Mit dem Segelsport assoziiert man gemeinhin vor allem braun gebrannte Wirtschaftsbosse, reiche Ehepaare und verbissene Profisportler. Nichts könnte weiter von der Realität entfernt sein: Rund 480.000 Österreicher betreiben den Segelsport zumindest gelegentlich, dank Chartermodellen ist das Hobby heute fast für jedermann leistbar – sogar für Studenten.
Finanzierung durch Sponsoren
Der beste Beweis dafür ist die Existenz des Seglerteams „black/orange Racing“, das ausschließlich aus Studenten besteht. Die acht Teammitglieder – sie sind zwischen 20 und 29 Jahre alt – besitzen großteils langjährige Übung und Erfahrung auf See: „Einige von uns segeln schon, seit sie acht Jahre alt waren“, erklärt Teamsprecher Bernd Mayr, der beim heurigen „Presse“ Business Cup an der kroatischen Adria als Skipper der „black/orange“-Jacht fungiert hat. Die „Kerncrew“ hat sich bei verschiedenen Juniorenwettbewerben kennengelernt.
Über die Jahre hinweg haben sich die Teammitglieder – heute studieren sie unterschiedliche Studienrichtungen in Wien und Graz, von Architektur bis Rechtswissenschaften – dann in verschiedenen Segelklubs und Bootsklassen aus den Augen verloren. Bis sie einander vor einem Jahr, inzwischen für Hochseejachten ausgebildet, wiederbegegnet sind.
Nachdem sie dort den Beschluss fassten, eine eigene – im Verhältnis zu den meisten Seglern sehr junge – Crew zu bilden, trat das neu gegründete Team beim „SCup“, der steirischen Segellandesmeisterschaft, an – und erreichte auf Anhieb den steirischen Vizemeistertitel. „Das hat uns natürlich angespornt und als Team zusammengeschweißt“, sagt Mayr. Gerade das sportliche Messen mit den Mitbewerbern ist eines der Hauptanliegen des Teams: Deswegen fahren die „black/orange“- Segler vor allem in den Einheitsklassen, in denen sich die gesegelten Zeiten ohne großen Rechenaufwand vergleichen lassen.
Den Namen „black/orange“ hat sich das Team, das derzeit nur aus Männern besteht, in einer langen Brainstorming-Nacht erarbeitet. Inzwischen kleiden sich die Crewmitglieder in einheitlich schwarz-oranges Gewand, auf ihren Rücken prangen die Logos einiger Sponsoren – „ganz deckt das nicht unsere Ausgaben, wir und unsere Eltern schießen noch einiges aus eigener Tasche zu, wenn wir an Regatten teilnehmen“, erklärt eines der Crewmitglieder.
Aber das zahlt sich aus: „Das Segeln ist einfach eine unglaublich lohnende Sportart“, so Mayr, „vor allem der Faktor Teamarbeit ist eine gute Vorbereitung auf das spätere Berufsleben“, erklärt der 23-Jährige, der an der Universität Wien Sportmanagement und Politikwissenschaften studiert.
Regattatraining zu Ostern
Ziel von „black/orange“ ist es, jedes Jahr an sechs Regatten teilzunehmen. Da sich diese üblicherweise über mehrere Tage hinziehen, geht dafür regelmäßig viel Zeit drauf. Wie sich das mit dem Aufwand verträgt, den die Crewmitglieder in ihr Studium investieren? „Das ist natürlich nicht leicht. Wer bei uns mitmacht, der sollte in seinem Studium zumindest keine Probleme haben, um nicht zurückzufallen.“
Das Problem des mehrwöchigen Zeitaufwandes will die Crew aber in den Griff bekommen, indem sie neue Teammitglieder anwirbt: „Im Endeffekt möchten wir jede Position an Deck zweimal besetzen können“, erklärt Mayr. Um Segelinteressierte für das Team zu begeistern, veranstaltet „black/orange“ in der zweiten Osterferienwoche ein Regattatraining, bei dem segelaffine Studenten Kontakt aufnehmen können – „wer schon segeln kann und gerne bei Regatten teilnehmen möchte, kann mitfahren“, sagt der Skipper; vorherige Regattaerfahrung ist nicht notwendig. Die bringt „black/orange“ ohnehin selber mit – inklusive erkennbarer Leistungssteigerung: Beim heurigen SCup ist das Team gegen wesentlich erfahrenere Konkurrenten steirischer Meister geworden.
■black/orange Racing sind acht Studenten aus unterschiedlichsten Studienrichtungen in Wien und Graz. Das professionell organisierte, von Sponsoren unterstützte Team erreichte auf Anhieb den steirischen Vizemeistertitel im Regattasegeln 2007, heuer sogar den Meistertitel. black/orange sucht derzeit wieder nach Teamnachwuchs.
■Segeln ist ein auch für Studenten erschwinglicher Sport, den rund 480.000 Österreicher regelmäßig ausüben. Kleinere Boote sind zum Teil unter 10.000 Euro zu kaufen, für einzelne Bewerbe oder Törns können Yachten auch kurzfristig gechartert werden [Teresa Zötl]
("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.11.2008)

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