Ausländerkinder müssen Deutsch lernen – und zwar rasch. Was in der politischen Debatte häufig der Fokus ist, ist für den Sprachwissenschaftler Rudolf de Cillia (Uni Wien) der falsche Ansatz. Denn Spracherwerb brauche vor allem eines: Zeit. Vier bis sechs Jahre dauert es, bis Kinder mit anderer Erstsprache als Deutsch das Niveau von Muttersprachlern erreichen.
Ein „Crashkurs“ vor Schuleintritt, wie von Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz (VP) gefordert, könne nicht funktionieren, so de Cillia. Sinnvoller: Mit mehr – und speziell ausgebildeten – Lehrkräften die deutsche Sprache neben dem Unterricht zu fördern. „Nur Deutsch, Deutsch, Deutsch ist ein Kurzschluss“, sagt der Sprachwissenschaftler. Im Gegenteil: Ein respektvoller Umgang mit der Mehrsprachigkeit sei der Schlüssel fürs Deutschlernen. Die Sprachfähigkeit sei unteilbar. Und: Wenn einem Kind vermittelt werde, dass die Muttersprache nichts wert ist, könne sich das negativ auf jeden weiteren Spracherwerb auswirken.
Keine Deutschpflicht zu Hause. Dass alle Eltern, egal wie gut oder schlecht sie Deutsch können, mit ihren Kindern zu Hause Deutsch sprechen, sei wenig sinnvoll – und könne ein falscher Input sein. „Sie sollten jene Sprache (oder Sprachen) sprechen, die sie selbst am besten beherrschen.“ Deutsch komme dann eben ab dem Kindergarten. Und mit genügend Zeit.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.10.2012)
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