Problemschüler: Gewerkschafter will Familienbeihilfe einfrieren

Lehrergewerkschafter Kimberger fordert erneut mehr Durchgriffsrechte. Die Eltern blocken ab. Der Prozess um einen siebenjährigen Schüler geht in die nächste Runde.

Auffaellige Schueler Familienbeihilfe einfrieren
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Auffaellige Schueler Familienbeihilfe einfrieren
(c) Clemens Fabry

Paul Kimberger legt noch einmal nach. Schon im September forderte der oberste Pflichtschullehrer-Gewerkschafter mehr Durchgriffsrechte für Lehrer - und Verwaltungsstrafen für Eltern, die nicht kooperieren. Nun schlägt er vor, kooperationsunwilligen Eltern die Familienbeihilfe einzufrieren. Die Eltern hätten nicht nur eine Erziehungsberechtigung, sondern auch eine Eziehungspflicht, sagte Kimberger am Montag im ORF-Radio.

Er wünscht sich ein Bündel von Maßnahmen vonseiten der Politik - denn rund fünf Prozent der Schüler würden den Unterricht massiv stören. So sollten Lehrer die Schüler, die den Unterricht stören, aus der Klasse nehmen und vorübergehend in einer "Time-out-Klasse" unterbringen können. Weiters will Kimberger, dass Vandalismus Konsequenzen hat - finanziell, oder durch soziale Dienste.

Schmied: Ideen für Sanktionen "unerträglich"

Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) hat den Wünschen der Pflichtschullehrer-Gewerkschaft nach ausgeweiteten Disziplinierungsmaßnahmen für Problemschüler und deren Eltern am Dienstag eine Absage erteilt. Ideen für Sanktionen bis hin zur Streichung der Familienbeihilfe seien für sie "unerträglich", sagte sie am Rande des Ministerrats. Sie lehnte es ab, "in diese Richtung überhaupt zu argumentieren".

In der Schule zähle die Zusammenarbeit zwischen Schülern, Lehrern und Eltern. "Wir brauchen einen gemeinsamen Schulterschluss. Es hat überhaupt keinen Sinn, einander gegenseitig auszuspielen."

Eltern blocken ab

Auch Theodor Saverschel, Sprecher der Elternvereine an höheren Schulen, weist Kimbergers jüngste Forderung strikt zurück: Schließlich fordere er auch nicht Gehaltskürzungen, wenn Lehrer nicht pünktlich die Stunden beginnen oder den Stoff nicht gut vermitteln. Die Familienbeihilfe sei keine Belohnung, sondern Ausgleich für die vor 30 Jahren abgeschaffte Familienbesteuerung.

Außerdem sei die Kooperation der Eltern nicht messbar, die Entscheidung, die Beihilfe einzufrieren wäre damit "sehr oft eine subjektive Geschichte". Es gebe zwar sicher Fälle, in denen Eltern sich zu wenig einbringen. Saverschel wehrt sich allerdings gegen eine Generalisierung. Und: Wenn man bedenke, welche Unsummen Eltern für Nachhilfe ausgeben, sehe man, dass diese sich sehr wohl um den Schulerfolg der Kinder kümmern. 

Auf mehr Zustimmung trifft Kimberger bei Saverschel mit seinem Wunsch nach Strafen für Schüler, die etwas verunreinigen oder zerstören. "Wer nachweislich etwas kaputt gemacht hat, muss zur Verantwortung gezogen werden", so Saverschel. Sollte der Täter nicht ausgeforscht werden können, kann er sich vorstellen, dass die ganze Klasse im Sinne einer "kollektiven Bewusstseinsbildung" die Schäden behebt.

Bessere Ausbildung

Lehrer bräuchten nicht mehr Durchgriffsrechte gegenüber undisziplinierten Schülern, sondern müssten in ihrer Ausbildung auf den geänderten Umgang von Kindern besser vorbereitet werden, weist der Vertreter der Elternvereine an Pflichtschulen, Christian Morawek, Kimbergers Forderungen indes zurück. Außerdem seien die Elternvertreter wiederholt für mehr Unterstützungspersonal für Lehrer, etwa Schulpsychologen oder Sozialarbeiter, eingetreten.

"Jenseits von Gut und Böse" ist für Morawek die Idee der Lehrergewerkschaft, unkooperativen Eltern von Problemschülern die Familienbeihilfe einzufrieren. "Diese Forderung nehme ich nicht ernst", sagte er. Immerhin sei diese staatliche Leistung nicht als Belohnung gedacht, sondern zur Abdeckung der Grundbedürfnisse von Kindern. "Das wird sicher nicht umgesetzt."

Kritik von Grünen

Kritik kommt vom Grünen Bildungssprecher Harald Walser. "Ein Entzug der Familienbeihilfe würde die sozial Schwachen treffen und die Probleme eher verschärfen statt sie zu lindern", so Walser in einer Aussendung. Er fordert mehr Unterstützung für die verstärkt anfallenden sozialen und psychologieschen Probleme. Die Wartezeit für einen Termin beim Schulpsychologen betrage derzeit etwa 50 Tage, kritisiert Walser.

Verständnis für die Forderungen kommt vom Bildungssprecher der FPÖ, Walter Rosenkranz. Bei mehr Durchgriffsrechte für die Lehrer gehe es nicht um eine "veraltete Rohrstaberlpädagogik", sondern um die Herstellung von Disziplin im Unterricht. Diese sei auch im späteren Berufsleben eine wichtige Eigenschaft. Auch Eltern könnten nicht aus ihrer Verantwortung entlassen werden.

Prozess um Schüler

Anlass für die Debatte ist der Prozess um einen siebenjährigen Buben, dessen Eltern nach angeblichen Übergriffen durch einen Volksschuldirektor die Republik geklagt hatten, der am Montag in die nächste Runde ging. Die Republik sieht die Schuld bei dem Schüler: Er habe den Direktor provoziert. Geplant sind die Einvernahme des mittlerweile pensionierten Pädagogen und des Vaters des Schülers.

(Red./APA)

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