Fachhhochschule oder Uni? Das Beste aus zwei Welten

Ein Wechsel ist möglich und mittlerweile recht häufig. Doch es ist nicht immer einfach, die beiden unterschiedlichen Welten zu vereinen. Vier Studenten berichten von ihren Erfahrungen.

Schließen
"Der Bachelor an der FH war toll. Für den Master passt die Uni mehr." – (c) Dio Presse (Akos Burg)

Ich musste leider mit der Zeit anerkennen, dass ich nicht der Typ für eine Uni bin. Ich bin viel zu langsam vorangekommen und habe daher beschlossen, mich an einer FH zu bewerben.“ Mariella Petkovic hat es sich mit der Entscheidung, von der WU an die FH Wiener Neustadt zu gehen, nicht leicht gemacht. Doch es sei „definitiv die richtige Entscheidung“ gewesen. Denn nicht nur der mangelnde Studienerfolg, sondern auch die schwierige Vereinbarkeit des Studiums mit dem Job war auf Dauer anstrengend und frustrierend. So verließ sie die Wirtschafts-Uni nach drei Semestern IBWL und studiert nun an der FH berufsbegleitend Wirtschaftberatung mit der Vertiefung Marketing.

„Man muss sich natürlich auf das Bewerbungsgepräch und das Auswahlverfahren gut vorbereiten“, erzählt die Wienerin. „Einfach so inskribieren geht nicht. Ich habe aber meine Situation und meine Ziele genau geschildert und habe sichtlich überzeugt.“ Ihr IBWL-Studium wurde zum Teil angerechnet. „Man stellt einen Antrag, und es wird vom Inhalt und Umfang her alles geprüft, was anrechenbar ist. Auch Skills und Erfahrungen.“ Die straffe Organisation und Anwesenheitspflicht hat dem Studienerfolg inzwischen gutgetan, der Notendurchschnitt hat ihr ein Auslandssemester in den USA ermöglicht. „Dabei war ich überrascht, wie viel die FH dabei schon an Organistorischem vorbereitet hat“, so die Studentin. „Natürlich muss man die Auswahlkriterien meistern, aber dann setzt man sich quasi ins gemachte Nest.“

Freiheit und Forschergeist. Clara Märk ging den umgekehrten Weg – sie wechselte von der FH an die Uni. „Ganz freiwillig war es nicht“, meint sei. Nach dem Bachelor Medizinische und pharmazeutische Biotechnologie an der FH Krems startete sie an der FH Campus Wien mit dem Master, verpatzte jedoch eine wichtige Prüfung. „Da stand ich vor der Entscheidung, das Jahr zu wiederholen – oder an die Universität zu wechseln.“ Sie entschied sich für den Wechsel und studiert nun an der Uni Wien Molekulare Biologie. „Der Wechsel hat gut funktioniert, alle meine ECTS-Punkte wurden angerechnet“, erzählt die 22-jährige Niederösterreicherin. „Die FH hat mir den ECTS-Nachweis geschickt, den ich dann bei der Uni Wien eingereicht habe.“

Positiv überrascht hat sie die freundliche Hilfe, die ihr überall angeboten wurde. „Es ist eine andere Welt als die FH. Dort meldet man sich einfach an, das ist sehr komfortabel. Aber hier muss man sich selbst um alles kümmern, seine eigenen Entscheidungen treffen. Dafür hat man viel mehr Freiheit und kann nebenbei auch viel leichter arbeiten.“ Geholfen haben ihr neben guten Freunden zudem Online-Netzwerke, vor allem die Foren der Studiengangsvertretung, „in denen man auf ein Frage auch rasch eine hilfreiche Antwort bekommt“. Aktiv um Unterstützung zu fragen, sei nicht nur neu gewesen, sondern auch eine Möglichkeit, mit Leuten in Kontakt zu kommen. „An der FH gibt es viel mehr Begeisterung für Wissenschaft und Forschung, die Leute vermitteln einem, dass sie gern tun, was sie tun.“ Auch die Internationalität war an der FH Krems stärker spürbar. „Man wird dazu angeregt, zum Praktikum ins Ausland zu gehen.“ An der Uni müsse man seine Begeisterung oft selbst aufrechterhalten, seinen eigenen Weg gehen.
Den größten Vorteil sieht sie darin, sich an der Uni die Zeit selbst einteilen zu können. „Im Nachhinein muss ich sagen, dass der Bachelor an der FH für mich sehr passend war, das Schulische ist mir entgegengekommen, die Unterstützung und das Gefühl, Teil von etwas zu sein.“ Nun würde sie sich im System Universität wohler fühlen. „Man ist einfach unabhängiger und freier. Doch von selbst geht natürlich nichts, man muss sich schon darum kümmern.“

Themenwechsel. Bei Marco Maier hatte der Wechsel wenig mit der Frage FH oder Uni zu tun, sondern rein inhaltliche Gründe: Nach vier Semestern Ernährungswissenschaften an der Uni Wien „ist mir klar geworden, dass die Perspektiven damit nicht gerade überwältigend sind“. Er entschied sich, an der FH des BFI Wien Projektmanagement zu studieren. „Ich wollte mich nicht mehr auf eine Branche festlegen, sondern mit dem Studium mehrere Möglichkeiten offen halten.“ Anrechnen lassen konnte er sich natürlich nichts, zu unterschiedlich sind die Studien. Überrascht war er dann auch nicht vom neuen Studium, sondern von den „völlig anderen Studienumständen. An der Uni hat man natürlich die Freiheit, Vorlesungen nicht zu besuchen oder später zu kommen. Aber da sitzt man dann eventuell auch zwei Stunden auf dem Boden des Audimax, weil es so voll ist.“ Dabei will er die Uni nicht schlecht hinstellen. „Es ist klar, dass sie sich auf Masse einstellen und das bewältigen muss.“

Dennoch schätzt er das fast Familiäre der Fachhochschule. „Die Kurse folgen aufeinander, immer mit Prüfungen, sodass man nicht zum Semesterende alles parallel machen muss. Und wenn man sich dahinterklemmt, hat man in der Regelzeit fix seinen Abschluss.“
Eines gibt er allerdings zu bedenken: „Wenn man ein Selbsterhalterstipendium beziehen möchte, muss man bestimmte Fristen einhalten. Wechselt man sein Studium nach mehr als zwei Semestern, wird das Stipendium für vier Semester gesperrt. Ich empfehle, sich immer persönlich beraten zu lassen – egal, was auf der Homepage steht.“

Endlich Schule! Ähnliche Erfahrungen hat Marie-Therese Sonnauer gemacht. „An der Uni Innsbruck gilt das Management Center (MCI) als harter Stoff: schwer hineinzukommen und schwer durch die Prüfungen zu kommen. Ich fand die Uni schwieriger.“ Vielleicht liegt es am Alter und daran, dass sie im Gegensatz zu Studienanfängern ja schon einen Uni-Bachelor gemacht hat: Die 24-Jährige studierte den Bachelor Internationale Wirtschaftswissenschaften an der Uni Innsbruck und ist nun im dritten Semester des Masters International Health & Social Management.

Auf die Idee, an eine FH zu gehen, kam sie im Auslandssemester, das sie an einer Pariser Business School absolvierte. Das Schulische und Organisierte hatte es ihr angetan. „Ich wollte mich nach dem Bachelor noch nicht ins Berufsleben stürzen und mich stattdessen spezialisieren“, erzählt sie. „Und zwar im Ausland, am liebsten wieder in Frankreich.“ Dass sie nun doch in Innsbruck geblieben ist, war Zufall. „Ich habe mich an den Masterangeboten orientiert, und jenes des MCI hat mir am meisten entsprochen.“ An der FH empfindet sie vor allem die Planbarkeit – von der Anwesenheitspflicht bis zu den Erinnerungs-Mails, um keine Fristen zu versäumen – als angenehm. „Man kann sich wirklich auf sein Studium konzentrieren. Im Gegensatz zur Uni hat es einfach wenig Reiz, seine Bücher erst vor der Prüfung anzuschauen, weil man immer und überall ans Studieren erinnert wird.“ Allerdings will sie die Erfahrungen an der Universität nicht missen. „Man lernt dort wirklich, wie man selbst zurechtkommt.“

Kommentar zu Artikel:

Fachhhochschule oder Uni? Das Beste aus zwei Welten

Schließen

Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.

Meistgelesen