Sexualerziehung: Eltern protestieren gegen Schulmaterialien

 (Die Presse)

Die Materialien des Ministeriums würden Mann und Frau und die "natürliche Familie" diskreditieren, so eine Gruppe von Eltern. Die darin vermittelten Werte würden "nicht der Meinung der meisten Eltern" entsprechen.

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Wien/Beba. Sexualität und Schule ist seit jeher eine heikle Kombination. Lehrmaterialien für die Sexualerziehung von Sechs- bis Zwölfjährigen, die das Unterrichtsministerium vor wenigen Monaten herausgegeben hat, sorgen nun für Wirbel. Eine lose Gruppe von Eltern rund um die Juristin und Theologin Gudrun Kugler ortet in dem Heft „Ganz schön intim“ einen „Skandal“. Die darin vermittelten Werte würden „nicht der Meinung der meisten Eltern“ entsprechen.

Die Eltern formulieren einen ganzen Fächer an Kritikpunkten: Kinder würden mit Themen konfrontiert, die eigentlich für Ältere gedacht seien; die Punkte Liebe und Beziehungsfähigkeit kämen zu kurz und – zentral: „Mann- und Frausein“ sowie die „natürliche Familie“ würden diskreditiert.

In der Tat werden Mann und Frau – gegenüber inter- oder transsexuellen Personen – und die klassische Mutter-Vater-Kind(er)-Familie nicht als die Norm dargestellt. Ein Punkt, an dem sich die Kritiker offenbar stoßen. „Lesbisch, schwul, hetero, trans wird als völlig gleichwertig verwendet“, heißt es in der Stellungnahme der Eltern. Die intensive Problematisierung der Intersexualität stilisiere „eine Sonderform zu einem dritten Weg“. Dies scheine für Kinder unangemessen. In Bildern mit je zwei hetero- und homosexuellen Paaren werde suggeriert, dass Schwule und Lesben die Hälfte der Bevölkerung ausmachen würden. Der natürliche Weg, ein Kind zu bekommen, werde zudem erst nach anderen Formen – wie Adoption – erwähnt.

 

Zentral für Prävention sexueller Gewalt

Der Verein „Selbstlaut“, der die Materialien im Auftrag des Ministeriums konzipiert hat, kontert: „Dass Minderheiten mit Mehrheitspositionen in einem Atemzug genannt werden, ist natürlich Absicht.“ Bei der Prävention sexueller Gewalt – einem zentralen Ziel der Sexualerziehung – gehe es gerade darum, Dinge zu enttabuisieren und „besprechbar zu machen“. Klar sei auch, dass die Zahl der Kinder, die mit uneindeutigen Geschlechtsmerkmalen geboren werden, also intersexuell sind, nicht sehr hoch sei. Gerade diesen Kindern müsse aber zur Vorbeugung sexueller Gewalt ein Platz gegeben werden – „und zwar nicht als Ausnahme oder Abweichung, sondern in der Mitte der Gesellschaft“.

Zwanzig Jahre Erfahrung hätten zudem gezeigt, dass bereits kleine Kinder sexuelle Gewalt erfahren und auch Volksschüler mit Pornografie und sexualisierten Inhalten konfrontiert seien. „Darauf müssen wir Erwachsenen Antworten haben.“ Schimpfwörter und sexualisierte Sprache, die ebenfalls thematisiert werden, würden das aufgreifen, „was auf jedem Schulhof zu hören ist und leider auch in vielen Familien“.

In einem Punkt gibt sich der Verein indes selbstkritisch: Dass Leihmutterschaft thematisiert, das in Österreich geltende Verbot aber nicht erwähnt werde, könne man für eine überarbeitete Version des Hefts überdenken.

Geht es nach den empörten Eltern, sollte es eine solche gar nicht geben: Sie fordern vom Ministerium, die Materialien sofort zurückzunehmen. Das Unterrichtsressort indes steht dazu: Man habe es beim Thema Sexualerziehung mit einer Breite gesellschaftspolitischer Überzeugungen zu tun. Das Ministerium halte sich bei der Beauftragung der Materialien aber stets an anerkannte Experten.

Auf einen Blick

Sexualerziehung. Der Verein „Selbstlaut“ hat die umstrittenen Materialien im Auftrag des Unterrichtsressorts erstellt. Es handelt sich um eine Sammlung von Unterrichtspaketen, Übungen und Spielen für die Sexualerziehung von Sechs- bis Zwölfjährigen. Der Verein beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit der Prävention sexualisierter Gewalt an Kindern und Jugendlichen. selbstlaut.org

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.11.2012)

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212 Kommentare
 
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Entspricht nicht einmal der Mehrheitsmeinung

Demokratische Spielregeln werden mit Füßen getreten. Die Mehrheit der Eltern ist sicher nicht dafür, daß Volksschulkinder mit allen möglichen Ausnahmefällen und Abnormalitäten in Sachen Sexualität belastet werden.

Die ständigen Versuche einiger Politiker, uns einfache Bürger umzuerziehen, gehen uns gehörig auf den Geist.

80% der Kinder bei beiden biologischen Eltern!

In der Broschüre von "Selbstlaut" wird behauptet, dass fast die Hälfte der Kinder nicht in einer "Mutter-Vater-Kind-Familie" aufwachsen. Die Autoren haben entweder keine Ahnung von Statistik und verwechseln Haushaltsdaten mit Kinderzahlen, oder sie manipulieren bewusst.

Unter http://www.leonore.at/2012/11/wo-wachsen-kinder-heute-auf/ kann man die exakten Zahlen der Statistik Austria nachlesen - die traditionelle Familie stellt die überwiegende Mehrheit!

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Parlamentarische Anfrage an BM Schmied

Gesten hat die ÖVP eine parlamentarische Anfrage an Fr. BM Dr. Schmied betreffend der Sexualerziehungsbroschüre "Ganz schön intim" eingebracht:
http://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/XXIV/J/J_13129/index.shtml

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Und das soll ich jetzt meinem Volksschulkind erklären???

Menschen, die gut befreundet sind und sich dazu
verabreden, ein Kind zu zeugen

Manche Männer geben auch ihr Sperma (ihre Samenzellen) einfach weiter an eine Bekannte
oder gute Freundin, die gerne schwanger werden möchte. Dann verabreden sich die Beiden.
Er gibt seinen Samen zum Beispiel in ein kleines Glas und sie führt sich den Samen entweder
selber in die Scheide ein oder lässt das von einer Ärztin oder einem Arzt machen. Dann
hoffen alle, dass es zu einer Befruchtung kommt. Ob später derjenige, von dem der Samen
ist, sich auch um das Kind kümmern und Vater sein will oder nicht, hängt davon ab, was er
und die Mutter vorher verabredet haben und wer mit dem Kind leben will. (Zitat „Ganz schön intim“, p.125)

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Re: Und das soll ich jetzt meinem Volksschulkind erklären???

WENN Sie ihm das erklären, sollten Sie vielleicht auch rechtliche Konsequenzen bzgl Unterhalts- und Erbansprüchen klarmachen.

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Wie konnte meine Generation(1960) jemals glücklich

und unbeschwert aufwachsen ?
Wir tobten, spielten Streiche und rannten nach der Schule in den Park um unsere Freunde zu treffen---heute würde man bei meiner ganzen Volksschulklasse ADHS diagnostizieren und uns mit Ritalin vollstopfen.

Sexuelle Erfahrungen ließ man uns ohne große Anleitungen, obwohl man uns durchaus aufklärte (Schwangerscchaft, Verhütung, Venera ), selber machen-ohne uns schon mit 6 Jahren mit der Nase in die Sexualität zu tunken.

Ich kann mich einfach des Gefühls nicht erwehren,dass der unsägliche Staat , der sich jetzt schon in die intimsten Angelegenheiten der Menschen einmischt, nicht nur krank ist, sondern auch krank macht !

Re: Wie konnte meine Generation(1960) jemals glücklich

ja, die gute alte zeit. mei hammas schön ghabt damals!

Re: Wie konnte meine Generation(1960) jemals glücklich

Ihre Generation hatte aber auch die hoechste Quote an vertuschten und verdraengten Missbrauchsfaellen die uns momentan bekannt ist, weil die Opfer jetzt, wo man drueber reden darf, erst zum Vorschein kommen.

Das ist alles Teil einer Bemuehung, aus dem Teufelskreis Missbrauch -> Missbrauchter - > Missbraucher auszubrechen.

Wie und von wem das hier politisiert wird ist abscheulich.

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Re: Re: Wie konnte meine Generation(1960) jemals glücklich

Reden wir in 30 Jahren darüber...

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Es gibt noch Hoffnung...

http://orf.at/stories/2151763/2151764/

Re: Es gibt noch Hoffnung...


Wer vergibt hier rote Stricheln?

Eine Ablehnung der Institution "Familie" dürfte nicht unter Meinungsfreiheit fallen.

Ohne Familie kein Leben, ohne Leben keine Zukunft. Das sind Basics.


Keine Angst, liebe Eltern...

...wenn der Sohn sagt: "ich bin schwul" - glaubt ihm kein Wort - vice versa.
Wenn er aber sagt: ich bin ein Nilpferd, dann seid auch eins.

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Österreichische Gesetze? Nicht für uns, wir handeln im Auftrag der Fr. BM Dr. Schmied!!!

„Leihmutterschaft: Eine Frau trägt für eine andere Frau deren Baby aus.
Samenbank: Die Samenbank ist ein „Geschäft“, in dem Menschen Sperma (Samenzellen) kaufen. Das machen zum Beispiel Paare, die keine Kinder kriegen können oder Frauen, die ohne einen Mann leben, aber trotzdem schwanger werden und ein Kind bekommen möchten. Oder lesbische Leute, die gerne mit einem Kind leben möchten.“ (Zitat „Ganz schön intim“, p.125)

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Re: Österreichische Gesetze? Nicht für uns, wir handeln im Auftrag der Fr. BM Dr. Schmied!!!

weiter im Text:

[Erklärung über Samenbanken]

"In manchen Ländern gibt es Samenbanken, in anderen nicht. Das ist verschieden. "

und wo ist jetzt ihr "rechtliches" Problem?


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Re: Re: Österreichische Gesetze? Nicht für uns, wir handeln im Auftrag der Fr. BM Dr. Schmied!!!

Daß dieser Nachsatz brandneu ist in der Broschüre.

Er wurde erst nach dem Hinweis, daß das in Ö illegal ist hineingeschrieben.


Re: Re: Re: Österreichische Gesetze? Nicht für uns, wir handeln im Auftrag der Fr. BM Dr. Schmied!!!

Echt? Dann wurde das zuvor sozusagen stümpferhaft zusammengeschustert.
Na Prostmahlzeit!

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Selbstlaut findet 3. Geschlecht - doch die besseren Naturwissenschaftler?

„Die Geschichte skizziert Gedanken und Gefühle eines intergeschlechtlichen Kindes. Die Häufigkeit von intergeschlechtlich zur Welt kommenden liegt bei ca. 1/2000. Viele Initiativen setzten sich dafür ein, Intergeschlechtlichkeit/ Intersexualität nicht weiterhin als zu behandelnde Krankheit zu pathologisieren, sondern die Vielfalt von Geschlechteridentitäten (ebenso beispielsweise Transgender, Transsexualität, queere Identitäten) anzuerkennen. Dieses Bestreben stellt den eng gesteckten, künstlich geschaffenen Rahmen der angenommen Zweigeschlechtlichkeit in Frage.“ (Zitat „Ganz schön intim“, p.69)

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Re: Selbstlaut findet 3. Geschlecht - doch die besseren Naturwissenschaftler?

1/2000 ist viel zu hoch gegriffen!
Ein Kind von 2000 hat Mißbildungen an den Geschlechtsorganen.

Tatsächliche Intersexualität ist viel viel seltener.

Sex ohne Ehe unter Strafe stellen!

Das wäre mal notwendig, um das versauen der Gesellschaft aufzuhalten. Sex ist dazu da, um Kinder zu erzeugen. Dazu braucht es Mann und Frau. Alle anderen Formen und Auffassungen entsprechen einer Links-linken Erziehung.

Re: Sex ohne Ehe unter Strafe stellen!

Ja ganz genau!

http://www.youtube.com/watch?v=fUspLVStPbk

Re: Sex ohne Ehe unter Strafe stellen!

Wieso denn? Ich bin gerne versaut :)

Re: Sex ohne Ehe unter Strafe stellen!

Was soll man da noch hinzufügen?

Da währen wir wiederr bei dem Thema dass Verhütungsmittel verboten werden sollen, weil Sex ja dazu da ist Kinder zu zeugen.

Ich bin mir sicher kein Mensch auf dieser Welt hat Sex, einfach nur weil es ihm gefällt und zu einer Beziehung gehört.

Zu Erinnerung wir schreiben das Jahr 2012, und es läuft nicht alles nach dem Gedanken und Richtlinien der katholischen Kirche!

Bitte denken Sie ein wenig nach, bevor Sie solch aussagekräftige Kommentare schreiben.

Re: Re: Sex ohne Ehe unter Strafe stellen!

Wo steht, das Sex zu einer Beziehung gehört? Und was kann ich dafür, wenn die Kirche die gleiche anständige Auffassung hat wie ich? Ich bin außerdem o.B. Soviel dazu. Es ist vollkommen egal welches Jahr wir schreiben, da Anstand zeitlos ist. Oder ist morden in 10 Jahren ganz ok, weil wir dann ja das Jahr 2022 schreiben?

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Re: Re: Re: Sex ohne Ehe unter Strafe stellen!

Sie stellen außerehelichen Sex mit Mord gleich?

Was für ein ideologischer Krampf!

Da verteidigen User vehement das Buch, die sich heute gerade erst registriert haben. Ob das wohl auch vom Bildungsministerium bezahlt wird?

Der Angriff auf alles Normale in Schulbüchern, von den Gender-Typen auch "Heteronormativität" genannt, ist scheinbar im Trend. Hier ein Beispiel aus Deutschland: http://www.leonore.at/2012/05/schulbucher-mainstreamen/ und hier ein Beispiel, wie solche Gender-Typen in NÖ auf die Nase gefallen sind: http://www.leonore.at/2012/09/wir-sind-doch-nicht-alle-bi-sagt-die-landesregierung/
Auch dort haben die "Sexualpädagogen" erfolglos versucht, Stimmung in eigener Sache zu machen.

Dass Gender-Fanatikerinnen wie Claudia Schmied oder Heinisch-Hosek soetwas gut finden, kann man sich ja noch denken. Aber dass auf den ersten Blick vernünftig wirkende Minister und Ministerinnen in SPÖ und ÖVP nicht das Rückgrat haben, so einen stördenden Einfluss auf unsere Kinder im Ministerrat abzudrehen, ist ein Armutszeugnis.

Re: Was für ein ideologischer Krampf!

Ah, und ich bin nicht vom Bildungsministerium bezahlt.

Ich bin auch weder links noch rechts, sondern progressiv, d.h. ich moechte Politik die Probleme effizient und nachhaltig loest - "was funktioniert, gewinnt".

Und was funktioniert bei sexuellem Missbrauch ist den Missbrauch -> Missbrauchter -> Missbraucher Zyklus zu durchbrechen und Kindern mit einem schwierigen Verhaeltnis zur eigenen Sexualitaet rechtzeitig unter die Arme zu greifen und dem Rest beizubringen, dass der eigene Koerper einem selber gehoert und man "Nein" sagen darf wenn einem jemand angreift.

Und genau das macht die Broschuere.

 
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