Um dem drohenden Mangel an Ärzten zu begegnen, setzt Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) auf eine Attraktivierung der postpromotionellen Ausbildung und des Berufs. Zusätzliche Medizin-Studienplätze soll es hingegen nicht geben, wie Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (ÖVP) am Freitag bei der gemeinsamen Pressekonferenz betonte. Die Ärztebedarfsstudie habe gezeigt, dass genug Mediziner ausgebildet werden. Mit 23,6 Absolventen auf 100.000 Einwohner sei Österreich Europa-Spitze. Es müsse dafür gesorgt werden, dass möglichst viele von ihnen auch im Land bleiben.
"Das ist, wie wenn ich in ein Fass mit Löchern Wasser gösse. Ich muss zuerst die Löcher stopfen", so Töchterle. Dabei seien die Aufnahmeprüfungen ein wichtiges Element, immerhin sei dadurch die Abbruchquote beim Medizinstudium von rund 50 auf 10 Prozent zurückgegangen. Der Minister betonte auch die wichtige Rolle der Quotenregelung, die österreichischen Maturanten 75 Prozent der Medizin-Studienplätze garantiert. Immerhin würden laut Befragungen 75 Prozent der ausländischen Medizin-Studenten planen, nach dem Abschluss Österreich wieder zu verlassen.
Töchterle sieht die Studie auch als "wichtiges Ergebnis für die Argumentation gegenüber der EU-Kommission." Die Kommission hatte 2007 ein Vertragsverletzungsverfahren für fünf Jahre auf Eis gelegt, mit November würde das Moratorium auslaufen. Töchterle hat die EU-Bildungskommissarin Androulla Vassiliou bereits über die Ergebnisse der Studie informiert und positive Signale für eine Verlängerung des Moratoriums erhalten. "Längerfristig müssen wir schauen, wie wir mit der Quote umgehen. Da haben wir noch eine Atempause für einige Jahre."
Attraktivierung der Ausbildung nach Studium
Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) setzt auf eine Attraktivierung der Ausbildung nach dem Medizinstudium. "Als nächstes Projekt werde ich deshalb eine Verbesserung der praktischen Ausbildung der Allgemeinmediziner umsetzen", kündigte er an. Durch Personalmanagement und -entwicklung soll außerdem die Suche der Krankenhäuser nach passendem Personal besser gesteuert werden.
Nachdem künftig im einstigen Männerberuf Mediziner 60 Prozent Frauen arbeiten werden, sieht Stöger auch die Neuregelung für Gruppenpraxen als wichtiges Element um den Arztberuf an neue Lebenskonzepte anzupassen. Auch die geplante Gesundheitsreform soll laut Stöger den Arztberuf attraktiver machen. Mit der Mangelarztverordnung soll dem Mangel in einzelnen Fachrichtungen entgegengewirkt werden.
Wechselberger: "Befürchtungen bestätigt"
Ärztekammer-Präsident Artur Wechselberger sieht durch die Studie die jahrelangen Warnungen der Ärztevertretung bestätigt und fordert u.a. Verbesserungen in der postpromotionellen Ausbildung: Es müsse eine verpflichtende einjährige Lehrpraxis und ein sinnvoller Einsatz von Turnusärzten, die derzeit vor allem als Systemerhalter in den Krankenhäusern genutzt würden, sichergestellt werden. Generell müssten Ärzte von administrativen Tätigkeiten entlastet werden. "Ich glaube, wir administrieren unser Gesundheitssystem nicht zu Tode, aber auf ein niedriges Niveau."
Laut Wechselberger braucht es auch Anreize für Fachgebiete, in denen es bereits einen Personalmangel gibt, für die Niederlassung in unterversorgten Regionen und dafür, dass" jemand das finanzielle Risiko auf sich nimmt, eine Praxis zu eröffnen".
Aufwind für Med-Uni in Oberösterreich
Für die Befürworter einer zusätzlichen Medizin-Universität in Oberösterreich ist ihre Forderung berechtigt, wie sie unter Berufung auf die Ergebnisse der Studie zum künftigen Ärztebedarf am Freitag in Presseaussendungen feststellten. Landeshauptmann Josef Pühringer (ÖVP), die SPÖ-Gesundheitssprecherin Julia Röper-Kelmayr, FPÖ-Klubobmann Günther Steinkellner und Ärztekammerpräsident Peter Niedermoser zeigten sich inhaltlich einig.
Pühringer stellte fest, die Studie sei ein weiterer Beweis, dass zusätzliche Ausbildungsplätze benötigt würden und zwar in einem Ausmaß, dass ein zusätzlicher universitärer Standort gerechtfertigt sei. Ein rascher Start mit dem Studienjahr 2013/2014 würde dem drohenden Ärztemangel ab 2020 bereits entgegenwirken.
Röper-Kelmayr appellierte an die Bundesregierung, gemeinsam mit den oberösterreichischen Fachexperten endlich eine verbindliche Roadmap für die Errichtung einer Medizinischen Fakultät in Linz zu erstellen. Es gebe zahllose Gründe, die für diesen Standort sprechen würden, unter anderem die hochwertige Krankenhaus-Infrastruktur in der Stadt.
Auch Steinkellner sieht durch die Studie die langjährige FPÖ-Forderung nach einer Medizin-Uni in Oberösterreich "vollinhaltlich bestätigt". Es mangle bereits jetzt massiv an Ausbildungsplätzen und die medizinische Versorgung, speziell im ländlichen Raum, sei nicht mehr gewährleistet.
Für Niedermoser wäre es unverantwortlich vom Bund, das in den Startlöchern stehende Projekt in Linz nicht zu realisieren. Aufgrund der vielen Synergien sei es im Vergleich zu anderen Standorten rasch und kostengünstig umsetzbar.
(APA)
Richtig weiblichDie Top Ten der 'Frauenstudien'
Wie gut ist Ihr Schulenglisch? Können Sie mit den 14-Jährigen mithalten?











