Wien/Thea. Seit zehn Jahren existieren in Österreich Lehrpläne für erstsprachlichen Unterricht. Wie sich das Angebot bzw. der Bedarf dafür seither entwickelt hat, zeigt ein Statistik des Referats für Migration und Schule im Unterrichtsministerium. Im Schuljahr 2010/11 wurden demnach 23 unterschiedliche Sprachen angeboten. Wie schon in den Jahren davor entfielen jeweils mehr als drei Viertel aller Lehrer, die diesen Unterricht anbieten, und Schüler, die ihn in Anspruch nehmen, sowie der Großteil der Unterrichtsstunden auf BKS (Bosnisch, Kroatisch, Serbisch) und Türkisch. BKS ist die einzige Sprache, die im gesamten Bundesgebiet angeboten wurde, Türkischunterricht gab es in allen Bundesländern außer Kärnten. Albanisch war schon wie zuvor die einzige weitere Sprache mit mehr als 1000 Schülern. Mehr als zehn Lehrer unterrichteten außerdem Arabisch – auch die Zahl der Unterrichtsstunden lag über 100, ebenso wie bei Polnisch.
Ländlicher Raum benachteiligt
Auch wurde in der Statistik erhoben, welche Faktoren die Verbreitung von muttersprachlichem Unterricht begünstigen. Generell steigt mit der Größe einer Sprachgruppe sowie mit dem Anteil zweisprachiger Schüler unter allen Schülern die Chance auf erstsprachlichen Unterricht für die betreffende Zielgruppe. Dabei spielt natürlich die räumliche Konzentration eine Rolle: Je mehr Schüler der gleichen Herkunftssprache pro Schule und je höher die Dichte an Schulen im Wohngebiet, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass sich genug Schüler für einen Kurs finden. Daraus ergeben sich auch die geringeren Chancen auf muttersprachlichen Unterricht in ländlichen Gebieten. Bei Minderheitensprachen wie etwa Kurdisch spielt auch das geringe Vorhandensein von Lehrern eine Rolle.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.06.2012)
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