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In 20 Jahren fehlen 10.000 Ärzte

20.07.2012 | 18:23 |  von Theresa Aigner und Oliver Grimm (Die Presse)

Obwohl die Ärztebedarfsstudie zeigt, dass es in Österreich bald zu wenig Mediziner geben wird, will die Regierung die Studienplätze nicht ausbauen.

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Wien/Brüssel. Der viel beschworene Ärztemangel scheint Realität zu werden: Bis zum Jahr 2030 könnten in Österreich bis zu 10.000 Ärzte fehlen. Diese Ergebnisse liefert die lange erwartete Ärztebedarfsstudie, die am Freitag von Ärztekammer, Gesundheits- und Wissenschaftsministerium präsentiert wurde. Besonders eng wird es in der Kinderpsychiatrie, der Gynäkologie, der Urologie sowie bei den HNO-Ärzten. Bereits jetzt gibt es zu wenig Fachärzte in diesen Bereichen.

Die erwartete Reaktion der Regierung – nämlich die Kapazitäten der Med-Unis zu erhöhen – bleibt aber aus: Zusätzliche Studienplätze werde es nicht geben, erklärte Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (ÖVP) bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) und Ärztekammerpräsident Artur Wechselberger. Mit 23,6 Medizinabsolventen auf 100.000 Einwohner sei Österreich Europa-Spitze, sagt Töchterle.

Die eigentliche Herausforderung sei es, die Absolventen nach Abschluss der Ausbildung in Österreich zu halten. Und dafür müsse man insbesondere die Attraktivität des Arbeitsmarktes für junge Mediziner erhöhen: „Das liegt allerdings außerhalb meines Zuständigkeitsbereiches“, so Töchterle.

 

Medizinerquote bis Ende 2016?

Die Studie verfolgt nicht zuletzt auch einen konkreten politischen Zweck. Sie soll in Brüssel vor der EU-Kommission als Argument für die Verlängerung der „Medizinerquote“ dienen. Im November läuft nämlich die Frist für jene Quotenregelung aus, mit der die Republik 75 Prozent aller Plätze für das Medizinstudium an österreichische Maturanten vergeben kann.

Diese widerspricht eigentlich dem europäischen Gleichheitsgrundsatz. Im Jahr 2007 erklärte sich die Kommission allerdings bereit, für zunächst fünf Jahre keine rechtlichen Schritte gegen Österreich zu setzen. Die Republik müsse Brüssel im Gegenzug jährlich auf objektiv nachvollziehbare Weise darlegen, wieso ein Ende der Quote das österreichische Gesundheitswesen gefährden würde.

Darum legte Töchterle die Studie seinem Antrag an die Kommission um Verlängerung der Quotenlösung bis 31. Dezember 2016 bei. Am Freitag kam dieses Schreiben in Brüssel an, bestätigte der Sprecher von EU-Bildungskommissarin Androulla Vassiliou. „Wir sind einer Verlängerung gegenüber aufgeschlossen. Aber selbst wenn wir der Verlängerung zustimmen sollten, wird das nur eine Übergangslösung sein“, sagte er zur „Presse“.

Ein EU-weites Modell zum gegenseitigen Ersatz der Kosten ausländischer Studenten hingegen hält die Kommission für unrealistisch. Salzburgs Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (SPÖ) hatte am Donnerstag in Brüssel bei einem Treffen mit Vassiliou so ein Modell aufs Tapet gebracht. Kaum ein anderes der 27 EU-Mitgliedsländer würde das unterstützen – zu unterschiedlich seien die nationalen Finanzierungsmodelle.

 

Ausbildung nach Uni verbessern

Sollte die Regelung nicht verlängert werden, würde das den Ärztemangel empfindlich verschärfen: 2500 Mediziner könnten dadurch zusätzlich fehlen. 75 Prozent der ausländischen Medizinstudenten verlassen Österreich wieder.

Zusätzlich zu jenen 2500 Medizinern, die abwandern, geht die Studie – die bereits im Vorjahr erscheinen hätte sollen – davon aus, dass bis zum Jahr 2030 bis zu 2500 Allgemeinmediziner und bis zu 5200 Fachärzte fehlen könnten. Stöger setzt in diesem Zusammenhang vor allem auf eine Attraktivierung der Ausbildung nach dem Studium, insbesondere die Ausbildung von Allgemeinmedizinern müsse verbessert und gestärkt werden.

Auch Ärztekammerpräsident Wechselberger sieht einen zentralen Angelpunkt in einer Verbesserung der Ausbildung nach Uni-Abschluss: Es müsse eine verpflichtende einjährige Lehrpraxis und einen sinnvollen Einsatz von Turnusärzten geben. Diese würden derzeit „nur als Systemerhalter“ in den Spitälern genutzt.

Detail am Rande: Die einzige Fachrichtung, in der kein Mangel droht, ist die Zahnmedizin.

Auf einen Blick

Die Ärztebedarfsstudie der Gesundheit Austria GmbH prognostiziert einen Mangel von 10.000 Medizinern bis zum Jahr 2030. Zusätzliche Studienplätze wird es dennoch nicht geben. Eine zentrale Rolle wird die künftige Regelung für ausländische Medizinstudenten, über die derzeit mit der EU-Kommission verhandelt wird, spielen. Derzeit sind 75 Prozent der Plätze für Österreicher reserviert.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.07.2012)

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97 Kommentare
 
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Gast: gast45
23.07.2012 09:48
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ganz einfach ..

25% ausländer im medizinstudium, davon 75% zurück in die heimat.
somit werden sagen wir mal 20% der leute in österreich für das ausland ausgebildet .. und die fehlen uns dann halt im inland ..
so wie das geld für dem esfm, das halt nach griechenland und spanien geschauftel wird und dann halt beim pflegegeld und bei der forschung fehlt ..

in 20 Jaren haben wir genug Ärzte!

Dann wird sich nämlich der normale Bürger keinen Arzt mehr leisten können!

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Diplomatischer Kompromiss

Es gibt Verteilungs-Probleme.
Stadt/Land, Wahlarzt/Kassenarzt, Krankenhaus/Arztpraxis, Österreicher im Ausland/Ausländer in Österreich/Immer-Österreicher.-- Soll man das dem "Freien Markt" überlassen, oder eine Bedarfsplanung machen (und z.B. - als Gegenleistung für Ausbildung - Ärzte aufs Land zwingen) ?

Zwar halte ich persönlich Marktwirtschaft und Freiberuflichkeit (und damit Unabhängigkeit von Staat oder Wirtschaft) hoch, aber wenn es eine eklatante Unterversorgung geben sollte, wird es gewisse Zwänge geben müssen. Diese müssen natürlich verfassungskonform sein (Was sicher nicht geht, ist z.B.die Anhebung des Pensions-Antrittsalters, hintennach, selektiv nur für Ärzte). Besondere Umstände erfordern besondere Maßnahmen.

Re: Diplomatischer Kompromiss

das lässt sich ganz einfach beantwoen. aufhören mit dem ärztebashing in den medien, die GKK fürsten auf den boden der realität zurückführen und sie zwingen an einem modernen system mitarbeiten(bes negatives beispiel ist der steir.GKK Chef Pesserl.. chron neinsager und nichtverhandler und gestalter) und wir sollten unseren ärzten auch die möglichkeit geben menschenwürdig zu leben und nicht immer verfügbar sein müssen. moderne medizin machen dürfen. und anständig bezahlt werden u nd die sache schaut wieder besser aus. übrigens, in 10- 15 jahren gibts kaum noch landärzte, die si nd dann ausgehungert worden. so long

Antworten Gast: Rapunzelstielchen
25.07.2012 13:40
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Re: Diplomatischer Kompromiss

Die Marktwirtschaft könnte das auch regeln. Solange aber die undurchsichtige Krankenscheinwirtschaft eine Markwirtschaft verhindert, wird es Probleme geben.

Gast: pächter der wahrheit
22.07.2012 18:45
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Propaganda der AeK

Da könnt ich auch fragen ob der Papst für Katholizismus ist.

Es hat noch nie so viele Ärzte gegeben wie jetzt; die Leute waren noch nie so gesund wie jetzt (obwohl grosse Teile alles dagegen tun).

Aber jeder Wien-Einwohner wird wohl die Situation kennen wenn er/sie einen Arzt sucht: Teilweise sind die Ordinationszeiten lachhaft kurz bzw. an Zeiten gelegt welche zwar bequem für den Arzt ist aber unbrauchbar für den Patienten.

AeK! Kommt runter von Eurem Ross und nehmt nicht die Bevölkerung in Geiselhaft für Euer Standesdenken!

Gast: dr auswanderer
22.07.2012 18:30
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auswanderer

Ich selber bin gleich nach meinem Medizinstudium ausgewandert. In Oesterreich gibt es nach dem Abschluss nur Ausbeutung als Turnusarzt, jahrelang kein Geld und nicht einmal eine richtige Facharztausbildung. Und von dem mageren Einkommen muss man noch 50% Steuern abfuehren. Ich kann daher nur allen KollegenInnen raten, auch nach dem Studium abzuwandern. Usa, England Schweiz oder sogar De sibd eine gute Wahl. In Deutschland gibt es naemlich keinen menschenunwuerdigen Turnus mehr! Ich bereue meine Wahl nicht.....

Gast: Zukünftiger Mediziner
22.07.2012 09:52
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Lösungen gäbe es schon

Warum sind unsere Politiker nur so patschert wenn es darum geht vernünftig zu verhandeln? Sie waren es beim EU-Beitritt und sind bis heute nicht schlauer geworden.
Hier handelt es sich um ein gewaltiges Ungleichgewicht. Das müsste doch ein Ausgleich möglich sein.
Ich bin aber sicher, dass es auch unabhängig von der EU Möglichkeiten gibt, das Problem zu lösen. Aber unseren Politikern steht ihre Ideologie im Weg. Lieber opfert man die Studienplätze als von der sturen Haltung abzugehen.

Gast: Medizinstudent mit deutschen Wurzeln
22.07.2012 09:46
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Hier kann man studieren

Ich habe meine Familie und meinen Bekanntenkreis in Hamburg. Ich bin ich zwar bereit für ein paar Jahre in Ö zu leben um zu studieren. Aber wenn ich fertig bin, suche ich mir einen Job dort wo ich zu Hause bin.
Was soll ich hier in Ö? Ich habe keinen Grund da zu bleiben.

Gast: Wechstabenverbuchsler
22.07.2012 09:42
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Mit 23,6 Prozent Medizinabsolventen auf 100.000 Einwohner

Was heißt: 23% auf 100.000 ?

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Re: Mit 23,6 Prozent Medizinabsolventen auf 100.000 Einwohner

23.000?!

Antworten Antworten Gast: Wechstabenverbuchsler
25.07.2012 13:45
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Re: Re: Mit 23,6 Prozent Medizinabsolventen auf 100.000 Einwohner

Es macht immer noch keinen Sinn.

Gast: Nachteule
21.07.2012 20:23
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In 20 Jahren kann man viel verändern und anpassen

Die in 20 Jahren mit dem Medizin-Studium fertig sind, gehen heute noch nicht einmal in die Schule.
Wenn jemand sagt, in 20 Jahren fehlen 10.000 Ärzte, dann sagt er, wir werden alles tun, damit wir in 20 Jahren zu wenig Ärzte haben.

Antworten Gast: who knows
23.07.2012 19:47
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Re: In 20 Jahren kann man viel verändern und anpassen

SIe wissen also nicht, wie lange das Medizin-STudium dauert? Bis sie ein richtiger Arzt mit Erfahrung(!) sind und alles allein entscheiden können dauerts leider a bissal....
6Jahre STudium, Wartezeit auf Turnus, mind.3 Jahre Turnus, 3-6 Jahre FA und da ist eine mögliche Prom./Habil. nicht dabei.... und dann noch 12 jahre Schule davor, vielleicht nicht gleich den EMS oder gar Heer....

Gast: Walter45
21.07.2012 19:47
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In 20 Jahren benötigen wir um 30% mehr Beamte!!!

Jedes Jahr kommen zig tausende Seiten neuer Gesetze und Vorschriften dazu. Weitehrin wird JEDE politische Funktion gleich 10 fach besetzt. Einmal im Bund und 9 x mit gleichen Aufgaben in den Ländern.

Um die vielen alten und neuen Vorschriften zu erstellen, verwalten, prüfen und kontrollieren sind jedes Jahr immer MEHR Beamte erforderlich!

Gast: Franz44
21.07.2012 19:44
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Geht´s noch ein wenig blöder?

Dauert die Ausbildung eines Arztes über 20 Jahre? Bis dahin kann die Politik locker darauf reagieren!

Jene Politiker (mit der größten und teuersten Regierung aller Zeiten) die heute den ganzen Staat an die Wand fahren, werden sich bis dahin längst in ihren "wohlverdienten Ruhestand" befinden.

Gast: HB4242
21.07.2012 19:37
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In 20 Jahren fehlen 10.000 Ärzte ....

Die Schlagzeile kenn ich !

Die hatten wir vor 20 Jahren auch schon mal ....

Gast: Klaus Nomi
21.07.2012 19:08
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Politiker geben das Geld lieber für Spitalsbauten,...

...ELGA und andere Großaufträge aus. Weil durch Großaufträge die Partei- und die eigene Pensionskasse refinanziert wird.
Bei Personal kann man leicht einsparen.
In St.Pöltner Krankenhaus müssen Patienten die nicht selbständig essen können ihren Pfleger mit bringen da das hauseigene Personal so unterbesetzt ist oder so viel Papierkram ausfüllen muss dass keine Zeit für Tätigkeiten wie Patienten füttern oder umlagern mehr bleibt.

nurnichtzuvielanstrengen

In 20 Jahren fehlen:
Ärzte
Lehrer
Techniker
Facharbeiter...

Was bleibt übrig?
Beamte
Psychologen
Soziologen
Politiker...

Da ist doch etwas faul im österreichischen Bildungssystem, kapiert das niemand?

Re: nurnichtzuvielanstrengen

welcher österr politiker denkt allen ernsten über seine eigene legislaturperiode hinaus? oder gar, was in 20 jahren los ist oder nicht?

welcher?

Antworten Gast: Nawianer
21.07.2012 20:12
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Re: nurnichtzuvielanstrengen

...
Publizistikstudenten
Politikwissenschafter
"Experten"
...
TO BE CONTINUED

Re: Re: nurnichtzuvielanstrengen

...
qualitätsmanager
risk-manager
...

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Re: nurnichtzuvielanstrengen

Sie vermischen Ausbildungen mit Funktionen - unter den Beamten gibt es sowohl "Ärzte, Lehrer, Techniker, Facharbeiter als auch Psychologen, Soziologen.
Ja sogar unter den Politikern gibt es solche!

Re: nurnichtzuvielanstrengen

Sie haben die Altphilologen vergessen! Dank Töchterle wieder ganz hoch im Kurs!

Gast: EU-Totengräber
21.07.2012 16:52
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Obwohl die Ärztebedarfsstudie zeigt, dass es in Österreich bald zu wenig Mediziner geben wird, will die Regierung die Studienplätze nicht ausbauen.

Ich nehme an die wollen mittelfristig nur die Pensionsauszahlungen ein wenig senken.

Gast: Halbwissen
21.07.2012 13:57
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Dummschwätzer haben keine Ahnung vom Fortschritt !

20 Jahre im Computerzeitalter bringen Entwicklunsprünge welche die Welt in den letzten 2000 Jahren nicht gesehen hat.

 
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Schlagzeilen Bildung