Anfang Juli wurde in der Steiermark noch geprobt. 38 Katastrophenmanagement-Experten aus über 20 Ländern übten in einer sechstägigen Ausbildung Errichtung und Betrieb von Schaltzentralen für die Koordination von Hilfseinsätzen. Hilfseinsätze, wie sie im Laufe des Julis in der Steiermark vom Probe- zum Ernstfall wurden.
Ob sich Naturkatastrophen wie jene in der Steiermark als Folge des Klimawandels häufen werden, ist unter Wissenschaftlern ein strittiges Thema. Unumstritten ist, dass selbst ohne Klimawandel die Schäden durch Wetterereignisse größer werden. „Es wird mehr an Infrastruktur gebaut und das teilweise in Bereichen, die gefährdet sind und früher gemieden wurden“, erklärt Johannes Hübl, Leiter des Instituts für Alpine Naturgefahren an der Universität für Bodenkultur in Wien. Dort sind Schutzmaßnahmen durch technische, ingenieurbiologische oder raumplanerische Maßnahmen gefragt – und entsprechend ausgebildete Fachleute.
Technik, Ökologie und Recht vereint
„Im Masterprogramm Alpine Naturgefahren/Wildbach- und Lawinenverbauung erwerben die Studierenden Kenntnisse und Fähigkeiten für einen verantwortungsvollen Umgang mit den Gefährdungen im alpinen Raum“, erläutert Studiengangsverantwortlicher Hübl. Wer die formalen Voraussetzungen erfüllt (Bachelorabschluss in Forstwirtschaft, Kulturtechnik und Wasserwirtschaft oder in einem verwandten naturwissenschaftlichen oder technischen Fach), widmet sich vier Semester lang der Vorbeugung von Naturgefahren, der Risikovorsorge und Katastrophenbewältigung. Diese Grundthemen werden mittels technischer, forstlicher sowie ökologischer und rechtlicher Inhalte vernetzt. Die Ausbildung kann auch berufsbegleitend absolviert werden – vorausgesetzt, die Teilnahme an den oft mehrtägigen Exkursionen ist mit dem bestehenden Job vereinbar. „Zurzeit sind unsere Absolventen sehr gefragt. Schließlich ist es das einzige reguläre Masterstudium im deutschsprachigen Raum, das Lehrveranstaltungen zu den Themen Naturgefahrenprozesse, Prävention und Risikomanagement zum Schutz vor alpinen Naturgefahren anbietet. Möglich seien Tätigkeiten im öffentlichen Sektor, zum Beispiel beim Forsttechnischen Dienst für Wildbach- und Lawinenverbauung, in Landesregierungen, Ministerien sowie in der öffentlichen Verwaltung. Als Dienstgeber kommen auch Infrastrukturträger wie etwa die ÖBB oder Ingenieur- und Planungsbüros in Frage. Weiters bietet sich eine selbstständige Arbeit als freiberuflicher Ingenieurkonsulent oder Sachverständiger an. Beschäftigungsperspektiven ergeben sich zudem im Bereich Forschung und Entwicklung.
Uni-Lehrgang 2013 geplant
Dem Thema „Schutztechnik im alpinen Raum“ wird sich – voraussichtlich ab dem Wintersemester 2013 – auch ein Universitätslehrgang (zwei Semester, berufsbegleitend, Abschluss als Akademischer Experte) an der Universität Innsbruck widmen. Für die Zielgruppe der Ingenieure – Voraussetzung ist unter anderem ein Studienabschluss in Bauingenieurwesen, Ingenieurgeologie, Umweltingenieurwesen oder Kulturtechnik (Boku) – stehen Lehrveranstaltungen zu den Gebieten Wildbach, Lawine, Rutschung, Steinschlag und Erosion auf dem Programm. Weiters werden Modellierung und Simulation von Gefahrenprozessen vermittelt und die statische und funktionelle Planung technischer Maßnahmen gelehrt. „Der Universitätslehrgang qualifiziert für die Planung und Ausführung von Schutzmaßnahmen gegen Naturgefahren im alpinen Raum. Die Studierenden erlernen die rechtlichen, logistischen und kommunikationstechnischen Fertigkeiten, um Risikomanagementkonzepte zu erarbeiten und umzusetzen“, erläutert Lehrgangsleiter Markus Aufleger.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.08.2012)
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