Wien/Apa. Die Akademie der Wissenschaften (ÖAW) kommt nicht zur Ruhe. Nach den Austritten der renommierten Wissenschaftler Renée Schröder und Gunther Tichy schlägt die Plattform „Rettet die ÖAW“ erneut Alarm: Sie ortet eine „zunehmend aggressivere Abwertung der Geisteswissenschaften“ an der Forschungseinrichtung.
Bei der Diskussion über Strukturreformen an der ÖAW werde gelegentlich der „Eindruck vermittelt, als würden die Geisteswissenschaftler einer modernen Organisation und damit dem Fortschritt der Wissenschaften im Wege stehen“, heißt es in einer Aussendung der Plattform. „Doch natur- und geisteswissenschaftliche Forschungen ergänzen einander und sind für gesellschaftliche Entwicklung unerlässlich.“
Auch wenn im Ausland die Rede von österreichischer Forschung sei, denke man insbesondere „an die vielen kleinen geisteswissenschaftlichen Fächer“, so die Plattform. Die Leistungsfähigkeit der österreichischen Geisteswissenschaften sei auch daran erkennbar, „dass internationale wissenschaftliche Topjournals in Österreich fast ausschließlich im Bereich der Geisteswissenschaften herausgegeben werden“.
Finanzielle Einschnitte „killen“
„An der Akademie ist der Ausbau der naturwissenschaftlichen Forschungseinrichtungen keineswegs durch die Geisteswissenschaftler behindert worden. Die Naturwissenschaften erhalten den Löwenanteil des Budgets“, kritisiert die Plattform.
Laut Wissensbilanz fließen 55 Millionen Euro aus dem Grundbudget der ÖAW in Forschungsträgereinrichtungen der Mathematik, Natur- und Technikwissenschaften und 16,6 Millionen Euro in jene der Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften. Erstere verfügen über 860 Mitarbeiter, Letztere über 443 Mitarbeiter. Finanzielle Einschnitte in den Geisteswissenschaften würden (aufgrund deren geringer Größe) „Einrichtungen schnell killen“, so Monika Mokre, Sprecherin der Plattform.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.07.2012)
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