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ÖAW: "Aggressive Abwertung der Geisteswissenschaften"

27.07.2012 | 12:39 |   (DiePresse.com)

Die Plattform "Rettet die Akademie der Wissenschaften" kritisiert im Rahmen der Strukturreformen an der ÖAW eine Benachteiligung der Geisteswissenschaften.

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Eine "zunehmend aggressivere Abwertung der Geisteswissenschaften" ortet die Plattform "Rettet die Akademie der Wissenschaften (ÖAW)" an der Forschungseinrichtung. Bei der Diskussion über Strukturreformen an der ÖAW werde gelegentlich der "Eindruck vermittelt, als würden die Geisteswissenschaftler einer modernen Organisation und damit dem Fortschritt der Wissenschaften im Wege stehen", hieß es in einer Aussendung. "Doch natur- und geisteswissenschaftliche Forschungen ergänzen einander und sind für gesellschaftliche Entwicklung unerlässlich."

Plattform-Sprecherin Monika Mokre ortete gegenüber der APA in der ÖAW-internen Diskussion die Tendenz, kleinere Einrichtungen wie eben die geisteswissenschaftlichen Institute in Frage zu stellen: "Das läuft unter dem Stichwort 'kritische Größe'." Gleichzeitig würden in der öffentlichen Debatte naturwissenschaftliche Institute wie das Institute of Science and Technology (IST) Austria positiv herausgestellt und finanziell gefördert, "während die Leistungen der Geisteswissenschaften heruntergemacht werden". Finanzielle Einschnitte in den Geisteswissenschaften würden aufgrund deren geringer Größe "eine Einrichtung schnell killen".

Wenn im Ausland von der österreichischen Forschung die Rede sei, denke man insbesondere "an die vielen kleinen geisteswissenschaftlichen Fächer", betonte die Plattform. Deren hohe internationale Reputation an der ÖAW sei nicht zuletzt an den zahlreichen Protestbriefen ablesbar, die Wissenschafter aus aller Welt Ende letzten Jahres verfassten hätten, um ihrer Empörung über den damals drohenden massiven Personalabbau Ausdruck zu verleihen. Die hohe Leistungsfähigkeit der österreichischen Geisteswissenschaften wäre auch daran erkennbar, "dass internationale wissenschaftliche Top-Journals in Österreich fast ausschließlich im Bereich der Geisteswissenschaften herausgegeben werden".

Löwenanteil für Naturwissenschaften

Naturwissenschaftliche Forschung werde im außeruniversitären Bereich in Österreich seit Jahren massiv gefördert, hieß es unter Verweis auf IST Austria und Austrian Institute of Technology (AIT). "Auch an der ÖAW ist der Ausbau der naturwissenschaftlichen Forschungseinrichtungen keineswegs durch die Geisteswissenschaftler behindert worden, denn die Naturwissenschaftler erhalten den Löwenanteil des Budgets". Laut Wissensbilanz fließen 55 Mio. Euro aus dem ÖAW-Grundbudget in Forschungsträgereinrichtungen der Mathematik, Natur- und Technikwissenschaften (MNT) und 16,6 Mio. in jene der Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften (GSK). Die MNT verfügen über 860 Mitarbeiter, die GSK über 443 (jeweils Vollzeitäquivalente).

Im außeruniversitären Bereich werde in Österreich außer an der ÖAW nur noch in der Ludwig-Boltzmann-Gesellschaft geisteswissenschaftliche Grundlagenforschung in nennenswertem Ausmaß betrieben, hieß es weiter. Aber weder Boltzmann-Institute noch die Unis seien in der Lage, "die in den Geisteswissenschaften so wichtigen Langzeitprojekte im notwendigen Umfang durchzuführen". Die ÖAW wären daher "der letzte verbliebene Forschungsträger Österreichs, an dem solche Projekte noch in international konkurrenzfähiger Weise betrieben werden können". Deswegen müsse die geisteswissenschaftliche Forschung an der ÖAW zumindest im bestehenden Umfang fortgeführt werden, wobei ein Ausbau "wünschenswert wäre, um den langfristigen Erhalt eines geisteswissenschaftlichen Leuchtturms in Österreich zu sichern".

(APA)

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10 Kommentare

Zur Geisteswissenschaft und Kunst

Umso aufgeklärter eine Gesellschaft ist, umso höher bewertet sie ein möglichst vielseitiges Bildungs- und Forschungsprogramm, das nicht nur die reine Nützlichkeit einer Idee, sondern auch ihr ästhetisches, kulturelles und gesellschaftliches Potential berücksichtigt.

Vielleicht hat jemand Lust, einen Blogeintrag zum Thema zu lesen:
http://nachtliteratur.wordpress.com/2011/10/1... und-kunst/

Re: Zur Geisteswissenschaft und Kunst

Da ging der Link verloren, deshalb hier nochmal:
http://nachtliteratur.wordpress.com/2011/10/11/zur-geisteswissenschaft-und-kunst/

Raus mit den Geisteswissenschaften

Die Geisteswissenschaften sind auch keine universitäre Disziplin mehr, seit dem der politisch-korrekte Genderschwachsinn das Ruder übernommen hat. Als Diplomand eines geisteswissenschaftlichen Studiums musste ich mir im letzten Jahr im Privatissimum Referate anhören, die für jeden denkenden Menschen eine Beleidigung sind. Da werden zwei Ehepaare untersucht und das Ergebnis ist natürlich, dass der Mann die Frau behindere. Die Literaturauswahl wird so vorgenommen, dass nur das Leid der Frauen im Zentrum steht (O-Ton: „Bücher, die auch zeigen, dass es Männer schwer hatten, habe ich ausgeblendet“). Worte wie antiheteronormativ fallen dort wirklich, Sprech-, Denkverbote, was man sagen darf und was nicht, die Studienrichtungsvertretungen laden zum Plenum, bei dem jeder Willkommen ist, der so denkt wie sie. (kein Scherz) Das Traurige aber ist, dass diese Abgänger mehr wert sein sollen, als Menschen, die wissen wie man Autos repariert, Schweißen können oder Buche von Fichtenholz zu unterscheiden.
Frau Irmagard Egger von der Germanistik Wien hat es sehr schön gesagt: „Die Universität ist der Heterotopos im Sinne Foucaults, sie hat mit der Gesellschaft nichts mehr zu tun.“ Dass die Gesellschaft die Universitäten finanzieren, hat die gute Frau leider übersehen. Die Geisteswissenschaften sind überflüssig, dort arbeiten sich nur kleine Mädchen ihre Probleme ab.

Re: Raus mit den Geisteswissenschaften

Ich widerspreche - genau dieser Niedergang der Geisteswissenschaften ist das Spiegelbild der Gesellschaft . Gendertum und Maulkorb. Dort sollte es eigentlich anders sein. Aber - entweder gibt es keine Intellektuellen mehr, oder sie machen alle Dauerurlaub auf Fidji, oder sie werden/sind nicht mehr gefragt.
Als ich aufwuchs war unsere Gesellschaft durchzogen mit den Meinungen von Denkern und Nachdenkern. Heute haben wir Damen mit Bart. So schauts aus.

Re: Re: Raus mit den Geisteswissenschaften

Es ist das Spiegelbild einer sehr kleinen Gruppe der Gesellschaft, überspitzt formuliert "Falter/Standard/Presse"-Leser, die sich für die Elite halten und wie in den 30igern eine Art neuen Mensch für eine bessere Zukunft gestalten wollen. und der Pöbel, der ja immer schon dumm war, übernimmt nun das lächerliche Verhalten der Elite. Ich halte diesen kulturellen Autorassismus (in der Politik durch die Grünen vertreten) viel schlimmer als den natürlichen Rassismus.

Antworten Gast: b dcb cv
28.07.2012 00:58
0 1

Re: Raus mit den Geisteswissenschaften

Sie scheinen wirklich aus der Unterschicht zu stammen

Re: Re: Raus mit den Geisteswissenschaften

Ja, bin ich - ist das ein Problem für Sie?

Soll ich Ihnen helfen weitere argumentum ad hominem zu finden?

Also Unterschichtler = dumm, fett, häßlich ohne die Hilfe Linker nicht überlebensfähig...

Re: Re: Raus mit den Geisteswissenschaften

Ja, bin ich - ist das ein Problem für Sie?

Soll ich Ihnen helfen weitere argumentum ad hominem zu finden?

Also Unterschichtler = dumm, fett, häßlich ohne die Hilfe Linker nicht überlebensfähig...

Gast: Hans Peter Hye
27.07.2012 14:56
4 0

Distanzierung

Als geisteswissenschaftlicher Mitarbeiter der ÖAW diestanziere ich mich auf das Entschiedenste von den Behauptungen der "Plattform"! Solche Ausführungen scheinen mir nicht geeignet, das Ansehen der ÖAW zu steigern, sie tragen ganz im Gegenteil zu einer Entsolidarisierung bei.

Gast: dr. psych
27.07.2012 14:45
4 0

hm

... typischer fall eines hitzebedingten leicht paranoiden anfalls - soll vorkommen und geht zumeist auch wieder rasch vorbei ...

Schlagzeilen Bildung