Erstmals schaffen mehr Frauen Medizin-Eignungstest

Die umstrittene genderspezifische Auswertung zeigt Wirkung: 56 Prozent der Medizin-Studienplätze in Wien gehen an Frauen.

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(c) APA (Barbara Gindl)

Wien/Beba. Erstmals sind beim Eignungstest für das Medizinstudium in Wien heuer mehr Frauen als Männer zugelassen worden. 56 Prozent der begehrten 740 Studienplätze gehen an Bewerberinnen. Der Frauenanteil bei der Platzvergabe entspricht damit in etwa jenem beim Test – eine Premiere. Seit der Einführung des Tests vor sechs Jahren waren jedesmal mehr Frauen angetreten, zugelassen wurden aber stets mehr Männer.

Unter gescheiterten, männlichen Bewerbern könnte das diesjährige Ergebnis für böses Blut sorgen. Denn das bessere Abschneiden der Bewerberinnen dürfte weniger an den Leistungen liegen als an der neuen, genderspezifischen Auswertung, die die Med-Uni Wien (als einzige Medizin-Uni) durchgeführt hat. Für Frauen und Männer wurde jeweils getrennt ein Mittelwert errechnet und die Ergebnisse angepasst – profitiert haben die Frauen. Konkrete Zahlen stellte die Med-Uni nicht zur Verfügung, nur so viel: „Es gibt heuer keine Gender-Gap. Wir gehen davon aus, dass das auf dieses Verfahren zurückzuführen ist.“ Gegenüber bereits im Vorfeld geäußerter Kritik (inklusive einem Rechtsgutachten im Auftrag der Studentenvertreter) kontert die Uni: Ziel sei nicht gewesen, einer bestimmten Gruppe zu Vorteilen zu verhelfen, sondern ein faires Verfahren zu schaffen.

An der Med-Uni Innsbruck, an der derselbe Test verwendet wird, wurden die Ergebnisse beider Geschlechter auch heuer gemeinsam ausgewertet. Die Bilanz: 58% der Kandidaten waren Frauen, an sie gingen nur 47% der 399 Studienplätze. In Graz (364 Plätze) ist der Test ein anderer, auch dort waren die Frauen aber weniger erfolgreich.

Ab kommendem Jahr soll diese Problematik ausgeräumt sein: Die drei Med-Unis sind dabei, einen neuen, gemeinsamen Test zu erarbeiten – „fair“ gegenüber allen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.08.2012)

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