23.05.2012 08:22 | Meine Presse Merkliste 0

10 Jahre PISA: Studienautor stellt Sinn der Teilnahme infrage

 (DiePresse.com)

Bifie-Direktor Lucyshyn übt scharfe Kritik am Umgang der Politik mit den Ergebnissen der Studie. Für Ministerin Schmied kommt ein Ausstieg "sicher nicht infrage".

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Zehn Jahre nach Veröffentlichung der ersten PISA-Studie am 4. Dezember 2001 stellt Josef Lucyshyn, Direktor des für die Durchführung in Österreich zuständigen Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie) den Sinn einer weiteren Teilnahme infrage: "Warum nehmen wir an PISA wieder teil, wenn die Politik - und damit meine ich nicht die Unterrichtsministerin (Claudia Schmied, SPÖ), sondern die Regierungsparteien - seit zehn Jahren nicht wirklich bereit ist, Daten und Ergebnisse aus den Untersuchungen zur Kenntnis zu nehmen und nachhaltige Reformen umzusetzen?"

Auswirkungen der PISA-Ergebnisse auf das Schulsystem habe er - im Gegensatz zu Deutschland - in Österreich nur wenige wahrgenommen. Dafür brauche es nämlich einen politischen Konsens. Da sich die Wirksamkeit vieler Maßnahmen erst nach vielen Jahren zeige, könnten die Politiker ihren Reformerfolg politisch nicht mehr umsetzen. Deshalb würden stattdessen lieber "Kleinstmaßnahmen" wie z.B. Aktionen mit Leseonkel und -tanten gestartet. "Das ist gut für eine Schlagzeile, aber ein solcher Aktionismus bleibt an der Oberfläche und löst die Probleme nur scheinbar."

Scharfe Kritik kommt auch von Stefan Hopmann,  Bildungswissenschaftler an der Uni Wien. PISA sei "als bildungspolitisches Instrument tot", so Hopmann. Das habe man in Österreich nur noch nicht gemerkt. "Diese Art von Daten eignet sich nicht, Schulqualität langfristig zu sichern", so Hopmann. Das könne man in all jenen Ländern sehen, die solche Maßnahmen schon länger einsetzen wie die USA oder England. Dort sei allen Beteiligten klar, dass man mit solchen Daten zwar die Leute erschrecken, aber nichts verbessern kann.

Schmied: Ausstieg kommt nicht infrage

Für Unterrichtsministerin Schmied kommt ein Ausstieg allerdings "sicher nicht infrage". Expertenaussagen, wonach die internationale Bildungsvergleichsstudie als bildungspolitisches Instrument "tot" und eine weitere Teilnahme nicht sinnvoll sei, widerspricht sie vehement. "Ich nehme die OECD sehr, sehr ernst und will die Zusammenarbeit weiter intensiv gestalten", so die Ministerin. "Die Studien sind für mich eine zentrale Grundlage, um Bildungspolitik faktenbasiert zu argumentieren und ein wesentlicher Faktor, um sie von ideologischen Fesselungen zu befreien."

(APA)

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12 Kommentare
Gast: ideologiefrei.com
01.12.2011 17:00
0 0

ein wesentlicher Faktor, "...um sie von ideologischen Fesselungen zu befreien"

LOL
Frau Ministerin, der Witz war wirklich gut!

roger
30.11.2011 14:06
4 0

Durchschaubare Strategie

Das Bifie ist ein politisches Instrument, um quasi "wissenschaftlich" die Notwendigkeit einer Gesamtschule mit "Studien" und "Testergebnissen" aufzubereiten. Dafür werden jährlich 13 Millionen Euro vom Unterrichtsbudget abgezwackt. Was an Ergebnissen herauskommt, sieht man etwa an den vom Bifie organisierten diversen Probeläufen zur Zentralmatura wie kürzlich in OÖ, wo katastrophale Fehler in einer Mathematikangabe entdeckt wurden, weswegen ein normaler Lehrer wohl ein Disziplinarverfahren wegen grober Fahrlässigkeit erhalten würde.

Das gegenwärtige Geplänkel ist Teil einer durchschaubaren Strategie, die öffentliche Aufmerksamkeit über eine künstlich erzeugte Aufgeregtheit weiter in Richtung Gesamtschule zu lenken.

Gast: Schlehwein
30.11.2011 08:20
6 0

DAs ist ganz einfach:

Dieser dubiose Klub, der eine ebenso dubiose Umfrage namens PISA missbraucht, um mittels Massednhysterie die Gesamtsonderschule zu erzwingen, sieht dieses Ziel noch nicht nahe genug und macht Druck. Das geht nicht gegen die Ministerin, im Geneteil, es soll ihre grauslichen Pläne stärken und argumentieren helfen.

nachdenken
29.11.2011 20:51
0 5

komisch Deutschland hat sich die PISA Resultate zu Herzen genommen und vieles verändert - der PISA Test verbessert sich dort deutlich!

In Österreich kann nicht sein was nicht sein darf, schon gar nicht wenn es der NGB verbietet.

greebo
29.11.2011 20:34
5 1

Flucht

Zweimal Kritik vom Bifie am Ministerium in zwei Tagen. Da hängt aber der Haussegen gewaltig schief. Hat das Bifie etwa gewittert, dass die Schmied mittlerweile ein Ablaufdatum hat, und macht jetzt verzweifelt auf Abstand?

Lupus.67
29.11.2011 20:24
1 1

ist es nicht völlig

egal? ein land das sich als mischung von saturday-night-fever, bauer sucht frau und seitenblicke präsentiert braucht eh keine feinde mehr. und wie weit uns die eu-bildung gebracht hat zeigt es auch mehr als deutlich.

Antworten Lupus.67
29.11.2011 20:27
1 0

Re: ist es nicht völlig

ach ja, den "bildungsklassiker" hab ich komplett vergessen: "das geschäft mit der liebe". das ist ja wirklich pflicht, um die österreichische "volksseele" und deren bildungsniveau zu erkennen.

franz1
29.11.2011 19:23
7 1

alles eine frage der zeit

die nächste studie kommt, so wie die nächste ministerin
die alte geht, wie es schon lange fällig wäre

franz1
29.11.2011 19:22
0 0

alles eine frage der zeit


tiger10
29.11.2011 18:33
13 2

Frau Schmied, ganz Österreich weiß es,

dass Sie mit Ihrem Job extrem überfordert sind!!!

Gast: Peppe T
29.11.2011 18:29
13 2

Schmied: Ausstieg kommt nicht infrage

Ist diese unfähigste aller jemals gehabten Ministerinnen nicht schon grundsätzlich, aus Protest und Trotz, gegen alles was vernünftig ist?

Ruf er
29.11.2011 16:55
12 0

Bifie-Schmied

Ich bin mir noch nicht sicher, was dieses Spielchen soll. Sind das künstliche Dissonanzen, um wieder irgendwie Vertrauen zu kriegen? Für mich ist der ganze Verein incl ministerieller Chefin ein politisch eingesetztes Artefakt, das nur Unsinn produziert. Man darf da niemanden vertrauen. Schule kann man nicht auf dem Reissbrett konstruieren und als Grundlage irgendwelche schwindlige Daten (Pisa) nehmen. Schule muss wachsen, einmal schneller einmal langsamer. Diejenigen, die den Ausstieg der Politik fordern haben sie am stärksten drin.

Schlagzeilen Bildung