[Wien/chs/APA] Österreichs Universitäten wird schon lange nachgesagt, Angst vor dem Leistungsvergleich durch internationale Hochschul-Rankings zu haben. Eine aktuelle Studie verleiht Kritikern der Ranglisten à la „Shanghai Ranking“ und „THE“ nun Rückenwind: Die Generalvergleiche der Rankings hätten „negative Auswirkungen“ auf die Uni-Landschaft, behaupten die Autoren der Studie „Multidimensionale Rankings“.
Die Studie bescheinigt Ranglisten „weitreichenden Einfluss“. Neben positiven Effekten – manche Staaten leiteten nach zu schlechten Ergebnissen Reformen ein oder stockten das Budget auf –, verweisen die Studienautoren vorwiegend auf nachteilige Entwicklungen. So würden die Rankings, die ein sehr vereinfachtes Bild der Wirklichkeit zeichnen, die Budgetverteilung zwischen den Unis stark beeinflussen. Forscher, deren Bereiche für ein gutes Gesamtergebnis im Ranking wichtig sind – oft sind das publikationsstarke naturwissenschaftliche Fächer – würden die Rankings als Druckmittel für mehr Geld nutzen. Uni-Chefs würden ebenfalls bevorzugt in solche Bereiche investieren.
Autoren beklagen „Überreaktion“
Derart gezielte Investitionen würden aber dazu führen, dass Vielfalt verloren gehe: Die Unis werden einander immer ähnlicher und legen den Schwerpunkt (unabhängig von ihren eigentlichen Stärken) auf Forschung, die in Rankings stark gewichtet werde. Das ende mitunter in einem „Fetischismus jener Form von Wissen, Mitarbeitern und Forschungsergebnissen“, die mit der höchsten Wahrscheinlichkeit eine gute Platzierung ermöglichen.
Den Unis werfen die Autoren eine „Überreaktion“ und ein „veritables Rennen um gute Platzierungen“ vor. Mit teuren Folgen: Es werde immer mehr Geld investiert, um die besten Studenten und Forscher für stark gewichtete Bereiche anzuwerben, wodurch die Kosten für eine Uni-Ausbildung – etwa in den USA – explodiert seien.
Wie objektiv die Autoren bei ihren Recherchen vorgegangen sind, darf jedoch zumindest hinterfragt werden: Sie haben die Studie ausgerechnet im Auftrag der europäischen Unis erstellt. Diese schneiden bei den Rankings nicht nur traditionell schlechter ab als ihre US-Konkurrenz, sondern planen auch ein eigenes, neues Rankingverfahren: Ab 2013 soll „U-Multirank“ einen einheitlichen Vergleich von Europas Unis, etwa in den Bereichen Lehre, Forschung und regionales Engagement, liefern. Ein bisschen Werbung für das neue Ranking käme da natürlich gerade recht.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.07.2012)
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