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Trotz Ärztemangel keine zusätzlichen Studienplätze

20.07.2012 | 16:55 |   (DiePresse.com)

Eine Studie zeigt, dass bis 2030 bis zu 10.000 Mediziner fehlen könnten. Die Anzahl der Studienplätze zu erhöhen sei keine Lösung, sagt Wissenschaftsminister Töchterle.

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Um dem drohenden Mangel an Ärzten zu begegnen, setzt Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) auf eine Attraktivierung der postpromotionellen Ausbildung und des Berufs. Zusätzliche Medizin-Studienplätze soll es hingegen nicht geben, wie Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (ÖVP) am Freitag bei der gemeinsamen Pressekonferenz betonte. Die Ärztebedarfsstudie habe gezeigt, dass genug Mediziner ausgebildet werden. Mit 23,6 Absolventen auf 100.000 Einwohner sei Österreich Europa-Spitze. Es müsse dafür gesorgt werden, dass möglichst viele von ihnen auch im Land bleiben.

"Das ist, wie wenn ich in ein Fass mit Löchern Wasser gösse. Ich muss zuerst die Löcher stopfen", so Töchterle. Dabei seien die Aufnahmeprüfungen ein wichtiges Element, immerhin sei dadurch die Abbruchquote beim Medizinstudium von rund 50 auf 10 Prozent zurückgegangen. Der Minister betonte auch die wichtige Rolle der Quotenregelung, die österreichischen Maturanten 75 Prozent der Medizin-Studienplätze garantiert. Immerhin würden laut Befragungen 75 Prozent der ausländischen Medizin-Studenten planen, nach dem Abschluss Österreich wieder zu verlassen.

Töchterle sieht die Studie auch als "wichtiges Ergebnis für die Argumentation gegenüber der EU-Kommission." Die Kommission hatte 2007 ein Vertragsverletzungsverfahren für fünf Jahre auf Eis gelegt, mit November würde das Moratorium auslaufen. Töchterle hat die EU-Bildungskommissarin Androulla Vassiliou bereits über die Ergebnisse der Studie informiert und positive Signale für eine Verlängerung des Moratoriums erhalten. "Längerfristig müssen wir schauen, wie wir mit der Quote umgehen. Da haben wir noch eine Atempause für einige Jahre."

Attraktivierung der Ausbildung nach Studium

Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) setzt auf eine Attraktivierung der Ausbildung nach dem Medizinstudium. "Als nächstes Projekt werde ich deshalb eine Verbesserung der praktischen Ausbildung der Allgemeinmediziner umsetzen", kündigte er an. Durch Personalmanagement und -entwicklung soll außerdem die Suche der Krankenhäuser nach passendem Personal besser gesteuert werden.

Nachdem künftig im einstigen Männerberuf Mediziner 60 Prozent Frauen arbeiten werden, sieht Stöger auch die Neuregelung für Gruppenpraxen als wichtiges Element um den Arztberuf an neue Lebenskonzepte anzupassen. Auch die geplante Gesundheitsreform soll laut Stöger den Arztberuf attraktiver machen. Mit der Mangelarztverordnung soll dem Mangel in einzelnen Fachrichtungen entgegengewirkt werden.

Wechselberger: "Befürchtungen bestätigt"

Ärztekammer-Präsident Artur Wechselberger sieht durch die Studie die jahrelangen Warnungen der Ärztevertretung bestätigt und fordert u.a. Verbesserungen in der postpromotionellen Ausbildung: Es müsse eine verpflichtende einjährige Lehrpraxis und ein sinnvoller Einsatz von Turnusärzten, die derzeit vor allem als Systemerhalter in den Krankenhäusern genutzt würden, sichergestellt werden. Generell müssten Ärzte von administrativen Tätigkeiten entlastet werden. "Ich glaube, wir administrieren unser Gesundheitssystem nicht zu Tode, aber auf ein niedriges Niveau."

Laut Wechselberger braucht es auch Anreize für Fachgebiete, in denen es bereits einen Personalmangel gibt, für die Niederlassung in unterversorgten Regionen und dafür, dass" jemand das finanzielle Risiko auf sich nimmt, eine Praxis zu eröffnen".

Aufwind für Med-Uni in Oberösterreich

Für die Befürworter einer zusätzlichen Medizin-Universität in Oberösterreich ist ihre Forderung berechtigt, wie sie unter Berufung auf die Ergebnisse der Studie zum künftigen Ärztebedarf am Freitag in Presseaussendungen feststellten. Landeshauptmann Josef Pühringer (ÖVP), die SPÖ-Gesundheitssprecherin Julia Röper-Kelmayr, FPÖ-Klubobmann Günther Steinkellner und Ärztekammerpräsident Peter Niedermoser zeigten sich inhaltlich einig.

Pühringer stellte fest, die Studie sei ein weiterer Beweis, dass zusätzliche Ausbildungsplätze benötigt würden und zwar in einem Ausmaß, dass ein zusätzlicher universitärer Standort gerechtfertigt sei. Ein rascher Start mit dem Studienjahr 2013/2014 würde dem drohenden Ärztemangel ab 2020 bereits entgegenwirken.

Röper-Kelmayr appellierte an die Bundesregierung, gemeinsam mit den oberösterreichischen Fachexperten endlich eine verbindliche Roadmap für die Errichtung einer Medizinischen Fakultät in Linz zu erstellen. Es gebe zahllose Gründe, die für diesen Standort sprechen würden, unter anderem die hochwertige Krankenhaus-Infrastruktur in der Stadt.

Auch Steinkellner sieht durch die Studie die langjährige FPÖ-Forderung nach einer Medizin-Uni in Oberösterreich "vollinhaltlich bestätigt". Es mangle bereits jetzt massiv an Ausbildungsplätzen und die medizinische Versorgung, speziell im ländlichen Raum, sei nicht mehr gewährleistet.

Für Niedermoser wäre es unverantwortlich vom Bund, das in den Startlöchern stehende Projekt in Linz nicht zu realisieren. Aufgrund der vielen Synergien sei es im Vergleich zu anderen Standorten rasch und kostengünstig umsetzbar.

(APA)

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97 Kommentare
 
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Gast: gast45
23.07.2012 09:48
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ganz einfach ..

25% ausländer im medizinstudium, davon 75% zurück in die heimat.
somit werden sagen wir mal 20% der leute in österreich für das ausland ausgebildet .. und die fehlen uns dann halt im inland ..
so wie das geld für dem esfm, das halt nach griechenland und spanien geschauftel wird und dann halt beim pflegegeld und bei der forschung fehlt ..

in 20 Jaren haben wir genug Ärzte!

Dann wird sich nämlich der normale Bürger keinen Arzt mehr leisten können!

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Diplomatischer Kompromiss

Es gibt Verteilungs-Probleme.
Stadt/Land, Wahlarzt/Kassenarzt, Krankenhaus/Arztpraxis, Österreicher im Ausland/Ausländer in Österreich/Immer-Österreicher.-- Soll man das dem "Freien Markt" überlassen, oder eine Bedarfsplanung machen (und z.B. - als Gegenleistung für Ausbildung - Ärzte aufs Land zwingen) ?

Zwar halte ich persönlich Marktwirtschaft und Freiberuflichkeit (und damit Unabhängigkeit von Staat oder Wirtschaft) hoch, aber wenn es eine eklatante Unterversorgung geben sollte, wird es gewisse Zwänge geben müssen. Diese müssen natürlich verfassungskonform sein (Was sicher nicht geht, ist z.B.die Anhebung des Pensions-Antrittsalters, hintennach, selektiv nur für Ärzte). Besondere Umstände erfordern besondere Maßnahmen.

Re: Diplomatischer Kompromiss

das lässt sich ganz einfach beantwoen. aufhören mit dem ärztebashing in den medien, die GKK fürsten auf den boden der realität zurückführen und sie zwingen an einem modernen system mitarbeiten(bes negatives beispiel ist der steir.GKK Chef Pesserl.. chron neinsager und nichtverhandler und gestalter) und wir sollten unseren ärzten auch die möglichkeit geben menschenwürdig zu leben und nicht immer verfügbar sein müssen. moderne medizin machen dürfen. und anständig bezahlt werden u nd die sache schaut wieder besser aus. übrigens, in 10- 15 jahren gibts kaum noch landärzte, die si nd dann ausgehungert worden. so long

Antworten Gast: Rapunzelstielchen
25.07.2012 13:40
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Re: Diplomatischer Kompromiss

Die Marktwirtschaft könnte das auch regeln. Solange aber die undurchsichtige Krankenscheinwirtschaft eine Markwirtschaft verhindert, wird es Probleme geben.

Gast: pächter der wahrheit
22.07.2012 18:45
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Propaganda der AeK

Da könnt ich auch fragen ob der Papst für Katholizismus ist.

Es hat noch nie so viele Ärzte gegeben wie jetzt; die Leute waren noch nie so gesund wie jetzt (obwohl grosse Teile alles dagegen tun).

Aber jeder Wien-Einwohner wird wohl die Situation kennen wenn er/sie einen Arzt sucht: Teilweise sind die Ordinationszeiten lachhaft kurz bzw. an Zeiten gelegt welche zwar bequem für den Arzt ist aber unbrauchbar für den Patienten.

AeK! Kommt runter von Eurem Ross und nehmt nicht die Bevölkerung in Geiselhaft für Euer Standesdenken!

Gast: dr auswanderer
22.07.2012 18:30
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auswanderer

Ich selber bin gleich nach meinem Medizinstudium ausgewandert. In Oesterreich gibt es nach dem Abschluss nur Ausbeutung als Turnusarzt, jahrelang kein Geld und nicht einmal eine richtige Facharztausbildung. Und von dem mageren Einkommen muss man noch 50% Steuern abfuehren. Ich kann daher nur allen KollegenInnen raten, auch nach dem Studium abzuwandern. Usa, England Schweiz oder sogar De sibd eine gute Wahl. In Deutschland gibt es naemlich keinen menschenunwuerdigen Turnus mehr! Ich bereue meine Wahl nicht.....

Gast: Zukünftiger Mediziner
22.07.2012 09:52
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Lösungen gäbe es schon

Warum sind unsere Politiker nur so patschert wenn es darum geht vernünftig zu verhandeln? Sie waren es beim EU-Beitritt und sind bis heute nicht schlauer geworden.
Hier handelt es sich um ein gewaltiges Ungleichgewicht. Das müsste doch ein Ausgleich möglich sein.
Ich bin aber sicher, dass es auch unabhängig von der EU Möglichkeiten gibt, das Problem zu lösen. Aber unseren Politikern steht ihre Ideologie im Weg. Lieber opfert man die Studienplätze als von der sturen Haltung abzugehen.

Gast: Medizinstudent mit deutschen Wurzeln
22.07.2012 09:46
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Hier kann man studieren

Ich habe meine Familie und meinen Bekanntenkreis in Hamburg. Ich bin ich zwar bereit für ein paar Jahre in Ö zu leben um zu studieren. Aber wenn ich fertig bin, suche ich mir einen Job dort wo ich zu Hause bin.
Was soll ich hier in Ö? Ich habe keinen Grund da zu bleiben.

Gast: Wechstabenverbuchsler
22.07.2012 09:42
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Mit 23,6 Prozent Medizinabsolventen auf 100.000 Einwohner

Was heißt: 23% auf 100.000 ?

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Re: Mit 23,6 Prozent Medizinabsolventen auf 100.000 Einwohner

23.000?!

Antworten Antworten Gast: Wechstabenverbuchsler
25.07.2012 13:45
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Re: Re: Mit 23,6 Prozent Medizinabsolventen auf 100.000 Einwohner

Es macht immer noch keinen Sinn.

Gast: Nachteule
21.07.2012 20:23
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In 20 Jahren kann man viel verändern und anpassen

Die in 20 Jahren mit dem Medizin-Studium fertig sind, gehen heute noch nicht einmal in die Schule.
Wenn jemand sagt, in 20 Jahren fehlen 10.000 Ärzte, dann sagt er, wir werden alles tun, damit wir in 20 Jahren zu wenig Ärzte haben.

Antworten Gast: who knows
23.07.2012 19:47
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Re: In 20 Jahren kann man viel verändern und anpassen

SIe wissen also nicht, wie lange das Medizin-STudium dauert? Bis sie ein richtiger Arzt mit Erfahrung(!) sind und alles allein entscheiden können dauerts leider a bissal....
6Jahre STudium, Wartezeit auf Turnus, mind.3 Jahre Turnus, 3-6 Jahre FA und da ist eine mögliche Prom./Habil. nicht dabei.... und dann noch 12 jahre Schule davor, vielleicht nicht gleich den EMS oder gar Heer....

Gast: Walter45
21.07.2012 19:47
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In 20 Jahren benötigen wir um 30% mehr Beamte!!!

Jedes Jahr kommen zig tausende Seiten neuer Gesetze und Vorschriften dazu. Weitehrin wird JEDE politische Funktion gleich 10 fach besetzt. Einmal im Bund und 9 x mit gleichen Aufgaben in den Ländern.

Um die vielen alten und neuen Vorschriften zu erstellen, verwalten, prüfen und kontrollieren sind jedes Jahr immer MEHR Beamte erforderlich!

Gast: Franz44
21.07.2012 19:44
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Geht´s noch ein wenig blöder?

Dauert die Ausbildung eines Arztes über 20 Jahre? Bis dahin kann die Politik locker darauf reagieren!

Jene Politiker (mit der größten und teuersten Regierung aller Zeiten) die heute den ganzen Staat an die Wand fahren, werden sich bis dahin längst in ihren "wohlverdienten Ruhestand" befinden.

Gast: HB4242
21.07.2012 19:37
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In 20 Jahren fehlen 10.000 Ärzte ....

Die Schlagzeile kenn ich !

Die hatten wir vor 20 Jahren auch schon mal ....

Gast: Klaus Nomi
21.07.2012 19:08
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Politiker geben das Geld lieber für Spitalsbauten,...

...ELGA und andere Großaufträge aus. Weil durch Großaufträge die Partei- und die eigene Pensionskasse refinanziert wird.
Bei Personal kann man leicht einsparen.
In St.Pöltner Krankenhaus müssen Patienten die nicht selbständig essen können ihren Pfleger mit bringen da das hauseigene Personal so unterbesetzt ist oder so viel Papierkram ausfüllen muss dass keine Zeit für Tätigkeiten wie Patienten füttern oder umlagern mehr bleibt.

nurnichtzuvielanstrengen

In 20 Jahren fehlen:
Ärzte
Lehrer
Techniker
Facharbeiter...

Was bleibt übrig?
Beamte
Psychologen
Soziologen
Politiker...

Da ist doch etwas faul im österreichischen Bildungssystem, kapiert das niemand?

Re: nurnichtzuvielanstrengen

welcher österr politiker denkt allen ernsten über seine eigene legislaturperiode hinaus? oder gar, was in 20 jahren los ist oder nicht?

welcher?

Antworten Gast: Nawianer
21.07.2012 20:12
2 0

Re: nurnichtzuvielanstrengen

...
Publizistikstudenten
Politikwissenschafter
"Experten"
...
TO BE CONTINUED

Re: Re: nurnichtzuvielanstrengen

...
qualitätsmanager
risk-manager
...

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Re: nurnichtzuvielanstrengen

Sie vermischen Ausbildungen mit Funktionen - unter den Beamten gibt es sowohl "Ärzte, Lehrer, Techniker, Facharbeiter als auch Psychologen, Soziologen.
Ja sogar unter den Politikern gibt es solche!

Re: nurnichtzuvielanstrengen

Sie haben die Altphilologen vergessen! Dank Töchterle wieder ganz hoch im Kurs!

Gast: EU-Totengräber
21.07.2012 16:52
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Obwohl die Ärztebedarfsstudie zeigt, dass es in Österreich bald zu wenig Mediziner geben wird, will die Regierung die Studienplätze nicht ausbauen.

Ich nehme an die wollen mittelfristig nur die Pensionsauszahlungen ein wenig senken.

Gast: Halbwissen
21.07.2012 13:57
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Dummschwätzer haben keine Ahnung vom Fortschritt !

20 Jahre im Computerzeitalter bringen Entwicklunsprünge welche die Welt in den letzten 2000 Jahren nicht gesehen hat.

 
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Schlagzeilen Bildung