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Gehälter: Arm und Reich unter Akademikern

26.09.2011 | 15:17 |  EVA WINROITHER (Die Presse)

Laut OECD-Studie „Bildung auf einen Blick 2011“ gehören die heimischen Hochschulabsolventen weltweit zu den Topverdienern. Doch der Unterschied zwischen den einzelnen Fächern ist groß.

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Wien. Das Ergebnis war ein kleiner Lichtblick zwischen zahlreichen schlechten Ranking-Nachrichten. Als die OECD-Studie „Bildung auf einen Blick 2011“ herausgegeben wurde, lieferte sie nicht nur wieder Zeugnis über den Leistungsverfall des heimischen Bildungssystems ab, sondern ließ auch mit einer Zahl aufhorchen, die angesichts der vielen Kritik an den Unis überraschte: Österreich zählt zu jenen Ländern mit dem weltweit höchsten Lebensstandard für Akademiker.

In kaum einem Land verdient ein Hochschulabsolvent so viel wie hier. Rund 31.505 Euro stehen einem Österreicher (kaufkraftbereinigt) netto im Jahr zur Verfügung. Besser geht es nur den Luxemburgern (41.287 Euro) und US-Akademikern mit 37.766 Euro im Jahr. Im Vergleich: Der OECD-Durchschnitt liegt gerade einmal bei 23.238 Euro.

Und trotzdem zweifeln Experten an der Vergleichbarkeit der Zahlen. „Solche Studien sind schwierig zu bewerten, da unterschiedliche Bildungssysteme verglichen werden“, sagt Armand Kaáli-Nagy, der selbst Autor einer Studie über Einstiegsgehälter von Akademikern ist. Denn während in Österreich etwa der Titel „Ingenieur“ nicht als akademischer Grad geführt wird, wäre dieser in den USA bereits dem Bachelor zuzurechnen. Auch Krankenpfleger oder Kindergärtner sind in manchen Ländern akademisch – und drücken das Durchschnittsgehalt. Den guten Verdienst von heimischen Hochschulabsolventen erklärt sich Heike Schreiner, Geschäftsführerin des Karriere-Centers der Wiener Wirschaftsuni (WU), auch mit der Firmenstruktur: „Wir sind ein Land von Klein- und Mittelbetrieben. Bei uns sitzen fast ausschließlich gut ausgebildete Leute in Führungspositionen“, erklärt sie. Folglich würden diese auch besser verdienen.

(c) DiePresse

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Fachrichtung entscheidet über Gehalt

Grundsätzlich halten die Experten die finanzielle Situation heimischer Hochschulabsolventen für durchwachsen. Laut einer Studie des Wissenschaftsministeriums verdient ein Akademiker im Schnitt in den ersten Jahren seiner Karriere 2856 Euro brutto im Monat. Wobei das Einkommen von Medizinern mit 3396 Euro deutlich höher liegt als etwa das von Kunstuni-Absolventen (1797 Euro).

Bei den Berufseinsteigern sind seit Jahren die Techniker nicht nur meistgesucht, sondern auch bestbezahlt. Sie können derzeit zwischen 2500 und 2700 Euro brutto im Monat verlangen. Ihnen folgen Absolventen der Wirtschafts- oder der Rechtswissenschaften, die mit 2300 bis 2500 Euro in den Beruf einsteigen. Doch bei Absolventen anderer Studienrichtungen sieht es schon viel düsterer aus. Aus dem Karriere-Center der Uni Wien heißt es, dass Studenten der Publizistik oder Psychologie mit gerade einmal 1600 bis 1800 Euro ins Berufsleben einsteigen. Nischenstudien wie Ethnologie wären noch schlechter bezahlt, „weil es dafür nicht einmal einen Stellenmarkt gibt“.

Die Milchmädchenrechnung ist immer die gleiche: Bei zu vielen Absolventen einer Studienrichtung sinkt das Einstiegsgehalt, gibt es zu wenige, steigt es. Dabei haben Fachhochschulabgänger gegenüber ihren Unikollegen das Nachsehen. Der Grund: Als die Fachhochschulen gegründet wurden, „wussten die Arbeitgeber nicht, ob es sich nicht nur um besser ausgebildete Maturanten handelt“, so Kaáli-Nagy. Daher habe sich eine eigene Gehaltsbandbreite entwickelt, die etwas niedriger ist.

Branchenübergreifend gibt es aber noch einen anderen Verlierer: Frauen. Laut OECD-Studie haben diese ein um 25 Prozent niedrigeres Jahreseinkommen als Männer. Das bestätigt auch die Studie des Ministeriums: Demnach ist das Einkommen von Frauen um 22 Prozent geringer als das der Männer. Aber auch hier scheiden sich die Geister. Während Kaáli-Nagy den Hauptgrund dafür darin sieht, dass Frauen und Männer oft in unterschiedlichen Branchen tätig sind, in denen unterschiedliche Löhne bezahlt werden, sieht Schreiner eine tatsächliche Benachteiligung von Frauen. Die Offenlegung der Gehälter könnte helfen, diese Ungerechtigkeit zu beenden, hofft Schreiner.

Auf einen Blick

Der internationale Vergleich zeigt, dass Akademiker in kaum einem anderen Land so hohe Gehälter bekommen wie in Österreich. Während der OECD-Durchschnitt bei 23.238 Euro im Jahr liegt, verdienen österreichische Akademiker 31.505 Euro jährlich. Noch mehr verdienen Hochschul-Absolventen nur in Luxemburg (41.287 Euro) und den Vereinigten Staaten mit 37.766 Euro im Jahr. Im Nachbarland Deutschland liegt das durchschnittliche Akademiker-Einkommen bei 25.270 Euro.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.09.2011)

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3 Kommentare
Gast: andere Kultur
28.09.2011 06:35
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andere Kultur

Kindergärtner und Krankenschwester sind nicht in manchen Ländern ein Studium, sonder eigentlich global außer in DE und Österreich und bei Erzieherinnen noch Malta.

selbst in Schwellenländern wie Mexiko haben Frühpädagogen in einrichtungen ein Studium und damit eine theoretische Fundierung um Pädagogik zu betreiben und vorzubilden.

und dort wo es kein Studium ist, ist zumindest ein Abitur oft voraussetzung, wo Länder wie DE und Österreich die Hauptschule setzen.

in DE und Österreich musste man auf Krampf Berufe auf der mittleren Ebene belassen, weil es für diese mittleren Schulabsolventen unbedingt noch Beurfe geben muss ---

logische konsequenz daraus: ich verhindere die Weiterentwicklung von Berufsbildern, weil ich festlege, dass auch jmd mit einfachem oder mittlerem Bildungsniveau hineinkommen soll.

genau das ist hier auch passiert -- so war Kindergarten lange nur Bastelstube.

anderswo lässt man möglichst viele lange zur Schule gehen und die haben dann lange Allgemeinbildung mitbekommen --- danach macht man alle gleich qualifiziert in der höheren Bildung.

das sind nachher auch hoch Qualifizierte - ist Ansichtssache und hängt immer von ab, was man aus einem Beruf macht!!! Das nennt sich Professionalisierung und erfolgte auch mit Agrar in vielen Ländern erst in den 1970er Jahren (erste Uni-Fächer, später FH) und
später mit Sozialer Arbeit.

studier ich Brauereiwesen oder Facility Management bin ich höher qualifiziert als Krankenschwester? Warum? Willkürlich!


Gast: andere Kultur
28.09.2011 06:22
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andere Kultur

De und Österrreich kriegen nachher einen Facharbeitermangel und eine Akademikerschwemme -- wer will schon freiwillig , wenn er eine Matura hat , "Facharbeiter" werden, was in diesen Ländern immer als niedere Tätigkeit angesehen wird? Das ist nie gleichgestellt mit den anderen, gilt immer als geringer qualifiziert und für dümmere Bürger.

es gibt nunmal eine Bildungsexpansion - immer mehr Kinder möchten gut gebildet sein und werden ihre Matura nachholen etc.... freut euch doch!! Stellt euch vor, es wäre andersherum!

es gibt nur ganz wenige Länder, wo man versucht die Bildungsexpansion aufzuhalten - andere lassen es einfach laufen! Und danach kommt Höhere Bildung = höher als lange Schulbildung.

und in der höheren Bildung macht man sie alle möglichst gleich qualifiziert! Nicht einfach willkürlich aus einigen Berufen schlechtere Berufe!! die angeblich minderwertiger sind.

Kindergärtnerin macht anderswo echte Vorschulbildung und erkennt Defizite rechtzeitig!

die Allgemeinbildung als Basis wird anderswo immer breiter gestreut - damit möglichst viele lange gut ausgebildet werden. Und danach kommt dann erst der Beruf.

Die sind nachher alle gleich qualifiziert - weil man jeden braucht - Krankenshwester kann wichtiger sein als Historiker - dennoch gilt das eine hier als mittel qualifiziert, das andere ist hochqualifiziert --- als ob sich der Beruf nicht verändert hat -- Intensivmedizin, Gerätemedizin -- Psychologie - man kann aus allem was hochwertiges machen!


Gast: andere Meinung
28.09.2011 05:58
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andere Länder, andere Sitten

in Neuseeland verdienen Krankenschwestern und Frühpädagoginnen oft besser als die hier klassischen Akademikerfächer wie Geograph und Biologe. Es stimmt nicht, dass es sich automatisch um schlechter bezahlte Berufe handelt. Der Frühpädagoge ist dort eben auch durchaus mit dem Grundschullehrer vergleichbar. Eine Gesellschaft braucht immer jeden - in Österreich und DE mit ihrer stärker hierarchisierten Gesellschaft wird aber suggeriert der Akademiker wäre mehr Wert, während anderswo alle gleich qualifiziert sind.

Die sind und werden anderswo alle gleich qualifiziert - der Zahntechniker ist anderswo nicht bloß Facharbeiter als synonym für schlechter qualifiziert, sondern eben gleich qualifizierter Absolvent. Das ist anderswo gleichwertig - wenn Länder wie Österreich und DE nachher eine Akademikerschwemme kriegen, denn wegen der mangelnden Wertschätzung anderer Berufsbilder.

Weil die Einstellung immer vermittelt, dass es etwas für dümmere Leute wäre! Auch die Krankenpflege wird hier vollkommen unterbewertet in diesen Ländern! Absolut!!

Weil man immer suggeriert, das kann ja jeder Vollidiot. Die sind anderswo alle gleichwertig nebeneinander und gleich qualifiziert und verdienen oft auch dort mehr als manch klassischer Akademiker in einem Orchideenfach - dennoch gilt hier immer der Orchideenfachler als hoch Qualifiziert, der andere nur als mittel qualifiziert, also ob jeder das so beurteilen kann, was der andere genau macht - Berufe entwickelten sich weiter.

Schlagzeilen Bildung