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Märk: "Fusionierte Uni Innsbruck wäre gleichauf mit Wien"

19.08.2012 | 18:24 |  BERNADETTE BAYRHAMMER (Die Presse)

Gemeinsam lägen Medizin-Uni und Uni Innsbruck beim Shanghai-Ranking auf Platz 187. Rektor Tilmann Märk im "Presse" Gespräch.

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Die Presse: Kürzlich wurde das jährliche Shanghai-Ranking veröffentlicht. Graut Ihnen als österreichischer Uni-Chef vor solchen Ranglisten?

Tilmann Märk: Von Grauen kann keine Rede sein. Wir scheuen als eine der besten österreichischen Universitäten keinen Vergleich mit anderen Unis. Rankings muss man aber natürlich immer differenziert betrachten. Die Frage bestimmt immer schon einen Teil der Antwort. Für mich ist das ähnlich wie beim Fischen: Letztlich bestimmt die Größe und die Form des Netzes, was man fängt.

 

Das Netz, das bei diesen Rankings ausgeworfen wird, ist also zu klein?

Nicht zu klein, aber man bekommt einen bestimmten Ausschnitt des Ganzen (beim Shanghai-Ranking zählen speziell Auszeichnungen von Absolventen und Personal sowie Forschungsleistung, Anm.). Trotzdem erlauben diese Rankings in meinen Augen wichtige Schlüsse. Wenn man die verschiedenen Ranglisten über die Jahre verfolgt, sieht man, dass sie grosso modo einen Überblick über die Leistungssituation vermitteln.

 

Die heimischen Universitäten schneiden hier ja bestenfalls mäßig ab.

Dem würde ich widersprechen. Das Shanghai-Ranking veröffentlicht eine Liste der Top-500 unter den weltweit 15.000 bis 20.000 Universitäten. Und unter diesen Top-Hochschulen ist die Universität Innsbruck im Mittelfeld. Wir müssen uns mit anderen Universitäten messen, die sehr viel besser finanziert sind: Deutsche bekommen zweimal so viele Mittel pro Student, Schweizer drei bis fünfmal, und die Top-Unis in den USA zehn Mal so viel. Relativ zu den Rahmenbedingungen ist unsere Platzierung also sehr gut.

 

Sie haben wiederholt gesagt, dass eine Fusion mit der Med-Uni positive Effekte auf solche Platzierungen hätte.

Das ist in der Tat so. Die Shanghai-Institution hat für uns durchgerechnet, wie die beiden Universitäten im Ranking abschneiden würden, wenn man sie zusammen betrachtet.

 

Macht das einen substanziellen Unterschied in der Rangliste?

Ja. Separat betrachtet liegt die Universität Innsbruck ja zwischen den Rängen 200 und 300, die medizinische Universität zwischen 400 und 500. Zusammen wären wir an 187. Stelle. Das wäre eine wesentliche Verbesserung.

 

Um wie viele Plätze würde eine fusionierte Innsbrucker Uni aufsteigen?

Der genaue Rang, den wir aktuell belegen, wurde uns nicht mitgeteilt. Wir wären gemeinsam aber gleichauf mit der Uni Wien, die ja auch zwischen Platz 151 und 200 liegt. Jetzt kann man natürlich fragen, was uns das nützt. Aber wir alle wissen, dass die Einschätzung von Außen durchaus eine gewisse Positionierung des Standorts bedeutet. Qualität, die sichtbar wird, zieht weitere Qualität an.

 

Es stellt sich die Frage der Umsetzung: Im Dezember haben Sie gesagt, wenn man eine Fusion will, muss man bis Jahresmitte entscheiden. Es ist August. Wann gibt es eine Entscheidung?

Ich gehe davon aus, dass wir schon für die Leistungsvereinbarungsgespräche Mitte Oktober wissen sollten, in welche Richtung es geht. Und das ist auch der dezidierte Wunsch von vielen.

 

Es macht den Anschein, als würde die Med-Uni bremsen. Uni-Rats-Chefin Gabriele Fischer hat sich kürzlich klar gegen eine Fusion ausgesprochen.

Wir sind gerade dabei, gemeinsam mit den Kollegen der medizinischen Universität alle Fakten zusammenzutragen, die man für eine Entscheidung braucht. Insofern gehe ich davon aus, dass die Medizin-Uni interessiert ist, dafür eine gute Grundlage zu erarbeiten.

 

Fischers Ansicht nach wäre ein loser Universitätenverbund sinnvoller.

Ich bin offen für alle Optionen. Für mich persönlich wäre eine Fusion aber die optimale Situation.

 

Der ehemalige Uni-Rat der Medizin-Uni, Richard Soyer, hat die Med-Unis kürzlich heftig kritisiert: Sie seien eine Spielwiese für Misswirtschaft. Sehen Sie die Med-Uni Innsbruck trotzdem als einen guten Partner an?

Ich kann mich nur auf meine eigenen Erfahrungen stützen. Bei unseren verschiedenen wissenschaftlichen Kooperationen ist die Medizin-Universität ein sehr guter Partner. Das funktioniert alles bestens.

 

Ein anderes Thema: Ihr Bruder Elmar Märk ist kürzlich von Ministerin Claudia Schmied noch vor Amtsantritt als Rektor der PH Tirol abberufen worden. Ein Bauernopfer im Streit um die Zuständigkeit für die Lehrerbildung?

Ich kann dazu nur Grundsätzliches sagen. Die Universität Innsbruck ist extrem interessiert, dass die neue PädagogInnenbildung bestmöglich aufgestellt ist. Wir haben uns sehr intensiv mit dieser Frage auseinandergesetzt, eine Potenzialanalyse verfasst und die School of Education gegründet. Es hat einen vertrauensvollen Diskurs gegeben. Aus meiner Sicht hat sich eine gute Zusammenarbeit mit der Pädagogischen Hochschule entwickelt.

Zur Person

Tilmann Märk (68) ist seit Dezember 2011 Rektor der Universität Innsbruck. Der Experimentalphysiker hatte das Amt bereits im April interimistisch vom nunmehrigen Minister Karlheinz Töchterle (ÖVP) übernommen. Die Uni Innsbruck liegt beim aktuellen Shanghai-Ranking auf den Rängen 201 bis 300, die Med-Uni auf 401 bis 500. Gemeinsam würden die beiden Universitäten laut Berechnungen auf Platz 187 landen. [APA]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.08.2012)

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10 Kommentare

"als eine der besten unis österreichs"

der tut ja so, als hätten wir hunderte davon;-)

Antworten Gast: Walter der Große
20.08.2012 14:48
2 0

Re: "als eine der besten unis österreichs"

Wie sang doch Mike Krüger in "Mein Gott, Walter": "Er rühmte sich unter den Kleinen, einer der größten zu sein."

UG2002

Als es um den Beschluss des Ug2002 ging - verbunden mit der Ausgliederung der Medizinfakultäten - waren die meisten ÖVP- nahen Politiker mit grosser Begeisterung dafür und SPÖ-nahe Politiker dagegen. Mittlerweile haben wir gelernt mit dem UG2002 zu leben, lernen seine Vorteile zu nutzen und lernen auch, dass nicht alles was dem UG2002 angelastet wird, nicht immer was damit zu tuen hat (z.B. die Kettenvertragsregelung). Die Personen, die hofften, dass das "unglückliche Experiment der universitären Demokratie" durch das UG2002 endlich sein Ende findet, mussten erkennen, dass dem nicht so ist. Somit beginnt man langsam mit dem Rückbau des UG2002 - und das was in Innsbruck angedacht wird, ist ein Teil dieses neuen "Masterplans" - und eines ist klar - was dann kommt, ist sicher nicht besser - vor allem nicht mit BM Töchterle

Antworten Gast: zellmeister
20.08.2012 11:56
1 0

Re: UG2002

Das ist zutreffend. Das UG2002 müsste in vielen Bereichen reformiert werden. Die Ausgliederung der MedUnis rückgängig zu machen, dafür besteht hingegen keine wirkliche Dringlichkeit. Nur damit die UniInnsbruck in den Ranking besser darsteht: diese Retouche ist keine Millionen wert. Besser wäre es, in qualitativ hochwertige Berufungen zu investieren. Dann wäre der zu erwartende Aufstieg in den Rankings verdient und ehrlich. Und nicht zuletzt hätte dann die Universität etwas davon.

Gast: Bettelstudent
20.08.2012 08:55
1 0

Sie wäre vielfach besser

Liegt sich doch im heiligen Land Tirol.

Gast: Gast7-1-2
19.08.2012 21:00
1 0

Argument für Fusion?

Ich habe in dem Interview mit Herrn Märk kein überzeugendes Argument gefunden, weshalb Haupt-Uni und MedUni in IBK fusionieren sollten, außer dass es die Haupt-Uni allein nicht mehr unter die ersten 200 schafft.

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Re: Argument für Fusion?

Synergie-Effekte bei Forschung und Finanzen - anzunehmen bei großer räumlicher Nähe. (Spekuliert werden darf, ob Märk darüber nicht befragt wurde, er dazu nichts geäußert hat, das Gespräch einen anderen Verlauf nahm, ob darüber nichts berichtet wurde,...)


Antworten Antworten Antworten Gast: Allesvorgeschoben
20.08.2012 11:52
2 0

Re: Re: Re: Argument für Fusion?

Dass eine Fusion zu Synergien führen würde, ist eine Mär. Die MedUni IBK hat mit der Tilak weit engere Arbeitsbeziehungen als mit der HauptUni. Eine Forschungskooperation mit einzelnen Instituten der HauptUni ist auch so ohne weiteres möglich. Die eigentliche Wissenschaftskooperation spielt sich aber mit anderen medizinischen Einrichtungen weltweit ab. Da brauchen wir keine Fusion mit der HauptUni.
Einzig das Argument der Kosteneinsparungen in der Verwaltung könnte man noch gelten lassen. Wirkliche Kosteneinsparungen sind aber nur bei der Universitätsleitung möglich. Und da könnte Märk, als bestbezahlter Rektor Österreichs, mit seinem Team beispielgebend vorangehen. Auch der Universitätsrat der HauptUni ist völlig überbezahlt.

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Gast2
04.09.2012 12:15
0 0

Re: Re: Re: Re: Argument für Fusion?

Eben, die Verwaltung ist ein gewichtiges Argument.

Vom Rektorat, Unirat, ZID, PR, usw wurden Strukturen einfach verdoppelt. Das reicht schon als Argument für eine Fusion. Ein sehr gut bezahlter Rektor in Innsbruck reicht!

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