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Med-Unis: Der "manische Ausritt" des Richard S.

12.08.2012 | 18:32 |  CHRISTOPH SCHWARZ (Die Presse)

Der Jurist Richard Soyer attackiert in einem Rundumschlag die Med-Unis und zeichnet ein Bild von übler Freunderlwirtschaft und Missmanagement.

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Wenn es sein Ziel war aufzurütteln, kann er es getrost als erreicht bezeichnen. In einer scharfen Polemik hat Richard Soyer am Freitag in einem ganzseitigen Beitrag im Wochenmagazin „Format“ die Akteure der österreichischen Med-Unis frontal angegriffen. Pauschal, undifferenziert beleidigend – und ohne eine einzige seiner Aussagen auch nur dem Versuch einer sachlichen Untermauerung zu unterziehen.

Man könnte den Text also ignorieren. Sollte man aber nicht. Weil er ein so klares Bild der Selbstzerstörungstendenzen bietet, die die Medizin-Unis seit ihrer Ausgliederung im Jahr 2004 begleiten. Weil er von einem Mann geschrieben ist, der als Uni-Rat vier Jahre lang ein Systems kennenlernen konnte, in dem Messer üblicherweise nicht in die Brust, sondern nur in den Rücken gerammt werden. Und weil einen beim Lesen das Gefühl beschleicht, dass Soyer, der als Verteidiger von Dietrich Birnbacher derzeit in den Medien ist, bei aller Provokation so falsch nicht liegt.

Genau diese Faktoren sind es auch, die die Scientific Community sensibel reagieren lassen. Immerhin wirft Soyer den Med-Unis – für ihn eine „Spielwiese“ für Miss- und Freunderlwirtschaft – vor, bestens vorzuführen, „wie autonome Universitätspolitik und Hochschulmanagement tunlichst nicht zu erfolgen haben“. Die Uni-Räte wiederum sind für ihn „freundliche Honoratioren“ und befreundete/verfeindete Stakeholder anderer Unis, denen „Schulterklopfen und Herumwursteln“ mehr liege als „Compliance“. Auch die Führungsqualität der Uni-Leitungen halte sich „in bescheidenen Grenzen“. Unrechtsbewusstsein scheine für „viele ein Fremdwort“. Denn: „Mit der Angst vor Krankheit [...] lässt sich das Klavier der Begehrlichkeiten gut bespielen und der Klingelbeutel der Med-Unis [...] übermäßig füllen.“

 

Ein Schlag ins Gesicht für Lochs

Die Reaktion der Unis folgt auf den Fuß. Groß ist die Empörung an der Med-Uni Innsbruck, an der Soyer von 2008 bis Februar 2012 im Uni-Rat saß – bevor er offenbar im Bösen schied. Rektor Herbert Lochs, der Soyer „als hochintelligenten, rechtskundigen“ Mann „geschätzt“ habe, übt Kritik an den „Vorwürfen, die hier ohne jegliche sachliche Beweise“ vorgebracht werden. „Es dürfte sich um eine bloße Meinung ohne Recherche handeln.“

Lochs treffen die Anwürfe hart: Immerhin hat ihn Soyer als Mitglied des Uni-Rats mit ins Amt gehoben und seinen Vertrag verhandelt. Von Soyer nun zu lesen, dass es der Uni-Leitung an „unternehmerischer Befähigung“ mangle, ist ein Schlag ins Gesicht. Lochs verteidigt sich: „Überall leiten Wissenschaftler Universitäten. Wir brauchen Fachexperten, die über Managementfähigkeiten verfügen.“ Und dies sei in Innsbruck – Lochs verweist auf die bisherige Vizerektorin und Finanzexpertin Gabriele Döller – der Fall. Für die Uni kommt der Text zur Unzeit: Sie kämpft gegen die Fusion mit der Uni Innsbruck.

Auch an der Med-Uni Graz, die stets um ihr Saubermann-Image bemüht ist, ist man empört. An der Med-Uni Wien will man offiziell nichts sagen. Hinter den Kulissen ist aber auch der Ärger über den Standort Innsbruck groß, der immer wieder das Image beschädigt.

Tatsächlich bietet Soyers Wirken an der dortigen Medizin-Uni Anlass zu Spekulationen über seine Beweggründe für den Gastkommentar: Er kam 2008 in den Uni-Rat – und zwar als jenes einziges Mitglied, das der Rat selbst wählt. Die restlichen Mitglieder werden je zur Hälfte von Senat und Ministerium bestimmt. Mit der Vorsitzenden des Rates – der an der Uni Wien tätigen Psychiaterin Gabriele Fischer – soll Soyer liiert (gewesen) sein. Fischer will sich auf „Presse“-Anfrage nicht äußern.

Im Februar kam der Bruch mit der Uni. Soyer, für „scharfe Worte“ bekannt, legte das Mandat vorzeitig zurück, aus persönlichen Gründen. Er soll, heißt es, angesichts der Probleme, in denen die Uni steckt, Angst um seinen Ruf gehabt haben. Der Rechtsstreit mit Margarethe Hochleitner, die nach der (verlorenen) Rektorswahl wegen Diskriminierung klagte, habe ihn zermürbt.

So manch anderer wiederum sieht den Text schlicht als „manischen Ausritt“ gegen ein System, dem Soyer nicht mehr angehört. Andere werfen ihm „Größenfantasien“ im Zusammenhang mit der Causa Birnbacher vor. Und dann wäre da noch der Vorwurf, Soyer wolle die Chancen der Uni Linz, an der er einen Lehrauftrag hat, auf eine Medizinfakultät steigern, indem er andere „schlechtmacht“. Soyer war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Klar dürfte eines sein: Sollte es Soyer gelingen, seine Vorwürfe mit Fakten zu belegen, ist es wieder einmal um den Ruf der Medizin-Unis geschehen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.08.2012)

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27 Kommentare
 
12
Gast: gast919191
26.08.2012 19:39
0 0

Warum wird "manischer ausritt" -- eine aussage von offensichtlcih betroffenen - in den titel übernommen?

Ist dies die linie der "neuen Presse", die kritische aussagen und aufzeiger so abzuwerten versucht? oder auch ein freundschaftsdienst?

Gast: DerZuschauer
14.08.2012 13:00
6 0

Der manische Ausritt ist keiner,

sondern er gibt unter "Meinung" die Sichtweise eines erfahrenen (ehemaligen) Mitgliedes des Innsbrucker Medizin-Unirats wieder. Und wer einmal bei Sitzungen der Leitungen der Innsbrucker Unis (auch der Mutter-UNI) dabei gewesen ist, weiß genau, das Soyer aber schon so etwas von recht hat! Unorganisierte "Blabla"- Sitzungen von unvorbereiteten meistens zu spät kommenden großteils pensionsreifen inkompetenten Rektoratsmitgliedern, keine Tagesordnungen, keine Protokolle, meistens im Hinterzimmern ausgehandelte (oder besser: intrigierte) Pseudo-Beschlüsse, die oft nicht das Paper wert sind, weil sie nach zwei Tagen wieder gekippt werden. Wenn ein Abteilungsleiter in der internationalen Privatwirtschaft (ganz zu schweigen von Geschäftsführern) mit einer solchen sozialen und fachlichen Inkompetenz wie manche Mitglieder von Uni-Rektoraten auftritt, überlebt der/die kein einziges Meeting. Aber Hauptsache, im Dienstvertrag steht ein Jahresbrutto > 200.000 € plus Leistungsboni in der Höhe von Jahresgehältern von wissenschaftlichen Mitarbeitern.

Antworten Gast: Weiterer Zuschauer
14.08.2012 18:27
4 0

Re: Der manische Ausritt ist keiner,

Sehr richtig! Und auch der Universitätsrat an der Mutter-Uni IBK wäre zu hinterfragen. Da sitzt ein ehemaliger Rektor der Uni (Smekal) drin, der jahrzehntelang die Geschicke der Uni gelenkt hat. Und der Vorsitzende (Rainer) ist Professor in Salzburg (da haben wir dann dasselbe "Problem" wie an der MedUni!).
Der jetzige Rektor Märk war Vizerektor unter den zwei vorherigen Rektoren, ist also schon über ein Jahrzehnt im Amt.
Bei der letzten Nachbesetzung hat es praktisch keine ernst zu nehmenden Kanidaturen von außen gegeben.

Das Unisystem bedarf einer Totalreform!

und was bringts in österreich?

der hier wird nun als manisch beschimpft, andere ärzte, die sogar den freitod gewählt haben, um auf krasse missstände aufmerksam zu machen sind quasi umsonst gestorben. der sumpf lebt weiter...

Gast: ex arbeiter der meduni wien
14.08.2012 09:55
4 0

hat ja so recht

als arzt der 12 jahr am akh wien zugebracht hat, kann ich hr. soyer nur recht geben. macht und missbrauch der selben haben mit dem UOG 2002 einen massiven schub erhalten. die med uni wien ist ein spielwiese für selbstdarsteller und freunderlwirtschaft.
z.b. ein kinderzentrum das noch immer nicht im vollbetrieb läuft. geld für bauten und prestigeprojekte ist immer vorhanden, das personal nur ein kostenfaktor mit sittenwiedrig niederem einkommen (ausgenommen gewisse fächer und vorstände mit extremen sonderklassebezügen)
leiden tun die patienten (seit jahren), zugeben wird das an der meduni wien niemand

MfG

Re: hat ja so recht

der größte Sumpf ist in Wien, die wählen sich selbst!

Gast: GerneGast
14.08.2012 08:49
3 0

Zusammenführung der Unis?

Ja, aber zuvor bitte Totalreform des österreichischen Unisystems. Ansonsten ist das Ganze nur eine Postenumverteilung.

Was viele noch nicht verstanden haben (auch an den Haupt-Unis): Autonomie bedeutet nicht, dass Funktionsträger tun und lassen können, was sie wollen!

Gast: niemand 1
14.08.2012 01:51
1 0

aha

es kann jemand nur etwas strategisch sagen, seine erlebnisse koennen nicht gesagt werden, wenn die medizin so ist, dann gute nacht westen...

Gast: L204234
13.08.2012 17:06
3 1

Die Gründung der Med-Unis

war die größte wissenschaftspolitische Mißgeburt aller Zeiten. Aber dass der Soyer das mal zugibt - das hätte ich mir nie gedacht ...

Antworten Gast: Sagstreffender
14.08.2012 08:46
5 0

Eigentliches Problem: UG 2002

Die eigentliche Missgeburt ist das UG 2002 - und deshalb haben wir an den MedUnis genau die gleichen Probleme wie an den Hauptunis:

Freunderlwirtschaft, zahlreiche lukrative Pöstchen, auf denen alles zerredet wird, nur die eigentlichen Probleme werden nicht angegangen, Leistung zählt nicht, schulterklopfende Gremien-Fuzzis werden es sich und ihren Getreuen schon richten.

Antworten Gast: Sagstreffender
14.08.2012 08:46
0 0

Eigentliches Problem: UG 2002

Die eigentliche Missgeburt ist das UG 2002 - und deshalb haben wir an den MedUnis genau die gleichen Probleme wie an den Hauptunis:

Freunderlwirtschaft, zahlreiche lukrative Pöstchen, auf denen alles zerredet wird, nur die eigentlichen Probleme werden nicht angegangen, Leistung zählt nicht, schulterklopfende Gremien-Fuzzis werden es sich und ihren Getreuen schon richten.

Gast: Honoratio
13.08.2012 11:23
6 0

Freunderlwirtschaft

Die Hauptunis sind um keinen Deut besser. Das ist nun einmal das System A. Man kann sagen: Endlich spricht mal einer Klartext. Helfen wird es aber nicht.

Antworten Gast: Ranzl Kranz
13.08.2012 17:53
2 2

Hier ist es das

System Schütz. Und der kämpft verbissen für sein Lebenswerk und gegen jede Reform.

Thinking outside the box...

Der Test ist doch lt. Namen genderbezogen oder etwa nicht?

In Zukunft können doch einfach alle Männer in Bluse und Rock zum Eignungstest antreten und verkünden, dass die Hausarbeit ihre liebste Beschäftigung ist. Dann MÜSSTE der Durchschnitt der Frauen und der damit einhergehende Punktebonus zum Tragen kommen, die Anforderung für das "Gender Frau" sind damit nämlich erfüllt.

Per Definition hat Gender nichts mit dem Geschlecht zu tun sondern bezeichnet lediglich ein gesellschaftliches Rollenbild (Definition lt. Wikipedia: "Der Begriff Gender bezeichnet zum einen die soziale Geschlechterrolle beziehungsweise die sozialen Geschlechtsmerkmale. Es bezeichnet also alles, was in einer Kultur als typisch für ein bestimmtes Geschlecht angesehen wird (zum Beispiel Kleidung, Beruf und so weiter); es verweist nicht unmittelbar auf die körperlichen Geschlechtsmerkmale.")

Wer trotzdem zu den Männern gezählt wird kann davon ausgehen, dass bei der Auswertung des Tests lediglich der Name entscheidend ist und die Universität zumindest wegen des Tatbestandes der böswilligen Irreführung verklagen.

Damit reitet man die Unis in eine hässliche Zwickmühle: Entweder wird der Test ab sofort "geschlechtsspezifisch" heißen und damit offen die Diskriminierung die damit einhergeht eingeräumt oder es hagelt Klagen.

Werdet doch einfach ein bisschen kreativ, wenn ihr euch ungerecht behandelt fühl! Man muss nicht einfach alles schlucken, was einem wahnsinnige Emanzen hinwerfen!!

Re: Thinking outside the box...

Falscher Beitrag...
Bitte um Entschuldigung allerseits!

Gast: jutir
13.08.2012 08:47
1 0

Unser vielgeliebtes Korruptreich ist also auch Heimat inkompetenter FreunderlInnen

Wer hätte das gedacht!

Der einzige Trost, dass all diese im Alter zur Strafe Staatspensionäre werden und nur mehr fünfmal so viel bekommen im Vergleich zur ASVG-HöchstPension

Ja, Strafe muss sein!

Antworten Gast: niemand 1
14.08.2012 01:53
0 0

Re: Unser vielgeliebtes Korruptreich ist also auch Heimat inkompetenter FreunderlInnen

und sich privatpflegen lassen und ueber ihre opfer lachen... muss die zusatzpension streichen und an den durchschnitt anpassen... dso wie der staat es bei den opfern macht (da ist es verboten)...

3 0

das problem fängt woanders an. zu viele erlauchten persönlichkeiten. zu viele titeln. zu viele "traditionen". zu viele "tdschefs" und zu wenige indianern. es gibt nichts abgehobeneres und eingebildeteres auf dieser welt als ein mediziner made in austria. selten so viel dummheit und ignoranz erlebt, so viel arroganz und inkompetenz!!!


Danke an die Presse

Gut, dass wenigstens eine Zeitung diesem offenbar letzten anständigen Menschen den Rücken mit diesem Artikel stärkt. Diese österreichische Unkultur, krampfhaft die Möglichkeit des Guten im Meer des Bösen zu suchen um sich mitten im Morast gegen Kritik immun zu machen, erinnert an griechische, ägyptische oder pakistanische Zustände.
An der Linzer Uni hält man übrigens auch nichts davon, die eigenen Statuten zu befolgen. Der Vizerektor hält sich dort für einen feudalen Landesfürsten. Da bräuchte es mehrere Soyers.

Gast: antoniusvonpadua
13.08.2012 07:50
1 0

System Österreich

Richtigstellung bzw. Ergänzung: Soyer ist mit der Vorsitzenden des Unirates Gabriele Fischer verheiratet - wenn mich nicht alles täuscht zumindest seit 2011.
Wenn er sich wegen der Freunderlwirtschaft aufregt, soll er doch bitte vor seiner eigenen Tür kehren. Aber scheinbar findet er es völlig in Ordnung, wenn er mit seiner Ehefrau in einem Aufsichtsgremium sitzt, wo die Vorsitzende (=seine Ehefrau) aufgrund ihrer Position und ihres Berufs zumindest ein Renommeeprofit haben dürfte. Ob die geschilderten Vorgänge für dem Renommee der Mitglieder des Unirats der MUni Ibk, einschließlich des Duos Fischer-Soyer, tatsächlich zuträglich sind, bleibt zu bezweifeln.
Aber irgendwie alles doch typisch österreichisch.

Gast: ettore05
12.08.2012 23:54
3 0

..und er könnte doch recht haben...

Man muß nur einmal Studenten ( und Ex-Studenten) der Med-Uni Wien fragen, um zu wissen, wie katastrophal Zustände, Willkür und Demotivation sind. Aber so ein Umfrageergebnis würde rasch in diversen Laden der Professoren verschwinden.....

Gast: Hermann vom Gipfel
12.08.2012 23:09
4 1

Viele kennen die österreichische Korruptionskultur nicht

An den Unis wird sie gepflegt.
Prüfungen verschenkt, politische Gegner hinausgeprüft. Professoren erfreuen sich an Millionengeschenken, eine Drehscheibe der internationalen Geldwäsche.

2 0

Re: Viele kennen die österreichische Korruptionskultur nicht

Ach, passiert doch schon an den Schulen. Ich war schon vor 15 Jahren ein Verfechter der 5-Tage Woche an höheren Schulen und habe dadür gekämpft.. Mir wurde deswegen ein sechstes Jahr geschenkt - und 5 Jahre später kam sie dann doch.

wer ist das ?

also eine wirklich wichtige Person im Universitätsbereich kann er nicht sein - ich hab noch nie was von einem Herrn Soyer gehört

… und wenn sich das Ganze nicht beweisen lässt?

Was passiert dann (mit Herrn Soyer)?

Gast: b754
12.08.2012 20:22
7 0

er könnte schon recht haben


 
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Schlagzeilen Bildung