23.05.2012 08:34 | Meine Presse Merkliste 0

Doppelte Strafe bei Schulschwänzen?

von ULRIKE WEISER UND THOMAS PRIOR (Die Presse)

Die Regierung einigte sich auf ein Maßnahmenpaket gegen Schulabbrecher. Experten stehen höheren Strafen allerdings kritisch gegenüber. Wichtiger sei ein verschränkter Ganztagsunterricht.

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Wien.Soll es höhere Strafen für Schulpflichtverletzungen geben? Die Antwort der Regierung auf diese Frage lautet: Ja, aber. Eine Anhebung der Höchststrafe von 220 auf 1500 Euro, wie Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz (ÖVP) vorschlägt, geht der SPÖ zu weit. Sie will zuerst über die Maßnahmen reden, signalisierte dem Vernehmen nach aber Kompromissbereitschaft. Demnach soll das Strafausmaß für Eltern, deren Kinder die Schulpflicht (Dauer: neun Jahre) verletzen, verdoppelt werden. Die Strafhöhe wurde seit 1985 nicht valorisiert.

In der Ministerratssitzung am Dienstag soll Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ), eine Lehrerin, Kurz für seinen Vorstoß kritisiert haben: Strafen seien der falsche Weg, um Jugendliche zurück in die Schule bzw. auf den Arbeitsmarkt zu bringen. Vizekanzler Michael Spindelegger (ÖVP) sei seinem Staatssekretär argumentativ zu Hilfe geeilt, hieß es.

Eine Einigung gab es dennoch, wie Spindelegger und Kanzler Werner Faymann nach dem Ministerrat verkündeten. Geplant ist ein dreiteiliges Paket: Eltern von Schulabbrechern werden zu Gesprächen verpflichtet. Das Bildungsministerium soll eine Studie in Auftrag geben, um die Motive der Jugendlichen - die bisher nicht erhoben wurden - zu erforschen. Und der Vollzug soll strenger werden. Strafen werden derzeit nur sehr eingeschränkt verhängt.

Problem Migrationshintergrund

Kurz beruft sich auf eine IHS-Studie, wonach es jährlich 10.000 Schulabbrecher gibt und 16 Prozent Migrantenkinder sind. Allerdings ist die Datenlage zur Schulpflichtverletzung nicht ganz eindeutig, wie das Beispiel Wien zeigt. Dort gab es laut Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage im Jahr 2011 etwa 1138 Verfahren, allerdings wenden sich die Schulen auch oft direkt an das Jugendamt - ohne Verfahren. Offen ist auch, ab wann Schulen ein Fernbleiben dem Bezirks- oder Stadtschulrat anzeigen, der dann das magistratische Bezirksamt informiert. Laut Gesetz, so eine Stadt-Juristin, müsste das ab der ersten unentschuldigten Stunde geschehen. Im Vorjahr verfasste das Jugendamt 86 Stellungnahmen für Verfahren, es kam zu 371 Straferkenntnissen.

Johann Bacher, Autor der Studie „Junge Menschen ohne Berufsausbildung", die zeigt, dass 75.000 Österreicher zwischen 16 und 24 Jahren weder einen Job haben noch in Ausbildung sind, macht vor allem zwei Faktoren für den Schulabbruch verantwortlich: Schlechte schulische Leistungen, die die Schüler demotivieren, und Freizeitaktivitäten am Nachmittag - Stichwort: Einkaufszentrum und Computerspiele. Der Migrationshintergrund spiele insofern hinein, als unter den „Risikoschülern" (solche, die einfache Rechenbeispiele nicht beherrschen) der Anteil an Kindern mit ausländischen Wurzeln erhöht sei (28 Prozent). 40 Prozent der 75.000 Jugendlichen in der Studie haben Migrationshintergrund. Das Problem sei aber weniger, dass die Eltern keine gute Ausbildung für die Kinder wollten, sondern dass sie ihnen wegen eigener sprachlicher Defizite kaum helfen könnten. Höhere Strafen sieht Bacher nicht als Lösung. Wichtiger sei ein verschränkter Ganztagsunterricht.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.02.2012)

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92 Kommentare
 
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Gast: Leidtragende Knecht
25.02.2012 19:44
0 0

selber noch nicht fertig mit sein Studium

umso länger er Studiert umso mehr koster er dem Steuerzahler. Studiengebühren will man ja nicht einführen. Aber über unsere Kinder verfügen wollen.

Gast: Holzapfel
24.02.2012 11:16
0 1

Ich finde, Kurz hält sich

gar nicht schlecht, wenn man bedenkt, dass er ein vorwiegend auf Außenwirkung konzipiertes Alibiressort bekleidet. Die Sanktionen für Schulschwänzer sind vernünftig, aber die Summe erscheint mir zu klein. Das Problem ist ja nicht, dass Lehrer auf Kinder Druck oder Gewalt ausüben sollen. Es ist nur so: Man hat den Lehrern die Möglichkeit zu vernünftigen, kommunizierbaren Sanktionen genommen (das so genannte „Strafen" mit Augenmaß, das neben dem Pflichtbewusstsein auch das Gerechtigkeitsempfinden stärkt). Das Resultat ist, dass Lehrer mit schwacher Autorität (denn die vielen Guten haben es auch so im Griff) persönlich aufsässig werden und sich z. B. mit Prüfungs- und Hausübungslawinen Respekt zu verschaffen versuchen. Auf die Schulpsychologen würde ich nur in Ausnahmefällen zurückgreifen. Jedes Kind testet zunächst einmal ab, was geht. Mit vernünftigen Sanktionen ist mehr zu erreichen als mit dem Psychologengesülze, das nicht nur einem moslemischen Vater ohnehin beim einen Ohr hinein und beim anderen hinausfährt.

DerMike
24.02.2012 07:21
0 0

Sebastian Kurz

In der Privatwirtschaft würde der soetwas von gemoppt (oder gepoppt) werden....

1 0

Re: Sebastian Kurz

mehr Ahnung, als Rudas und Pelinka zusammen

DerMike
24.02.2012 07:21
0 1

Schwachsinn das ganze!

Der Jungsprunz hat doch keine Ahnung

Gast: Keinart D
23.02.2012 18:28
6 1

Elternsprechtag als „Muss“

Dieser Träumer!

90% der muslimischen Eltern sind NIE gesehen worden und haben auf keine Aufforderung seitens der Schule reagiert.

Antworten hugo86
24.02.2012 08:20
1 4

Re: Elternsprechtag als „Muss“

ja u das sind natürlich nur die Muslime, oder wie?

Re: Re: Elternsprechtag als „Muss“

es ist sehr stark anzunehmen, dass 90% der muslimischen Eltern Muslime sind!

Gast: Kindergärtnerin
23.02.2012 18:15
2 1

Eine Folge des Sozialismus....

ist, dass das Wort "Pflicht" in den letzten Jahren negativ besetzt ist und den Menschen jede Motivation genommen ist - weil ihnen suggeriert worden ist, dass sie Rechte ohne Ende haben und ihnen Erfolgserlebnisse permanent verwehrt werden .

Solange es so ist, dass Minderjährige bestimmen können, ob ihre Eltern Informationen über sie erhalten,so lange wird Jugendlichen die Möglichkeit genommen,in Ruhe reif werden zu können und deren Eltern die Möglichkeit, ihre Aufgaben (sorgsam) zu erfüllen!

Es ist höchste Zeit, sich zu besinnen, dass gesunde Familien die Grundlage für ein gesundes Land sind. FAMILIEN sind zu fördern und zu unterstützen - weit mehr als manch andere Institutionen!
Mit der Verurteilung Einzelner wird weiter die Ursache verschleiert!

Gast: BraveNewWorld
23.02.2012 11:09
16 0

Bessere Lösungen

Zuerst würde mich stark interessieren, warum der Vorstoß vom Integrations-Staatssekretär kommt und nicht vom Unterrichtsminister?!

Als weitaus wirksamere Maßnahme als Geldstrafen (die im Regelfall das Börserl der Eltern belasten und nicht direkt das der Schüler) wären verpflichtende Sozialdienste am Wochenende. Dat tut den Schwänzern sicher mehr weh...

Antworten berndmoron
25.02.2012 07:18
1 0

Re: Bessere Lösungen

warum wird immer der sozialdienst als sanktion bemüht. die leute, die dort arbeiten, bedanken sich ob dieser wertschätzung.

Antworten carullus
23.02.2012 13:55
3 1

Weil ...

... das ein Problem ist, dass Ausländer überproportional betrifft und folglich eine nachhaltige Integration zumindest erheblich erschwert, nehme ich an.

0 0

Re: Weil ...

warum erschwert Schulpflicht die Integration?

Re: Re: Weil ...

nicht die Schulpflicht, sondern das Schwänzen. das fängt ja schon damit an, dass Mütter ihre Volksschulkinder am Vormittag mitnehmen, damit diese Übersetzungsdienste leisten.

Gast: märchentante
23.02.2012 07:38
1 0

schulschwänzen

Was nutzen strengere Gesetze, wenn manche Ärzte zm Beispiel in Wels "gelinkte" bzw. nachträglich erstelllte Atteste für "Auslandsreisen" von Schülern (zur Verlängerung der Ferien) ausstellen und damit die Arbeit und Vorgangsweisen der Schulen untergraben. Auch da müsste angesetzt werden und Einhalt geboten werden, denn es ist leider kein Einzelfall. Jedes Gesetzes, jede Maßnahme ist zahnlos, wenn man es/sie so einfach umgehen kann.

Re: schulschwänzen

wenn man sich schon mal um eine möglicherweise unkorrektes Attest bemüht, ist einem die Schulpflicht immerhin bewußt und sie wird auch ernstgenommen ( wenn auch vielleicht nicht zu 100% eingehalten).

Das sind aber nicht die Familien, an die hier in erster Linie gedacht wird.

Antworten Sodawasser
23.02.2012 09:32
2 1

Re: schulschwänzen

Bin selbst ursprünglich aus Wels, jetzt aber Wien. es ist defacto so das am Land, sprich außerhalb Wiens jeder seinen Arzt gut kennt, und da ist das kein Problem.

Gast: ExSchüler_id_70_80er
22.02.2012 20:57
11 0

Erziehungssache

Ob Strafen bei allen Bevölkerungsschichten was bringen wird bezweifle ich, ABER die Eltern haben nunmal eine ErziehungsPFLICHT und wenn sie dieser nicht nachkommen gehört eben eine Strafe her die weh tut. Eben beim Verletzen der SchulPFLICHT.
Es kann nicht sein das die Jugend auf der Strecke bleibt wenn sich manche Eltern um nichts scheren, die Lehrer sind ohnehin entrechtet.
Wenn junge Menschen dann ohne Abschluß keine Arbeit finden ist meistens das System schuld. Sicher gehört auch das Schulsystem durchgeackert, bei der Gesamtproblematik spielen mehrere Faktoren mit. Nur bis in Österreich was geschieht...

Nicht umsonst meint man in der BRD das es nicht schlimm ist wenn die Welt untergeht...
denn wir gehen nach Österreich, da passiert ohnehin alles um Jahrzehnte später...

Gast: bärig
22.02.2012 19:09
9 0

Schulschwänzen

Die meisten Schulschwänzer gibt es angeblich an den HS, die vor allem von Schülern mit Migrationshintergrund besucht werden. Vor allem junge Burschen finden es öde, den ganzen Tag von Frauen etwas angeschafft zu bekommen! Da verbringen sie lieber ihre Zeit mit ihresgleichen in den Fußballkäfigen diverser Parks oder in den Internetcaffes der Wohnumgebung!
Es ist schade, dass Fehlstunden nicht in den Zeugnissen der Schüler vermerkt werden!

Antworten kritisch11
24.02.2012 08:54
0 0

Re: Schulschwänzen

was für Zeugnisse? ich war der Meinung dass bei einer gewissen Anzahl nicht besuchter Stunden kein Zeugnis ausgestellt wird. liege ich da falsch?

Re: Schulschwänzen

zumindest die unentschuldigten Fehlstunden sollten vermerkt sein, finde ich.

Gast: Hand aufs Herz!
22.02.2012 13:44
3 4

Wer hat nicht?

Wer hier der so großartig Redet gegen Schulschwänzen hat nicht selbst in seiner Jugend das getan, den Geographieunterricht sausen lassen, oder mal den Turnunterricht, also ich kenne keinen der 9 btw. 13 Jahre brav wie ein Engerl war.

Klar um diese Verwaltungsdelikte geht's bei der Diskussion nicht, da geht's schon um ein anderes, da müßte man der Jugend aber auch sagen, das es Wert ist die Schule zu besuchen auch um seine eigenen Ideen und Vorstellungen in Zukunft realisieren zu können, nur wie soll das gehen bei der derzeitigen Jugendarbeitslosigkeit die mit dem Sparpaket sich definitiv verstärken wird, welche Perspektiven hat die Jugend wirklich die es Sinn macht das Handtuch nicht zu werfen.

Da aber sind die Politiker gefordert, als gutes Beispiele voran zu gehen, Korruption ist ganz sicher keines, eher schon, mal auf eine Autobahn zu verzichten für die Jugend, solange Hunde in Wien mehr Fläche haben als Kinder zum spielen ist ohnedies Hopf und Malz verloren!

Antworten Dagobert
23.02.2012 12:38
3 2

Re: Wer hat nicht?

Schon wieder einer der alle in die Pflicht nehmen will, außer diejenigen die ursächlich betroffen und verantwortlich sind:

Eltern und Schüler

Antworten wasssabi
22.02.2012 17:53
7 2

Re: Wer hat nicht?

bin 17 und habe nie geschwänzt!

Antworten Antworten Gast: Der Notar
23.02.2012 15:57
4 1

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von wassabi auf Seicherl-Tee. Vergiss aber bitte nicht: SchulPFLICHT = UNTERSTUFE, Oberstufe bin ich sowieso dafür, dass die Leute im Seminarsystem unterrichtet werden. Wer glaubt, er kann selbst das Buch lesen, aus dem der Geoprofessor immer so ermüdend vorliest, soll es machen. Und wenn er die Prüfung besteht, dann ist es egal, wie oft er in der Stunde anwesend war.

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Re: Wer hat nicht?

ich kann von mir behaupten, exakt 2h geschwänzt zu haben. dann wurde das langweilig und blieb in der Schule.
Schwänzen, ohne (viel) Geld in der Tasche ist fad.

so, jetzt kennens einen

 
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