„Wir haben in Österreich zu wenig gute Trainer. Wir haben eine tolle Infrastruktur, im Bereich der Sportwissenschaft ein unglaublich hohes Ausbildungsniveau – aber es fehlt etwas. Der akademische Trainer!“ Gunnar Prokop mag Österreich mit seinen Ansichten mitunter polarisieren, doch die Erfahrung spricht für ihn. Er geht stets „andere Wege“, eckt mit Bürokraten, Funktionären und Politikern an. Er meint es aber, im Sinn der Sache, gut. „Ausbildung ist wichtig, keine Frage. Und wenn dabei auch noch Toptrainer herausspringen, ist allen geholfen.“
Mit „allen“ meint Prokop nicht nur Kinder, Lehrer und Sportler – sondern letztlich auch den Steuerzahler. Denn je mehr Bewegung in Turnsälen oder bei Vereinen stattfindet, und zwar richtig dosiert, desto schneller könnten Fettleibigkeit und längerfristig Beschwerden, Fadesse und Krankheiten rückläufig werden. Die Rechnung ist simpel: mehr Ausbildung und Sport, desto geringere Kosten im Gesundheits- und Sozialbereich.
Die letzte Ausbaustufe
Prokop hat sowohl als Leiter in der Südstadt als auch als Leichtathletik- und Handballtrainer beide Seiten kennengelernt. Nur die letzte Ausbaustufe der Lernphase habe gefehlt, daher hat er im Jahr 2008 mit Minister Johannes Hahn alles darangesetzt, auf der Fachhochschule in Wiener Neustadt ein Bachelorstudium für Leistungssportler (sechs Semester) zu installieren. Dieses Modell traf auf großen Anklang und findet ab Herbst nun mit dem berufsbegleitenden Masterstudium „Training und Sport“ (Master of Science in Natural Sciences) seine Fortsetzung. Das vier Semester dauernde Studium (363,36 Euro pro Semester, zuzüglich ÖH-Beitrag 17,50Euro) behandelt Aspekte der Trainingslehre, Diagnostik, Sichtung, PR oder des Sponsorings.
Die möglichen Berufsfelder erstrecken sich vom Management bis hin zum schlichten Trainer. Dabei wird auf aktive Sportler auch gesondert Rücksicht genommen, Trainingslehrgänge oder Wettkampfvorbereitungen werden also nicht unterbrochen.
Auch Prüfungstermine seien individuell gestaltbar, sagt Sabine Pata, die diesem Studienlehrgang als Leiterin vorsteht. „Die Kontaktzeiten sind durch die Möglichkeit der Selbststudienzeit auf durchschnittlich drei bis vier Halbtage pro Woche reduziert.“ Das Masterstudium bereite auf die Arbeitswelt in der Sportbranche vor – daher wurde auch die Zulassung dahingehend festgesetzt, dass Bewerber einen „leistungssportlichen Background“ vorweisen müssen.
Anmeldeschluss für die Premiere ist der 10.August, der Auftakt erfolgt am 3.September. Prokop: „Dieses Studium ist der Beweis dafür, dass sich Österreich doch noch bewegt.“
WEITERE INFORMATIONEN UNTER
www.fhwn.ac.at
www.facebook.com/fhwn.sport
„Training und Sport“ nennen sich das Bachelor- sowie das neue berufsbegleitende Masterstudium an der FH Wr. Neustadt. Kosten: 363,36 Euro pro Semester.
Berufsaussicht: Das Studium vermittelt eine wissenschaftlich fundierte Trainer- und Sportmanagerausbildung, Berufsfelder
als Sport- und Vereinsmanager sind möglich.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.07.2012)
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