Die Schulwahl: Weichenstellung und Statusfrage

von Bernadette Bayrhammer (Die Presse)

Die Schulwahl gilt für viele längst als Lebensentscheidung – zumindest für ehrgeizige Eltern. Die "Presse" hat vier Familien getroffen.

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Der Herbst scheint noch weit entfernt, für Eltern schulpflichtiger Kinder ist es allerdings schon höchste Zeit – jedenfalls, wenn die Tochter oder der Sohn heuer die vierte Klasse Volksschule abschließt. Denn: Die Anmeldefristen für die weiterführenden Schulen nahen. Lange vorher haben manche Eltern das Internet durchforstet, sind durch Schulen getourt, haben Freunde und Bekannte ausgehorcht – um die richtige Entscheidung zu treffen.

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Die Wahl der Schule ist längst eine Lebensentscheidung geworden – zumindest für ehrgeizige Eltern. Und vor allem in den Städten: Während es auf dem Land häufig kaum eine Wahl gibt, lässt das Angebot in der Stadt keinen Wunsch offen: Hauptschule, Neue Mittelschule oder Gymnasium? Konfessionelle Schule, Karl-Popper-Gymnasium oder doch Alternativschule? „Es ist eine Entscheidung, die schon zentrale Weichen stellt“, so Christiane Spiel, Bildungspsychologin an der Uni Wien. Eine, die möglicherweise die Zukunft des Kindes prägt. Für manche Eltern gar eine Art erster Karriereschritt.

Was weiß man darüber, nach welchen Kriterien Eltern die Schule für ihr Kind auswählen? Es gibt jedenfalls Unterschiede. Immer spielt die Entfernung mit, genauso der Ruf der Institution. Doch Eltern, die ihre Kinder in die Hauptschule geben, begründen das laut einer Studie des Instituts für Berufsbildungsforschung am stärksten mit der Frage, welche Schule Freunde und Geschwister besuchen. Ausschlaggebend für die NMS ist der Aufschub der Bildungswegentscheidung, für die AHS ist es neben bisherigen Leistungen und der Allgemeinbildung der Anspruch, später die Uni zu besuchen.

 

Gymnasium als Bedrohung

Nicht zuletzt sei die Wahl der Schule auch eine Statusfrage, sagt Spiel. Für traditionelle Akademikerfamilien ist es oft nahezu unvorstellbar, das Kind nicht aufs Gymnasium zu schicken, während bildungsferne Familien häufig gar nicht daran denken – bis eine Empfehlung der Volksschule ins Haus flattert. Auch aus ganz profanen Gründen: „Akademiker haben viel klarere Vorstellungen darüber, wie es in einer AHS aussieht, weil sie ja selbst eine besucht haben“, sagt Spiel. Eltern, die keine Erfahrung damit hätten, sähen den Schultyp oft als Bedrohung – auch, weil sie fürchten, ihre Kinder nicht adäquat unterstützen zu können.

Was Spiel manchmal vermisst: die Kinder selbst zu fragen. „Eltern sollten wesentlich mehr die Entscheidungs- und Kritikfähigkeit der Kinder fördern“, rät sie. Denn: Man muss eine Wahl treffen, mit der vor allem das Kind über einen langen Zeitraum gut leben kann. Garantien gibt es dafür natürlich keine. „Die Presse“ hat vier Familien gefragt, wie sie die Schulwahl erlebt haben – und ob sie mit ihrer Entscheidung glücklich sind.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.01.2012)

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25 Kommentare
 
12

meine Lebenserfahrung sagt mir...

vollkommen wurscht...

Schule ist eines des großen Menschheitsverbrechen ... und wirklich gegen die menschliche Natur...

Kinder wollen lernen und begreifen ... Kapitalismus funkt nur wenn man ihnen das so früh wie möglich austreibt und anstatt "zu scheißt" ....

Gast: JJBB2
17.01.2012 11:25
1 1

LERNEN wird nach Hause verlagert

Die Einführung der 5-Tage-Woche und die damit verbundene Stundenredutkion in den Hautpfächern führte vielfach dazu, dass das Lernen von Stoff nach Hause verlagert wird:

Beispiel 1 Französisch:
Mein Sohn besucht die 5. Klasse GYM und hat das erste Jahr "Französisch". Im ersten Lernjahr sind aber lt. Stundenplan nur mehr 3 (!) Wochenstunden anstatt 4 oder 5 Wochenstunden (wie zu meiner Zeit) vorgesehen. Folge: Es wird der Stoff durchgemacht, keine Beispiele mehr geübt, da die Zeit hiefür fehlt.

Erfolgreich in "Französisch" sind in weiterer Folge nur mehr jene Kinder, wo zumindest ein Elternteil selbst Französisch gelernt hat - nur diese Eltern sind in der Lage, permanent mit den Kindern zu lernen und das zu üben, was in der Schule aufgrund von 3 Wochenstunden nicht mehr geübt werden kann.

Bildung wird damit quasi "weitervererbt", weil für den Schulerfolg der Kinder nur mehr die Tatsache maßgeblich ist, ob zumindest ein Elternteil mit dem Kind übt bzw. lernt.

Beispiel 2 - Latein:
Hier zeichnet sich ein ähnliches Bild wie in Französisch ab: Moderne Lateinbücher sind längst nicht mehr so systematisch aufgebaut, der Lehrstoff wird nicht mehr so systematisch vermittelt. Folge:

Schlechte Schüler in Latein sind nicht minderbegabte Schüler, sondern Schüler, bei denen kein Elternteil seinerzeit Latein erlernt hat. Auch in "Latein" wird Bildung dann quasi "weitervererbt".

Antworten Gast: passtdawosnet
30.01.2012 00:27
0 0

Re: LERNEN wird nach Hause verlagert

passt es dir nicht, dass es hausaufgaben gibt und dass man zuhause für prüfungen lernen muss?

Antworten Gast: Mutter zweier Kinder
18.01.2012 12:04
0 0

Ja, das ist leider wahr.

Enweder müssen Eltern, deren Kinder eine AHS besuchen, selbst eine höhere Bildung genossen oder aber viel Geld für teure Nachhilfe haben.

Und dann werden sogenannte "bildungsferne Schichten" dafür gerügt, dass sie ihre Kinder nicht in höhere Schulen geben.

Antworten Gast: ghe
17.01.2012 18:14
0 0

Re: LERNEN wird nach Hause verlagert

1000%-ig ist das so!

Gast: Gast345
17.01.2012 10:31
1 1

Meine Erfahrung:

In einer kleineren Hauptschule sind in einer (echten!) 1. Leistungsgruppe ca. 10 Schüler. Die Grundausbildung ist daher für den einzelnen Schüler intensiver als in einer 30er Klasse eines Gymnasiums, in der auch Kinder sind, die es wohl schwer hätten, in einer 1. Leistungsgruppe einer Hauptschule zu bleiben.
Diese solide Grundausbildung ist auch die Ursache dafür, dass Hauptschüler an einer HTL die Konkurrenz der Mitschüler aus den Gymnasien nicht zu scheuen haben.

Die aktuelle Chaosbildungspolitik ist kein Vorteil

für das Schulwesen.

hauptschule - beste schulerfahrung

am land waren in der 1. leistungsgruppe oft weniger als 10 leute - idealer gehts wohl kaum


Antworten Gast: nixvarodn
30.01.2012 00:24
0 0

Re: hauptschule - beste schulerfahrung

nix verraten! sonst kommen all die leidgeplagten städter und dann sind deine idealbedingungen hin!

Antworten Gast: gast111
17.01.2012 22:54
1 0

Re: hauptschule - beste schulerfahrung

hmmm, das ist doch immer wahr:
"Idealer" geht nun einmal nicht, weil es diesen Komparativ nicht gibt. Falls unter Hauptschulabsolventen doch, wäre es
am Gymnasium vielleicht "am optimalsten"?

Wenn schon Eltern keine Erfahrhung haben,...


Wenn schon Eltern keine Erfahrhung haben,...

mit manchen Schultypen - haben die Kinder so viel mehr Erfahrung und Expertise, dass das die Entscheidung sicherer macht?

Gast: Eltern
16.01.2012 11:38
1 0

die Kinder selbst zu fragen

Wieder mal so ein hintergründiger Versuch von Außenstehenden einen Keil zwischen Eltern und Kinder zu treiben. Es geht nicht darum, ob Eltern oder Kinder entscheiden. Kinder können mit 9 Jahren nocht nicht entscheiden, weil die Voraussetzungen dafür noch nicht gegeben sind.
Es geht tatsächlich nur darum, den Eltern die Möglichkeit zur Entscheidung für ihre Kinder zu entziehen. Wenn die Eltern nicht entscheiden, dann tun es die Lehrer. Wenn die Eltern ihre Kinder fragen, werden die Kinder höchstens so entscheiden, wie es ihnen die Lehrer einreden. So schauts aus.

Gast: Regina R.
15.01.2012 21:22
1 1

Inhaltsleerer Artikel

IQ ist zu 70% genetisch determiniert. Es braucht eine Differenzierung.

Antworten Gast: gehbledsinn
30.01.2012 00:21
0 0

Re: Inhaltsleerer Artikel

nach fähigkeiten ja - aber die unterscheidung zwischen unterstufe und hs is a bledsinn

Antworten Gast: Dr. rer. nat.
16.01.2012 11:35
5 2

Re: Inhaltsleerer Artikel

Das ist völliger Unsinn und widerlegt.

Es gab einige große Adoptionsstudien die zeigten, dass kein signifikanter Unterschied zwischen der Herkunft gegeben ist, sondern dass Intelligenz mit dem Umfeld entwickelt wird, in dem man aufwächst.

Also im Klartext: selbst wenn sich in der Ahnenreihe Nobelpreisträger finden, wird das Kind ein Depp bei unzureichender Erziehung.

Re: Re: Inhaltsleerer Artikel

Welche Studien sind das? Bei J.Philippe Rushton und Richard Lynn findet man genau das Gegenteil.

Antworten Antworten Antworten Gast: toro
18.01.2012 11:28
0 0

Re: Re: Re: Inhaltsleerer Artikel

Skeels oder Lewontin, zB.

Richard Lynn wurden in seinen Arbeiten gravierende methodische Fehler nachgewiesen.
Der Typ hat fertig in der Fachwelt.

Antworten Antworten Antworten Gast: Dr. rer. nat.
18.01.2012 11:18
0 1

Re: Re: Re: Inhaltsleerer Artikel

Posten Sie aus dem Jenseits?

die Malatestas sind 1708 ausgestorben.

Re: Re: Re: Re: Inhaltsleerer Artikel

WELCHE STUDIEN?

Antworten Antworten Gast: Bachelor
16.01.2012 18:04
2 0

Re: Re: Inhaltsleerer Artikel

"Herkunft" ist etwas anderes als "genetisch determiniert".
Herkunft hat mehr mit Erziehung zu tun als mit Intelligenz.


Gast: Saiffenstayn
15.01.2012 20:37
0 6

im Schul"abschnitt" 10.-14. Lebensjahr (5.-8. Schulstufe)

wird so gut wie gar nichts entschieden,

es ist eine REINE STANDESDÜKEL-Frage
weil der AHS Unterstufen-Absolvent auf seinen weitern Bildungsweg ab der 9, Schulstufe, sicher aber nach der matura auf jene "IDIOTEN" stoßt die die Hauptschule (Neue Mittelschule besucht haben und nach ORG/OG oder BHS auch ein Studium machen.

Aber in der AHS sind die Lehrer teurer

und die Schule vermittelt einfach "Stallgeruch" so ein Absolvent von den "Schotten", von "Seitenstetten", von "Kalksburg" oder vom "akadem. Gymansium" wird sich Zeit seines Lebens jeden anderen überlegen fühlen ...

und der Staat(Bund) zahlt dafür .....

Antworten Gast: naajaa
30.01.2012 00:20
0 0

Re: im Schul"abschnitt" 10.-14. Lebensjahr (5.-8. Schulstufe)

überlegen fühlen ist nicht unbedingt überlegen sein...

Antworten Gast: mein stand
30.01.2012 00:20
0 0

Re: im Schul"abschnitt" 10.-14. Lebensjahr (5.-8. Schulstufe)

ja, stimmt: es kann einer genauso von einer ahs-unterstufe zur berufsschule wechseln wie von einer hauptschule.

Gast: Freie Wahl
15.01.2012 19:50
5 3

Meine Eltern ließen mich...

...vor 20 Jahren selbst entscheiden, leider.
Heute werde ich zwar meine Kinder in die Entscheidung mit einbeziehen, aber dennoch das letzte Wort sprechen, weil im Alter von 10 Jahren nur selten eine vernünftige Entscheidung getroffen werden kann.

 
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