Wien. Seit Jahren peilt das Wissenschaftsministerium ein und dasselbe Ziel an: Die öffentlichen und privaten Ausgaben für den Hochschulsektor bis 2020 auf zwei Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) zu erhöhen. Derzeit ist man davon aber noch weit entfernt – 1,4 Prozent des BIP fließen in den tertiären Sektor. Das Ziel ist angesichts der Budgetkonsolidierung ein anspruchsvolles. Erreicht werden könnte es aber dennoch.
Und zwar dann, wenn der Anteil der privaten Finanzierung erhöht werde. Helfen sollten dabei nicht nur private Sponsoren sowie Geld von ehemaligen Uni-Absolventen, sondern das Einheben von Studiengebühren. Zu diesem Schluss kommt das Wirtschaftsforschungsinstitut Wifo in seiner Studie „Hochschulen 2025“, die es im Auftrag des Wissenschaftsministeriums erstellte.
Die Studie zeigt: Der private Anteil an den Ausgaben für den Hochschulsektor ist in Österreich vergleichsweise gering. Nur elf Prozent werden privat finanziert. Im EU-Schnitt sind es 22 Prozent, im OECD-Schnitt sogar 31. Aiginger beschreibt das als einen „großen Mangel“. So sei etwa professionelles Spendensammeln an den heimischen Unis nicht üblich. Eine Alumni-Kultur – dabei unterstützen die Absolventen ihre alte Uni – sei erst im Aufbau begriffen. Und Stiftungsgelder würden bislang nur unzureichend angezapft. Diese Einnahmequellen müssten erschlossen werden. Dem kann auch Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (ÖVP) etwas abgewinnen. „Warum soll es attraktiver sein, in einen Fußballklub zu investieren, als eine Universität zu unterstützen? Hier müssen wir ansetzen“, sagt Töchterle.
Gefahr der Einflussnahme
Erste Bemühungen gibt es diesbezüglich zwar bereits, anders als in den USA sind Hörsäle, die nach Spendern benannt sind, hierzulande aber noch sehr selten. Eine der wenigen Ausnahmen: Das Hörsaalsponsoring durch Raiffeisen an der Johannes-Kepler-Universität in Linz. Zu den Vorreitern gehört auch die Uni Graz. Und zwar dank des austro-kanadischen Unternehmers Frank Stronach. Über eine Stiftung steckt Stronach innerhalb von zwei Jahren 200.000 Euro in eine Forschungsgruppe, die an der Uni Graz unter anderem zu den Themen Demokratie und Bildung forscht.
„Wer zahlt, schafft an“, sagt ein Sprichwort. Dass das bei einer zunehmenden finanziellen Unterstützung durch die Wirtschaft auch an den Unis passieren könnte, glauben sowohl Aiginger als auch Töchterle nicht. „Etwas, was überall funktioniert, wird auch in Österreich möglich sein“, sagt Aiginger. Es gebe genügend Länder, an denen sich Österreich orientieren könne. Was es brauche, seien klare Regeln und Transparenz. „Wenn die USA 50 Prozent (Anteil an privater Finanzierung, Anm.) schaffen, dann werden wir 15 Prozent auch hinkriegen“, so Aiginger.
Studiengebühren als private Mittel
Auch die Studierenden selbst sollten einen Teil zur Finanzierung beitragen, so das Wifo. Vorstellbar wären dabei nicht nur Studiengebühren, sondern auch einkommensabhängig rückzahlbare Bildungskredite. Denn nicht nur die Wirtschaft profitiere von einer akademischen Ausbildung eines Teils der Gesellschaft, sondern auch die Akademiker selbst. Ihr Lebenseinkommen sei um 40 Prozent höher als jenes von Maturanten. „Wenn man einen Teil davon zurückzahlen müsse, finde ich das nicht unsozial“, so Aiginger.
Damit liefert das Wifo dem Wissenschaftsminister eine Legitimationsbasis – immerhin versucht er schon seit seinem Amtsantritt, die SPÖ von der Notwendigkeit flächendeckender Studiengebühren zu überzeugen. Die Österreichische Hochschülerschaft (ÖH) reagiert empört: Das Ministerium habe sich einen Argumentationsleitfaden erarbeiten lassen. „Dass die Forderungen daher voll auf Ministeriumslinie liegen, war zu erwarten“, sagt der ÖH-Vorsitzende Martin Schott (Fachschaftslisten) .
Der private Anteil an der Hochschulfinanzierung ist in Österreich vergleichsweise gering. Nur elf Prozent der Ausgaben werden privat finanziert. Im EU-Schnitt sind es 22 Prozent, im OECD-Schnitt 31. Das nimmt das Wifo zum Anlass, um mehr Spenden von Firmen und Privatpersonen zu fordern.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.07.2012)
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