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Schule: Migrantenanteil in Margareten bei 89 Prozent

19.12.2012 | 18:19 |  (Die Presse)

Schüler mit anderer Erstsprache als Deutsch sind extrem ungleich verteilt. Zwettl hat den niedrigsten Anteil. Für die Schulen ist ein hoher Migrantenanteil eine Herausforderung, was die Sprachförderung betrifft.

Wien/Apa/Beba. Die Migrantenkinder sind an den heimischen Schulen extrem ungleich verteilt. Während im niederösterreichischen Zwettl nur ein Prozent der Volksschüler eine andere Erstsprache als Deutsch hat, sind es in Wien-Margareten neun von zehn Schülern – der höchste Wert in ganz Österreich. Das zeigt die Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage durch Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SP), in der die Zahl der Schüler mit anderen Muttersprachen je nach politischem Bezirk aufgelistet wird.

Dass Wien österreichweit an der Spitze liegt, was die Zahl der Volksschüler mit anderer Erstsprache betrifft, ist wenig überraschend – auf jeden zweiten Schüler trifft das zu. Auf die Hauptstadt folgt Vorarlberg mit 28 Prozent Schülern mit einer anderen Erstsprache, am unteren Ende der Skala liegen die Steiermark mit 14 Prozent und Kärnten mit zwölf Prozent. Wie krass die Konzentration der Migranten auf bestimmte Wohngegenden wirklich ist, zeigt aber erst die Auswertung nach Bezirken.

So lag der Anteil der Volksschüler mit einer anderen Erstsprache als Deutsch im vergangenen Schuljahr in Wien-Margareten bei 89 Prozent – exakt 924 von 1038 Kindern. Rudolfsheim-Fünfhaus und Ottakring lagen bei 80 Prozent, Brigittenau bei 79 und Meidling bei 70 Prozent. In Wien am niedrigsten ist der Migrantenanteil mit 22 Prozent bei den Volksschülern in Hietzing; im ersten Bezirk spricht jeder dritte eine andere Erstsprache als Deutsch.

Für die Schulen ist ein hoher Migrantenanteil eine Herausforderung, was die Sprachförderung betrifft. Problematisch ist die hohe Konzentration von Migranten in bestimmten Wohngegenden – und daher auch den Schulen – aber speziell dann, wenn sie mit einer sozialen Fragmentierung einher geht, sagt Integrationsforscher Heinz Fassmann. In Österreich gehen Migrationshintergrund und ein niedriger(er) sozialer Status oft Hand in Hand, viele Migranten – etwa jene aus Ex-Jugoslawien und der Türkei – sind keine Gutverdiener. Fassmann empfiehlt daher wohnpolitische Maßnahmen, um gewisse Bezirke auch für (einheimische oder ausländische) Mittelschichten attraktiv zu machen.

 

Brennpunktschulen attraktiver machen

Auch auf der schulpolitischen Ebene sieht er aber Handlungsbedarf: Sogenannte Brennpunktschulen – mit vielen Kindern aus Migranten– oder sozial schwachen Familien – sollten zusätzliche Mittel bekommen, so Fassmann. Auf diese Weise könnten sie auch für die bessergestellten Eltern wieder attraktiver werden. Denn diese flüchten derzeit teils in Privatschulen oder in andere Bezirke, um Klassen mit hohem Ausländeranteil zu vermeiden, was die Segregation noch mehr verstärke – eine Negativspirale.

Abseits der Wiener Bezirke kommen übrigens die Bezirke Wels (Stadt) mit 58 Prozent sowie Salzburg und Linz (jeweils Stadt) mit 45 Prozent auf die höchsten Anteile von Volksschülern mit anderer Erstsprache.


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