26.05.2013 11:08 Merkliste 0

Gesamtschule: SPÖ will das Volk entscheiden lassen

BERNADETTE BAYRHAMMER UND JULIA NEUHAUSER (Die Presse)

SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Rudas und Ministerin Schmied sprechen sich für eine Volksabstimmung aus. Eine solche könnte auch im nächsten Koalitionspapier paktiert werden.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Wien. Nachdem die SPÖ dieser Tage beim strittigen Thema Uni-Zugang einen Schritt auf die ÖVP zugegangen ist, macht sie bei der gemeinsamen Schule nun Druck. Burgenlands Landeschef Hans Niessl preschte gestern, Freitag, vor: Bei Themen, in denen sich die Koalition nicht einigen könne, solle das Volk befragt werden. Auch Bildungsthemen gehören für ihn dazu. In einem Interview mit der Gratiszeitung „Heute“ forderte er sogleich eine Volksbefragung über die flächendeckende Einführung der Neuen Mittelschule

In der eigenen Partei fällt dieser Vorschlag auf fruchtbaren Boden, mehr noch: SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Laura Rudas spricht sich im Gespräch mit der „Presse“ sogar für eine (im Gegensatz zu einer Volksbefragung rechtlich bindende) Volksabstimmung aus. „Wenn sich zwei Parteien nicht einig sind, macht es Sinn, die bestehenden, direkt demokratischen Mittel zu nutzen“, so Rudas. Die innerhalb der Koalition umstrittene, von SPÖ-Unterrichtsministerin Claudia Schmied angestrebte gemeinsame Schule der Zehn- bis 14-Jährigen sei ein gutes Beispiel für einen solchen Fall. Von einer Volksabstimmung erwartet sich Rudas Rückenwind für eine Bildungsreform nach SPÖ-Geschmack. So zeigt sie sich optimistisch, was die Chancen betrifft: „Die Mehrheit der Bevölkerung wäre sicherlich für die flächendeckende Einführung der Neuen Mittelschule.“

Eine Volksabstimmung noch in der aktuellen Legislaturperiode dürfte allerdings höchst unrealistisch sein – zumal ein solcher Antrag eine Mehrheit im Nationalrat braucht. Spannender wird es nach der nächsten Wahl, die womöglich noch vor dem ursprünglich geplanten Termin im Herbst 2013 stattfinden könnte.

Wie man aus der SPÖ hört, könnte die Partei die Schulreform zu einer Bedingung für neue Koalitionsverhandlungen machen – die Vorarlberger Landesgruppe hat zuletzt einen derartigen Antrag angekündigt. Sollte dies nicht gelingen, könnte die SPÖ als Alternative versuchen, zumindest eine Abstimmung über die flächendeckende Einführung der Neuen Mittelschule im Koalitionspapier zu paktieren.

 

Auch Schmied für Abstimmung

Auch Unterrichtsministerin Schmied steht einer Volksabstimmung grundsätzlich positiv gegenüber. Es sei „vorstellbar, über die Schulreform abzustimmen“, heißt es gegenüber der „Presse“ aus ihrem Büro. Wie Rudas räumt auch Schmied den SPÖ-Vorhaben bei einer Abstimmung durch das Volk gute Chancen ein. Die Ministerin hat im Ringen um einen Ausbau ihres Modelles bereits eine unterstützende Umfrage präsentiert. Demnach scheinen zumindest zwei Drittel der Eltern von Kindern, die eine Neue Mittelschule besuchen, zufrieden zu sein.

Zentral dürfte bei einem politisch derart umstrittenen Thema jedenfalls mitunter auch die Art der Fragestellung sein. Während etwa die Frage nach einer Abschaffung des Gymnasiums durchwegs auf Ablehnung stößt – erst kürzlich sprach sich in einer Karmasin-Umfrage für das Nachrichtenmagazin „Profil“ weniger als ein Viertel der Befragten dafür aus –, könnten andere Formulierungen möglicherweise mehr Bürger zu einer Ja-Stimme bewegen.

Aus der ÖVP kam am Freitag übrigens sofortige Ablehnung: Die direkte Demokratie solle nicht „von entscheidungsschwachen Politikern taktisch missbraucht werden“, sagte Sebastian Kurz, der in der ÖVP mit der Erstellung des Demokratiekonzepts betraut war.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.08.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

80 Kommentare
 
12 3
Gast: entscheidungsschwächlinge
12.08.2012 20:48
0 0

volksbefragungen

Bei Themen, in denen sich die Koalition nicht einigen könne, solle das Volk befragt werden.
Das klingt sehr gut: alle offenen ungelösten Themen der vergangenen Jahre werden dem Volke vorgelegt. 1. Erstellung eines Themenkatalogs. 2. Wegen Uneinigkeit und fehlender Beschlussfähigkeit wird das Volksbefragungsthema wieder abgeblasen. Dieser Pressebericht dient wohl als Füller des Sommerlochs.

Gast: Korngod S
12.08.2012 20:05
2 0

Das Volk? In so einer Sache?

Viele wissen nicht einmal wie man Schule schreibt?

Wieder so eine Rote Schnapsidee.


Gast: Gruftmaus
12.08.2012 14:32
2 0

Shit...wurd unterbrochen.

Das Volk entscheiden lassen.
Oh JA !!!
Am besten NACHDEM es so eine Schule besucht hat. YEAAHHH!!!
SO hab ichs gemeint---EGAL WAS hier veröffentlicht wird. "§$$"§§$$% !!!

Gast: Gruftmaus
12.08.2012 14:29
0 0

Das "Volk" entscheiden lassen.


Gast: abstimmung
12.08.2012 13:34
2 0

wer soll abstimmen ...

vielleicht meine 80jährige Oma, die soooo viel von Bildung versteht, da sie ja auch erst kürzlich maturiert hat .... Nein, die Idee ein Abstimmung ist grundsätzlich gut, aber man müsste ausschließlich die Zielgruppe befragen - nicht alle Österreicher, die glauben, weil sie ja vor x-Jahren selbst man in der Schule waren nun Bildungsexperten zu sein! Ich bin für eine gezielte Umfrage bei Eltern und jungen Leuten, nicht aber bei allen Österreichern! Oder würden Sie, wenn Sie ein neues Fleisch auf den Markt bringen wollen auch alle Vegetarier befragen?

Antworten Gast: Oberlehrer55
13.08.2012 05:05
0 0

Re: wer soll abstimmen ...

Richtig - die Zielgruppe befragen. Also alle, die in den nächsten 30 Jahren in die Eintopfschule gehen werden, deren Eltern usw.

Super Vorschlag!!!

1 1

Zum verzweifeln

Obwohl sich laufend Stimmen melden, die die Bildungssituation in Österreich bemängeln und es Veränderungsvorschläge zuhauf gibt, geht und geht nichts weiter. Dieses ideologiebehaftete Thema darf nicht länger den Parteien überlassen werden. Bevölkerung erhebe dich!

Gast: Eltern
12.08.2012 09:36
3 0

Volkes Wille

Warum alles oder nichts? Man kann doch Gesamtschulen neben Schulen der bisherigen Form anbieten. Die Eltern können dann selbst bestimmen in welche Schule sie ihre Kinder schicken.
Schulen die gefragt sind werden vergrößert oder vermehrt. Schulen die wenig besucht sind muss man schließen. Damit ist der Wille des Volkes besser erkennbar als durch eine Volksbefragung. Das Geld für die Volksbefragung steckt man besser in die Verbesserung der Schulqualität.

1 0

Re: Volkes Wille

Das ist ein Widerspruch in sich. Gesamtschule heißt eben, dass es nur mehr eine "Wahl" gibt und das ist grundfalsch.

2013 wird das Wahlvolk darüber entscheiden, wen von euch es noch braucht.

Aber nicht heulen, wenns nicht passt.

der vergleich mit der schweiz ist ja generell ok

was man leicht vergisst ist, dass man dort nie einen kaiser hatte und nie eine diktatur, dh die leute sind es seit jahrhunderten gewöhnt, über jeden schmarrn selbst zu entscheiden und mit den folgen ihrer entscheidungen zu leben bzw ihr hirn auch vor der entscheidung zu benutzen.

das kann bei uns nur in die hose gehen. hier denkt doch jeder nur an sich selber und maxmial bis morgen. wenn man so will sind wir einer demokratie gar nicht würdig. wobei ich nicht meine, dass wir uns die herrschaften, die uns regieren verdient haben, so schlecht sind wir auch wieder nicht ;-).

0 0

Re: der vergleich mit der schweiz ist ja generell ok

Naja, die hatten vor länger zeit mal den selben Kaiser wie wir.
Wir haben die Habsburger nur importiert nachdem die Schweizer sie mit erhobener Hellerbarde aus dem Land gejagt haben.

Warum ...

... gibts nicht verschiedene Schulsysteme und die Eltern entscheiden, wohin sie ihre Kinder geben?
Stimmt: hab ich vergessen: ist in Diktaturen nicht üblich.

Gast: der helle Wahnsinn
11.08.2012 22:02
2 0

1 Jahr untätig

Der eigentliche Skandal bei der ganzen Sache ist, dass die Volksabstimmung auf nach der nächsten Wahl verschoben wird mit dem Argument das so "knapp" vor der Wahl sowie so nichts mehr geht. Dieses Argument werde ich meinem Chef auch sagen, dass ein Jahr vor der Vertragsverlängerung keine neue Arbeit mehr angenommen wird. Für wenn "arbeiten" unsere Politker überhaupt. Dass beste für das Land kann ich mit dieser Arbeitsmoral auch beim zudrücken meiner beiden Hühneraugen nicht mehr erkennen.

Gast: Abdisu (kein Lehrer)
11.08.2012 21:05
2 0

Da haben sich Vorgängerin und Nachfolgerin

auf ein Packl gehaut, hoffentlich um sich mit populistischem Effekt aus dem unverkäuflichen Idiotenprojekt Gesamtschule herauszuschummeln. Wenn nur nicht irgendeine miese Tour beabsichtigt ist, zum Beispiel eine so schwammige Formulierung der Frage, dass am Ende doch eine Art Zustimmung herausschaut.

Gast: Hortkind
11.08.2012 20:15
2 0

dringend Lösung der Gesamtaufbewahrung notwendig

nachdem nun bereits die Mehrheit der Schüler am Ende der Schulpflicht (also nach 8 Jahren Unterricht) nicht mehr ordentlich Lesen oder Schreiben kann, von Rechnen reden wir gleich gar nicht, ist es unbedingt dringend notwendig, das erforderliche Maturaniveau weiter nach unten anzugleichen damit auch diese Kinder eine Chance auf einen gut bezahlten Vorstandsposten nach einem Scheinstudium haben. Dies geht am besten durch eine Erhöhung der Kinderaufbewahrung in den Lehrerbezahlanstalten auf 7-18 Uhr erweitern - damit noch mehr Überstunden bezahlt werden können. Ev. fangen dann auch mehr Kinder aus Langeweile zum Lernen an?

Re: dringend Lösung der Gesamtaufbewahrung notwendig

dazu müsste man zwangshalber aber den noch neu zu gründenen beruf kleinemenschenaufbewahrer schaffen, denn lehrer 'arbeiten' ja nicht so lange, wie von ihnen skizziert.

Gast: bärig
11.08.2012 20:11
3 0

Ist ja toll!

Da wollen Politiker das Volk abstimmen lassen über eine Schulform, für die es bis dato keine wirklich gut ausgebildeten Lehrkräfte gibt! Sind sich diese Leute dessen eigentlich bewusst?

Wie sollen für die Gymnasien ausgebildete Lehrer bitte auf einmal Kinder mit keinen bis geringen Kenntnissen der Unterrichtssprache unterrichten können? Und die müssen sie dann unterrichten, weil ALLE Kinder in einer Gesamtschulklasse sitzen werden! Die Herren und Damen Politiker haben doch keine Ahnung davon, was sich in den Schulen wirklich tut!

Re: Ist ja toll!

und dabei reden wir noch gar nicht von sonderschulen und deren status quo. zwischenzeitlich kriegen die ja völlig jedes verhaltensauffällige kind mit 3 zusatzlehrern zugeschanzt, echte integration/inklusion will man bei uns ja nicht.

daher finanzieren wir weiter munter 2 parallelsysteme (!), was da noch geld vorhanden sein muss, sensationell!

Gast: schreker
11.08.2012 19:52
3 0

Brav!

Das ist die erste "intellente" Wortmeldung, die wir von Frau Rudas überhaupt zu hören bekommen. Jetzt kann man nur noch hoffen, daß die Fragestellung hinreichend klar ist, nicht so wie weiland bei der Wiener Volksabstimmung, a la "Sie sind doch auch dafür, dagegen zu sein, daß keine gemeinsame neue Mittelschule für In- oder Ausländerkinder nicht kommt bzw. doch."

Gast: Maulklatscher
11.08.2012 19:22
1 0

jo^^

die sind ganz gierig drauf sich vom befragten Volk eine ordentliche Maulklatsche zu holen...

3 1

Auswandern ist die Lösung

aus lauter Verzweiflung über PolitikerInnen wie Schmied, Heinisch-Hosek, Darabos, Fekter,
ich wandere aus-nur leider sind in anderen Ländern die PolitikerInnen auch nicht gescheiter

2 0

Re: Auswandern ist die Lösung

die Salzburger Clique-Schaden und Burgstaller habe ich vergessen
langsam sind mir die korrupten Kärntner noch lieber-da weiß man wenigstens woran man ist-aber die sogenannte Gut Menschen Politikersippschaft ist einfach nur mehr degoutant

Gast: =EHM=
11.08.2012 16:35
5 0

Österreich hat bereits jetzt ein sehr, sehr teures und sehr, sehr ineffizientes Ausbildungssystem

Die Entwicklung Richtung Entwicklungshilfeland in Sachen Bildung ist mit oder ohne Befragung nicht mehr aufzuhalten

..dank der Typen die uns ohne ausreichende Bildung regieren

8 0

Volksabstimmung?

Ich hab nichts dagegen. Aber nur, wenn ich auch über den ESM und andere EU-Themen abstimmen darf.

irgend ein Ende der Diskussion muss her

durch die 2/3 Regelung bei Schulgesetzen ist diese Vorgehensweise wohl die einzig mögliche um zu irgendeiner Entscheidung zu kommen - nur dann sollte Schluss sein mit der Diskussion - ganz egal wie es ausgeht. Vermutlich wird das aber der Todesstoss für die Idee einer gemeinsamen Schule der 10-14 Jährigen. Wenn nun spätestens im November Frau Rudas das Unterrichtsministerium übernehmen wird (was ja ohnehin mittlerweile alle wissen) kann sie diese Volksabstimmung ja mal vorbereiten. Mit dem Ergebnis ist dann auch die Zukunft der Lehrerausbildung verbunden - wenn Ja zur Gesamtschule, dann braucht es eine gemeinsame Ausbildung aller Lehrer - wenn Nein - hat auch diese Diskussion eine Ende zu nehmen.

 
12 3

Eduard 2013

Schlagzeilen Bildung