abstrus": Erhöhte Unterrichtsverpflichtung

Besonders "abstrus" findet Bösch den Plan, die Unterrichtsverpflichtung für Berufseinsteiger auf 22 Stunden zu erhöhen. Immerhin sei das einjährige Unterrichtspraktikum, das es derzeit nur an AHS und BHS gibt, schon derzeit "recht anspruchsvoll": Neben den vier bis acht Stunden Unterricht müssen Unterrichtspraktikanten hospitieren (den Unterricht anderer Lehrer beobachten, Anm.), das Begleitstudium an den PH mit Fächern wie Schulrecht absolvieren und mit dem Betreuungslehrer Konfliktsituationen oder Elterngespräche besprechen. Dass Junglehrer, wie im Konzept für die neue Lehrerausbildung angedacht, berufsbegleitend auch noch ihr Masterstudium schaffen sollen, ist für Bösch überhaupt unvorstellbar. "Da soll schließlich im ersten Jahr schon mehr unterrichtet werden, als es derzeit eine volle Lehrverpflichtung vorsieht."

(APA)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

7 Kommentare
Gast: Gast31
17.06.2012 01:32
11 2

Bitte weitermachen

Für Junglehrer ist der Berufseinstieg eine sehr große Herausforderung. Hier die Untenrrichtsverpflichtung zu erhöhen ist Wahnsinn einer Politikerin die keine Ahnung hat.

Das Unterrichtsfacht Turnen oder Geographie ist sicherlich mit 24 Stunden zu bewältigen. Aber wenn man Schularbeitsfächer und Maturavorbereitungen hat ist eine Erhöhung um 6 Stunden kaum zu meistern. Jeder der es nicht glaubt sollte mal 30 Englischaufsätze korrigieren.

Aber ich hoffe die Junglehrer sind schlau genug und schauen sich die durchaus interessanten Bedingungen in Deutschland und in der Schweiz an. Es bleibt nichts als Österreich den Rücken zuzuwenden

Janine Wulz - die gibt es immer noch?

Hat sie nicht bereits genug Schaden für die ÖH und Österreichs Studierende angerichtet?

"Treten Sie endlich zurück! Sie sind eine Schande für die ÖH und die Universitätslandschaft!"

23 2

Super!!!

Ich bin sehr erfreut, dass sich jetzt auch Öh und Junglehrer (die Betroffenen) zu diesem Mist vom Unterrichtsministerium zu Wort melden. Alleine die 22 Stunden für Einsteiger (mehr als eine normale Lehrverpflichtung) kann nur von "kra...ken" Hirnen kommen. Bitte macht weiter und setzt alles daran, dass diese Vorschäge nicht wahr werden (ich hab selber nichts mehr davon, denn ich hab nur mehr wenige Jahre bis zur Pension).

Wie kommt eine Person...

... wie Frau Wulz dazu, sich für qualifiziert genug zu halten, Aussagen in Fragen wie der Ausbildung unserer Jugend zu tätigen? Diese Frage hat erheblichen, fast schon beispiellosen Einfluss auf die Zukunft Österreichs.

Solche Diskussionen sollte man nicht in die Hände irgendwelcher grün-alternativen Frauinnen geben, deren größte Leistung es war, sich von bekifften Studierenden zur ÖH-Vorsitzenden wählen zu lassen. Ich möchte dieser Dame keinesfalls ihre Intelligenz absprechen, aber sie ist in meinen Augen nicht befähigt, in solchen Fragen auch nur indirekt Einfluss zu nehmen.

Tragisch nur, dass mir momentan kein einziger Politiker einfällt, den ich für ausreichend vorrausschauend halte, eine Entscheidung in Bildungsfragen zu treffen. Die liebe Frau Schmied schon gar nicht.

Aber in Österreich scheint es als Qualifikation auszureichen, in der Privatwirtschaft eine Bank in den Abgrund gerissen zu haben. Da können sich Schmied und Fekter die Hand geben.

4 0

Re: Wie kommt eine Person...

ÖH, Studenten und Junglehrer haben das Recht und müssen es sogar wahrnehmen, denn sie sind die alleinigen Betroffenen!
Das "Alter" kann auch eine böse arrogante "Schlagseite" kriegen- wie kommt die dazu....?

Re: Wie kommt eine Person...


In wessen Händen dann?
In denen einer gescheiterten Bankmanagerin?

dumm

ach kinder, warum seid ihr so dumm - war auch mal öh-vertreter und wir hatten viele dummheiten im kopf - aber gegen die heutige gruppe waren wir doch etwas uni-verbundener und haben nicht unserer institution an das bein gepinkelt

Eduard 2013

Schlagzeilen Bildung