Eine Personalentscheidung als Kampfansage an die ÖVP

Claudia Schmied entlässt den PH-Innsbruck-Rektor Elmar Märk wegen eines Interviews. Märk ist nicht mehr als ein Bauernopfer im innerkoalitionären Streit um Hochschulautonomie und die Zukunft der Lehrerbildung. Eine Analyse.

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(c) APA/ROLAND SCHLAGER (ROLAND SCHLAGER)

Streitpunkte zwischen Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (ÖVP) und Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) gibt es wahrlich viele. Jener um die Zukunft der pädagogischen Hochschulen und das beste Maß an Autonomie im Hochschulwesen ist aber wohl einer der grundsätzlichsten.

Mit ihren jüngsten Entscheidungen hat Claudia Schmied den Konflikt nicht nur um eine Facette reicher gemacht, sondern ihn auf eine neue Ebene gehoben: Die Ministerin hat den designierten Rektor der Pädagogischen Hochschule Innsbruck, Elmar Märk, vor seinem Amtsantritt abberufen. Der Grund: Das „Vertrauensverhältnis“ sei nicht mehr gegeben. Der Fauxpas des designierten Rektors: Er hat am Mittwoch in einem Interview mit der Austria Presse Agentur doch tatsächlich (zu) laut über die Zukunft der Lehrerausbildung nachgedacht. Und sich bei dieser Gelegenheit, wie viele andere in Österreich auch, für die „langfristige Einbindung der gesamten Lehrerausbildung in die Unis“ stark gemacht. Ob es taktisch sonderlich klug ist, sich als Rektor einer PH quasi für das Ende der eigenen Institution auszusprechen, darf freilich diskutiert werden. Dass die Reaktion der Ministerin (obwohl sie rechtlich einwandfrei sein mag) für viele Wissenschaftler (und auch die ÖVP) der Inbegriff dessen ist, wie Hochschulpolitik nicht funktionieren soll, ist unbestritten. An den Universitäten, die bei Töchterle ressortieren, wäre ein vergleichbarer (partei-)politischer Eingriff nicht möglich.

Hinzu kommt, dass es nicht die erste umstrittene Personalentscheidung Schmieds ist: Auch die Berufung von Ruth Petz, früher Abteilungsleiterin im roten Wiener Stadtschulrat, zur Rektorin der PH Wien, hat am Freitag die Gemüter erregt. Ihre Vorgängerin, Dagmar Hackl, musste politischem Druck weichen; die unterlegene Kandidatin, Ilse Schrittesser, gilt vielen als Idealbesetzung.

Ob Schmied, wie die ÖVP nun behauptet, schlimmer „als jenseits des Eisernen Vorhangs“ agiere, sei dahingestellt. Klar ist, dass Märk ein Bauernopfer ist. Die Ministerin nützt diese Personalentscheidung, um einmal mehr zu zeigen, dass sie alles tun wird, um die aus ihrer Sicht fehlgeleitete Autonomie der Hochschulen (die die PH ohnehin nicht besitzen) zu bekämpfen. Sie wünsche sich mehr Governance, sagt sie bei jeder Gelegenheit. Für Töchterle sind Einschnitte bei der Autonomie ein rotes Tuch. Nicht zuletzt deshalb wünscht sich die ÖVP, dass die PH in „ihr“ Wissenschaftsministerium übersiedeln.

Auch die Verwandtschaft schadet

Schmied positioniert sich auch in der umstrittenen Frage, an welcher Institution die Lehrer ausgebildet werden sollen, einmal mehr klar. ÖVP und Uni-Rektoren wünschen sich die Ausbildung aller Pädagogen an den Unis; die SPÖ will die PH stärken und zu „pädagogischen Unis“ ausbauen. Mangels Einigung zimmern die Institutionen derzeit mehr oder weniger erfolgreiche Kooperationsmodelle. Immer mehr Unis schaffen parallel dazu „Schools of Education“, also Fakultäten zur Lehrerausbildung. Märks Aussagen passen angesichts all dessen gar nicht in die politische Strategie der Ministerin.

Dass Elmar Märk zudem der Bruder von Uni-Innsbruck-Rektor Tilmann Märk ist, könnte ein Detail am Rande sein. Es ist aber mehr als das. Tilmann Märk ist nicht nur ein Vertrauter von Karlheinz Töchterle, sondern auch ein vehementer Verfechter der Idee, dass die Lehrer ausschließlich an den Unis ausgebildet werden. Dass in diesem Fall Blut dicker als Wasser sein könnte, war im Vorfeld nicht nur Schmied ein Dorn im Auge.

Eine Einigung in Sachen Lehrerbildung ist einmal mehr in weite Ferne gerückt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.07.2012)

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