21.05.2013 11:06 Merkliste 0

Bundes-ÖVP gegen Gesamtschule durch die Hintertüre

JULIA NEUHAUSER UND IRIS BONAVIDA (Die Presse)

Tirols Landeshauptmann Günther Platter will die Gesamtschule in einer Modellregion erproben. ÖVP-Chef Michael Spindelegger versucht jetzt zu beruhigen: Die Parteilinie werde nicht aufgeweicht.

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Innsbruck/Wien. Stimmen gegen das Gymnasium werden in der Volkspartei nicht gern gehört. Als sich vor wenigen Wochen der Tiroler ÖVP-Chef und Landeshauptmann Günther Platter als Sympathisant einer Gesamtschule deklarierte, ignorierte die Bundespartei seinen Vorstoß noch. Nun ist das nicht mehr möglich. Denn Platter kündigte an, in Tirol einen Schulversuch zu starten. Frühestens ab 2014 soll es eine Modellregion geben, in der alle Zehn- bis 14-Jährigen gemeinsam zur Schule gehen.

Platters neuerlicher Vorstoß – der einer Einführung der Gesamtschule durch die Hintertüre gleichkommt – rief nun Parteichef Michael Spindelegger (ÖVP) auf den Plan. Die Parteilinie sei trotz des geplanten Modellversuchs in Tirol nicht aufgeweicht, versucht er zu beruhigen. Es bleibe dabei: „Die Neue Mittelschule kommt, das Gymnasium bleibt.“ Das sagte Spindelegger am Dienstag vor dem Ministerrat. Um dieser Linie nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch treu zu bleiben, kündigte Spindelegger an, den Tiroler Modellversuch genau zu beobachten. Gemeinsam mit Platter werde er „genau abstimmen, was man erproben will“. Erste Gespräche habe es diesbezüglich bereits gegeben.

 

Details noch vor Ende des Jahres

Wie ein derartiger Modellversuch genau aussehen könnte, will die Tiroler ÖVP noch nicht sagen. Nur so viel: Bildungslandesrätin Beate Palfrader (ÖVP) wird in den kommenden Wochen gemeinsam mit Experten und dem Tiroler Landesschulrat ein Konzept erarbeiten. Bereits Ende des Jahres sollen die ersten Details feststehen.

Der Arbeitseifer in der Tiroler ÖVP in Sachen Gesamtschule freut vor allem die Bundes-SPÖ. Gilt die Gesamtschule doch schon seit Jahren als das große Wunschprojekt von Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ). Bisher scheiterten jegliche Verhandlungen darüber am Veto der ÖVP. Einzig auf die flächendeckend Einführung der Neuen Mittelschule – als Schulform neben dem Gymnasium – konnten sich die Koalitionspartner einigen. Wenig verwunderlich also, dass die Ministerin bereits mit dem Tiroler Landeshauptmann Kontakt aufgenommen hat. Selbstbewusst kündigt Schmied an: Sie werde nun gemeinsam mit der Tiroler Politik ein Modell ausarbeiten.

Für Ablehnung sorgen die Bestrebungen bei der AHS-Lehrergewerkschaft Tirol. Deren Vorsitzender, Karl Digruber, bezeichnet den Platter-Vorschlag als „bildungspolitischen Holzweg“. Er ortet einen Kuhhandel zwischen Platter und der Innsbrucker Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer („Für Innsbruck“). Diese „segle schon lange auf Gesamtschulkurs“. Platter erhoffe sich von ihr dafür eine Wahlempfehlung, sagt Digruber.

Inwieweit der Widerstand der ÖVP gegen die Gesamtschule bröckelt, ist schwer auszumachen. Erst vor Kurzem ließ der steirische Ex-ÖVP-Bundesrat Andreas Schnider mit der Aussage aufhorchen, in der ÖVP gäbe es eine „schweigende Mehrheit“ für die Gesamtschule. In öffentlichen Statements bleibt man auf Parteilinie. „Das Gymnasium bleibt, die Mittelschule bleibt“, sagt etwa der Vorarlberger Bildungslandesrat Siegi Stemer. Vorarlberg stehe aber in engem Kontakt mit Tirol und werde sich anschauen, ob es gelingt, Pilotmodelle zu entwickeln.

Auf einen Blick

Die Gesamtschule gilt seit Jahren als Wunschprojekt der SPÖ. Die ÖVP wehrte sich stets gegen dieses Vorhaben. Kern eines derartigen Modells: der gemeinsame Unterricht aller Zehn- bis 14-Jährigen. Eine Trennung zwischen Hauptschule bzw. Neuer Mittelschule und Gymnasium sollte es damit nicht mehr geben. Befürworter erhoffen sich davon bessere Bildungschancen für sozial Schwache.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.09.2012)

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31 Kommentare
 
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Gast: redredred
07.09.2012 21:59
5 0

schulvielfalt muss auch künftig gewährleistet sein - zum wohl der kinder und ihrer individuellen stärken

es ist für die individuelle entwicklung und förderung der kinder auch weiterhin sinnvoll, möglichst viele unterschiedliche schulmodelle (sportgym, musikgym, naturwissenschaftliches gym, akademisches gym, neusprachliches gym bzw nms) parallel zu führen und einen wechsel zw den modellen (teilweise) möglich zu machen (zB wenn sich die familiensituation ändert, das kind gezielt berufliche schritte einleitet, zB leistungssport, kunst etc.).
schlecht wäre es, die gezielte förderung, die grundsätzlich mit einer fachlichen schwerpunktsetzung möglich war und ist zugunsten einer gesamtschule aufzugegeben, die bereits erkannte stärken des kindes möglicherweise / idealerweise neuerlich erkennt (diesmal durch den lehrer) und diese dann wie fördert? analog zur bisherigen schwerpunktsetzung von gymnasien? besser, da wesentlich mehr unterricht in den fächern für die eine besondere begabung im vergleich zu den mitschülern vorliegt? ist es auch gewährleistet, dass alle kinder mit der begabung x tatsächlich mehr unterricht in diesem fach haben?

es muss auf jeden fall auch weiterhin nicht nur gewährleistet sein, dass das gymnasium in seiner bisherigen form bestehen bleibt, sondern auch, dass nicht durch die hintertür (über die gesamtschule) eine verpflichtende ganztagsschule eingeführt wird.

bm schmied nutzt die aktuelle debatte um die einführung einer täglichen turnstunde geradezu aus, um ihr ideologisches wunschmodell ganztagsschule gesetzlich verankert umsetzen zu können!

Steigerung

platt, platter,...
Jetzt überholt Tirol links...

Die Kinderlosen wissen am besten, was für

die Kinder der anderen voll super ist! Die Gesamtsonderschule wäre da natürlich ein Traum.

modellregion

die wievielte? wieviele schulen laufen seit jahren und jahrzenhten als schulversuch und müssen von jahr zu jahr um ihre existenz bangen bzw sind abhängig von den launen irgendwelcher beamter, die über die erneute unterstürtzung urteilen?

4 11

ÖVP steht für Stillstand

Die Schüler sind ihr egal, sie liebt nur ihre wahnwitzige Blockierer Lehrer-Gewerkschaft !!!

Re: ÖVP steht für Stillstand

Sie werden lachen, auch viele viel SPÖ - Lehrer sind gegen den idiologischen Schwachsinn, den die oberen linken "Experten" da am grünen Tisch verbreiten!
Kenne einige Lehrer, die selbst aber wegen eines Maulkorberlasses keine negativen Meinungsäußerungen über die Gesamtschule äußern dürfen.
Sie selbst scheinen da auch "gehirngewaschen" zu sein.

Re: ÖVP steht für Stillstand

In diesem Fall blockiert die ÖVP GOTTSEIDANK einen Schwachsinn, der aus der Wirtschaft kommt und klare Interessen verfolgt. Es geht um sehr, sehr viel Geld.

Folgende Ziele finden sich auf der Wunschliste dieser Personen:

- Erhöhung der Jugendarbeitslosigkeit
- Erhöhung der allgemeinen Arbeitslosigkeit
- Senkung der Löhne und Gehälter
- Erhöhung der Arbeitszeit
- Jederzeitige unentgeltliche Verfügbarkeit der Arbeitnehmer
- Streichung von Überstundenbezahlung
- Streichung von Arbeitsnehmerrechten
- Senkung von Sozialleistungen
- Senkung von Krankenständen
- Erhöhung von Abhängigkeiten
- Verdienen mit Privatschulen
- Kontrolle der Zukunftschancen zugunsten der eigenen Klientel

Diese Ziele lassen sich leicht erreichen durch:
- Vernichtung des Ansehens des Lehrerstandes
- Schlechte Bezahlung des Lehrerstandes
- Zerstörung funktionierender Schulformen
- Umwandlung qualitätsvoller Lehrerarbeit in reine Anwesenheit
- Senkung des Leistungsgedankens bei Schülern
- Zuschütten der Schulen mit Schwachsinn
- Querschüsse und Hackeln ins Kreuz vonseiten gut bezahlter politisch opportuner "Experten"
- Abbau des Ausbildungsniveaus bei Lehrern (Bachelor für alle)
- Förderung einer Zweiklassengesellschaft innerhalb der Lehrkörper zwecks Aufspaltung der Einheit
- Abwürgen jeder Form von kritischem Denken, indem man jedem, der lästige Fragen stellt, ausrichten lässt, er sei nur darauf aus, sinnvolle und notwendige Reformen wegzubetonieren.

Gast: OberlehrerXXL
05.09.2012 12:23
14 0

Österreichs Schulsystem 2025

Die Sozialisten haben 2016 gemeinsam mit den Grünen die Gesamtschule eingeführt. Alle Linken in Österreich sind zufrieden. Bildung wird jetzt nicht mehr vererbt. Jedoch sind die Bildungchancen zu einem Lotteriespiel geworden und von folgenden Faktoren abhängig:

- In welcher Region wohnt der Schüler?
- Wie viele verhaltenskreative Schüler sind in der
Klasse?
- Wie viele Schüler können Deutsch?
- Wie viele Kinder aus bildungsnahen Schichten
gehen nicht in die Privatschule?
- Können die Lehrer den Anspruch der
inneren Differenzierung erfüllen, oder werden nur
die leistungsschwachen Schüler gefördert?

Aber - und das ist für die linke Ideologie das Wichtigste- die bildungsnahen Eltern können den schulischen Werdegang ihrer Kinder nicht mehr beeinflussen. Die von Ministerin Schmidt vielgepriesene Chancengleichheit zeigt sich in frappierender Weise bei den 14jährigen Schülern in Form einer kollektiven Leistungsschwäche. Aber die Chancengleichheit ist tatsächlich hergestellt: ALLE haben GLEICH WENIG CHANCEN. Die österreichischen Jugendlichen können sich am Arbeitsmarkt nur schwer gegen gut ausgebildete Kräfte aus anderen EU Staaten durchsetzen. Die Jugendarbeitslosigkeit liegt über 50%.
Nur die Kinder der Reichen (Politier, Banker, Wirtschaftsbosse...) genießen auf den Privatschulen eine fundierte Ausbildung. Sie werden am Arbeitsmarkt natürlich bevorzugt behandelt.

ALLE ÖSTERREICHER SIND GLÜCKLICH UND DANKEN CLAUDIA FÜR DIE MUTIGE REFORM.

Die nordischen Schulsysteme 2012!

Die Reformen aus den 80iger sind abgeschlossen, Gesamtschul- und Ganztagskonzepte mit dem Erfolg umgesetzt, dass diese dtl besser bei PISA abschneiden, die Zufriedenheit aller Beteiligter gestiegen ist, das Ansehen der Lehrer aufgrund starker Selektion sehr hoch ist und das System sich nicht verteuert hat.
ALLE haben die gleich guten Chancen und es sind mit Sicherheit nicht alle glücklich aber zufrieden mit ihrem Bildungssystem!

Re: Österreichs Schulsystem 2025

Und das wichtigste: man hat eine große proletarische Schicht geschaffen und die sozialistische Mehrheit auf Jahrzehnte zementiert.

1 0

Re: Re: Österreichs Schulsystem 2025

Diese Schicht wählt die Sozialisten aber auch nur so lange sie ihre Sozialgelder ohne Arbeit bekommen, sonst sind sie bei den Blauen, weil diese so "geil" sind. Es könnte also auch ein Schuss ins Knie sein.

Gast: Petersen J
05.09.2012 09:20
4 0

Kuhhandel ?

Tausche Gesamtschule gegen Studiengebühren?

Gewerkschaftliche Geiselhaft!

in der schule und verwaltung die ÖVP
bei den ÖBB und Wien die SPÖ

und alle ruinieren dieses Land nachträglich!

Rot und Schwarz sind zu einer Mafia geworden, die blind alle verbal erschießen wollen, die nicht ihrer Ideologie entsprechen (die sich allerdings auch oft änder, siehe Wehrpflicht)

zu hoffen ist nur, dass diese mafia 2013 abgewählt wird und Paten wie Pröll und Häupl endlich in die Pension, besser in den Häfen verschwinden!

Die Kinderlosen quaken superlaut mit!


Antworten Gast: Calamaro
06.09.2012 06:39
0 2

Re: Die Kinderlosen quaken superlaut mit!

Warum auch nicht? Es haben ja auch die Fußgänger eine Meinung zum Autoverkehr. Denen spricht ja auch keiner das Recht darauf ab.

Gast: vergilius
04.09.2012 20:48
4 4

ein eindeutiges ja

zur gymnasialen unterstufe war spindelegger denn doch nicht zu entlocken. das macht stutzig.

Antworten Gast: Abdisu (kein Lehrer)
05.09.2012 02:59
1 0

Re: ein eindeutiges ja

Eben. Kein Wort glauben, der Lemming-Trieb ist stärker als der ohnehin nur dürftig ausgeprägte Verstand, der Schulterklopfer einer Bobo-Praktikantin in der Zeitung zählt mehr als die Verärgerung der letzten Wähler. Die tauschen gerade den Uni-Zugang gegen die Trottelschule ab. Also: Wehren, alle gemeinsam, Lehrer, Eltern und Schüler, und nie wieder von einer Frau Schmied auseinanderdividieren lassen. Lang dauert es ohnehin nicht mehr, nur: was dann? Unterrichtsministerin Rudas?

Gast: Claudia Platter
04.09.2012 20:18
0 3

ER will sie reinlegen

und SIE freut sich.

Gast: Ja und Nein
04.09.2012 20:09
9 3

GANZTAGESSCHULE, wenn von Eltern gewünscht, dann JA -


GESAMTSCHULE ein klares NEIN, da dies eine Nivellierung nach unten bedeutet.

Österreich braucht mehr Eliten; siehe Vergleich Studieninskripienten zu Studienabsolventen.

Antworten Gast: Hans im Glück
05.09.2012 10:51
5 0

Re: GANZTAGESSCHULE, wenn von Eltern gewünscht, dann JA -

Es gibt unterschieliche Ganztagesschulen.

Ich bin für die Ganztagesschule bei der man die Kinder früher nach Hause mit nehmen kann (offene Ganztagesschule = Offene Schule).

Von 8 - 17 Uhr müssen meine Kinder keine Prädigten anhören. Daher ein klares NEIN zur gebundenen Ganztagesschule.

Antworten Gast: mirsandiehautevolée
04.09.2012 22:43
2 5

Re: GANZTAGESSCHULE, wenn von Eltern gewünscht, dann JA -

Eliten? Werma jetzt eine Nation voller Mateschitze? Zu wem können sie dann hochnäsig sein?

Gast: dirge
04.09.2012 20:08
0 10

an der gesamtschule

wird kurzfristig kein weg vorbeiführen, bei dem lehrermangel.

Gast: Abdisu (kein Lehrer)
04.09.2012 19:58
4 4

Unwählbar, kompliment, ganze Arbeit!

Eine Partei, die alles unternimmt, um sich überflüssig zu machen.

5 3

Irgendwie...

... naiv oder ahnungslos! Wenn sich die Unterrichtsministerin über Platter freut, dann weiß man schon woher der Wind weht. Wie kann man das Gymnasium beibehalten und gleichzeitig mit der Gesamtschule liebäugeln? Es weiß offensichtlich in der ÖVP keiner mehr, was er will.

10 4

Wer keine Kinder hat, kann ja locker für

die Gesamtschule sein. Die Gesamtschule ist für alle Beteiligten negativ.
Überall gibt es Anfänger und Fortgeschrittene.............

Antworten Gast: exvisler
04.09.2012 22:45
2 5

Re: Wer keine Kinder hat, kann ja locker für

Ja, auch in der Gesamtschule. Die Vienna International School ist eine Gesamtschule und hat Leistungsgruppen. Wo ist also das Problem?

 
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Eduard 2013

Schlagzeilen Bildung