Schnellsiede-Doktor in drei Semestern?

Professor an Tiroler Privat-Uni soll nicht zugelassene Kurse anrechnen. Der Kritisierte bestreitet Vorwürfe.

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Mehr als 200 Doktoranden soll Roland Staudinger, Professor und interimistischer Rektor an der „UMIT“ („Private Universität für Gesundheitswissenschaften, Medizinische Informatik und Technik“) im Tiroler Hall betreuen. In seinem Umfeld wird nun Kritik laut, der Professor betreibe für seine Studenten nicht zugelassene Vorbereitungskurse und rechne ihnen diese auch an.

Staudinger bestreitet die Vorwürfe und vermutet hinter den Vorwürfen eine Kampagne der Konkurrenz. Demnächst fällt die Entscheidung, wer der Privatuni, die im Eigentum des Landes Tirol steht, in den nächsten Jahren vorstehen wird.

Eine interne Statistik, die „UniLive“ vorliegt, stützt die Kritik. Sie weist für das „Doktorat Gesundheitswissenschaften“ im Sommersemester 2003 acht Doktoranden aus, mit linearem Wachstum in den Folgejahren. Im Sommersemester 2005 studierten 20 Personen. Danach wird's interessant.

„Im Wintersemester 2007 begann die Kommerzialisierung des Doktorstudiums im Bereich Gesundheitswissenschaften“, sagt ein Kritiker aus dem unmittelbaren Uni-Umfeld, der ungenannt bleiben will. Für das Sommersemester 2008 nämlich meldet die Statistik des Studiums mit 203 Inskribierten die plötzliche Verzehnfachung der Studenten.

Darüber hinaus betreibe UMIT unter der Federführung Staudingers zwei Studienzentren in Linz und Wien, die beide vom Österreichischen Akkreditierungsrat (ÖAR, siehe Artikel unten) noch nicht anerkannt worden seien.

 

„Irrtum meiner Mitarbeiterin“

„Kritik an den Vorgängen an der UMIT ist schon mehrfach an uns herangetragen worden“, sagt Hannelore Weck-Hannemann, Präsidentin des ÖAR. „Wir achten sehr genau darauf, dass Vorschriften rechtskonform erfüllt und Qualitätsstandards eingehalten werden.“

Der Akkreditierungsantrag für die Studienzentren in Linz und Wien sei in Bearbeitung; im Moment könne man nur darauf achten, dass UMIT klipp und klar auf die noch ausstehende Akkreditierung hinweist. „Wenn die UMIT den Lehrbetrieb bereits vor der Akkreditierung aufnimmt, so entspricht dies aber nicht den Vorgaben des ÖAR“, urteilt Weck-Hannemann.

Nicht-universitär sind auch die eingangs genannten Vorbereitungskurse für das Doktoratsstudium. Sie kosten 3300 Euro im Semester und sind offiziell nicht verpflichtend. Bei einer telefonischen Anfrage bei UMIT wird der Kurs aber dringend empfohlen – immerhin könne man sich die beiden Semester auf das Doktoratsstudium anrechnen lassen und mit etwas Fleiß dann schon nach einem weiteren Jahr Hall als Doktor verlassen: „Die Mindeststudiendauer beträgt ja vier Semester, mit dem Vorbereitungsjahr sind Sie schon zwei Semester bei uns.“

Diese Telefonauskunft sei nicht konform mit der geltenden Rechtslage, so Weck-Hannemann: „Zulassungsvoraussetzungen dürfen nie für das betreffende Studium anerkannt werden – sie müssen ja dessen Grundlage sein.“

„Ein Irrtum meiner Mitarbeiterin, den ich mit ihr besprechen werde“, erklärt der kritisierte Roland Staudinger, der für den vakanten Rektorsposten kandidiert. Hinter den Vorwürfen wittert er eine Intrige. Inhaltlich sei die Kritik „Schmonzes“: Er selbst betreue nicht mehr als sechs Doktoranden, der Vorbereitungskurs sei nicht verpflichtend und werde nicht als Studiengang beworben. Lediglich erbrachte Leistungen könnte man sich anrechnen lassen, keineswegs komplette Semester.

Dass UMIT in der Vergangenheit auch schon Doktorate nach nur zwei oder drei Semestern Doktorats-Inskription verliehen habe, könne er aber nicht völlig ausschließen.

 

Streit um Rechtsauslegung

„Das ist durch eine Anrechnung von Leistungen, die im Rahmen eines anderen Doktoratstudiums erbracht wurden, prinzipiell erlaubt“, kommentiert Weck-Hannemann diese Vorgänge.

Derzeit, so Staudinger, sei aber ohnehin eine Verlängerung des Doktorates auf mindestens sechs Semester anvisiert.

Den Vorwurf, nicht-akkreditierte Studienzentren zu betreiben, führt Staudinger auf unterschiedliche Rechtsmeinungen zurück. Seiner Meinung nach gelte die Akkreditierung eines Studienganges für ganz Österreich – wo der Kurs unterrichtet werde, sei Sache der jeweiligen Uni. Auch der ÖAR habe diese Linie bis vor einigen Jahren vertreten, bestehe neuerdings aber auf einer Überprüfung aller Studienzentren. Er verstehe aber, dass die Infrastruktur einer Niederlassung wichtig sei und folge den Wünschen des ÖAR – quasi aus gutem Willen.

Mit Stand 1. Oktober 2008 finden sich auf der Website der Uni Sätze wie dieser: „Das Doktorat Gesundheitswissenschaften besteht aus zwei Teilen, einerseits aus den nicht akkreditierten Vorbereitungssemestern und andererseits aus dem dann anschließenden akkreditierten Doktoratsstudium.“ Für Weck-Hannemann ist dies „keine Fehlinformation, aber so aufbereitet, dass sie für Interessenten, die die Rechtslage nicht kennen, irreführend sein kann“.

 

Studenten „sehr zufrieden“

Das mag juristisch irrelevant sein, sorgt es aber nicht trotzdem für eine schiefe Optik? Staudinger will nicht über Einzelmeinungen reden, sondern verweist auf breit angelegte externe und interne Evaluationen. „Entscheidend ist die Qualitätssicherung und unsere Studierenden, die jedes Jahr befragt werden, sind stets sehr zufrieden mit den Leistungen von UMIT.“ Die Website werde außerdem derzeit überarbeitet.

www.umit.at

AUF EINEN BLICK

Ein Professor der Privat-Uni UMIT in Hall wird von universitätsnahen Personen scharf kritisiert: Er soll nicht akkreditierte Vorbereitungskurse für das Doktoratsstudium und Studienzentren in Wien und Linz betreiben und über 200 Doktoranden betreuen.

Der kritisierte Professor kandidiert derzeit als Rektor der Universität und sieht sich deshalb als Opfer einer Intrige. Der österreichische Akkreditierungsrat kennt die Vorwürfe und prüft die Einhaltung aller Vorschriften.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.10.2008)

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