FH Oberösterreich will Doktoratsprogramme forcieren

19.08.2012 | 18:24 |   (Die Presse)

Die FH Oberösterreich will ein Fünftel der 500 Studienplätze, die das Ministerium in Aussicht gestellt hat. FH-Geschäftsführer Gerhard Reisinger will Kooperationen mit Unis weiter ausbauen.

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Wels/Red. Das Ziel der Fachhochschule (FH) Oberösterreich ist ambitioniert: Hundert der 500 Studienplätze, die das Wissenschaftsministerium im Zuge des FH-Ausbaus in Aussicht gestellt hat, sollen nach Oberösterreich gehen.

Grund für die durchaus offensive Forderung: In den vergangenen Jahren habe sich bereits ein „Stau“ an neuen Themen gebildet, sagt Gerhard Reisinger, Geschäftsführer der FH Oberösterreich. Da kommt es nicht ungelegen, dass das Ministerium gerade den technischen Bereich zu einem der Schwerpunkte beim Ausbau der Studienplätze erklärt: 75 Prozent des Angebots an der FH Oberösterreich bewegen sich in diesem Bereich. Und das soll auch so bleiben, denn: „Ich werde den Teufel tun, und etwa in eine geisteswissenschaftliche Richtung gehen. Das können die Unis wesentlich besser“, sagt Reisinger.

Ebenso wenig wolle sich seine Fachhochschule in die neue Lehrerausbildung einmischen – anders als etwa die FH Technikum Wien, die ihre technische Kompetenz auch in die Pädagogenausbildung einbringen will („Die Presse“ berichtete). Es reiche, dass sich Unis und Pädagogische Hochschulen um die Lehrerausbildung „streiten“, hier brauche es nicht noch einen „dritten Player“, so Reisinger.

Forciert werden sollten dagegen Kooperationen zwischen FH und Universitäten – vor allem im Hinblick auf Doktoratsprogramme. Die Fachhochschule wolle sich nicht damit zufriedengeben, die Studierenden nach Abschluss eines Masters „ausschwärmen zu lassen und zu sagen: Macht euren Doktor anderswo“, so Reisinger. Gemeinsam mit den Unis wolle man deshalb an Programmen arbeiten, die ein Doktorat auch an einer Fachhochschule ermöglichen. Die FH Oberösterreich sei in diesem Zusammenhang ohnehin Vorreiter: Sie war bereits am österreichweit ersten gemeinsamen Studiengang von Uni und FH beteiligt, einem Modell, das es mittlerweile auch an anderen Standorten gibt. In puncto kooperativer Doktoratsprogramme sende man nun „ein Signal Richtung Ministerium“.

Das Problem: In Österreich gibt es – im Unterschied zu Deutschland – keine gesetzliche Grundlage für derartige Programme. Die Forderung stehe zwar in diversen Papieren, die die Fachhochschule an das Wissenschaftsministerium gerichtet habe. Dass es hier bald zu einer Gesetzesänderung kommen werden, glaubt Reisinger dennoch nicht. Aber: „Ich glaube man denkt dort (im Wissenschaftsministerium, Anm.) darüber nach.“

 

Gesetz entscheidet nicht allein

Wären gemeinsame Doktoratsprogramme von Fachhochschulen und Unis gesetzlich verankert, würde das eine Vereinfachung für die Zulassung zum Studium sowie für die Anrechnung von bereits absolvierten Kursen bedeuten. Ein Gesetz sei wichtig, um „nicht bei der Beliebigkeit hängen zu bleiben“. Auch für die FH als Institution sei ein Gesetz wichtig – denn kooperative Programme würden eine viel höhere Verbindlichkeit schaffen. Für das Gelingen gemeinsamer Programme sei ein Gesetz allein allerdings kein Garant, so Reisinger.

Es hänge, wie so oft, auch vom Willen der einzelnen Institutionen ab: „Dort, wo die Institutionen nicht miteinander können, wird auch ein Gesetz nichts ändern“, sagt Reisinger. „Auch wenn es die Sache erleichtern würde – keine Frage.“ Dort, wo es funktioniere, hätten Fachhochschulstudierende jedenfalls bereits jetzt „alle Chancen auf ein Doktorat“, sagt Reisinger. „Unabhängig davon, welche Plattitüden sich in den offiziellen Statements finden“.

Auf einen Blick

Die FH Oberösterreich bietet an den Standorten Hagenberg, Steyr, Linz und Wels insgesamt 49 Studiengänge in den Bereichen Informatik, Kommunikation und Medien, Gesundheit und Soziales, Management sowie Technik und Umweltwissenschaften an. Derzeit studieren dort 4746 Menschen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.08.2012)

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3 Kommentare

logische Konsequenz...

Der Ansatz den die FH Oberösterreich verfolgt ist für mich nachvollziehbar: Einen Dr. auf der UNI / TU / MU machen ist schwer und aufwändig -> wir brauchen einen "schnellsieder FH Dr."

Hab im Laufe meines Studiums einige Kommilitonen erlebt welche als FH Absolventen an der TU ihren Dr. machen wollten.
Ein Großteil hat bereits nach den ersten Ergänzungsprüfungen das Handtuch geschmissen!
Ich finde ein Zitat eines solchen FH Absolventen Kollegen beschreibt die Situation recht passend. "Ich hab in meinem Leben noch nie soviel mit Mathematik zu tun gehabt" (Er hat gerade an den Ergänzungsprüfungen aus dem Ersten Semester gelernt Mathe 1 und Statik)

Re: logische Konsequenz...

Danke - ihr Posting sagt alles, was ich schreiben wollte!

Gast: Bettelstudent
20.08.2012 08:53
2

In den 70er Jahren

hat jeder Jurist mit seinem Regelabschliss einen Doktor bekommen. Das ist auch das erklärte Ziel der Fachhochschulen.

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