Jobsuche: Ausbildungspflicht für alle Jugendlichen

Nach Schulende plant Sozialminister Hundstorfer eine "Ausbildungspflicht" ab 15. Wer dabei nicht mitmacht, dem drohen Sanktionen bis zur Streichung der Familienbeihilfe. Wirtschaftsminister Mitterlehner begrüßt dies.

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(c) (Erwin Wodicka)

Fast 10.000 Jugendliche unter 19 Jahren waren zuletzt pro Monat arbeitslos gemeldet. Knapp 5000 Burschen und Mädchen in dieser Altersgruppe suchen nicht einmal einen Job. Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) möchte diese Gruppe durch eine Art Grundausbildung zumindest so weit bringen, dass sie überhaupt eine Lehre antreten können.

Deswegen bereitet er neben der bestehenden „Ausbildungsgarantie“ für jeden Schulabgänger ab 15 eine „Ausbildungspflicht“ vor – inklusive möglicher Sanktionen für Verweigerer. Überlegt werden dabei im Sozialministerium die Streichung der Familienbeihilfe oder auch Verwaltungsstrafen.

Beim Koalitionspartner ÖVP stößt Hundstorfer auf offene Ohren. „Dem kann ich relativ viel abgewinnen“, sagt Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner auf Anfrage der „Presse“. Dies setze aber voraus, dass es ein entsprechendes Angebot zur Berufsorientierung für Jugendliche gebe. Er warte auf konkrete Vorschläge Hundstorfers. Wann es so weit sein wird, wollte Hundstorfer auch auf Nachfrage noch nicht verraten.

 

„Sind sonst Sozialhilfebezieher“

Er wirbt jedoch um Verständnis und Unterstützung: „Wenn man nichts macht, produzieren wir höhere Kosten, weil das Sozialhilfebezieher par excellence werden.“

Schon zurzeit wird versucht, rund 2000 Jugendliche in 18 sogenannten „Produktionsschulen“ innerhalb von sechs, längstens neun Monaten vom „Nichtstun“ auf den Einstieg ins Berufsleben vorzubereiten. Dabei handelt es sich um Burschen und Mädchen zwischen 15 und 19, die teils wegen familiärer Schwierigkeiten, wegen Alkohol- oder Drogenprobleme nicht einmal eine Berufsausbildung absolvieren. „Die brauchen einmal drei Wochen, um zu erkennen, dass sieben Uhr früh sieben Uhr früh ist“, formuliert Hundstorfer daher drastisch. Nach den bisherigen Erfahrungen gelinge die Eingliederung in 70, im günstigsten Fall in 80 Prozent der Fälle.

Johannes Kopf, einer der beiden Chefs des Arbeitsmarktservice (AMS), signalisiert im Gespräch mit der „Presse“ Unterstützung für eine Ausbildungspflicht ab 15 Jahren: „Wenn ein so evidenter Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und Ausbildung zu sehen ist, bin ich ganz klar dafür. Das ist eine sehr sinnvolle Idee.“

Er verweist auf eine frühere OECD-Studie, wonach bis zu elf Prozent der Jugendlichen betroffen seien. Diese Zahl hält Kopf zwar für „sicher zu hoch, aber es sind ein paar Prozent“.

 

AMS-Chef sieht „Verwahrlosung“

Er sieht dabei in sehr vielen Fällen die Verantwortung bei den Eltern. „Das ist oft auch eine Art Verwahrlosung“, weil sich Eltern nicht um die Kinder kümmerten und diese Verantwortung nicht mit 15 ende. Vielfach sei es schwierig, betroffene Jugendliche anzusprechen, weil diese nicht ins AMS kommen. Mit dem Projekt „Der Jugend eine Chance“ würden daher Jugendliche von AMS-Betreuern aufgesucht und sogar zu Vorstellungsgesprächen begleitet. „Evident“, so Kopf, sei auch das Problem besonders von Mädchen mit Migrationshintergrund – meist jungen Türkinnen –, die statt einer Lehre oder Jobsuche nach der Schule einfach daheim ihrer Mutter helfen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.03.2011)

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