Wien/J.n. Ein Badezimmer hat eine Bodenfläche von 7,2 Quadratmeter. Eine Packung Fliesen reicht für 1,2 Quadratmeter. Wie viele Packungen Fliesen benötigt man mindestens zum Verfliesen des Bodens?
Fragen wie dieser müssen sich am Mittwoch 80.000 Schüler der achten Schulstufe stellen. Der Sinn der flächendeckenden Testung: Die Überprüfung der im Jahr 2009 festgelegten Grundkompetenzen in den Fächern Mathematik, Deutsch und Englisch. Ab sofort werden die Schülerleistungen jedes Jahr im Frühjahr in einem dieser Fachbereiche überprüft. Nach dem heurigen Mathematiktest folgt nächstes Jahr die Erhebung der Kompetenzen im Fachbereich Englisch. Ab 2013 sollen außerdem nicht nur die Schüler der achten Schulstufe getestet werden, sondern auch jene der vierten.
Die Ergebnisse der kommenden Woche stattfindenden Testung werden voraussichtlich erst im Dezember vorliegen. Die überprüften Schüler werden dann großteils bereits andere Schulen besuchen. Da für alle 14-Jährigen – mit Ausnahme jener, die eine AHS-Langform besuchen – nach der achten Schulstufe ein Schulwechsel ansteht.
Die Resultate werden für die einzelnen Schüler im Internet abrufbar sein. Lehrer werden hingegen keine Einzelergebnisse erfahren; sie erhalten lediglich die anonymisierten Klassenresultate. Gleiches gilt für die Schuldirektoren. Zusätzlich wird ihnen das Schulergebnis mitgeteilt. Auch die Landesschulräte sollen nur teilweise mit Ergebnissen versorgt werden – geplant ist hier ein Bundesländervergleich.
Eines will Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) unbedingt vermeiden: dass die Ergebnisse an die Öffentlichkeit kommen. In einem Rundschreiben an die Schulen appelliert sie sowohl an Schulleiter, Lehrer, Schüler und Eltern, die Resultate vertraulich zu behandeln. Um eine Vergleichbarkeit zu verhindern, wird es außerdem keine Rangfolge geben. Welche Schule wie abschneidet, soll geheim bleiben.
Keine „oberflächlichen Schlüsse“
Den Vorwurf, Schmied versuche dadurch, Konkurrenz und Wettbewerb zu unterbinden, versucht diese schon vorab zu entkräften. Sie wolle lediglich keine „schnellen und oberflächlichen Schlüsse“ zulassen, sagt Schmied. Um die tatsächlichen Leistungen einer Schule beurteilen zu können, bedürfe es eines „wesentlich tieferen Blicks“ auf Rahmenbedingungen, schulinterne Kultur, Ansprüche und Zielsetzungen am jeweiligen Standort.
Übrigens: Zum Verfliesen des Badezimmers benötigt man mindestens sechs Packungen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.05.2012)
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