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Studiendauer für Gehörlose: 20 Jahre

15.07.2012 | 18:23 |  THERESA AIGNER (Die Presse)

Gehörlose Studierende sind auf Dolmetscher und Mitschreibkräfte angewiesen. Diese müssten von den Unis bereitgestellt werden, fordern die Studenten.

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Wien. Nur rund 30 gehörlose Menschen studieren an einer österreichischen Universität – das entspricht gerade einmal einem Promille der gesamten Studierendenschaft. Warum die Zahl so niedrig ist, erklärt sich durch die Hürden, mit denen Gehörlose im Studienbetrieb konfrontiert sind. Zumindest in Wien hat sich die Situation für gehörlose Studierende seit 2010 verbessert: Dort hat man nach schwedischem Vorbild das Projekt GESTU (Gehörlos erfolgreich studieren) ins Leben gerufen.

Über eine zentrale Servicestelle an der Technischen Uni Wien (TU Wien) werden Gebärdendolmetscher und Tutoren organisiert, die die Studierenden im Uni-Alltag unterstützen. Diese begleiten die gehörlosen Studierenden in die Vorlesungen, schreiben für sie mit und halten den Kontakt zu den Lehrenden. Barbara Hager, die vor zwei Jahren ihr Psychologiestudium abgeschlossen hat, hätte ohne die Unterstützung durch GESTU „20 Jahre gebraucht, um das Studium abzuschließen“, sagt die Psychologin. Denn davor konnte sie selbst aus finanziellen und organisatorischen Gründen nur zu einer Vorlesung pro Woche einen Dolmetscher mitbringen.

 

Zu wenig Dolmetscher vorhanden

Auch Alexander Karla-Hager vom Verein Österreichischer Gehörloser Studierender (VÖGS) beschreibt seinen eigenen Studienbeginn als „große Plage“. Kein Budget für Dolmetscher und enorme bürokratische Hürden hätten ihm das Studium massiv erschwert. Außerdem seien Gebärdendolmetscher in Österreich Mangelware, in Wien gibt es insgesamt 30 von ihnen. Gleichzeitig ist aber der Anteil von gehörlosen Studierenden in Wien am höchsten: Nur fünf bis zehn Gehörlose studieren in den Bundesländern – wegen der „größeren Barrieren“ wie Karla-Hager betont. Projekte wie GESTU seien zwar ein Anfang, zu tun gebe es aber noch genug, sind sich die Studierenden einig. Das Angebot müsse sich am Bedarf orientieren, Karla-Hager fordert deshalb eine österreichweite dauerhafte Etablierung des Projekts.

Diese Forderung unterstützt auch die grüne Behindertensprecherin Helene Jarmer – sie fordert zudem eine Ausbildung zum Gebärdendolmetscher, die von den Fachhochschulen angeboten werden soll. Barbara Hager kritisiert neben den schwierigen Studienbedingungen auch das Fehlen von Lehrstühlen für Gebärdensprache an den Unis, in Schweden oder den USA sei das fixer Bestandteil der Hochschullandschaft.

GESTU wurde als Pilotprojekt gestartet und ist mit Juni ausgelaufen – nun soll das Projekt in Wien bis 2015 verlängert werden. Eine Finanzierungszusage von Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (ÖVP) gibt es bereits.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.07.2012)

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1 Kommentare

es studieren hierzulande auch sonst

keine menschen mit behinderungen, was meiner meinung nach sehr wohl mit den letzten jahrhunderten zu tu hatte: die heutige gesellschaft ist mitgeprägt von der idee, behinderte bereits im schulalter vom rest der gesellschaft zu trennen, weil man ihnen nichts zutraut (die guten ins töpfchen, allen anderen in die sonderschule).

davor war die glorreiche idee, menschen mit behinderungen zu töten, die aber auch nur funktionieren konnte, weil es da eine gewisse grundhaltung innerhalb der gesellschaft bereits geben musste:

im ständewesen war jede behinderung am hof eines bauern zb einfach ein maul zu viel zum stopfen, viel gebracht im sinne von arbeitsleistung haben diese menschen sicher nicht.

2012, österreich. behindert ist, wer behindert gemacht wird. und die gesellschaft, leute: das sind wir alle!

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