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TU-Rektorin: "Habe meinen Job noch nicht satt"

15.07.2012 | 18:24 |  JULIA NEUHAUSER (Die Presse)

Sabine Seidler ist seit Oktober 2011 Rektorin der TU Wien und damit die erste Frau an der Spitze einer technischen Uni in Österreich. Ein Interview über Finanzprobleme an der TU und die Gefahr eines Notbudgets.

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Die Presse: Ein Bilanzminus von 3,3 Millionen Euro im Vorjahr, der Entgang von 3,8 Millionen Euro durch den Wegfall der Studiengebühren und die Streichung von vier von fünf Lehramtsstudien. Haben Sie Ihren neuen Job als TU-Rektorin schon satt?

Sabine Seidler: Nein ich hab meinen neuen Job noch nicht satt.

Sie haben selbst gesagt, dass Sie derzeit keine Handlungsfähigkeit haben.

Das ergibt sich aus unserer Finanzsituation. Ich betrachte das als Herausforderung.

Die TU kämpft gegen die Pleite. Sie haften als Rektorin persönlich. Werden Sie die Leistungsvereinbarungen aus Selbstschutz nicht unterschreiben, wenn es nicht mehr Geld oder Zugangsbeschränkungen geben wird?

Das ist keine Frage des Selbstschutzes, sondern eine Frage der Verantwortlichkeit dem Haus gegenüber. Wir benötigen ein Budget, das unsere Arbeitsfähigkeit erhält. Es kann nicht wie in der Vergangenheit sein, dass in vollem Bewusstsein eine Leistungsvereinbarung unterzeichnet wird, bei der das Geld nicht ausreichen wird – in der Hoffnung, dass es schon irgendwie gehen wird.

Was, wenn es nicht mehr Geld gibt?

Wir haben einen Rahmen definiert. Wenn das Angebot des Ministeriums kleiner ist als dieser, werden wir versuchen, weiter zu verhandeln. Was kommt, wenn wir nicht unterschreiben, ist ein Notbudget, und das wollen wir nicht.

Wäre es in letzter Konsequenz eine Option, die Leistungsvereinbarungen nicht zu unterschreiben?

Ja, natürlich.

Wie viel Geld benötigen Sie?

Im Wissenschaftsbetrieb kann man jede Zahl nach oben offen nennen.

Können Sie eine Mindestzahl verraten?

Sie haben sicher Verständnis dafür, dass ich während der laufenden Verhandlungen diese Zahl noch nicht nenne.

Wie problematisch sind die Sparmaßnahmen angesichts des steigenden Technikerbedarfs?

Die Anfängerzahlen mit den vorhandenen Ressourcen so zu bewältigen, dass zum Schluss die Absolventenzahl steigt, ist schwierig. Wir haben 60 bis 70 Prozent Drop-outs in allen Studienrichtungen. Wir sehen einen erfreulich hohen Ansturm zu Beginn, mit dem anschließenden Problem, dass die Ressourcen nicht ausreichen, um die Flaschenhälse zu bewältigen.

Im Fach Informatik hat man bereits reagiert. Ab Herbst werden nur noch 420 Studenten zum praktischen Teil zugelassen. Eine Option auch für andere Fächer?

Derartige Maßnahmen sind zumindest für das kommende Wintersemester nur in der Informatik vorgesehen. Wir haben natürlich andere Studienrichtungen, in denen wir ähnliche Probleme haben. In der Architektur wie auch im Wirtschaftsingenieurwesen und im Maschinenbau haben wir die Kapazitätsgrenzen bereits überschritten.

Wenn Sie von Kapazitätsgrenzen sprechen: Sprechen Sie da von den Betreuungsverhältnissen, oder geht es dabei auch um die Infrastruktur?

Wir brauchen beides. Deshalb ist unser Problem verschärfter als jenes der traditionell überlaufenen Fächer.

Sollte es Zugangsbeschränkungen auch angesichts mangelnder Infrastruktur geben?

Ja. Sonst produzieren wir Wartelisten. Wir haben aber auch ein Umverteilungsproblem. Ein Beispiel dafür ist die Informatik. Es gibt zwar sieben Ausbildungsstätten dafür. Das Ressourcenproblem gibt es in dem Ausmaß aber nur an der TU Wien. Das spricht zwar für unser Studium. Tatsächlich muss man sich aber überlegen, wie man Studierendenströme lenken kann.

Das sollte Teil des Hochschulplans sein. Haben Sie die Hoffnung, dass das dadurch besser wird?

Der Hochschulplan ist Koalitionsangelegenheit, und ich muss ehrlich sagen, ich bin nicht sehr optimistisch, dass sich da in der nächsten Zeit wahnsinnig viel bewegt.

Das Wissenschaftsministerium fordert die Unis auf, mehr Sponsoren zu finden. Wie wichtig ist das?

Österreich ist ein relativ kleines und überschaubares Land, mit einer überschaubaren Anzahl an Personen, die überhaupt in der Lage sind, Sponsoring durchzuführen. Wir sind als österreichische Uni international nicht so gewaltig, als dass wir für internationale Geldgeber spannend wären. Eine Idee wäre, das ganze Sponsoring thematisch aufziehen. Man könnte versuchen, durch die Forschungsleuchttürme, die es im Land gibt, Geld zu akquirieren. Im Übrigen würde kostendeckende Drittmittelforschung das Thema Sponsoring relativieren.

Wie groß ist dabei die Gefahr einer Beeinflussung durch die Wirtschaft?

Zu einer Beeinflussung gehören immer zwei. Dass der Versuch gemacht werden wird, steht für mich außer Zweifel. Die Frage ist, ob es gelingt, sich dagegen zu wehren. Entscheidend dabei ist auch die politische Unterstützung.

Zur Person

Sabine Seidler (50) ist seit Oktober 2011 Rektorin der TU Wien und damit die erste Frau an der Spitze einer technischen Uni in Österreich. Die aus Deutschland stammende Werkstofftechnikerin ist seit 1996 an der TU Wien und war somit auch die erste Professorin dieser Uni. Sie ist Mutter zweier Töchter. [APA]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.07.2012)

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15 Kommentare

hat die beim

Harry Potter mitgespielt ?

Gast: mama said know
16.07.2012 10:18
0 0

not easy job these days

trotzdem alles gute fr.seidler!

Gast: 1. Parteiloser
16.07.2012 09:25
2 0

So kann keine Leistung bei den Studierenden ankommen!

http://www.bmwf.gv.at/fileadmin/user_upload/aussendung/PK_Hochschulentwicklung/2011-12-21_Hochschulplan_Eckpunkte.pdf

Wenn das Alles ist was vorliegt, dann ist es nur ein sinnloses Blabla, welches eher einer Propagandabroschüre entspricht, also so irgendwie wie ein Parteiprogramm. Das steht doch kaum was Wesentliches drinnen!

- "Permanente Abstimmung"
- "effizienten Ressourceneinsatz"
- "innovative Ansätze"
- "gesamthaften Betrachtung"
- "koordinierenden Steuerung"
- "internationale Konkurrenzfähigkeit"
- "höchste Qualität"
- "bewusste Profilschärfungen"
- "Dialog Hochschulpartnerschaft"
- "Zur Entwicklung und Dynamisierung der österreichischen Hochschullandschaft"
- "Transparenz, Kompetenz und Qualität innerhalb plausible Umsetzungsvorschläge"
- "Großforschungsinfrastrukturanschaffungen"
- "gemeinsame Prioritätensetzung"
- "operative Umsetzung sowie die Thematisierung von Budgetfragen"
- "Studienplatzfinanzierung und getrennter Budgetsäulen"

Eine Menge an Schlagwörtern, alle OHNE INHALT!

Wenn ich ein solches Arbeitspapier an meine Mitarbeiter weiter geben würde, dann würde sich keiner mehr auskenne (können). Das Unternehmen wären in nur 3 Jahren Bankrott!

Wenn ich eine solche Produkt- oder Unternehmensbeschreibung an meine Kunden geben würden, würden sich die fragen ob wir einen Huscher haben!

Es fehlt mit Sicherheit ein Konzept auf dessen Basis die Verantwortlichen weiter arbeiten können. Alles nur BlaBla ohne eine Orientierung zu geben.

Re: So kann keine Leistung bei den Studierenden ankommen!

... und jetzt geb ich ihnen mal recht !

Antworten Antworten Gast: 1. Parteiloser
17.07.2012 09:55
0 0

Re: Re: So kann keine Leistung bei den Studierenden ankommen!

Lieber Karl,

in diesem Fall musstest Du wohl, wenn auch unter Schmerzen, mit meiner Kritik einverstanden sein. Immerhin trifft die Kritik diesmal Deinen Lieblingsfeind.

Es ist aber doch sehr einfach, wenn man Kritik gegen den politischen Wettbewerber annimmt, die Kritik am eigenen Bereich aber unter Hass des Kritikers einordnet.

Die Welt besteht doch nicht nur aus Parteien und deren kranke Ideologien, auch wenn die Typen das genauso sehen. Die Welt besteht auch nicht aus einem Kampf Staat gegen Privat, oder Mensch gegen Mensch.

Kann es sein, dass es umfassende Fehlentwicklungen gibt, welche einfach beseitigt werden müssen? Kann es sein, dass auch die Betroffenen / Begünstigten eine Bewegung Richtung Korrekturen machen müssen? Ist es nicht so, dass "der Andere ist Schuld" ein kindisches Verhalten ist?

Bussi

1. Parteiloser

Gast: Uni-Kenner
16.07.2012 09:16
5 1

Manager?

Da bezeichnen sich diese Rektoren und Vizerektoren als "Manager" und bekommen Supergagen - wirtschaften können sie nicht. Ein beträchtlicher Teil des Personals ist eigentlich überflüssig. Die Lehrverpflichtung bei vielen Professoren und Dozenten ist einfach zu gering. Überstunden kosten Geld!
Es werden Leute eingestellt, die man gar nicht braucht.

Re: Manager?

Die Anmerkung Supergagen ist hoffentlich ironisch gemeint (Uni-Kenner ?).

Antworten Gast: 1. Parteiloser
16.07.2012 12:19
4 0

Re: Manager?

Ja, Hihi!

Wie überall in den geschützten Bereichen wo die "Kompetenzen" bei den Parteien liegt. Das nennt der Volksmund dann Filz.

Der Filz in dieser verfilzten Politik drückt den Menschen immer mehr die Luft zum Atmen ab und daher werden immer weniger volkswirtschaftlich nützliche Leistungen erbracht. Diese geringeren Leistungen werden zunehmen zu fallenden Realeinkommen und noch mehr Menschen in Armut führen. Den Trend, leider erst am Anfang, den kann man auch schon an den laufend fallenden Realeinkommen und den steigenden Zahlen für Menschen in Armutsgefährdung erkennen.

Nur, der Filz kann gar Nichts erkennen, der Filz will unbedingt ein Filz bleiben und weiter wachsen.

Österreich wird unglaublich Abgewirtschaftet!

Gast: my generation
16.07.2012 08:17
0 0

Unnötige Investititionen & falsche Strukturen

Ja, es gibt Unterkapazitäten.
Aber gewiss nicht im Inneren.
Die Untätigkeit der Regierung in Sachen Studiengebühren und Ansturm aus dem EU Ausland ist beschämend.
Bilanz: Minus weitaus grösser.
http://www.tuwien.ac.at/fileadmin/t/quaest/doc/TUW_Rechnungsabschluss_2011.pdf
Allerdings gibt m.E. es genug finanzielle Ressourcen, die jedoch falsch verteilt werden. Nicht wissenschaftliches Personal: zu viele, welche vielfach nicht besonders engagiert sind. Untere Ebene des wiss. Personals: prekär und auf Abruf. Hier wird auch am meisten gespart, den nur wiss. Personal der untersten Ebene hat befristete Verträge.
torat: womöglich gute ProfesorInnen, jedoch nicht geeignet für die Leitung eines Unternehmens mit 4000 Angestellten und 27000 Studierenden.
Falsche Investitionen: grösste Photovoltaikanlage, diverse eigene Softwaresysteme...Mehrfachstrukturen und Bürokratie bei Abwicklung von Drittmittelprojekten...
Daher: bevor man nach mehr Mitteln verlangt: eine umfassende Strukturreform.
Das Böse/die Unfähigkeit ist nicht nur in der Politik zu suchen, sondern auch in den Besitzstandwahrern im Inneren.

Masterplan

das finanzielle Aushungern der Universitäten ist Teil des ministeriellen Masterplans, um grosse Teile der universitären Autonomie rückgängig zu machen.

Gast: die_wahrheit
15.07.2012 21:11
7 0


Re: Ein Bild sagt Tausend Worte

genau!

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Re: Ein Bild sagt Tausend Worte

Danke für den Link!

Gast: b754
15.07.2012 20:40
2 3

töchterle ist ein versager


Hochschulplan

Hochschulplan ! - der ist das Papier nicht wert auf dem er steht, da die Vertreter der Hochschullehrer von der Diskussion ausgeschlossen sind.

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