Schmied und Amon: Ein ungleiches Paar im Gleichschritt

von Rosa Schmidt-Vierthaler und christoph schwarz (Die Presse)

SPÖ-Unterrichtsministerin Claudia Schmied und der schwarze Bildungssprecher Werner Amon sind sich bei der Schulreform überraschend einig. Was die beiden verbindet, ist ihr Arbeitsstil.

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Einst herrschten raue Töne in der Schulpolitik. Die ÖVP warf der SPÖ vor, die Bildungschancen der Kinder mit „Zwangstagsschulen“ oder der „Eintopfschule“ zu ruinieren. Die SPÖ wiederum machte die ÖVP für die desaströsen Ergebnisse bei Bildungsstudien verantwortlich. Reformwille wurde vonseiten der ÖVP schnell abgedreht: Als die schwarze Wissenschaftsministerin Beatrix Karl 2010 der SPÖ mit der Forderung „Gymnasium für alle“ entgegenkam und frischen Wind in die Bildungsdebatte brachte, stellte ihre Partei sie prompt als Bildungsverhandlerin kalt. Stattdessen wurde sie von einem Gehrer-Getreuen ersetzt, der den Reformwillen von SPÖ-Unterrichtsministerin Claudia Schmied zügeln sollte. Allein: Es kam anders.

Die Ministerin und der schwarze Bildungssprecher Werner Amon marschieren seit geraumer Zeit konsequent im Gleichschritt. Zuletzt demonstrierten sie bei der Verschiebung der neuen Zentralmatura demonstrative Einigkeit. Und das, obwohl Werner Amon nicht gerade die Aura eines Reformers umweht. „Stockkonservativ“ nennen ihn Kommentatoren, Charisma wurde ihm noch nie zugeschrieben. Auch das Zitat von der „Eintopfschule“ stammt ausgerechnet von ihm.

Wichtig ist ihm vor allem auch die Einbindung der Lehrergewerkschaft, deren „Expertise“ man, wie er sagt, „nicht leugnen“ könne.

Überschattet war die Zusammenarbeit der beiden zu Beginn vor allem von der unsanften Ablöse Beatrix Karls. Die Skepsis gegenüber Amon war nicht nur beim Koalitionspartner SPÖ, sondern auch unter fortschrittlichen ÖVP-Funktionären groß. Prompt leistete sich Amon nach nur kurzer Zeit den ersten Patzer: Er akkordierte mit der SPÖ die modulare Oberstufe – das sogenannte „Ende des Sitzenbleibens“. Nachdem die Einigung offiziell wurde, pfiff ÖVP-Chef Michael Spindelegger die Verhandler zurück: Der Leistungsgedanke sei nicht ausreichend im Konzept verankert, man müsse zurück an den Start, richtete er Amon aus. Der Vorwurf, nicht paktfähig zu sein, war Amon sicher. Auch in der ÖVP war er angeschlagen: Das Verhältnis zu Spindelegger, der ihn einst als ÖAAB-Generalsekretär beseitigte, ist nicht das beste.


Barrieren beseitigen. Was Amon und Schmied eint, ist der Arbeitsstil: Beide beschreiben sich als Pragmatiker und geben sich nach außen weit ideologischer, als sie sind. Deshalb vereinbarten sie zu Beginn ihrer Zusammenarbeit 2009, „ideologische Barrieren eher auf die Seite zu schieben und die Dinge zu entwickeln, die möglich sind“, wie Amon zur „Presse“ sagt. Er schwärmt von der „exzellenten Zusammenarbeit“ und der „sehr tragfähigen Vertrauensbasis“ mit der Ministerin. Zuletzt war es in Bildungsbelangen dennoch ruhig geworden um Amon. Er hatte seine Tätigkeit in den U-Ausschuss und zur Causa Kampusch – im „Spiegel“-Interview bezweifelte er medienwirksam die „Einzeltätertheorie“ – verlagert. Eine Rolle, die dem linientreuen Steirer gefiel, bis er selbst in die Kritik kam: Im Zusammenhang mit der Telekom-Affäre und möglichen Zahlungen an den ÖAAB wurden auch Vorwürfe gegen ihn laut.

Jetzt scheint Amon zurück. Neue Mittelschule, Bildungsstandards, Ganztagsbetreuung: All diese Projekte liegen den Paarläufern am Herzen. Wohl nicht zuletzt, weil beide Parteien die Urheberschaft beantragen. Auch inhaltlich verbindet Schmied und Amon mehr, als es scheint: Denn auch Amon ist nicht besonders überzeugt davon, wie es an den Schulen derzeit läuft. Und da die ÖVP in der Vergangenheit, abgesehen von der Aufwertung der Hauptschule in einer nicht näher definierten Form, wenig Ideen hatte, keimte das kleine Pflänzchen Konsens. Es ist ein Konsens des kleinsten gemeinsamen Nenners. Aber immerhin ein Konsens.

zur person

Claudia Schmied (53) ist seit 2007 Unterrichtsministerin für die SPÖ. Zuvor war die gebürtige Wienerin und studierte Wirtschaftwissenschaftlerin Vorstandsmitglied der Kommunalkredit.

Werner Amon (43) ist seit 2008 Bildungssprecher der ÖVP. In den Jahren 2003 bis 2009 war er ÖAAB-Generalsekretär. Im Korruptions-U-Ausschuss ist der gebürtige Grazer Fraktionsführer der ÖVP.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.06.2012)

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18 Kommentare
Gast: 1. Parteiloser
11.06.2012 08:02
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In einer reifen Gesellschaft, bei einem funktionierenden Rechtsstaat, da würden die im Gleichschritt in den Hefn gehen!

Als Vorstand einer Bank die volle Verantwortung für die Veruntreuung von Milliarden würde in einem Rechtsstaat eine Haftung nach sich ziehen.

Rechnungen schreiben und abkassieren ohne eine Gegenleistung angeboten zu haben, niemals vorgehabt zu haben eine Gegenleistung zu erbringen, das würde auch eine Haftstrafe brauchen. Als bezahlter Lehrer und ohne sich um die Schüler zu kümmern, weil freigestellt, das ist doch auch eine Rechnungslegung ohne Gegenleistung.

Eigentlich müsste auch der Neugebauer den Gleichschritt in den Hefn mitmachen. Der hat ja auch Gelder von der Telekom gefordert ohne jemals eine Gegenleistung in Aussicht zu stellen oder auch nur den geringsten Willen eine Gegenleistung zu erbringen. Das ist Korruption und nichts anderes.

Gut dass Österreichs Hefn für die Masse an verdorbenen Hefnkandidaten niemals ausreichend sein werden und es sich, beim dem Filz, auch nicht um eine reife Gesellschaft handelt, auch der Rechtsstaat überhaupt nicht mehr funktioniert.

Die Österreicher sollten eine elegantere Lösung zur Befreiung vom kranken Filz ins Auge fassen. Es würden sich Volkstribunale anbieten, welche dann einen Massenexport, mit einer Einfachfahrt mit den ÖBB, in die Wüste Gobi organisiert. Diese Typen brauchen ja Ruhe und eine 1.000jährige Meditation um endlich zur Einsicht zu kommen.

Gast: KinderaufbewahrungsanstaltsleiterIn
10.06.2012 16:23
4 0

diese Leute bestimmen die Zukunft unserer Kinder

und während in China jedes Jahr 300.000 gut ausgebildete Jugendliche die großteils neu gegründeten Unis abschließen und in die Welt ziehen wird in Österreich eine Gleichmacherei nach unten vollzogen. Maturanten die kaum lesen können, von Mathe reden wir schon gar nicht. Die dann halt ein paar Jahr auf der Uni geparkt werden bevor irgendwo ein Versorgungsjob frei wird - am besten bei einer politische Partei. Gleichzeitig Matura+Studium für Berufe vorschreiben die mit einer BHS locker zu Schaffen waren. Und noch immer versteht niemand, dass ein lange Studienzeit nicht immer bessere Ausbildung bringt, sondern nur einen späteren Eintritt ins Berufsleben und somit kürzere Beitragszeiten. Und heute schon nicht einmal ein besseres Gehalt. Es muss sich am gesamten System was ändern und das rasch, sonst gehen wir alle unter ....

Gast: Gast:Karl
10.06.2012 16:19
2 0

Ungleich?

Jeder Schmied hat einen schwarzen Pudel - es fehlen halt die Ingenieure!

Nichtwissen und Ahnungslosigkeit verbindet sicher.


Was die beiden verbindet, ist ihr Arbeitsstil.

Der keiner ist, was die Ergebnisse beweisen.

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versteh ich

beide haben im bereich bildung einen enormen, aber offenbar ziemlich ähnlichen nachholbedarf.
wie sagt der engländer: birds of a feather flock together - oder gleich und gleich gesellt sich gern.

Gast: 1. Parteiloser
10.06.2012 10:38
3 1

Deren Gleichschritt und Arbeitsstil haben aber keine Relevanz für die Schüler!

Diese Typen sind die Entscheidungsträger für das Bildungssystem. Es spielt überhaupt keine Rolle wie diese Typen die notwendigen Verbesserungen, also die Resultate, erzielen. Es ist nur notwendig, dass schnell brauchbare Resultate kommen.

Die Resultate des Österreichischen Bildungssystems sind nachweislich sehr schwach, die Kosten aber sehr hoch. Es hat also, wenn man die Resultate der früheren Verantwortlichen betrachtet, nur ein Totalversagen gegeben. Es wurde ja immer Schlechter!

Die Schmied ist nun schon seit mehr als 5 Jahren verantwortlich, hat also nur an Verschlechterungen gearbeitet. Die Resultate sind doch die Hölle für Ö, besonders von Ös Kindern.

Der Amon, über Jahre ein freigestellter Lehrer, der hat doch keine Ahnung und auch noch nie was für die Schüler oder die Gesellschaft gemacht. Der ist vom Anfang an für die Aufgabe gegenüber Österreich nicht qualitfiziert, sondern nur für die Verantwortungsübernahme gegenüber den grausigen ÖAAB/GÖDler qualifiziert.

Sicher ist, dass der Plan zur planwirtschaftlichen Gleichmacherei einer NMS nicht funktionieren werden und auch gegen die Menschenrechte ist (Freiheit). Sicher ist, dass noch Verpflichtungen des Staates und der Eltern vielleicht am Plan (Papier) funktionieren, nicht aber im realen Leben.

Sicher ist auch, wenn keine Leistungen gefordert werden, dann auch keine Leistungen erbracht werden. Dazu gibt es aber keine brauchbaren Ambitionen. Die kommenden Resultate sind absehbar.

Gast: (beobachtende) Lehrerin
10.06.2012 09:17
7 0

Der Amon vertritt damit aber ganz sicher nicht die Meinung eines Großteils der ÖVP-Wähler


Re: Der Amon vertritt damit aber ganz sicher nicht die Meinung eines Großteils der ÖVP-Wähler

das denk ich auch, wenn es um die gesamtschule geht)!

allerdings ist die ÖVP in dieser miesen koallition mit dr. failman, also unter fuehrung der kronenzeitung gefangen!!

Gast: Master of the Universe
10.06.2012 09:09
9 0

Die Beiden sind gleichermassen inkompetent.

Beide begreifen nicht, dass in möglichst homogenen Gruppen die besten Lernerfolge erzielt werden. Die Lösung ist ein möglichst differenziertes Schulsystem, in dem jeder Schüler in einer Gruppe ähnlich Lernfähiger genau in dem Maß gefordert wird, dass er dem Unterricht folgen kann und sich nicht langweilt.

Das ist wie mit der Kutsche: da spannt ja jeder vernünftige Mensch ähnliche Pferde davor. Wer einen Elefanten, ein Pferd, einen Esel und einen Schlittenhund vorspannt, hat Wesentliches nicht begriffen.

Gast: Zwi llinge
10.06.2012 08:59
3 0

Das stimmt!

Amon und Schmied sind sich äußerst ähnlich.

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Wenn zwei Ahnungslose...

Ein ungleiches Paar im Gleichschritt zur Vernichtung von Bildung... Mit gemischten Gefühlen habe ich dessen Artikel gelesen und war nachher auch nicht viel schlauer. Viele Schlagworte und null Aussage. Wenn es das ist,was die ÖVP der Bildungsmisere der Roten entgegenzuhalten hat, dann kann man nur mehr "Gute Nacht, Österreich" sagen. Hier braucht es viel mutigere Aussagen (siehe Interview von Töchterlei neulich in der Presse), um dieser Nivellierung und Gleichmacherei entgegenzuhalten.

Gast: Abdisu (kein Lehrer)
09.06.2012 19:47
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Ein Jammer,

dass sogar in diesem Artikel (und von Herrn Amon ohnehin) nicht verstanden wird, was los ist: Die Matura für alle hat in den Siebzigerjahren Kreisky eingeführt, nämlich für alle, die intellektuell in der Lage waren, sie zu erwerben. Jetzt soll sie wieder durch die Matura für Reiche ersetzt werden: Wie schon jetzt in den Volksschulen, soll künftig auch eine brauchbare Gymnasialausbildung auf Privatinstitute beschränkt werden. Alle anderen bekommen das Abschlusszeugnis einer verlängerten Hauptschule und werden um viele Lebenschancen gebracht. Wenn sich der Herr Amon als Teil einer Zweipersonenverliererallianz sieht, ist das seine Sache. Seine Partei sollte ihm aber in den Arm fallen, sonst braucht sie bald gar niemand mehr.

Antworten Gast: Gentrification
10.06.2012 08:15
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Re: Ein Jammer,

Amon ist ja an der Matura gescheitert.

Das ist ja der Treppenwitz.

Re: Re: Ein Jammer,

achso, dann wars aus?

individualisierung ist die tarnfarbe

gleichschritt ist es, was beide wollen. die überschrift passt haargenau. diktatur ist ideologiefrei.

Gast: ejo
09.06.2012 19:02
5 0

oje

ojeoje

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Zusammenarbeit

Sie gibt Ideologisches vor und er kapiert´s nicht.

Schlagzeilen Bildung

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