19.05.2013 14:58 Merkliste 0

Innsbrucker "Ghettoklasse": Betroffene sehen Flop

von Köksal BALTACI (Die Presse)

Eine Volksschulklasse mit fast ausschließlich türkischen Kindern sollte gezielt gefördert werden. Ein Pilotprojekt, das im Erfolgsfall in Serie gehen sollte. Nach Protesten wurde das Projekt eingestellt.

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Das Olympische Dorf in Innsbruck vor sechs Jahren: Der Anteil der Erstklässler mit Zuwanderungsgeschichte in der Volksschule Neu Arzl ist derart hoch, dass die Schulleitung kurzerhand beschließt, eine der drei ersten Klassen fast ausschließlich mit ausländischen, zumeist türkischen, Kindern zu besetzen. Lediglich drei Schüler haben keinen Migrationshintergrund. Deren Eltern werden vorsichtshalber gefragt und haben nichts gegen diese Aufteilung einzuwenden.

Das Argument der Direktorin Erika Bucher damals: Die Kinder sollen ihre Deutschdefizite über „homogene Sprachförderung“ schneller aufholen und gezielt betreut werden. Ein Pilotprojekt, das im Erfolgsfall in Serie gehen sollte und an die aktuelle Forderung von Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz (VP) erinnert, wonach Kinder ohne ausreichende Sprachkenntnisse im Rahmen eines Vorschulsystems ein Deutsch-Förderjahr absolvieren sollen. Damals wurde kritisiert, es gebe die Gefahr, dass sich Kinder in so einer Klasse untereinander lieber in ihrer Muttersprache unterhalten. Die bestehe nicht, sagte Bucher. Die Lehrpersonen würden streng darauf achten, dass im Klassenraum ausschließlich Deutsch gesprochen werde.

Ein Aufschrei ging durch die Bevölkerung. Eltern betroffener Schüler beschwerten sich, sie seien nicht miteinbezogen worden und mit einer „Türkenklasse“ nicht einverstanden. Es gab Proteste, um eine Neuaufteilung der Schüler zu erreichen. Medien wurden mobilisiert, der Konflikt zwischen Eltern und Schule entwickelte sich zum Politikum – bis sich das Bezirksschulinspektorat einschaltete und die Fortsetzung des Pilotprojekts im folgenden Jahr verbot. Dieser Anordnung ging ein Gemeinderatsbeschluss voraus. Für die bereits eingeteilte Klasse kam diese Regelung zu spät, sie blieb vier Jahre lang bestehen. In den Monaten und Jahren darauf berichteten Eltern immer wieder von mangelnden Deutschfortschritten ihrer Kinder. Sie würden untereinander nur Türkisch sprechen und sich von österreichischen Schülern immer mehr abkapseln.

Vollendete Tatsachen. „Mein Sohn fragte mich, warum er nur mit Türken in der Klasse sei und ob man ihn in den anderen Klassen nicht haben wolle“, sagt der Innsbrucker Tayip Ünsal (41) heute. Er ist der Vater von Mustafa (13), einem der betroffenen Schüler. „Die Art, wie man uns Eltern damals – eine Woche vor Schulbeginn – vor vollendete Tatsachen gestellt hat, war ein Skandal. Ich bin froh, dass unsere Proteste gefruchtet haben, und dieses schwachsinnige, diskriminierende Projekt sofort wieder zu Grabe getragen wurde“, so Ünsal, der seinen Sohn nach einem Jahr wieder aus der Klasse nahm und in eine andere Volksschule schickte, weil er kaum Deutsch gelernt habe. „Erst in den Jahren danach hat er sich durch Nachhilfeunterricht und spezielle Förderung zu Hause gefangen und ist ein erfolgreicher Schüler geworden. Ich habe mindestens 10.000 Euro für Nachhilfestunden ausgegeben.“ Mittlerweile geht Mustafa in die dritte Klasse einer Neuen Mittelschule und spricht perfekt Deutsch. Andere Schüler aber würden bis heute unter mangelnden Deutschkenntnissen leiden, die auf den Pilotversuch zurückzuführen seien. Ünsal: „Ich kenne viele Eltern, die bereuen, dass sie seinerzeit nicht konsequent waren und ihre Kinder aus dieser Klasse genommen haben. Auch sie mussten später ein Vermögen für Nachhilfe ausgeben.“

Von einer benachteiligten Klasse, deren Schüler nun mit massiven Nachteilen kämpfen, will Direktorin Bucher nichts wissen. Die Schüler hätten in ihrer Schullaufbahn einen „gleichwertigen Erfolg“ aufgewiesen – im Vergleich mit anderen Kindern ihrer Schulstufe. Dass das Konzept der getrennten Klasse nicht fortgeführt wurde, sei ausschließlich den Protesten und der Intervention von Politikern zu „verdanken“, die von „Ghettoklassen“ gesprochen und so das Projekt gekippt hätten, erklärt Bucher. Es ist lange her. 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.10.2012)

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41 Kommentare
 
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Gast: Calamaro
14.10.2012 06:11
12 1

...

Wenn der Schüler schon VOR dem Schuleintritt Förderungsmaßnahmen zu Hause genossen hätte, dann hätte er nie ein Problem gehabt. Der Herr Papa soll also aufhören, zu jammern, und sich selber bei der Nase nehmen.

Wenn er rechtzeitig begonnen hätte, hätte er seine 10000 Euro für schönerer Dinge als Nachhilfe verwenden können.

Wo steht denn, dass der Erwerb der deutschen Sprache erst in der Schule stattfinden muss? Und das auf Kosten des Steuerzahlers.

bei ghettothemen

muss vorgelesen werden. da ist nichts mit veröffentlichung des beitrags ohne verzögerung, für registrierte user.
ist aber das gute recht der presse.

Mittlerweile geht Mustafa in die dritte Klasse einer Neuen Mittelschule und spricht perfekt Deutsch.

haha. die nms ist nach schmied makulatur.

versteh ich nicht

warum beklagt sich dieser Mustafa, dass sein Kind nicht Deutsch gelernt hat? hat es das nicht schon zuhause? wenn die Kinder von zuhause zumindest Grundlagen der deutschen Sprache bekämen, dann dürfte dieses Projekt nicht so schlecht funktionieren. blöd nur, wenn Kinder eingeschult werden, deren Deutsch bestenfalls rudimentär ist. meine Nichte und mein Neffe hatten dieses Problem, dass in der Klasse knapp die Hälfte nicht deutsch spricht und daher etwa 1-2 Schuljahre nur dafür drauf gingen, dass der Status quo erreicht wurde. ich will nicht, dass meine Kinder einen grössseren Teil ihrer Schulzeit so verschwenden

Gast: qwe rtz
13.10.2012 21:02
2 0

Die verordnete positive Diskriminierung "benachteiligter" Gruppen..


..äußert sich in der Praxis leider in einer zunehmenden Tendenz zur Segregation -- also die Entmischung und Isolierung der verschiedenen Gruppen.

Ähnliche Bestrebungen gibt es mittlerweile z.B. auch bezüglich geschlechtergetrenntem Unterricht in Deutschland: Mit geschlechtergetrennter Sprache und dem Verlust des Generikums zugunsten der Binnenmajuskel fing es an, und jetzt setzt sich die sprachliche Geschlechtertrennung konsequent in die Realität fort.

Segregation bewirkt jedoch nicht gegenseitiges Verständnis und Toleranz, sondern genau das Gegenteil.

Gast: Fragen
13.10.2012 20:57
6 0

die auch geklärt werden sollten:

- sind diese Kinder in Ö geboren?

- sind diese Kinder in Ö aufgewachsen?

- wie viele dieser Kinder haben einen Kindergarten in Ö besucht?

- Welche Sprache wird im eigenen Haushalt gesprochen?

Re: die auch geklärt werden sollten:

1. die meisten von ihnen
2. der Großteil von ihnen
3. ca. die Hälfte
4. Türkisch oder eine andere, selten Deutsch

Antworten Antworten Gast: Antworten
14.10.2012 18:03
1 0

Re: Re: die auch geklärt werden sollten:

Das sehe ich ebenso und ich denke nicht, dass die zuständigen Stellen dies nicht wissen (auch wenn sie etwas anderes sagen).
Somit ist klar, es an Integrationswillen fehlt. Dafür kann es nur eine Antwort geben. Eine Rechnung für das Heimreiseticket.

34 3

In 10 Jahren hat sich dieses Problem von selbst

gelöst. Die Restöerreicher werden sich schon intergrieren. Die SPÖ weiß, was sie will.

Gast: bärig
13.10.2012 20:12
17 1

Nur türkische Kinder

Das konnte nur ein Flopp werden!
Aber es geht auch anders- nämlich: Kinder verschiedener Muttersprachen zusammen in einer Klasse- dann gelingt es! Die können sich eben NUR über Deutsch miteinander verständigen!

Apartheid auf oesterreichisch


Antworten Gast: qwe rtz
13.10.2012 21:10
2 0

Re: Apartheid auf oesterreichisch

Der Vergleich mit "Apartheid" mag sich zunächst aufdrängen.

Jedoch sollte man die (historische) Apartheid, so wie sie als Verbrechen gegen die Menschlichkeit definiert ist, nicht als einfache "Trennung" verharmlosen.

Re: Re: Apartheid auf oesterreichisch

Mit der "einfachen Trennung" faengt eben eine Ghettoisierung an

Antworten Antworten Antworten Gast: bärig
14.10.2012 13:58
1 0

Re: Re: Re: Apartheid auf oesterreichisch

Sind dann alle 3-6 Jährigen in einem Ghetto, weil sie nicht in die Schule sondern in den Kindergarten gehen? Leben Senioren in einem Ghetto, weil sie in Seniorenheimen leben?
Kulturelle Vielfalt heißt auch, den Menschen verschiedene Möglichkeiten anzubieten und nicht alle zwangsverpflichten. Es gibt doch auch die verschiedensten Arten von Restaurants- jeder kann nach seinem Geschmack essen. Nur bei den Schülern hört sich der Spaß auf- da stopf man alle zusammen und nennt das "Inklusion"! Das finde ich eigentlich menschenrechtsverletzend!

Gast: gast name
13.10.2012 19:51
1 18

ueber schrift

ich finds es symptomatisch fuer eine terrorregime wie oesterreich, dass man die opfer als datengeber interviewen muss, weil alle anderen die unterlagen faelschen.

Ich wette, dass der besagte Schüler Mustafa schon in Österreich geboren wurde! Mehr gibt's nicht zu schreiben - den Rest denkt man sich und schweigt, wie es von der Obrigkeit verlangt wird.


 
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Eduard 2013

Schlagzeilen Bildung