Die Diplomarbeit schreibt sich nicht von selbst

ANLEITUNG. Der Abschluss ist für viele Studenten das schwierigste Kapitel. Daher gibt es mehrere Möglichkeiten, sich auf verschiedenen Wegen dabei helfen zu lassen.

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(c) MZM (Mzm)

Wie man eine wissenschaftliche Abschlussarbeit schreibt“: Dieses Buch von Umberto Eco haben viele Studenten in ihrem Bücherregal stehen. Doch alle Fragen dürfte auch diese Schreib-Anleitung – mittlerweile in 12. Auflage erhältlich – nicht geklärt haben.

Coachings zum Diplomarbeits-Abschluss und Schreibwerkstätten werden jedenfalls in den vergangenen Jahren verstärkt angeboten – und das, obwohl wissenschaftliches Schreiben als eigenes Fach allmählich Eingang in die Studienpläne findet. Klar, Beratung boomt; ein persönlicher Coach – das klingt verführerisch. Davon abgesehen: Betreuung – ob einzeln oder in der Gruppe – kann durchaus effektiver sein als das Studieren eines Eco-Lehrbuchs, das zwar in freundschaftlich-jovialem Ton geschrieben ist, aber dennoch nicht auf jede Detailfrage antwortet. Außerdem: Den Coach kann man nicht so einfach beiseite legen.

Freilich kosten Diplomarbeits-Coachings (sie reichen von Hilfe bei Themenfindung und Gliederung bis hin zum Lektorat einzelner Kapitel) und Schreibwerkstätten (Hauptfokus: Schreib-Übungen) das nötige Kleingeld: 30 bis 60 Euro pro Stunde. Eine Auswahl aktueller Angebote:


•Psychologisch: „Die Diplomarbeit entmystifizieren“: So nennt Johanna Vedral ihren Job. Die Psychologin und Kunsttherapeutin betreut viele Studierende, die schon „ewig“ an ihrer Abschlussarbeit schreiben. Ihr Ziel: Eine annehmbare, und keine „Jahrhundertarbeit“ verfassen. Die Ratsuchenden – „fast nur Frauen“ – hätten häufig „keine klaren Pläne, was sie danach machen wollen“. Die Diplomarbeit schließt die Studentenzeit ab – für viele ist das eine „Übergangskrise“. Vedral klärt deshalb psychische Probleme zu Beginn des Coachings ab. Denn „würde ich nur beim Schreiben ansetzen, kommen die Probleme durch die Hintertür.“ Ausweichmanöver – etwa Termine verschieben – lässt sie nicht gelten. „Dann melde ich mich und hake nach.“

www.schreibstudio.at

•Kreativ: Weil in Europa „produktorientiertes Schreiben, das normativ und formalistisch ist“ im Vordergrund steht, haben viele Studierende Schreib-Schwierigkeiten, meint Irene Rauch vom Writers Studio. Bei ihren Schreibseminaren setzt sie auf „prozessorientiertes, freies, assoziatives Schreiben“, wie es in den USA üblich ist. „Viele setzen sich hin und wollen perfekte Sätze“, sagt die Seminarleiterin. „Die Leute haben einen zu hohen Anspruch an sich selbst.“ Das Gegenkonzept: „Schreiben besteht aus Phasen.“ Zuerst wird ein Rohtext verfasst, den man systematisch überarbeitet. Uni-Lehrveranstaltungen zu Regeln des „wissenschaftlichen Schreibens“ hält Rauch nur für bedingt sinnvoll – Schreiben sei mehr, „ein kreativer Prozess“. Den Teilnehmern will man deshalb „Mut zum Schreiben“ mitgeben.

www.writersstudio.at


•Strukturiert: Klar strukturiert geht Caroline Riedler ihre Stunden an. Die Psychologin und Unternehmensberaterin, die „nebenbei, weil es schön ist“ ein paar Diplomanden betreut, setzt auf Coaching mit klaren Vorgaben. „Menschen, die nicht so organisiert sind oder leicht verzweifeln“ sind es vor allem, die zu ihr kommen. „Projektmanagement lernt man nicht an der Uni“, kritisiert die 34-Jährige. Teilt man das „riesige Projekt“ Diplomarbeit in einzelne Portionen, falle es schon leichter. Im „Monday-Morning-Mail“ erstatten die Studierenden über ihre Fortschritte Bericht. Gibt es akute Probleme, sei sie für die Betreuten per Telefon erreichbar, sagt Riedler. Inhaltliche Tipps gibt sie keine – „das wäre vermessen“.

www.diplomarbeitscoaching.at


•Für Frauen: Um wissenschaftliche Karrieren von Frauen zu fördern, bietet das Frauenreferat der ÖH Uni Wien Schreibwerkstätten für Diplomandinnen – mit kleinem i – an. Praktische Übungen wie Erstellen des Inhaltsverzeichnisses, Konzept und konkrete Schreibübungen stehen im Vordergrund der zweitägigen, kostenlosen (!) Blockveranstaltung. Zwar teilt man die Betreuerin mit einem Dutzend anderer Studentinnen – das hat aber auch Vorteile: Man lernt von anderen, kann sich über Schwierigkeiten austauschen. Außerdem ist Gruppenarbeit oft motivierender als das Werken alleine.

www.oeh.univie.ac.at/arbeitsbereiche/frauen.html


•Für Vorsichtige: „Es wäre traurig, wenn man wissenschaftliches Schreiben nicht an den Unis lernt“, sagt Brigitte Faißt, Leiterin von Student Point, der Beratungsstelle der Uni Wien. Eigentlich seien Diplomanden-Seminare der Ort, wo man Schwierigkeiten mit der Abschlussarbeit besprechen soll. Freilich sei deren Qualität „sehr abhängig“ vom Betreuenden. Beim Coaching rät Faißt zur Vorsicht. „Nicht alle Angebote sind seriös.“ Für jene, die sich erst lieber gratis informieren wollen, organisiert Student Point eine Info-Veranstaltung mit dem Titel „Diplomarbeit jetzt! Schreibtipps für Vielbeschäftigte“ (Di, 4.März, NIG, HS1, 18.15 Uhr).

www.studentpoint.univie.ac.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.02.2008)

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