Wien. Den ÖH-Kindergarten gibt es nicht mehr. Zumindest vorerst und in der bisherigen Form. Zwar werden die 67 Kindergarten- und Hortkinder am Unicampus Altes AKH wie bisher betreut. Aber der Betreiber, der „Verein StudentInnenkinder“, hat die Kooperation mit der Hochschülerschaft mit sofortiger Wirkung gekündigt, sagt Michael Wissgott vom Verein. In sechs Wochen wäre die Kooperation ohnehin ausgelaufen, die ÖH hatte ihrerseits den Vertrag bereits gekündigt. „Den ÖH-Kindergarten gibt es damit nicht mehr“, sagt Wissgott.
Der Streit eskaliert, statt Studenten sitzen nun Anwälte am Verhandlungstisch. Seit Jahresbeginn schwelt der Konflikt zwischen der ÖH und dem Verein über die Vergabe der Kindergarten- und Hortplätze. Die ÖH wirft dem Verein vor, er betreibe keinen Studentenkindergarten mehr, vielmehr würden führende Vereinsmitglieder, die das Studentenalter längst hinter sich haben, Plätze an nicht-studierende Bekannte vergeben. Auch im Rektorat der Uni Wien spricht man von einem „Funktionärskindergarten“, der sich vom Gedanken, bedürftige Studenten zu unterstützen, entfernt habe. Der Streit hat zwischenzeitlich absurde Züge angenommen: Mobbing, manipulative Falschinformation, gar Stalking warf man einander vor. Eine Mediation brachte keinen Erfolg.
Zuletzt haben auch Uni und Bezirk zu vermitteln versucht: Martina Malyar, Bezirksvorsteherin am Alsergrund, schlägt ein einjähriges Moratorium vor. In dieser Zeit solle der Verein die Einrichtung weiterbetreiben und einen neuen Standort suchen. Die ÖH hätte dann Zeit, einen neuen Träger zu finden. Bisher verlief die Suche der ÖH nach einem Partner, der im Herbst einsteigt, ohne Erfolg.
Machtkampf statt sachlicher Streit
Die ÖH gibt dazu aktuell nur äußerst dürftige Statements ab: Man habe angeboten, die Kooperation um ein Jahr zu verlängern, das stehe weiterhin. Der Verein lehnt das ab, man wolle sich nicht verpflichten, das Areal mit 31. Juli 2013 zu räumen. „Wir gehen mittelfristig raus, aber das Überleben muss gesichert sein“, sagt Wissgott. Bis ein neuer Kindergarten an einem anderen Ort eröffnet werden könne, dauere es möglicherweise Jahre. Der Verein will den Streit offenbar aussitzen: „Drei Jahre lang sind wir fix dort“, sagt Wissgott. So lange, meint er, dauere ein drohendes Rechtsverfahren. Schließlich fürchtet der Verein eine Klage der Uni, damit habe das Rektorat gedroht.
Klage? Im Rektorat winkt man ab. Man hole bloß Rechtsmeinungen ein. Schließlich wurde vor Jahrzehnten ein Vertrag zwischen der Uni als Eigentümerin des Gebäudes und der ÖH unterzeichnet, demzufolge die ÖH an dem Ort Kinder betreuen lassen sollte. Die Hochschülerschaft wiederum hatte einen Vertrag mit dem Trägerverein – der gekündigt wurde.
Heute spricht man im Rektorat von einem „großzügigen Angebot der ÖH“, auch im Bezirk plädiert man für diese Übergangslösung. Die Bezirksvorsteherin spricht von „Streithansln“, die sie zu beruhigen versuche. Sie unterstütze den Verein bei der Suche nach einem neuen Standort. „Der Verein und die ÖH werden sich trennen, da sind sich alle einig“, sagt Malyar und hofft auf eine Lösung bis Herbst. Um sachliche Gründe, so gibt sich selbst Wissgott vom Betreiberverein selbstkritisch, gehe es in dem Konflikt aber längst nicht mehr.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.08.2012)
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