Etwas weniger Bewerber beim Medizin-Aufnahmetest

03.07.2012 | 09:12 |   (DiePresse.com)

Am Freitag ist der Lostag für die künftigen Medizin-Studenten. In Wien werden die Tests nun nach Geschlechtern getrennt ausgewertet, für Frauen dürfte das vorteilhaft sein.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Rund 10.200 Studienwerber dürfen am Freitag bei den alljährlichen Aufnahmetests ins Rennen um die 1530 Medizin-Anfängerstudienplätze in Wien, Innsbruck und Graz gehen. Das sind etwas weniger als im Vorjahr (10.500). 75 Prozent der Plätze sind für Bewerber mit österreichischem Maturazeugnis reserviert, 20 Prozent für Bewerber aus EU-Mitgliedstaaten und fünf Prozent für jene aus anderen Ländern. Heuer neu: An der Medizin-Uni Wien werden die Tests nach Geschlechtern getrennt ausgewertet. Dies könnte zu einer Art Lady-Bonus führen, durch den Frauen mehr Studienplätze erhalten.

Bisher wurden die Test-Mittelwerte aller Teilnehmer gemeinsam ermittelt. Dabei schnitten Frauen stets schlechter ab als Männer. 2011 waren etwa 56 Prozent der Bewerber Frauen, aber nur 43 Prozent der Zugelassenen. Eine nach Geschlechtern getrennte Auswertung könnte aufgrund der Formel für die Ermittlung des Testwerts aber dazu führen, dass trotz identer Punktezahl beim Test Frauen eine höheren Testwert als Männer aufweisen - und deshalb einen Studienplatz bekommen. Gegen diese Form der Auswertung hat die HochschülerInnenschaft der Uni protestiert und ein Rechtsgutachten vorgelegt, in dem die Maßnahme als überschießend und rechtswidrig bezeichnet wird.

Unterschiedliche Verfahren bei Tests

Auch wenn alle drei Medizin-Unis ihre Tests zur gleichen Zeit abwickeln, werden dabei unterschiedliche Verfahren genutzt: Die Medizin-Unis Wien und Innsbruck setzen auf den "Eignungstest für das Medizinstudium" (EMS), der Studien-Fähigkeiten wie medizinisch-naturwissenschaftliches Grundverständnis, räumliches Vorstellungsvermögen, Umgang mit Zahlen etc. abfragt. Außerdem gibt es erstmals eine "Zahnmediziner-Variante" des EMS für die Bewerber für ein Zahnmedizinstudium: Der theoretische Teil wird dabei verkürzt, dafür werden praktische feinmotorische Fähigkeiten etwa durch einen Drahtbiegetest überprüft, die 30 Prozent der Beurteilung ausmachen.

In Graz umfasst der "Basiskenntnistest Medizinische Studien" (BMS) neben einem Wissenstest in den Grundlagenfächern Biologie, Chemie, Physik und Mathematik einen Textverständnis-Teil sowie einen "Situational-Judgement-Test" mit kurzen Beschreibungen ärztlich-relevanter Situationen. Die Bewerber müssen dann aus verschiedene Handlungsmöglichkeiten im Multiple-Choice-Format wählen. In Graz kommt schon seit längerem ein Drahtbiegetest für die Zahnmediziner zur Anwendung.

In Wien und Innsbruck sind heuer weniger Teilnehmer als im Vorjahr angemeldet, in Graz etwas mehr. Unterschiede zwischen den Standorten gibt es auch bei den Kosten. In Graz sind 60 Euro für das Aufnahmeverfahren zu entrichten, in Wien und Innsbruck je 97 Euro.

(APA)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

7 Kommentare

Die getrennte Auswertung zeigt, wie krank und sexistisch

die Elite ist.

Re: Die getrennte Auswertung zeigt, wie krank und sexistisch

So ein Blödsinn! Typischer Akademikerneid...

Gast: Gastt
03.07.2012 14:26
3

Der EMS

sagt überhaupt gar nichts aus über die Eignung zum ärztlichen Beruf - nur über die Fähigkeit, möglichst schnell und ohne Extrasemester zu verbrauchen zu studieren.

Die Sache mit der Gender-Gap in Österreich ist ein Skandal; dieser halbherzige Versuch, das Problem zu bereinigen ebenfalls. Frauen sind keine schlechteren Ärztinnen, nur weil sie mit irgendeinem komischen Test schlechter zurechtkommen... der EMS ist Teil des Problems und sollte schleunigst durch ein geeigneteres Verfahren ersetzt werden!

Antworten Gast: schreker
03.07.2012 21:47
2

Re: Der EMS

Schön. Dann erklären Sie mir mal, warum es bei demselben Test in der Schweiz und in Deutschland keinen Gender-gap gibt, in Österreich aber schon? Liegt es vielleicht daran, daß in Österreich die Mädels in der Schule noch immer wesentlich besser beurteilt werden (aufgrund so bedeutsamer geistigen Leistungen wie Stillsein, Schönschreiben und Sichbemühen), sodaß sich etliche Trutscherln, die vielleicht an der Billa-Kassa gut aufgehoben wären, dazu berufen fühlen, den EMS-Test zu probieren?

Re: Re: Der EMS

Ich kann Ihnen bei fast allem zustimmen, nur beim "sich bemühen" frage ich mich, was daran so schlecht sein soll? Ich finde Fleiß und Mühe fast wichtiger als Talent. Ich habe lieber einen Arzt, der sich bemüht, immer besser zu werden und der mehr lernt als andere, als einen dem das von Natur aus liegt und sich deshalb nicht mehr bemüht.

Selbsterfüllende Prophezeihung

Die geschlechtergetrennte Auswertung des EMS-Tests wird dazu führen, dass schwache männliche Maturanten eher gar nicht erst antreten, während schwache weibliche Maturanten eher antreten werden. Das wird dazu führen, dass der Leistungsunterschied zwischen den Geschlechtern noch einmal stark zunimmt.
Durch die verschobene Durchschnittspunktezahl wird das wiederum zu einer noch einseitigeren Auswertung führen. Tolles Konzept!

Nein danke

Ich bin eine Frau und möchte in 2 Jahren zum Ems antreten. Aber hoffentlich gibt es dann die geschlechterspezifische Auswertung nicht mehr. Ich will mir meinen Platz verdient haben, weil ich gut bin und nicht weil ich eine Frau bin. Ich könnte mich dann nicht über die Aufnahme freuen, wenn ich wüsste, dass ich einen Platz habe, der eigentlich einem Mann zustehen würde.
Dieses System ist einfach unfair.

AnmeldenAnmelden