25.05.2013 22:33 Merkliste 0

Ein Plädoyer gegen den linken Zeitgeist

 (Die Presse)

Der Schuldirektor Dieter Grillmayer beleuchtet in seinem neuen Buch die „Bildungsbaustelle“. Eine Rezension.

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Der laute Applaus aller Kritiker der linken Zeitgeistpädagogik ist Autor Dieter Grillmayer wohl schon nach der Lektüre des Klappentextes seines neuen Buches sicher: „Die heutige Erziehungskrise ist ein Beispiel von vielen, an denen belegt werden kann, dass in der Menschheitsgeschichte jede Übertreibung von der gegenteiligen abgelöst wird, dass in diesem dauerhaften Auf und Ab der Zeitgeist der Zeit und ihren Erfordernissen zumeist weit hinterherhinkt, dass also derjenige besser für die Zukunft sorgt, der sich antizyklisch verhält, als derjenige, der immer „in“ sein will“, formuliert Grillmayer dort etwas langatmig. Und gibt damit eindeutig die Stoßrichtung vor.

Wer nun einen undifferenziert polemischen Abgesang auf das Schulsystem und die rot-schwarze Bildungspolitik erwartet, wird positiv überrascht. Grillmayer, ehemaliger Direktor des BRG Steyr und als freiheitlicher Lehrervertreter für viele wohl per se ideologisch verdächtig, schafft einen kritischen, aber fachlich fundierten und faktenbezogenen Rückblick auf die Bildungsdebatte der vergangenen 50 Jahre. („Fünfzig Jahre Bildungsbaustelle“ heißt denn auch der Untertitel des Buches.)

In zwölf Kapiteln, in denen der Autor Klassiker wie Rousseau, Weber und Kant bemüht, widmet er sich altbekannten, aber durchwegs brennenden Themen. Die Bandbreite reicht von der Leistungsbeurteilung über die Koedukation bis zur Modernisierung des Mathematikunterrichts. Grillmayer outet sich dabei als Insider und zeichnet – neben inhaltlicher Überlegungen – oft auch die Entwicklung der Debatten in den vergangenen Jahren nach. Vieles davon ist bekannt. Für Interessierte bietet das Buch dennoch spannende Einblicke und Anregungen zur weiteren Diskussion.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.08.2012)

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5 Kommentare
Gast: nixzg
06.08.2012 15:00
0 0

war mal

Zeitgeistig war Linkssein in den 70ern - heute hamma die 10er des 21. JHs.

Gast: dejay
06.08.2012 13:41
10 0

in Deutschland schon gescheitert

Das Modell neue Mittelschule ist in Deutschland unter dem Namen Gesamtschule schon gescheitert. Sozialistische Gleichmacherei bringt keine Innovation. Die Ausrichtung der Schule nach den Schwächeren schafft nur eine abgestumpfte, gelangweilte Elite, welche als verhaltensauffällig abgestempelt wird, weil ihr fad ist. Hat Frau Minister schon mal über einen längeren Zeitraum einen halben Arbeitstag in einer Vorlesung gesessen, bei ihr nichts neues erzählt wurde. War sie dabei nach 10 Minuten noch bei der Sache?
Aber wir können die durch Langeweile verhaltensauffälligen mit dem Cocainderivaten wie Ritalin ruhigstellen. Dann passen sie wieder in den sozialistischen Einheitsbrei.

Re: in Deutschland schon gescheitert

Kann diesem Kommentar nur positives abgewinnen.
Man lese zu diesem Thema auch das aktuelle Werk vom Genetiker Markus Hengstschläger, der darauf hinweist (ohne sozial benachteiligen zu wollen !), dass es doch weitaus besser sei, die Begabungen des einzelnen Heranwachsenden noch mehr zu fördern, als seine Schwächen bewusst aufzuzeigen, indem man ihn in diesen "endlos" schult, damit er "durchkommt".
Bei letzterem Zutun verkommen Talente, weil sie leider verstumpfen müssen.
Jede/r hat unterschiedliche Begabungen und ist auch ein eigenständiges Individuum.
Schwachstellen verbessern JA, aber das Niveau bei Interessensschwerpunkten und vorhandenen Fähigkeiten im gesamten heben.
Das ist dann nicht Eliteförderung, ganz im Gegenteil: sondern Anreiz für Benachteiligte, auch ihren Talenten stärker nachkommen zu dürfen.
Wer gut Fußball spielt muss kein Manager werden und wer messerscharf logisch denken kann und Physiker werden will, sollte auch nicht z.B. im Zeichenunterricht gequält werden.

8 0

habe das Buch nicht gelesen ..

aber der schulische Wandel der letzten 30 Jahre hat gereicht. Wer sich mit dieser Thematik zu sehr beschäftigt erkennt, viele Köche verderben den Brei und erzeugt Kopfschmerzen. Und am gefährlichsten sind die Hobbyköche. Sie zeigen einen besonderen Ehrgeiz bei der Umsetzung ihrer Idiotien, sorry, natürlich Kochkreationen. Frei nach Otto: jetzt schütten wir das Ganze, unter leichtem Umrühren, in den Kanal.

der linke zeitgeist

wäre nicht schlecht, wenn er nicht das gegenteil dessen bewirkte, was er möchte.
ein buch schreiben ist besser als nur eines zu lesen.

Eduard 2013

Schlagzeilen Bildung