21.11.2009 20:47 | Meine Presse Merkliste0

Total ausgebrannt: Burn-out erreicht Unis

29.09.2009 | 16:50 |  CHRISTOPH SCHWARZ (Die Presse)

Versagensängste und Selbstmordgedanken: Über 12.000 Studenten brauchen psychologische Hilfe. Der Druck auf die Studenten nimmt zu: Ein schnelles Studium, mehrere Fremdsprachen und Praxiserfahrung sind längst Bedingungen.

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Erst waren es die psychischen Probleme der Mutter, die den 24-jährigen Stephan belasteten. Als dann auch noch der Prüfungsstress dazukam, wurde alles zu viel. „Irgendwann kam das Gefühl, es geht nicht mehr. Ich wusste mir nicht mehr zu helfen.“ Sein letzter Ausweg: der schwierige Gang zur Psychologischen Studentenberatung in Wien.

Dort erst hat Stephan erfahren, dass er mit seinem Problem schon lang nicht mehr allein ist. Mehr als 4000 Studenten nahmen im Vorjahr lediglich in der Hauptstadt psychologische Hilfe in Anspruch, insgesamt waren es in den heimischen Uni-Städten mehr als 12.000, die sich in rund 37.000Sitzungen beraten ließen. Die Entwicklung ist dramatisch: Seit einigen Jahren wächst die Zahl der Hilfesuchenden konstant an, allein in Wien hat sich die Zahl in den vergangenen zehn Jahren beinahe verdoppelt. Zurückzuführen ist das aber nicht auf die gestiegene Akzeptanz für psychologische Beratung.

 

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Vielmehr hat das Burn-out, bis vor einigen Jahren noch die „Newcomerkrankheit“ in Managerkreisen, nun auch die Unis erreicht, so das Fazit der Experten in den Beratungsstellen. Der Grund? Der Druck auf die Studenten nimmt zu: Ein schnelles Studium, mehrere Fremdsprachen und Praxiserfahrung sind längst Bedingungen, um auf dem Arbeitsmarkt Erfolg zu haben. „Vielen wird der Zwang, so schnell wie möglich zu studieren, zu viel“, sagt Madeleine Garbsch, klinische Psychologin bei der Psychologischen Studentenberatung in der Wiener Lederergasse. Die Auswirkungen sind Versagensängste, Angstattacken, depressive Verstimmungen und Schlafstörungen. Klassische Kennzeichen des Burn-out-Syndroms.

Vor allem der finanzielle Druck ist es, der den Studenten zu schaffen macht. Die Zahl der Hilfesuchenden sei nach der Einführung der Studiengebühren stark angestiegen, heißt es in den Beratungsstellen. Auch die Umstellung auf das Bachelor-Master-System dürfte nicht zur Entlastung beitragen. Die Studienpläne sind noch stärker verschult, der Lern- und Prüfungsstress noch höher.

Nur wegen Kleinigkeiten kommen die wenigsten zur Studentenberatung, die sowohl bei der Studienwahl hilft als auch Betreuung bei Essstörungen, Drogensucht oder Selbstmordgedanken anbietet. Die meisten, genau genommen 39,6 Prozent, melden sich wegen „psychischer Probleme“, das besagt eine interne Statistik. Erst dann folgen Probleme bei der Studienwahl (19 Prozent), Lernschwierigkeiten und Prüfungsangst (14Prozent). Aufschluss geben die Statistiken auch über den Leidensdruck an den verschiedenen Universitäten. Die meisten derer, die sich in Wien an den psychologischen Dienst wenden, stammen von der größten Hochschule, der Uni Wien (63,4Prozent). Weitere 8,8 Prozent kommen von der WU Wien, an der TU Wien studieren 7,9 Prozent der Hilfesuchenden. Besonders häufig in Anspruch genommen werden die Beratungsdienste von Langzeitstudenten und Diplomanden. Sie machen rund 28 Prozent aller Hilfegesuche aus. Weitere 23 Prozent sind Studieninteressenten.

 

Scheitern? Bei Männern nicht vorgesehen

Die Dunkelziffer jener, die professionelle Unterstützung benötigen würden, schätzen die Psychologen übrigens ungleich höher. Viele Studenten wie Stephan trauen sich nicht, das kostenlose Angebot zu nutzen – aus Angst oder Scham, zum Versager gestempelt zu werden. „Oft kommen Studenten zu uns, die erzählen, dass sie bereits drei Mal vor unserer Tür standen, dann aber nicht den Mut aufbrachten, heraufzukommen“, sagt Garbsch. Auch bei Stephan hat es lange gedauert, bis er offen über seine Probleme sprechen konnte.

„Es war eine große Hürde für mich“, sagt er heute. „Ich habe das alles ewig mit mir herumgeschleppt.“ Stephans Erklärungsansatz: „In unserer Gesellschaft sind psychische Erkrankungen noch immer ein Tabuthema. Vom Zahnarztbesuch erzählt jeder, von einem Termin beim Psychiater keiner.“ Eine öffentliche Diskussion darüber sei „schlicht und einfach nicht erwünscht“. Bis zum heutigen Tage habe auch er nur seiner Partnerin und einigen engen Freunden von seinen Therapiesitzungen erzählt.

Ein Problem, das die Experten nur zu gut kennen. „Probleme zu haben oder gar zu scheitern ist in der heutigen Leistungsgesellschaft nicht vorgesehen“, sagt Garbsch. Vor allem bei Männern. „Bei denen ist die Schwelle, Hilfe zu suchen, noch höher.“ Die Beratungszahlen spiegeln das wider: Knapp 70 Prozent der betreuten Studenten sind – quer durch alle österreichischen Beratungsstellen – weiblich.

HILFE UND BERATUNG

Psychologische Beratungsstellen für Studierende gibt es in jeder Uni-Stadt. Die Angebote können anonym, vertraulich und kostenlos in Anspruch genommen werden.

Das Angebot umfasst die Beratung bei persönlichen und psychischen Problemen, aber auch Hilfe bei der Wahl des richtigen Studiums. Veranstaltet werden neben Einzel- und Gruppengesprächen oft auch Seminare gegen Prüfungsangst und Lerntrainings.

Infos unter www.studentenberatung.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.09.2009)

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16 Kommentare
Gast: gast
01.10.2009 19:49
0 2

Drückeberger(innen)...

... und Arbeitsvermeider(innen) werden depressiv, wenn sie merken, dass sie an der UNI auch Leistung bringen müssen.

Gast: Zorro
30.09.2009 12:11
0 2

Sich was leisten

Strebern ist out. Durch Leistung erwirbt man sich ohnehin nur lausige Jobs. Studiosi gehts zu einer Verbindung lila - mosogrün und die Kugel rollt.

Allah
30.09.2009 11:02
0 2

Grund

Ist es wirklich der Druck der zunimmt, oder kommen die Studierenden viel verhätschelter an die Unis heutzutage?

1 2

ist ja kein wunder.

die kommen aus der schule, wo sie seit jahren immer mehr verkuschelt werden, und auf der uni müssen sie auf einmal selbstständig arbeiten und sich das wissen erarbeiten. da kommen viele nicht mit. genau deshalb ist der kurs von der schmied absolut nicht geeignet, die akademikerquote zu erhöhen. (um ehrlich zu sein: sie ist eh schon viel zu hoch. was bei uns einen htl-abschluß ist, gilt in vielen anderen ländern bereits als hochschulabschluß. allein deshalb gibt es bei uns so wenige "akademiker".)

gerade ein verschultes unisystem sollte den studenten entgegen kommen, da hierbei kein studienplan selbst erarbeitet werden muß, es sind mit sicherheit genug plätze für praktika und seminare vorhanden, es gibt keine wartezeiten. allerdings sollte man sich auch hier bewußt sein, daß einem ein hochschulabschluß nicht nachgeschmissen wird wie eine matura heutzutage. werd diesen "druck" nicht aushält, der ist halt nicht fürs studium geeignet. selektion nennt man das.und die sollte schon viel früher einsetzen, dann wären die unis nicht mit sovielen taugenichtsen überlastet.

diesonne
30.09.2009 18:10
1 1

Re: ist ja kein wunder.

Oh Gott, bist ein armes Gscheiterl. Nur von der WU z. B. hast du keine Ahnung. Gut möglich, dass du tatsächlich ein Genie bist, aber das höchstens 1% und die anderen 99% sind für Dich Taugenichtse. Ach, auch mit solchen Vollkoffern muß man sich beschäftigen.

Antworten Gast: TU Student
30.09.2009 13:18
0 1

Re: ist ja kein wunder.

Burn Out ist ein Problem der (ueber-) Motivierten, nicht der Faulen.

Antworten Gast: wu-studentin
30.09.2009 12:53
0 1

Re: ist ja kein wunder.

Was genug Seminarplätze anbelangt so kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass Sie da einem Irrtum aufliegen. Nicht nur einmal habe ich bei der Onlienanmeldung erlebt, dass innerhalb von 2 SEKUNDEN alle Plätze weg waren - und dann ist die Wartezeit meist mind. 1 Semester, und niemadn garantiert, dass man beim nächsten Mal das Sekundenrennen gewinnt.
Zum ersten Absatz kann ich nur zustimmen.

diesonne
30.09.2009 08:41
1 1

und wiasou is deis sou?

ÖVP: Leistung, Leistung, Leistung zur unendlichen Potenz. Und ÖVP-Meinung: Studenten sind Sandler, Nichtsnutze, die zahlen sollen für ihr Nichts-Tun. Etc. etc. etc.
Arme Studenten, arme Manager, arme Welt, arme Gesellschaft. ÖVP wohin hast du uns geführt?? Du selbsternannte Wirtschaftspartei. So viele Kranke produzierst du und treibst die Krankenkassen in den Ruin.

freeman
30.09.2009 09:33
0 1

So ist das Leben.

Wer das Geld anderer Leute will, muß nach deren Regeln leben und sich uU piesacken lassen.

Wer frei und unbehelligt leben will, kann dies letztendlich nur auf eigene Kosten tun - alles andere wäre unehrlich.

qed_
30.09.2009 10:06
1 0

Re: So ist das Leben.

Naja, wenn diese "anderen Leute" der Staat ist, sollte das Piesacken nicht zu Selbstmordgedanken führen. Man kann auch Leistung abverlangen, ohne die Menschen über ihre Belastungsgrenze zu fordern.
Letztendlich kommt die Investition in die universitäre Bildung ja dann großteils doch wieder dem Staat zu gute, während die Behandlunsgkosten ebenfalls der Staat trägt.

freeman
30.09.2009 12:06
0 0

Man kann, aber man muß nicht.

Was spricht gegen wirkliche Unabhängigkeit?

Ich bezweifle im Übrigen das Dogma von der Umwegrentablitität des Universitätssystems.

diesonne
30.09.2009 10:04
0 0

Re: So ist das Leben.

deshalb unternehmen die selbsternannten Unternehmer immer nur etwas, wenn sie eine Förderung vom Staat (das Geld anderer Leute) dafür bekommen. Mit dem eigenen Geld unternehmen die wenigsten etwas.

freeman
30.09.2009 12:03
0 0

Und wer bezahlte die Förderungen

für die Erfindung des Rads?

Außerdem ließe sich das Problem leicht aus der Welt schaffen indem wir einfach keine Förderungen mehr auszahlen - wetten, daß die wirtschaftliche Aktivität nicht zum Erliegen kommt?

Antworten Antworten Antworten Gast: Wilhelmine Tell
30.09.2009 10:13
1 0

Re: Re: So ist das Leben.

Liebe diesonne, das ist die Meinung derer die selbst nichts hinkriegen. Die Schwachen trösten sich gern mit so einem Quatsch. Die Starken wissen, man muss 200 % investieren um 50 % herauszubekommen. Warum? Weil man die Schwachen mitziehen muss, die absorbieren diese Differenz.

diesonne
30.09.2009 17:58
0 0

Re: Re: Re: So ist das Leben.

ich würde nicht sagen, die Schwachen sondern die Ehrlichen.
Selbsternannte "Starke" wie Sie setzen 50% ein und wollen sich 200% "ergaunern", wie ich das nenne. Und zu oft und leider immer öfter gelingt das auch. Und diese "Gscheiterl" haben das Gespür dafür verloren, dass sie eigentlich Kriminelle sind. Ein Ex-Finanzminister z. B.

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: jupidupidu
30.09.2009 11:26
0 0

Re: Re: Re: So ist das Leben.

dann sind die "starken" aber nicht besonders schlau, wenn sie 200% investieren um 50% herauszubekommen. eigentlich ein ökonomischer wahnsinn und schlicht unmöglich ihre rechnung. ich nehme an, sie gehören zum club, sonst würden sie nicht von den "starken" und "schwachen" reden.

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