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Wisenschaftsrat empfiehlt: Fachhochschulen ausbauen, Unis schrumpfen

26.06.2012 | 12:58 |   (DiePresse.com)

Der Wissenschaftsrat empfiehlt einen Ausbau des FH-Sektors bei gleichzeitigem Rückbau der Studienplätze an Unis. Für die Pädagogischen Hochschulen sieht der Rat keine große Zukunft.

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Der Wissenschaftsrat empfiehlt einen starken Ausbau des Fachhochschulsektors bei gleichzeitigem Rückbau der Studienplätze an den Universitäten. Man wolle eine "Umgewichtung vom derzeit wildwuchernden Universitätsbereich zum sehr restriktiven, beschränkten Fachhochschulbereich", betonte Ratsmitglied Manfred Prisching bei einer Pressekonferenz am Dienstag. "Da empfehlen wir einiges rüberzuschieben". Kleiner Haken: "Solange ich keinerlei Steuerungsmöglichkeit an den Unis habe, kann ich mir alle Projektionen an die Wand nageln." Der Rat schlägt daher für die Unis die gleichen Zugangsregeln wie an den Fachhochschulen vor, also eine Beschränkung der Studienplätze.

Ausgangspunkt für die vorgeschlagene "Gewichtsverlagerung" bildete unter anderem der Hochschulbericht 2011. Dessen Projektionen sehen etwa eine starke Expansion des Uni-Sektors auf rund 320.000 Studenten (derzeit rund 290.000) im Jahr 2030 vor, während der Fachhochschulsektor nur moderat auf rund 45.000 Studenten (derzeit rund 40.000) anwachsen soll. "Wir haben einen überdimensionierten Unisektor und einen unterdimensionierten Fachhochschulsektor", so Prisching. Dass nur elf bis zwölf Prozent aller Studenten an Fachhochschulen (FH) studieren, sei zu wenig.

FH-Plätze auf 80.000 ausbauen

"Wir glauben, dass man umschichten muss", betonte Prisching. Von den derzeit 290.000 Uni-Studenten würden rund 90.000 kaum oder gar nicht prüfungsaktiv sein, also weniger als acht ECTS-Punkte pro Semester absolvieren (vorgesehen sind 30 ECTS pro Semester). "Da haben wir ohnehin viel Luft drinnen." Bei einer Schrumpfung auf 200.000 Uni-Studenten sei der Uni-Sektor damit ohnehin noch viel dichter als in der Schweiz, die derzeit massiv in den FH-Ausbau investiere. Die FH-Plätze will der Rat auf mindestens 80.000 ausbauen, im Idealfall auf 120.000 im Jahr 2030. Dies würde bei gleichbleibendem Bundeszuschuss pro Studienplatz von rund 7.000 Euro ca. 600 Mio. Euro jährlich kosten.

Auch für die Studenten hätte dies Vorteile, meinte Prisching. Viele wären an einer klaren, akademisch strukturierten Berufsvorbereitung interessiert, diese Leute müsse man nicht mit einer Vorbereitung auf die Wissenschaft "traktieren". Der FH-Bereich sei derzeit "permanent überbucht", vor allem in den Gesundheitsfächern: "Wenn Sie da 20.000 Plätze dazugeben, sind die auch voll."

Bessere Kooperation zwischen Uni und FH

Der Rats-Vorsitzende Jürgen Mittelstraß kann sich auch vorstellen, dass Teile einer Uni-Ausbildung an FH stattfinden. Derzeit gebe es nur die Möglichkeit, dass besonders begabte FH-Absolventen ein Doktorat an einer Uni absolvieren. Künftig könnten aber etwa grundlagenorientierte Ausbildungsteile eines Studiums an der Uni stattfinden, die anwendungsorientierten Teile an einer FH.

Zur Qualitätssicherung an FH schlägt der Rat eine Quote für festangestelltes Lehrpersonal vor. Ansonsten liefen die FH Gefahr, nur reine "Kursanbieter zu sein, wo es fast keinen Staff gibt und wo vorbeireisende Vortragende Kurse abwickeln". In Deutschland existiere etwa die Regel, dass die Hälfte der Lehrveranstaltungen von festangestelltem, zumindest halbtägig beschäftigtem Lehrpersonal abgehalten werden muss. Der stellvertretende Rats-Vorsitzende Walter Berka schlug außerdem vor, dass der überwiegende Anteil der Lehre durch Promovierte erfolgen solle. Die Verleihung des Titels "FH-Professor" wiederum solle einheitlich geregelt werden - derzeit erfolge dies durch die FH selbst nach nicht ganz durchsichtigen Kriterien.

Einen Personal-Engpass fürchtet Mittelstraß nicht: "Wir bilden derzeit mehr wissenschaftlichen Nachwuchs aus als Platz findet." Die Kapazitäten für mehr gut ausgebildetes FH-Personal wären da. "Diese Leute müssten aber auch dort ihre Aufgabe sehen."

Rat: Keine Zukunft für PH

Dem Wissenschaftsministerium empfiehlt der Rat den Abschluss von Leistungs- und Gestaltungsvereinbarungen mit den FH, um nach dem Wegfall des FH-Rats "inhaltlich noch eine kleine Zehe im FH-Sektor zubehalten", so Prisching. Ansonsten gebe es nur eine reine Platzfinanzierung ohne inhaltliche Kontrolle.

Für die Pädagogischen Hochschulen (PH) sieht der Rat keine große Zukunft: "Für ein kleines Land wie Österreich ist das tertiäre Feld bunt genug", so Mittelstraß. "Königsweg" für die Lehrerausbildung wären vermutlich "Schools of education" an den Universitäten mit Anbindung an Modellschulen wie etwa in Salzburg geplant, eine andere Möglichkeit wäre die Führung der PH als FH.

(APA)

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14 Kommentare
Gast: apo&hypo-theke
27.06.2012 16:27
1 0

Ein typisches FH-Studium

wäre Pharmazie, wenn von vornherein klar ist, dass eine Anstellung in einer Apotheke angestrebt wird. Nebenbei bemerkt mehr als 1/3 jener Präparate wo sicherheitshalber 'Apothekenpflichtig' aufgedruckt ist, gehört ins Regal zum DM !


Gast: mmmh
27.06.2012 06:00
1 1

na

gut....
ein rat mehr:
bestimmte fachrichtungen haben nur universitätsausbildung... also zb im naturwissenschaftlichen bereich gibt es berufe, die nur im studium erlernt werden können. daher: flächendeckende fach-ausbildungen zum master an den fhs und dann haben die unis endlich ruhe zu forschen und müssen nicht die ganze masse der ausbildung mitschleppen und können vertiefende akademische arbeit leisten.
noch mals deutlich: ohne master gibt es kein uni studium!
die unis mögen sich mit docs und postdocs herumschlagen, die fhs sollen die von der wirtschaft und industrie geforderten raschen ausbildungen gewährleisten! dort gibts dann auch einen schönen titel, aber es muss niemand wissenschaftlich fundiert (und entsprechend lange) dafür arbeiten!

Antworten Gast: Gast uni uni
28.06.2012 17:47
1 0

Re: na

Ich weiß nicht, woher es kommt, dass ständig davon geschwafelt wird, dass Uni-Absolventen ausschließlich wissenschaftlich tätig sind und forschen. Mein Vater war praktischer Arzt - hat nie geforscht, sein Bruder Jurist - als Anwalt forschen? Ich habe einen WU-Abschluss, meine Frau ist AHS-Lehrerin, der Sohn ist Informatiker, die Tochter Tierärztin - keiner forscht.
Man soll sich doch endlich die Realität ansehen.

Re: na

Das halte ich für einen guten Ansatz.

Ausbildung bis zum Master in den FHs, teilfinanziert durch die Wirtschaft (wie bisher) und an den wirtschaftlichen Erfordernissen orientiert. Hier wäre halt noch ein Ausbau hinsichtlich der geisteswissenschaftlichen Richtungen erforderlich. Das derzeitige FH-Aufnahmeprozedere stellt auch sicher, dass die Studienplätze an die geeignetsten Bewerber gehen. Auch eine wirtschaftsorientiert Forschung sollte hier, von den Nutznießern, der Wirtschaft, finanziert, möglich sein.

Nach dem Master steht der Zugang zu den Unis offen, die sich einzig der wissenschaftlichen Forschung verschreiben, welche in vollem Umfang vom Staat finanziert wird um wirtschaftliche Interessen hintanzuhalten und die Ergebnisse der Allgemeinheit zugänglich zu machen.

Und die Titel sollten sowieso ALLE abgeschafft werden. Ausbildung und Anwendung des Gelernten ist sowieso das Einzige das zählt...sagt ein FH Absolvent

Antworten Gast: glaubstnurdu
27.06.2012 19:44
2 0

Re: na

Die

- Seminararbeiten
- Experimentsberichte
- die Bakk.- und DI-Arbeit

müssen wissenschaftlich fundiert geschrieben werden. Natürlich ist es ein Wahnsinn, in so einer kurzen Zeit wissenschaftlich fundiert zu forschen, aber so ist es nunmal an einer FH.

So lernen die FH-Studenten

- Stressmanagement
- konzentriert arbeiten
- Ruhe und gefasst sein (alles andere hilft nichts)

also für's Leben lernen sie. Wissenschaft um der Wissenschaft willen gibt es aber nicht - es muss zu einem nützlichen Produkt führen.

Wichtig!

Und ich sage es noch einmal.
Das Problem liegt nicht bei den Universitäten.
Wer jeden Vollidioten maturieren lässt braucht sich nicht wundern wenn die gleichen Idioten auf die Uni's zustürmen. In meiner Maturaklasse glaubte ich nicht das 22 von 30 den Kindergarten ohne Nachhilfe überstanden haben!

Antworten Gast: Gast yxyx
28.06.2012 17:49
0 1

Re: Wichtig!

Und Sie selbst haben auch noch Probleme mit der das/dass-Schreibung und bei der Beistrichsetzung hapert es gewaltig!

Antworten Gast: dwmi
27.06.2012 19:32
0 0

Re: Wichtig!

Da würde mich interessieren, was Ihre Klassenkameraden dazu sagen...

Wisenschaftsrat empfiehlt

*rofl*

Gast: 43er
26.06.2012 14:28
1 1

Fazit: die Unis kosten gleichviel wie bisher,

bringen aber weniger Akademiker hervor. Dazu muss mehr Geld in die FHs gesteckt werden. WAS SOLL DAS BRINGEN?

5 0

Re: Fazit: die Unis kosten gleichviel wie bisher,

Das ist Ihnen schnell beantwortet: Klasse statt Masse

3 0

Vielen Dank Wissenschaftsrat

Endlich einmal ein lesbarer Artikel im Bereich Bildung, ungetrübt durch linke Weltverbesserer und sozialistische Gleichmacherei.

Die Universität als Ort der Intellektuellen und des blühenden Geistes ist längst Geschichte. Viel eher schaffen es unsere Politiker Jahr für Jahr die Universitäten durch unbeschränkten Massenzugang und Unterfinanzierung tiefer in den Abgrund zu treiben. Das Gros der Studenten bringt entweder nicht die intellektuellen Voraussetzungen oder hat schlicht keine Interesse an wissenschaftlicher Arbeit.

Die im Artikel angesprochenen Forderungen sind insofern absolut wünschenswert und unumgänglich um den österreichischen Universitäten eine bessere Zukunft zu gewährleisten.

Wissenschaften...

...dienen zur Forschung - und die Uni als generationenprojekt dazu. folglich sind Unis zur "AUSbildung" für Wirtschaftsbereiche ungeeignet. was die Daseinsberechtigung für fh's sein sollte...dies ist in den letzten Jahrzehnten etwas in Vergessenheit geraten wie es scheint!
unter diesem Gesichtspunkt wird auch schnell klar, dass unbeschränkte Uni-studienplätze keinen Sinn haben und noch dazu das universitäre System negativ beeinträchtigen indem durch Massenstudien die Qualität und somit der wissenschaftliche nachwuchs sinkt - dies ist wiederum fatal für die Wirtschaft und die Stellung als innovationsstaat von unserem(!) Österreich.


Antworten Gast: Es gibt nichts Neues unter der Sonne
26.06.2012 14:21
1 1

Re: Wissenschaften...

Das war ja einmal der Sinn der Technischen Hochschulen, aber man sieht ja, wie sich das entwickelt hat. Die FHs sind THs reloaded. Morgen wollen sie dann wahrscheinlich Fachuniversitaeten sein.

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